Nr. 215. Drittes Blatt. Sonntag den 15. September 1889.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
S ch u l st r a b - 7. ' Erichs ttgli» mit Ausnahme des Montags V"ch
Amtlicher Hßeil.
Betreffend: Die Dekanatssynoden im Jahre 1889. Wieseck, am 13. September 1889.
Das Großherzogliche evangelische Dekanat Gießen
an die geistlichen und weltlichen Abgeordneten zur DekanatSfynode.
Aus Versehen wurde der Gottesdienst am Tage der diesjährigen Synode (25. September) auf 9V2 Uhr angesetzt. Derselbe nimmt vielmehr schon Uhr fernen Anfang. Ferner wird ausdrücklich, um Mißverständnissen vorzubeugen, bemerkt, daß auf dieser Synode auch die Wahl der Stellvertreter (geistlicher und weltlicher) der Abgeordneten zur 4. Landessynode stattfinden wird.
______ Wahl.
Darmstadt, 13. September. Aus Minden, 11. September, wird der „Darmst. Ztg." gemeldet: Seine Königliche Hoheit der Gtoßherzog vegabm sich heute Vor- mitag 8 Uhr nach dem Paradefeld des VII. Armcecorps bei Minden, woselbst um S Uhr Seine Majestät der Kaiser eintrafen. Auf dem rechten Flügel des ersten Treffens haltend, empfingen Seine Königliche Hoheit als Jnspecteur der 3. Jnspection Seine Majestät und begleiteten den Kaiser während des Abrettens der Front. Beim ersten Vorbeimarsch cotoyirten Seine Königliche Hoheit an der Tete der Infanterie und kehrten dann am Schluffe der Parade 12Va Uhr nach Minden zurück. Zum Frühstück bei ©einet Königlichen Hoheit war Exc. Frhr. von Los, commandlrender General des VIII. Armeecorps, und der begleitende Generalstabsosfizier Major von Holstein geladen. — Um 7 Uhr Abends wohnte Seine Königliche Hoheit dem Paradediner im hiesigen Gymnasialgebäude und später dem großen Zapfenstreich vor der Villa Leonhardt, der Residenz des Kaisers, bei.
t “»• Darmstadt, 13. September. Ihre König!. Hoheit die Frau Prinzessin Heinrich von Preußen traf heute Vormittag 11 Uhr 20 Min. hier ein und setzte nach kurzem Aufenthalt ihre Reise nach Jugenheim a. d. B. fort, wo sie ihre Schwester, die Prinzessin Victoria, Prinzessin Ludwig von Battenberg, auf Schloß Heiligenberg, längere Zeit zu besuchen gedenkt.
— Seine Königliche Hoheit der Großherzog werden den Manöoern des 7., 8. und 11. Armeecorps, aus welchen bekanntlich Höchstdessen 3. Armee-Jnspectton besteht, beiwohnen und daher erst am 26. d. M. hier zurückerwartet.
Aus dem Großherzogthum Hesse«, 13. September. Am 25. September dieses Jahres veranstalten eine größere Anzahl hessischer Landwirthe gemeinschaftlich eine Besichtigung der drei badischen feldbereinigten Gemarkungen Heidelberg, Rohrbach und Kirchheim. Die Zusammenkunft ist in Heidelberg Morgens 8 Uhr 22 Mtnutm bei Eintreffen des Main-Reckar-Bahnzuges am Bahnhofe. Die Theilnahme ist jedem Interessenten, auch ohne vorherige Anmeldung, gestattet. Von Setten des Großh badischen Landwirthschafts-Jnfpectors Schmezer in Ladenburg ist auf das bezügliche Ansuchen hin das bereitwilligste Entgegenkommen gezeigt worden.
Berlin, 12. September. Bekanntlich war dem Vorstande der Deutschen Allge- metnen Ausstellung für Unfallverhütung ein Betrag von 10,000 von dem Verbände deutscher Privat-Feuerversicherungs-Gesellschaften zur Verfügung gestellt, um denselben zu Belohnungen für hervorragende Leistungen auf dem Gebiete des Schutzes gegen Feuersgefahr zu verwenden. Das Preisgericht hat nunmehr prämttrt: H. Lorentzen-Hamburg, Shaftesbury-Pctroleum-Zimmerlampe; W. Kersten- Berlin, Petroleum-Zimmerlampe; G. Zimmermann - Stuttgart, Petroleumlaterne- Friemann u. Wolff-Zwickau, Sicherheitslaterne mit Paraffinfüllung und Magnetverschluß; R. Blankenhagen-Berlin, tragbare Glühlichtlaterne mit Accumulator- Jos Beduwe-Aachen, Collection Handdruckspritzen; Gebr. Körting-Hannover, Dampfstrahl- spritze; L. Greiner-Bernburg, Hand(Stock)-Spritze mit Wasserbehälter; C. D. Magirus- Ulm, fahrbare Maschinenletter; I. A. Stahl-Nürnberg, fahrbare Balanceleiter- I Ch. Braun-Nürnberg, zweiräderiger Schlauch(Hydrantcn-)Wagen; P. Schwartz-Bocholt Handlöscher; Bopp u. Reuther-Mannheim, Unterflur-Hydrant; A. Gräbig-Toftlund Windkessel, um gewöhnliche Pumpbrunnen direct zu Löschzwecken nutzbar zu machen. Eine Anerkennung wird Seitens des Preisgerichts der Firma Krupp in Essen für ihre vorzüglichen Löscheinrichtungen ausgesprochen.
