Ausgabe 
15.9.1889 Erstes Blatt
 
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Nr. 2615. Zweites Blatt. Sonntag den 15. September 188S>

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

rvttreanr Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MorrtagS.

- Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Betreffend: Maßregeln gegen die Tuberkulose der Rindvieh». Gießen, am 11. September 1889.

Das GroHerzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien de- «reise- mit Ausnahme der Stadt Gießen.

hPMrorf- 7l 2 3 4.F, beauftragen Sie , aus den Tagebüchern der Aeischbeschauer und deren Stellvettreter einen Auszug nach nachstehendem Muster iu sertiaen und ca zum 30. d. Ms an das zuständige Großherzogliche Kreisvetertnäramt einzusenden. Diesen Auszügen sind die Taaebüc^er der

betreffenden Fletschbeschauer betzulegen, damtt das betr. Großherzogliche Kreisveterinäramt Einsicht von denselben nehmen kann. $

v. Gagern.

____________Auszug aus den Tagebüchern der Meifchbefchauer der Gemeinde ....

1. Gesammtzahl der im Jahr 1889 geschlachteten Stücke Rindvieh ......

2. Davon waren tuberkulös ...................

3. Von den tuberkulösen Stücken wurden für genießbar aber nicht ladenrein erklärt . . .

4. Von den tuberkulösen Stücken wurden für ungenießbar erklärt . .

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Jeder <par»«mew Hausfrau empfehlen xnr raschen Bereitung

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, ^(Scharfsinnige Diagnose.) Ein englisches Blatt verzeichnet einen ganz merkwürdigen Todesfall. In einem Londoner Jrrenhause wurde nämlich vor kurzer Pflegling an einem Fenstet^reuze erhängt gefundm. Die zur Fest- stelluug des Vorfalles berufene Commission stellte folgenden Leichenbefund aus:Mary Ann Dudley, 33 Jahre alt, erlitt den Tod durch eine hochgradige Herzverfettung, welcher burch Strangultrung am Halse von eigener Hand wesentlich beschleunigt wurdet Merrwuroig!

E \ r ^^bwttz, meinen Andere, und noch mehr: der Griffel des Zeichners und der Pinsel des Malersi haben sich bet der Aufgabe, die hohen Gestatten und die wunder­baren Gesichte des Dichters im Bild darzustellen, erschöpft; sie sind lahm geworden/' Diese neue Ausgabe belehrt uns eines andern. In jedes Lesers Seele spiegelt des VA sich Wieder anders und wie jeder große Mime z. B. einen Tell etgen- ihüwlich^ auffaßt und darstellt so schaut jedes Künstlers Auge die Gestatten, welche der Dichter geschaffen, von verschiedenem Standpunkt. Es ist eine alte, wohlbekannte nb b°ti wieder eine neue Welt, welche der Stift des Zeichners und die verotel- falttgende Kraft des Kunstgewerbes in dem reichen Btlderschmuck dieser neuen Schiller- 9TM*a?k'-ü0r Man freut sich der alten lieben Bekannten, wieHektors

Abschied ,Kassandra ,Das Lied von der Glocke" doppelt, wenn man Wort und Bild in so enger Verbindung erblickt; die neue Nachbarschaft und schöne Begleitung verleiht neue Anziehungskraft und reizt zu lebendigem Verkehr. Neben diesen gelungenen Illustrationen erscheinen auch die wetteren Zugaben, die in markigen Zügen ausgefühlte Bto^aphte des Dichters sein Bild (nach Dannecker), das Haus, da seine Wiege stand, die Gruft, wo sein sterblich Theil ruht, das schöne Autograph seiner an dm Freiherrn von Dalberg gerichteten Widmung des Tell u. a. werthooll und der sonstigm Aus- stattung würdig. So ist denn nicht daran zu zweifeln, daß auch dieser Schiller auf der Reise, die er anzutreten im Begriff ist und zu der er so reich mit allem Nöthigen versehen ist bet den alten Freunden ein freundliches Plätzchen finden und bei neuen Bekannten freundlich willkommen geheißen wird. Am liebsten wird er sich bei fest- lichen Gelegenheiten etnstellen, wo die Liebe dem Geburtstagskind oder das Christkind der fröhlichen Weihnachtsschar den Tisch deckt. y 1

Larrdel und MerLehr.

