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Beilage zu Jlr. 217 desAchmer Anzeiger"

Berlin, 14. September. Zu den schwierigsten Aufgaben der heutigen Ver­waltung gehört die Reinhaltung der Gewässer von schädlichen Stoffen. Abgesehen von der Fischerei erheischen die gewichtigsten Rücksichten der Gesundheitspflege dringend die Reinheit der bedeutenderen Gewässer. Die Interessen der Gewerbsthätigketr, sowie diejenigen der Abführung der gesundheitsschädlichen Stoffe, insonderheit der Fäcalien aus großen Städten und ähnlichen dichtbevölkerten Ortschaften, stehen damit in zum Theil noch ungelöstem Widerspruch. Theils sind ausreichende Methoden der Des- infection der Ablaßwässer überhaupt noch nicht erzielt, theils sind sie noch zu kost­spielig, um ohne Gefährdung der wirthschaftltchen Prosperität communaler und privater Unternehmungen durchgeführt werden zu können.

Die in England mit Erfolg unternommenen Versuche, auf elektrischem Wege eine Scheidung der schädlichen und der unschädlichen Beftandtheile der Abwässer herbet- zuführen, sind daher auch für uns von besonderem Interesse. Aus Anlaß eines Berichts des bet der Kaiserlichen Botschaft in London attachtrten Technikers ist von dem Ministerium für Handel und Gewerbe nicht nur die theoretische Richtigkeit dieser Methode, sondern auch die Möglichkeit und Preiswürdigkett der Durchführung derselben im Großen zum Gegenstand eingehenden Studiums gemacht. Zur Zeit liegt die Frage der Königlich technischen Deputation für Gewerbesachen vor. Von dem Ergebnitz der Untersuchung dieses Sachverständigencollegs wird es wesentlich abhängen, welche practische Bedeutung jene Experimente für uns gewinnen werden.

Vermischtes.

Darmstadt, 16. September. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde ertheilt durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 21. August den Mitgliedern der freiw. Feuerwehr zu Bingen: Johann Baptist Schmitt, Adam Joseph Racke, Wilhelm Dulcius, Kaspar Gregori, Carl Beckhaus, Franz Bartholme, Earl Beck, Joseph Feyen, Johann Baptist Hilsdorf, Friedrich Joseph Pennrich, Franz Rudolf, Joseph Rudolf, Georg Trautwein und Heinrich Burkart.

Frankfurt a. M., 16. September. Die Jagd auf Hasen, Dam- und Rehwild beginnt heute in hiesiger Gemarkung. In früheren Jahren waren die Schützen in der Nacht, welche der Eröffnung der Freijagd vorherging, zu festlichem Gelage versammelt, um dann bei Tagesgrauen hinaus in den Unterwald zu ziehen und ihr Jagdglück zu versuchen. Der erste Tag brachte stets eine Anzahl Hasen, Rehe und Schaufler zur Strecke, die dann Abends im Triumph in Sachsenhausen eingeholt wurden und rasch verkauft waren. Diese Jägerherrlichkeit hat nunmehr, nach der Entscheidung des Königlichen Ober-Verwaltungs-Gerichts in Berlin, ein für alle Mal aufgehört.

Düsseldorf, 15. September. [UeberHftet.J An das hier vorgekommene Eisenbahnunglück knüpfte sich eine heitere Geschichte. Einem Schüler wird von einem Lehrer die Verhängung einer Strafe verkündet, weil er geraucht habe. Der junge Mann leugnete mit edler Dreistigkeit, daß er diesesVerbrechen" begangen habe. Der Lehrer:Haben Sie nicht am vergangenen Samstag Nachmittag die Locomotive ge­sehen, welche entgleist ist?" Schüler:Allerdings, aber ..." Lehrer: Auf einer der Photographien der Unglücksstätte stehen Sie mit abgebildet, mit einer Cigarre im Schnabel. Wollen Sie nun noch leugnen, daß Sie geraucht haben?" Wahrhaftig? Nein, dann allerdings nicht mehr!"