Vermischtes.
* Büdtsngen, 14. September. Die Oberhessische Industrie- und Gewerbeausstellung wird Sonntag den 15. September, Abends 6 Uhr, feierlich geschlossen. Mit dem Schluffe findet die Verkündigung der Prämtirung statt. Die ursprünglich auf Montag den 16. September anberaumte Verloosung ist auf den folgenden Tag, 17. September, verlegt. Am Sonntag finden 3 Concerte der Offenbacher Feuerwehr-Capelle statt, davon das erste auf dem Ausstellungsplatze von 11 bis 1 Uhr Vormittags, das zweite von 3 bis 5Vr Uhr Nachmittags auf der Rosenhöhe, das dritte von 8 bis 11 Uhr Abends im Rathhaussaale.
--- Frankfurt, 13. September. Der vermeintliche Juwelendieb erfreut sich wieder der goldnen Freiheit, nachdem er sein Alibi nachgewiesen hat. Ignaz Link hat "^t um seine Werthsachen erleichtert. Die Untersuchung hat ergeben, daß Link lediglich im Auftrage einer Winer Firma Pretiosen zu verkaufen suchte. Die auf die Ergreifung des Diebes ausgesetzte Belohnung von 4000 Jt ist also noch zu verdienen. 0
~ Der an dem Techniker Elsner verübte Raubmord harrt immer noch der Aufklärung. Die ausgesetzte Belohnung wurde von 300 auf 1000 jlt erhöht.
. r.. Der Mascharatscha von Johore, eines asiatischen Reiches der Halb- insel Malakka, wird morgen unserer Stadt einen mehrtägigen Besuch abstatten. Der- nhftL^rb «uJ'm T Ä6ri6cn,l®reunbc' .Herrn G. Katz, Mend-lssohnstr. 76 hier, hichg- Blätter melden habe der schwarze Krösus (er hat nämlich un- nmeßl,che e -ätze) eine besondere Vorliebe für Deutschland.
b, . Dresden, 10 September. (Französische Höflichkeit.) Eine kleine Scene, die eines politischen Beigeschmacks nicht entbehrt, spielte sich nach den „Dresd. Nacht." im Dresdener Ho theater bei Gelegenheit der Galavorstellung am Samstag ab. Den fremdherrlichen Offizieren war der erste Rang zu beiden Seiten der Prosceniumsloge gehalten worden In einer der beiden Logen hatten sich der englische Militär- bevollmächtigte und einer der beiden französischen eingefunden und hatten, da sie die ersten waren, auf den Vorderplatzen an der Brüstung Platz genommen. Einige Minuten später erschien einer der russischen Militärbeoollmächtigten, der sich auf einem rück- ^uhle niederlassen wollte. Den Russen sehen, aufspringen und ihm seff.en Vordersitz anbieten, war für den Franzosen das Werk eines Augenblicks. Der Russe
I wehrte sich natürlich als höflicher Mann, den Vorderplatz einzunehmen, aber vergeblich ; Der Franzose drang in ihn so inständig, sich hinter ihn setzen zu dürfen, daß der Russe i lächelnd nachgab. Dieser Auftritt wurde Seitens der fremdherrlichen und deutschen i Offiziere viel bemerkt.
— Eine praktische Sitte, bei Hochzeiten das Beschenktwerden mit mehreren Gegenständen derselben Art zu vermeiden, besteht in der Nordschweiz. Dort fertigt das Brautpaar einfach einen Wunschzettel an, auf dem die Sachen verzeichnet sind, welche es sich zur Ausschmückung ober Ausstattung seines Heims wünscht. Derselbe wandert von Verwandten zu Bekannten in der Stadt und auch in die Fremde und Jeder streicht die Sache aus, welche er nach seinen Verhältnissen und Pflichten zu geben für gut findet. Diese Art und Weise, sich über die Gaben für das junge Paar zu einigen, verdient entschieden Nachahmung.
Literarische».
