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2S8 Samstag den 12. October 1LL9.

Amts- und Anzeigtdlatt für den Kreis Gießen.

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Bureau, Schulstraße 7.Erschein, »glich mit Ausnahme des Montags. WaSWft

Amtlicher Hßeit.

Betreffend: Den Verkehr der Radfahrer auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen. Gießen, am 10. October 1889.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche noch mit Erledigung unseres Ausschreibens vom 30. August d. I. Gießener Anzeiger Nr. 177 im Rückstände sind, werden an alsbaldige Vorlage erinnert.

______________________v. Gagern._________ ____________________

Betreffend: Die Abhaltung von Faselschauen.

Bekanntmachung.

feel den am 16. September l. I. zu Hungen und am 18. September L I. zu Gießen abgehaltenen öffentlichen Faselschauen wurden die nach­stehend verzeichneten Thiere für tauglich erkannt, als Gemeindezuchtstiere Verwendung zu finden.

Gießen, am 8. October 1889. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

s

US

Q

Namen

Beschreibung der Fasel

Gutachten der Commission

Bemerkungen.

der Gemeinden

der Eigenthümer

Rasse

Alter

Farbe

1.

Villingen

die Gemeinde

Simmenthaler

Vk Jahr

rothscheckig

gut

durch Händler Wirthwein von Biebesheim aus der Schweiz eingeführt.

2.

Altwiedermus, Kreis Büdingen

tf n

v

W

gelbscheckig

sehr gut

desgleichen.

3.

Muschenheim

Simmenthaler-Kreuzung

1 Jahr

rothscheckig

gut (zu jung)

gekauft von Bürgermeister Bopp aus Bellersheim.

4.

Hungen

v. Oven

gelbscheckig

gezogen.

5.

1i/4 Jahr

rothscheckig

gut

gekauft von Konrad Depold aus Wölfersheim.

6.

Langsdorf

die Gemeinde

gelbroths^ tig mit Blässe

gekauft von Gg- Hch- Schneider aus Trais-Münzenberg.

7.

Langd

gelbrothscheckig

sehr gut

gekauft von Gemeinderechner Döll aus Borsdorf.

8.

Albach

Simmenthaler

10 Monat

gelbscheckig

gut (zu jung)

gekauft von Bürgermeister Konrad aus Blofeld; aus der

9.

Utphe

Fülberth

Simmenthaler-Kreuzung

li/4 Jahr

braunscheckig

gut

Schweiz eingeführt.

befindet sich im Besitze des Pachters Fülberth; verkäuflich.

10.

»

tf

11/2 Jahr

weiß und gelb gefleckt

tauglich

» ,, r verkäuflich.

11.

Nonnenroth

die Gemeinde

1* V

1 Jahr

gelbscheckig

sehr gut (zu jung)

gekauft von Carl Ulrich aus Södel-

12.

Häuser-Hof bei ObWiddersheim

v. Harnier

Vogelsberger

VkW

roth

gut

selbst gezogen; verkäuflich.

13.

desgl.

die Gemeinde

1 Jahr

gut (zu jung)

verkäuflich.

14.

Holzheim

Simmenthaler

11/4 Jahr

gelbscheckig

gut

gekauft von Gg. Hahn aus Bellersheim.

15.

Lich

PH. Zimmermann

Simmenthaler-Kreuzung

1 Jahr

rothscheckig

k.ut (zu jung)

auf dem Markte gekauft; verkäuflich.

16.

ff

ff 99

Vogelsberger

1^/4 Jahr

roth

gut

verkäuflich.

17

Heuchelheim

die Gemeinde x

2 Jahre

sehr gut

gekauft von Hch. Lenz aus Lützellinden.

18.

Staufenberg.

" H

li/4 Jahr

gut

Politische Rundschau.

Gießen, 11. October.