(Immer höflich.) Ein sächsischer Gymnasiallehrer wendet sich an einen langen Primaner, der einen starken Schnurrbart trägt:Heeren Se, mei kutester Pieper, ich habe Se heile gehört, daß Se eenen Schnurrbart dragen. Ich berseenltch habe ihn noch nicht gesähen und möchte ihn ooch nich sähen, denn ich gann Schnauz­bärte fiern Doht nich leiden. Ich bitt' Se darum, lassen Sie ihn verschwinden, und zwar jo balde als mecglich."

sEtn Unglücf tnb.) Von Preußen als Russe ausgewiesen und von z den Russen als Preuße per Schub über die Grenze geschafft zu werden, diesem sonder­baren Fangballspiel ist ein Herr F. zum Opfer gefallen, der, einer uralten Berliner Familie angehörig, sich jetzt in der Reichshauptstadt befindet, um dort beim Minister die letzte Hilfe zu suchen, nachdem er überall abschlägig beschieden worden. Urgroßvater und Großvater des Herrn waren in Berlin geboren und gestorben, sein Vater, gleich­falls ein Berliner Kind, wanderte 1832 nach Rußland aus, und dort wurde der Un­glückliche, von welchem berichtet wird, 1836 geboren. Da der Vater weder damals noch später die russische Staatsangehörigkeit erwarb so wurde auch der Sohn als Preuße von den russischen Behörden betrachtet. Anfangs der 60er Jahre verließ F. Rußland, zog nach Preußen zurück und machte sich seßhaft in einer kleinen schlesischen Stadt, in welcher er, von seinen Mitbürgern allgemein geachtet, mehr als 20 Jahre sein Geschäft betrieb. Da traf ihn eine Ausweisungsordre, welche ihn, als im Aus­lande geboren, allen Reklamationen zum Trotz, nach Rußland zurückwies. Dortselbst wollte man ihn als Russen nicht anerkennen, gestattete ihm und seiner Familie indessen vorübergehend den Aufenthalt, bis er endlich vor wenigen Monaten auch von dort, weil er ein preußischer Unterthan ist, des Landes verwiesen wurde. Ein Gesuch um Naturalisirung ist von den schlesischen Provinzialbehörden abschlägig beschieden worden, so daß der Bedauernswerthe nunmehr in seiner Noth nach Berlin gekommen ist, um beim Ministerium wenigstens die Erlaubniß, in Preußen zu leben, sich zu erbitten. Daß der früher in guten Verhältnissen lebende Mann inzwischen total verarmt ist, braucht wohl nicht besonders erwähnt zu werden.

(Ein »Rebhühner-Schnellzug".^ Seit Beginn dieses Monats geht alltäglich ein Train mit den merkwürdigsten Passagieren von Wien nach Paris ab. Jedem Etlzug, der seinen Weg nach der französischen Hauptstadt nimmt, sind nämlich einige Waggons angeschlossen, welche als Passagiere Rebhühner enthalten, geschossene natürlich. Rebhühner gelten seit langer Zett zu den ausgesuchtesten Delicatessen an der Seine und selbstverständlich ist von jenem Tage an, da der Eiffelthurm seinen Schatten über Paris wtrtt, die Nachfrage nach diesem Leckerbissen nun arg gestiegen. Interessant ist, daß der Preis der Rebhühner in Paris ähnlichen Schwankungen unter­worfen ist, wie irgend ein gangbares Papier der Effectenbörse. Der Preis variirt ost um mehrere Francs. Im Durchschnitt beläuft er sich auf 2.50 bis 3 Francs, steigt aber in der haute saison bis 5 Francs und höher.

Ein Bismarck-Museum soll in Berlin errichtet werden. An dem Unter­nehmen ist, wie diePost" mittheilt, schon seit mehreren Jahren in der Stille gearbeitet worden. Heute besitzt es nahezu sämmtliche Über den Reichskanzler erschienene Schriften, eine stattliche Zahl von Btldtssen aus verschiedenen Lebensjahren, ferner viele Lob- und Spottgedichte, sogenannte Btsmarck-Jndustrie-Artikel rc. Die Eröffnung soll am 75. Geburtstage des Reichskanzlers, am 1. April 1890, erfolgen. Mit den nöthigen Vorbereitungen ist der Verlagsbuchhändler Paul Hennig in Berlin Wv Wtnterfeldt- straße 10, betraut.

sHeiteres von der Pariser Weltausstellung.) Pariser Blätter erzählen folgende Geschichte von einem Provinzialen, der nach Paris zum Besuche der Weltausstellung gereist ist und dort durch einen gelungenen Gaunerstreich um das ganze Geld gebracht wurde, das er nach Paris mitgenommen. Ein sehr wohlhabender Pächter von den Ufern der Garonne, Namens Effelak, war in Paris in einem Hotel der Straße Vaugireau abgestiegen. Von seiner langen Promenade durch daS Marsfeld ruhte er sich in einem Eaf6 aus, wo er die Bekanntschaft eines Individuums von ' vornehmer Haltung machte, das sich neben ihn gesetzt hatte und ihm erzählte, daß er aus der Provinz nach Parts gekommen wäre, um sich die Ausstellung anzusehen, aber sich tödtlich langweile, weil er gar Niemanden kenne. Effelak gestand, daß ihm die Einsamkeit ebenfalls nicht gefiel. Nach einer kurzen Unterhaltung wurden beide die besten Freunde der Welt. Der Fremde theilte Effelak mit, daß er feine Reise benutzt hätte, um eine Erbschaft einzukassiren.Ich", so sagte er,habe 20,000 Francs bet mir und ich bin sehr besorgt. Paris ist mit Taschendieben überfüllt. Ich fürchte, daß man mir mein Portemonnaie stiehlt, und andererseits möchte ich dasselbe nicht in t meinem Hotel zurücklassen; ich werde sie in der Umgebung von Paris vergraben- Sie werden, wenn Sie wollen, mit mir kommen." Die beiden Freunde reisten in der Thal