,lt[UniDerfum.] In rascher Folge sind Heft 15 und 16 der illustrirten Zeitschrift »Universums redtgirt von Jesko von Puttkamer, im Verlage von E. Friese in Dresden, erschienen und bieten zunächst in illustrativer Hinsicht wieder ganz hervorragende Leistungen. Kunstblätter wie „Andacht" von E. Simm und »Das ist der Tag des Herrn" von Woldemar Friedrich in Lichtdruckreproduction müssen jeden künstlerisch gebildeten Geschmack zufrieden stellen. — Neben dem spannenden Fortgänge der Novelle „Cöcile" von Theodor Fontane heben wir die reizende, humorvolle Dorfgeschichte „Die Glocke von Grußkirchen" von August Silberstein und die wunderbar ergreifende Erzählung des berühmten nordischen Schriftstellers H. H. Boyesen „Asathor's Rache hervor. — Sehr zeitgemäß und interessant ist der Aufsatz von Dr. H. Klencke „Alkohol und Cultur", ein sehr ernstes und wahres Mahnwort gerade an uns Deutsche' In ganz anderer Weise wird das Interesse des Lesers gefesselt durch einen nicht minder geistvollen Aufsatz aus der Feder Rudolf Stegmann's: „Der letzte Liebesbrief Jean Jaques Rosseau". Die sensationellen Briefe „Aus dem Sudan" von A. G. v. Suttner schließen mit dem Bericht über den grauenvollen Tod des österreichischen Consuls Hansa! bei der Eroberung Khartums ab. Wir erwähnen zum Schluß noch die geschmackvoll illustrirten und interessanten Aufsätze: „Ueberlingen", von Th. Stromer, mit Illustrationen nach der Natur von E. Thiel, und „die Bilder aus dem Vtntschgau" von F. Wichgraf, sowie einen den Manen Victor v. Scheffel's pietätvoll gewidmeten Nachruf von Dr I. Steinbeck. Den Schluß bildet wieder in beiden Heften eine reichhaltige und vielseitige Allgemeine Rundschau. Einen ganz besonderen Reiz haben auch diesmal wieder die Kunstblätter, welche in tadellosem Holzschnitt den beiden Heften beigegeben sind: „Lateinische Studenten" von Luis Ximenez, „Patrouillendienst bei Dresden" von H. Mühlig, „Eingeseift" von E. Hallatz, „Aus Venedig" von Adolf Echtler. Sehr liebenswürdig ist auch das Textbildchen „Bei der Arbeit" von G. Laeverenz.
Aus dem Gefchäftslebeu.
Stoch selten war ein Handelsartikel solchen heftigen Preisschwankungen unterworfen, wie tn den letzten Jahren Kaffee. Anlaß dazu gab in erster Linie die Speculation, welche in den bald günstigen bald ungünstigen Ernteschätzungen ihre eigentliche Stutze fand. Soviel aber steht fest, daß die vorige Ernte klein, die zetzige wohl grotz, aber sehr gering in Qualität und die nächstkommende wiederum klein sein wird. Unter solchen Aussichten werden weitere Schwankungen nicht aus- blerben und sind billige Preise, — wie solche früher, bei regelmäßig guten Ernten waren, - kaum mehr zu erwarten. Die jetzigen Notirungen - nicht übertrieben hoch - sind aber immerhin noch 30-40 Pfg. höher als vor einigen Jahren.
„ .Eine sparsame, praktische Hausfrau wird deshalb — um selbst bei hohem Preisstande dennoch einen guten preiswürdigen Kaffee zu erhalten - auf gute Qualität und richrige, rationelle Brennarl bedacht sein. Die Kaffee der Holländischen Kaffee-Brennerei H. Disguö & Co. (Schutzmarke Elephant) werden nach einer binderen Methode - wodurch das Berstüchten deS Aromas unmöglich ist - gebrannt und sinder.wegen ihrer Billigkeit und gehaltvollem Geschmack immer größere Anerkennung. (Verkaufsstelle« stnd durch Annonce« d. Bl. bekannt.) 6889
Bro-preise
vom 15. bis 29. September 1889.
er Brodverkäufer
Pfb.) Weißdrod . ... 27
* ) „ 54
„ ) Schwarzbrot) 1. Sorte 25
* ) Schwarzbrot» 1. Sorte 50
* ) Schwarzbrot) 1. Sorte
» ) Schwarzbrot) 2. Sorte 23
* ' Schwarzbrot) 2. Sorte 46
• ) Schwarzbrot) 2. Sorte 69
der Bäcker
1 Kgr. (2 Pft<
Weißbrot) .
Weißbrod .
'4 Pfd.
>2 Pfd.'
2
1
2
1
Kgr. (2
, (4
, (2
, (4
. 27
. 54
be; K. Lenz 22
2 „ (4 Pfd.) Schwarzbrot) 2. Sorte 46 bet K. Lenz 44
3 „ (6 Pfd.) Schwarzbrot) 2. Sorte
bei K- Haas, I. Lein, L. Schneider, L. Keil 69
, r Schwarzbrot) 1. Sorte 25
4 Pfd.) Schwarzbrot» 1. Sorte 50
2 Pfd.) Schwarzbr^d 2. Sorte 23
1
2
1
2
3
1
2 ; (4
3 , (6
Gießen,^den 14. September 1889.
Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius.