Es haben also Diejenigen Recht behalten, welche in all' dem Wirrwarr der sich widersprechenden Nachrichten über die Ezarerrreise nach Deutschland daran festhielten, Daß sie sich an die Beendigung des Sommeraufenthaltes des russischen Kaisers auf Schloß Fredensborg anschlteßen werde und die Pessimisten, die schon meinten, daß aus dem Gegenbesuche des Ezaren überhaupt nichts werden würde, sind demnach in erfreu­licher Weise dementirt werden. Aber freilich, daß das Eretgntß über die Bedeutung eines Höflichkeitsbesuches sonderlich hinausgehen sollte, dürfte wohl auch von denen nicht behauptet worden, welche immer noch an die Möglichkeit eines erneuten freund­schaftlichen Einvernehmens zwischen Deutschland und Rußland glauben. Denn wie sich die Dinge in dem europäischen Concert nun einmal entwickelt haben, ist nicht daran zu denken, daß das alte gute Verhältniß der beiden großen Nachbarreiche bald wieder hergestellt werden wird, denn Deutschland kann sich bei aller seiner Nachgiebigkeit den bekannten Wünschen und Forderungen der russischen Politik hinsichtlich der Regelung der Balkanverhaltnisse unmöglich anbequemen. Aber wenn somit die persönliche Aus­sprache zwischen Kaiser Wilhelm und dem Ezaren auch kaum eine wesentliche Aenderung in der gegenseitigen Situation ihrer Reiche und weiter in der allgemeinen Weltlage herbeiführen wird, so steht doch wenigstens zu erwarten, daß die Wiederbegegnung beider Herrscher die Hoffnungen auf fernere Erhaltung des Weltfriedens befestigen und stärken wird. Verschiedene Aeußerungen aus den Kreisen der leitenden europäifchen Staats­männer, von denen die jüngste Zett Kunde brachte, deuten darauf hin, daß der Stand der internationalen Beziehungen gegenwärtig ein verhältnißmäßig recht zufriedenstellender ist und daß die großen Streitfragen der europäischen Politik an ihrer früheren Schärfe etwas verloren haben und vielleicht wird auch die jüngste Monarchenbegegnung von Berlin ihr Theil zur Erhaltung dieser beruhigenden Aussichten beitragen. Es ist auch immerhin bedeutsam, daß der Reichskanzler Fürst Bismarck anläßlich des Czarenbesuches am Berliner Hofe von seiner lauenburgischen Besitzung wieder in der Retchshauptstadt ; etngetroffen ist, um bet der Zusammenkunft der beiden Kaiser zugegen zu sein. Sicher­lich wird sich Fürst Bismarck hierbei wiederum bemühen, das ungerechtfertigte Mißtrauen des Kaisers Alexander III. gegen die deutsche Politik zu zerstreuen, nur steht leider zu befürchten, daß die Vorstellungen unsers Kanzlers ebensowenig einen bleibenden Eindruck auf den Ezaren machen werden, als dies schon im Herbst 1887 der Fall war.

Die Frage der böhmische« Königskrönung scheint in der bevorstehenden ? neuen Session des böhmischen Rumpflandtages doch nicht zur Erörterung gelangen zu 1 sollen. Wenigstens erklärt ,Hlas Haroda", das officielle Organ der altczechtschen Partei,

daß ein etwaiger Antrag der Jungczechen auf Entwurf einer Adresse, in welcher der Wunsch nach Krönung des Kaisers von Oesterreich zum König von Böhmen ausgedrückt werden soll, von der Landtagsmehrhett einfach abgelehnt werden würde. Da auch sonst die Verhältnisse den jungczechtschen Wünschen bezüglich der Königskrönung nichts weniger als günstig sind, so werden die Herren Gregr und Genossen ihr neuestes Lieblingsproject bis auf Weiteres, wieder zurückstellen müssen.

Die fürstliche Familienidylle auf Schloß FredenSborg steht vor ihrem Ende. Nachdem der Czar Fredensborg bereits verlassen hat, werden am nächsten Dienstag die dänischen Majestäten selbst nebst der Czarin von ihrem Sommerschlosse abretsen. Das dänische Königspaar begiebt sich zu den Hochzettsfeierlichkeiten nach Athen, während die Kaiserin von Rußland mit ihren Kindern nach Petersburg zurückreist.

Die Kirchenstreitigkeiten zwischen der russischen Regierung und dem Vatiean sind endlich nach langen Unterhandlungen durch einen Vertrag beendigt worden. Die Grundzüge desselben wurden am Mittwoch im Vattcan durch den russischen Bevoll­mächtigten Iswolski und den Cardinal-Staatssecretär Rampolla unterzeichnet. ES verlautet, daß seitens der Propaganda fünf römisch-katholische Bischöfe für Rußland ernannt werden würden.

Fürst Ferdinand von Bulgarien trat am Dienstag Abend zum ersten Male seit seiner Thronbesteigung eine Reise in das Ausland an. Dieselbe gilt dem Besuche seiner Mutter, der in Schloß Ebenthal residtrenden Prinzessin Clementine von Coburg. Während der etwa 14 Tage dauernden Abwesenheit des Fürsten wird der Ministerprä­sident Stambuloff die Regierung führen; noch vor seiner Abreise ernannte Fürst Ferdinand in einer an das bulgarische Volk gerichteten Proclamation Stambuloff zu seinem Stell­vertreter. Der Fürst tritt auf seiner Reise durchaus als Privatmann auf.

Die serbische KSnigin-Frage harrt noch immer ihrer Lösung. Es gingen hierüber in den letzten Tagen wieder allerlei Gerüchte um, die aber sammt und sonderS unbestätigt geblieben sind. Nun gilt es gewiß, daß ein etwaiger Versuch des Führers der serbischen Radtcalen, Paschits, des voraussichtlichen neuen Skupschtina - Präsidenten, die dynastische Frage durch Forderung einer Art allgemeiner Amnestie aufzuwerfen, im eigenen Lager auf Widerspruch stoßen würde. Kutits wird bereits als Führer derjenigen Radtcalen genannt, welche unbedingt diesen Plänen Paschits oppontren würden.

Telegraphische Depeschen.

Wslff'S telegr. Korrespondenz-Burea«.

Berlin, 10. October. Der Kaiser von Rußland verließ Kopenhagen und trifft in Berlin morgen vor 10 Uhr ein.