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Vermischtes.

Frankfurt, 4. Februar. Die auf heute Vormittag lOVi Uhr angesetzte Probefa hrt auf den fertigen Strecken der Waldvayn gestaltete sich zu einer er­hebenden Festlichkeit. An der Fahrt nahmen etwa 100 Personen, darunter die Ver­treter des Magistrats, der Stadtverordneten-Versammlung und der Presse, Theil. Die beiden Endstationen Frankfurt und Neu-Isenburg hatten Flaggenschmuck angelegt. Für die Geladenen standen 2 Züge von je 4 Wagen bereit. Der mittlere Wagen eines jeden Zuges war zu einem Frühstücks-Salon umgewandelt, der ein überaus reiches Büffet zeigte. Um »/Jl setzten sich die Züge in Bewegung. Die erste Reise ging nach Neu-Isenburg, für das die Eröffnung der Bahn ein vielleicht noch bedeutsameres Er- eigniß ist, als für Frankfurt selbst. Eine nach vielen Hunderten zählende Menschen­menge enipfing in Isenburg die beiden Züge mit brausendem Hurrah, rote sich denn dort überhaupt allgemein eine unverfälschte Feststimmung geltend machte. Hier war es auch, wo mehrere kurze Ansprachen gehalten wurden. Herr Oberbürgermeister Dr. Miquel trank auf das Wohl Neu-Isenburgs, indem er der Hoffnung Ausdruck gab, daß die neue Verbindung beiden Orten zum Heile und Segen gereichen möge. Der Bürgermeister von Neu-Isenburg toastete auf Herrn Dr. Miquel, dessen geschicktem und sich, rem Eingreifen es hauptsächlich zu danken sei, daß diese langersehnte und er­strebte Eisenbahn-Verbindung mit Frankfurt nun endlich erreicht sei. Die dritte An­sprache, von Herrn Oberbürgermeister Dr. Miquel gehalten, gipfelte in einem Hoch auf Herrn Ingenieur Feeringer, den Schöpfer der Bahnanlage. Von Neu-Isenburg gingtz nach Nrederrad und von dort zum Schluß zum Forsthaus. Ueberall wurden die Züge mit lebhafter Freude begrüßt. Inzwischen hatten sich die Theilnehmer dem reichhaltigen Büffet genähert und kneipten lustig auf das Blühen und Gedeihen der Vororte und die Rentabilität der Anlage. Der Wein, insbesondere der Sekt, floß in Strömen, wie man zu faßen pflegt, und trug nicht wenig zur Hebung der Stimmung, dre ohnehin eine recht fröhliche war, bei. Um 3% Uhrlandeten" die Theilnehmer an der Probefahrt wieder an der Untermainbrücke, von wo sie ausgegangen waren. Mancher war inzwischen so vergnügt geworden, daß er am liebsten gleich wieder nach Neu-Isenburg gefahren wäre, wo die Eröffnung der Bahn anscheinend den ganzen Tag wacker gefeiert worden ist. Was nun die Bahnanlage an sich anbetrifft, so muß zunächst mit Befriedigung constatirt werden, daß dieselbe in jeder Beziehung oortreff- lrch ist. Die Fahrt ging flott und sicher von statten und nicht der geringste störende Moment ist zu verzeichnen. Die Lokomotiven sind sogenannte rauchverzehrende, bei Henschel ck Sohn in Cassel gebaut. Die Wagen, die elegantesten und bequemsten, die aus irgend einer ähnlichen Bahn existiren, stammen aus der Maschinenfabrik Eßlingen. Es gibt zwei Wagenklasseu. Die 2. Wagenklasse hat feine Polster sitze und ist. mit Vor­hängen und allen sonstigen Bequemlichkeiten versehen. Sämmtliche Wagen eines Huges werden mit Dampf geheizt. Die größeren Wagen fassen 40, die kleineren 24 Per­sonen, außerdem können auf jedem Perron, die mit einer hübschen schmiedeisernen Einfassung versehen sind, 8 Personen Platz finden, so daß also ein großer Wagen 56 Personen laßt. Der Billetoerkauf findet in den Wagen selbst durch den Condukteur statt, es ist alio das Trambahnsyftem in dieser Beziehung adoptirt. Wenn auch die Vororte von dergleichen Verkehrserleichterung zunächst am meisten profitiren, so darf doch nicht verkannt werden, daß auch Frankfurt von derselben erheblichen Nutzen zieht und wäre es zunächst nur der, daß seinen Bewohner gestattet ist, sich in frischer freier Luft zu ergehen, d. h. in kurzer Zeit und für wenig Geld dabin zu bringen, wo sie diese Lust, die dem Städter so sehr Roth thut, finden. Die Bedeutung der Waldbahn für die hiesige Einwohnerschaft illustrirt am besten die eine Angabe, daß man für eine Droschke nach dem Forfthaus (etwa eine Stunde von hier) durchschnittlich 3 JL zahlen mußte, nun aoer schneller und mindestens ebenso bequem für 30 hinfahren kann. Welche Wohlthat das ist, kann nur der recht verstehen, der weiß, wieviel Menschen irach dem schönen grünen Wald verlangen, ihn aber wegen den Kosten und körperlicher, Gebrechen seither nicht erreichen konnten, der zweite und wohl bedeut­samste Punkt liegt aber darin, daß diese Bahn vielen hier beschäftigten Personen gestattet, in die Vororte hinaus zu ziehen. Das Fahrgeld wird durch den Miethunter- schied dreifach ausgewogen.