(Belegen von Wagenplätzen.j Eine neue Bestimmung, welche dem Vernehmen nach demnächst auf der Eisenbahn in Kraft tritt und gehandhabt werden iC W bieCobl. Ztg." zur Warnung des Publikums mit. Es ist nämlich wiederholt oorgekommen, daß auf den Stationen Personen, die nicht reisen und nur ihre Angehörigen oder Freunde zum Bahnhofe geleiteten, Plätze in den ankommenden oder zur Abfahrt berettstehenden Wagenabtheilungen belegten, dann kurz vor der Ab- whrt aussttegen und so für eine oder zwei Personen die Abthetlung frei hielten. Die Dtrection der Rheinischen Eisenbahn hat nun angeordnet, daß die zur Revision be­stimmten Beamten hierüber strenge Controle üben sollen und die Betroffenen mit einer Strafe von 6 jl zu belegen sind. Auch die Stattonsbeamten haben Anweisung er- halten, auf diese Bestimmung mit Strenge zu achten.

... 7 2m Verlage von Carl Winter's Universitäts-Buchhandlung zu Heidelberg erschien soeben: Liederbuch für Deutsche Studenten. (Vierte verbesserte und vermehrte Auflage.) 12°, Preis eleg. in Wachstuch geb. nur 1 je, in Ganzletnwand- deAln mit Biernageln nur 1 JL 80 Dies Büchlein soll unsere Commersbücher nicht ersetzen. Aber die e sind zu umfangreich geworden. Nur eine kleine Zahl ihrer Lieder wird wirklich auf der Kneipe gesungen. Auch sind die Melodteen meist bekannt und leicht gelernt. Hier finden Sie eine Auswahl des Besten und Sangbarsten, ohne Melodteen, hübsch gedruckt in leichtem Wachslucheinband für jede Tasche, namentlich auch zum Gebrauch auf Ausflügen geeignet.

Vermischtes.

*0. September. Betreffs der Soldatenmißhandlungen durch ??O^esetzte in der deutschen Armee, die immer und immer wieder vorkommen, schreiben A Nachr.": Kaffer Wilhelm, als oberster Kriegsherr, steht den Fällen DOn ^°/barlcnu b"^^orgesetzte mit großem Unwillen gegenüber.

2 ?18 drtnz und später als Kronprinz von Preußen

unnachsichllich ieden derartigen Mißbrauch der Dtenstgewalt und » ®orfömmniffen vorzubeugen, indem er die Lehrer und Führer strengstens bebunc? ph' i ? rrfen'-* namentlich die Unteroffictere, zu deren Standes- , Abung seit 1864 so viel geichehen sei, zu der Erkenntniß kommen, daß Soldaten- * Ansehen des Unterofficierstandes und dem Allerhöchsten Willen ent-

ÄVUn,0K Ic^tcn Fällen von Soldatenmißhandlung, deren Einzel-

her ^intP^nffi?^ nicht unbekannt geblieben sind, hat derselbe strenge Vermahnung fnihrtHf Q»cjcr a Utbrt.b^ Mclere an ihre Ueberwachungspflichten des

gebens auch außerhalb der Dtenststunden, erinnern lassen. Möge dies

nicht ohne Erfolg bleiben! 0

Nordhausen, 9. September. (Kutscherrache.) Schauplatz einer furcht- Kutscherstube einer hiesigm Wirthschaft Neben d?m Asyl der Rosselenker liegt der häufig zu Tanzvergnügungen dienende Saal, und an Tanzabenden kam es oft vor, daß für die Dauer des Tanzes zahlreiche Kinderwagen ^H,brsiube^untergebracht wurden. Die Kutscher betrachteten das als einen Eingriff in hre Rechte und rächten sich dadurch, daß sie eines Abends die in den ?U^n 'chlafenden Kinder vertauschten. Man denke sich den Schrecken der Eltern, als rurückgekehrt, die Entdeckung machten, daß den Kinderwagen statt ihrer Lieblinge ganz fremde Sproßlinge entstiegen.