I üm anderen Morgen nach Meudon ab und nach einem opulenten Dejeuner, während t dessen der Freund Effelak's diesem eine Anzahl von Papieren zeigte, die den Bank- billets sehr ähnlich sahen, begaben sie sich in den nächsten Wald. Nachdem der Freund seine 20,000 Francs in einem Loch, das sie unter einem Baume gegraben, versteckt hatte, fragte er Effelak:Haben Sie nichts zu verstecken?" Effelak zog aus seiner ? Tasche acht Hundert-Francs-Billets, zwölf 20 Francs-Stücke, entledigte sich seiner goldenen Uhrkette, nahm dann seine Uhr und legte alles in das von feinem Freunde gegrabene Loch. Hrernach kehrten sie beide vergnügt nach Paris zurück und trennten sich gegen 1 Uhr Morgens, nachdem sie ein Rendezvous im Hotel der Straße Vaugireau verab-

3 redet hatten für den Morgen. Aber als Effelak vergeblich seinen Gefährten erwartete, wurde er argwöhnisch; er reifte sofort nach Meudon und lief nach seinem Versteck. Natürlich war sein Argwohn ein sehr begründeter; es war in dem Versteck nur das

! Portefeuille seines Freundes zu sehen.

Ein Katzenmarkt ist gewiß etwas apartes. In Paris wird der Handel mit Katzen sehr stark betrieben. Eine Frankfurter Dame kam auf ihren Wanderungen durch Paris auf einen Platz am OuaiMarch6 de fleurs und war nicht wenig , erstaunt, daselbst nebst Vögeln in Käfigen auch Katzen in Käfigen zum Verkaufe aus­gestellt zu sehen. Es waren zumeist die prächtigsten jungen Angora-Kätzchen von weißer und schwarzer Farbe, welche zu sehr bescheidenen Preisen, das Stück zu 10 Sous (V2 Fr.) bis 1 Fr. verkauft wurden. Katzenfreundinnen, welche die Pariser Welt­ausstellung noch besuchen, werden gewiß nicht versäumen, diese lieben Mitzchen einmal aufzufuchen.

NaiverstlLis - tzhroaiL.

Zwei Fakultäten der in Freiburg (Schweiz) geplanten Universität sollen irn November eröffnet werden. Berufen sind für die Universität Studienlehrer Dr. ©türm in Würzburg, Prioatdocent Wolff in Bonn für Philologie, Jostes- Münster für Literatur, Bauführer Effmann-Verden für Kunstgeschichte.

An der Universität Jena sind zur Zeit erledigt die Ritter-Professur (Zoologie), welche aus einer Prioatstiftung unterhalten wird, und eine ordentliche Professur für Chemie, mit welcher die Stelle des Directors des chemischen Labo­ratoriums verbunden ist. Der Inhaber der ersten Professur, Dr. Lang, langjähriger Assistent von Professor Häckel, bat eine Berufung nach Zürich angenommen, die andere Professur ist in Folge Ablebens ihres Inhabers, Hofrath Genth er, frei geworden.

In Salzburg soll bekanntlich eine katholische Universität gegründet werden, aber es will nicht gelingen, die erforderlichen Kapitalien aufzubringen. Das ange­sammelte Vermögen beläuft sich erst auf 58,000 fl.

In Odessa ist, wie derNow. Tel." meldet, das Curiosum vorgekommen, daß die Professoren das 25. Jubiläum ihrer Universität, welches im Juli feierlich begangen werden sollte, vergaßen.

Literarisches.