, 3 ~ t,Der neue Polizeipalast in Berlins Die Besichtigung des Neu-

Äl Polizei-Präsidialgebäudes seitens des Oberbürgermeisters und der W am Montag zwischen 12 und 2 Uhr statt. Der Ausdruck ''d^etsung des Gebäudes, dessen vollständige Durchwanderung vier volle Stunden b -r c«flP am P^tze, denn der Riesenbau umfaßt außer dem Reitplatz für die Schutzmannspferde neun größere Höfe und, abgesehen von den Ge- mehrere hundert Zimmer. Bis aus die Wohnungen der fceiben obersten

ffinra M0068 ^^i?^iehen e ngerichtet. In den Dienstzimmern stehen größten- theils schon bie neuen Tische, Stuhle, Schranke, Repositorien rc., bie Gefangenenzellen tonnen sofort bezogen werben, einschließlich ber eisernen Käfige, in benen man die rpmÜänn7; Uäbr.b eKn verrückten, aber doch tobsüchtigen Jndivibuen bänbigt.

^bnartige Gebäude harren schon ber bekannten grünen Wagen, mittels beren eSR?1 3Qr clLe ^b«l der auf Irrwege gerathenen Menschheit nach Nummer hr,h,nh tbirti ru werden pflegt. Für den Polizei-Präsidenten ist überreichlich gesorgt: orelundzwanzig Zimmer, darunter ein schöner Saal. Schade, daß der jetzige Träaer rdne0^^" nl0Clrom g?.Un86e!C?tc ift -Dretund,wan,tg Zimmer und

? 8 im Poli,-i-Pr-stdium beißen. Für den Geheimen Ober-Regie- F^ehheim, welcher den Polizei-Präsidenten zu vertreten bat, sind zwölf ?4ClC?etn ^ier herrscht gediegene Pracht. Die Beleuchtung der Heizung ^äumHd?fetten geschieht durch Gas, die Erwärmung durch Warmwasser-

8U helfen wissens Aurelien Scholl erzählt im

will ein naar Pbiph^rnfibo e: ^1° Künstler meldet sich bei einem Theaterdirector. Er fo Äranc^n^tn/ 8e<R u5?t dncn Charaktertanz ausführen; dafür verlangt er 1er mann kommt ?ir<ctor » ?n an und sucht in seinem Gedächtniß,

einer ffianbe?t?imnp6im T?antnt ÖOr m,,@inb ®ic nid)t einmal", sagt er bann,mit WntmnH n° r rUQ?t.C im Theater von Vernon aufgetreten?"Jawohl", war bie anber« " - Mt-si, l° 6°nz abscheulich!" -Ich konnte nicht

??öerd- . . i»®»efo denn?Der Director bezahlte seine Künstler nicht. Wenn 1$ nun gut spielte, wurde ich applaudirt, während ich vor Hunger fast starb. Spielte ch er Ichl-chi, fo warf man mich mit A-ps-ln, und ba hatte ich wenigstens etwas ou *ncn

in Pin^öl". lNutzen des Fernsprechers.) Kniet da ein Brautpaar am Altar

^r?c Zvnn, um copulirt zu werden, aber der Bräutigam, ber zu Köln unb irr einer dortigen Kirche proclamirt worden war hatte vergessen bie ^BCar^°P ere über geschehene Prociamatton miljubrlngen. Was nun machen? & , ' der Anwesenden »ur nächsten F-rnsprechst-lle und fragt« durch bie

Kölner Pfarrer zunächst gelegene F-rnsprechst-lle an. ob gegen bie

5er etwas oorltege. Der betreffende Kötner Pfarrer antwortete

mr rbcn?fc lcn W*ge:Das Paar kann copulirt werben", unb so konnte ber He" Pfarrer in Bonn in der heiligen Handlung fortfahren.

Literarische-.

, k EchMer» Gedichte. Neue iHuftrirte Ausgabe. Mit ca. 70 Illustrationen unb Ortgtnalzeichnungen beutscher Künstler, Lebensscizze unb Anmerkungen Zwölf Lis run^n L 50 Pfg. Stuttgart, Verlag von Paul Neff.

^vltte dmkM, es lasse sich auf diesem Felde nichts mehr machen.Was brauchts hier der Bllder? sagen die ©inen.Reden denn die unvergänglichen Harmonien des Genius nicht eine Allen verständliche unb zum Herzen ortngenbe l Sprache? Unb oollenbs bie Gebichte von Friebrich von Schiller! Sie leben ia in ber ©eele beö Volks; jebe Auslegung schwächt ben gewaltigen Einbruck, ber von ihnen