Geschneit hat es zwar noch nicht, doch wenn der Wind über die Stoppeln fegt und die Vögel ihre Sommerquartiere verlassen, dann ist auch der Winter nicht mehr allzufern und die Zeit gekommen, in welcher vorsichtige Familien Vorkehrungen treffen, um den kalten unheimlichen Gast würdig zu empfangen. Und wahrlich, nicht wenige solcher Arbeiten sind in einem geordneten Haushalte oorzunehmen. Wie wohl thut es nun, hierbei einen Freund und Berather zur Seite zu haben, der über alle Fragen auf dem Gebiete des Hauswesens Rath und Auskunft ertheilt, der uns sorgen hilft, unser Heim traulicher zu schmücken und die Abende bei knisterndem Kaminfeuer uns wohliger zu machen, der uns reiche Anregung zu ernster Beschäftigung, zur Unter­haltung und Belehrung, zu frohem Spiel und Scherz gibt. Wir meinen die in kurzer Zeit den 8. Jahrgang beginnende praktische Wochenschrift für HausfrauenAÜrs Harrs*. Möchte dies empfehlenswerthe Blatt beim Beginn des neuen Jahrgangs bei recht vielen Familien seine Einkehr halten. Die geringe Ausgabe von 1 pro Vierteljahr büfte Niemanb gereuen. Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen und Postämter, sowie auch die GeschäftsstelleFürs Haus" zu Dresden an.

Die nahende Herbstsaison lenkt das erhöhte Interesse unserer Frauen wieder auf die großen deutschen Modezeitungen, unter denen der allbekannte »Stajat* nach wie vor seine hervorragende tonangebende Stellung behauptet. Durch seine eminente Nützlichkeit für die Frauenwelt ist derBazar" seit Jahrzehnten ein wohlgeschätzter und in der That notwendiger Factor des häuslichen Lebens geworden. Ueberall, in der Stadt und auf dem Lande, ist derBazar" der unentbehrliche Rathgeber, der die zweckmäßigste Anleitung zur Selbstanfertigung der Damen- und Kindergarderobe, die geschmackvollsten Vorlagen zur Handarbeit darbietet und in allen hauswirthschaftlichen, kosmetischen und praclischen Lebensfragen die schnellste und zuverlässigste Auskunft gewährt. Die reich ausgestatteten Unterhaltungs-Nummern haben denBazar" durch ihren vielseitigen, interessanten, dabei mit größter Sorgfalt ausgewählten Lesestoff und durch prachtvolle künstlerische Illustrationen seit lange schon zu einem Familienblatte allerersten Ranges erhoben.

All den Leidenden, die nicht in der Lage sind, ein trauliches Heim ihr eigen zu nennen, und denen es in Folge der complicirten Bereitung der verschiedenen beef-teas und Kraftsuppen erschwert, bisher oft nicht möglich war, für ihre angegriffene Gesundheit entsprechend zu sorgen, wird jetzt durch Kemmerichs Fletsch-Pepton ein unschätzbares Heilmittel geboten. Der angenehme, kräftige Geschmack und die leichte Löslichkeit machen das Fabrikat zu einem kräftigen Belebungsmittel, wenn es in Dosen von 20 bis 30 Gr. mit Cacao, Wein oder selbst mit Wasser gemischt wird, während 50 Gr. zur Förderung der Verdauung und zur stärkeren Muskelentwickelung beitragen. Es erhellt hieraus die Wichtigkeit von Kemmerichs Fleisch-Pepton in all den Krankheitsfällen, wo Fleisch, Milch und Eier dem Gejchmack widerstehen oder nicht ver­daut werden können. 7313

Von Köln a. Rh. wird uns mitgetheilt, daß von der Jury der Inter­nationalen Ausstellung für Nahrungsmittel und Hausbedarf der Nährmittelfabrik Krank & Co. in Bockenheim für ihre ausgestellten Nährmittel: »Rademann'S Kindermehl* und ^Franks Avenaeia* die höchste Auszeichnung,die goldene Medaille, zugesprochen worden ist.

Die Ausstellung zeigte sämmtliche Phasen der Lerftellungsweise beider Nähr­mittel, aus welchem der Schluß gezogen werden mußte, daß mit größter Sorgfalt und Peinlichkeit bei Auswahl der Rohstoffe und bei der Fabrikation verfahren wird, Faktoren, welche gerade bei Nährmitteln Krank'- Avenaeia für Magenkranke, Reconoalescenten, schwache Personen rc. berechnet, und noch viel mehr bei der Ernährung kleiner Kinder hauptsächlich in's Gewicht fallen.

Die erhaltene Auszeichnung wird für die Fabrikanten ein Sporn fein, stets tadellose Präparate herzustellen, und somit den errungenen vorzüglichen Ruf, welche diese beiden bereits jetzt schon bei den Aerzten sowohl als auch in allen Schichten der Bevölkerung genießen, zu befestigen und zu erhalten.

3NF* Unregelmäßigkeiten in der Zustellung des Anzeigers bitten wir sosort zuZ unserer Kenntniß zu bringen Wamit wir in der Lage find, Abhülse schaffen zu könnens

Expedition desGießener Anzeiger."