Gingesandt.

Gieße«, 5. Februar.

Bekanntlich sind für die zu erbauende Stadtknabenschule Seitens ber Stadtver- treiung die Gärten des Herrn Dr. Weber und der Frau Gastwirth Müller in der Nordanlage und der sog. Seipp'sche Garten in der Südanlage mit Ausgang auf den Seltersweg in Aussicht genommen. Wie man hört, sollen die Stadtverordneten sich für den letzteren Platz entscheiden wollen. Gründe für eine solche Absicht sind nicht aut aufzufinden; wohl aber sprechen unbestreitbare Gründe für die Schulanlage in der Nordanlage.

Es muß anerkannt werden, daß der Platz in der Nordanlage an und für sich rum Schulbau geeignet ist, sonst würde er dazu nicht erworben worden sein.

Die die Stadtknabenschule besuchenden Kinder wohnen zum weitaus größten Theil in den nördlich des projectirten Schulbaues am Seltersweg gelegenen Stadt- thetlen, während der Platz in der Nordanlage ziemlich in der Mitte dieser Stadttheile liegt und sollte man darum doch den Kindern den weiteren Weg ersparen, was für einen nicht geringen Theil, der schlecht gekleidet, namentlich im Winter eine Wohl, ihat wäre. |

; , . . Der größte Mißstand bei der ^chulanlage auf dem Seltersweg würde aber der I sein, daß mit ganz geringer Ausnahme der nach dem Seltersberg gehenden Kinder, die ganze mehrere hundert umfassende Kinderschaar beim Verlassen der Schule zum Heim­gang den seltersweg wählen und erst auf dem Kreuz, wohl auch erst auf dem Markt­platz auseinander gehen würde. Bekanntlich sind aber Seltersweg vom Schwaab'schen Hause bis Kreuzplatz und Mäusburg die verkehrsreichsten, dabei aber auch die engsten Straßen der Stadt und müßten unter diesen Umständen Verkehrsstockungen eintreten auch wurden Unglücksfülle unausbleiblich sein. Bei der Schulanlage in der Nord- anlage wurden diese Uebelstände nicht zu besorgen fein. Beim Verlassen der Schule

t mußten sich die Kinder naturgemäß nach allen Richtungen vertheilen.

Schließlich würde auch bei Anlage der Schule am Seltersweg der Stadtsackel I wesentlich mehr in Anspruch genommen werden, als wenn die Schule in die Nord­anlage erbaut würde. Im ersteren Fall betragen die Erwerbungskosten des Platzes mehr, auch bie Anlagckosten bei dem Bau in den tiefen sumpfigen Seipp'jchen Garten wurden weit höher kommen, wie in der Nordanlage.

Unter diesen Umständen würde Seitens der Stadtbeoölkerung ein Beschluß der Stadtverordneten, welcher für den Schulbau die Nordanlage wählte, nur mit Freuden begrüßt werden. u

. Hutung von Kopfschmerzen, Migräne und GefichiSneuralaie

durch Antipyrin. Der bekannte Pariser Arzt, Professor Germatn-S6e, hat darüber folgende Mittheilung gemacht: Von den Kopfschmerzen gelang es hauptsächlich die- jentgen zu heilen, wilche schulpflichtige Kinder zu betreffen pflegen. Als Ursache dieser Kopfschmerzen, die gewöhnlich in der Stirn ihren Sitz haben, äußerst heftig und hart- nackig find und sich dadurch kennzeichnen, daß sie schon nach der unbedeutendsten geistigen Anstrengung auftreten, sieht Professor S6e ein im Verhältniß zur Körvrr- grotze abnorm langsames Wachsthum des Herzens an. Durch Darreichung von Anti- pyrin in kiner Dose von 3 Gramm täglich waren die Kopfschmerzen nach kürzerer oder 1 beseitigt und haben sich bei Schonung der Kranken nicht wieder ein- gestellt Auch gegen die Kopfschmerzen bei der Migräne, welche sich von den obigen dadurch unterscheiden, daß sie nur einteilig auf treten und sich durch den Gesichts­ausdruck des Erkrankten deutlich kenntlich machen, hat sich das Antipyrin bewahrt. Wenn der Kranke am Morgen beim Erwachen den Beginn eines Anfalls spürte, mußte er 1 Gramm des Mittels nehmen und nach einer Stunde wiederum dieselbe Menae m einem halben Glase Wasser aufgelöst. Nach 20 bis 30 Minuten war jede Andeutung incuvn 21 verschwunden. Gegen die Gesichtsneuralgie ist das Antipyrin allerschwecften und schon als unheilbar angesehenen Fällen mit außer­ordentlichem Erfolge angewandt worden. Hier gebraucht Professor SSe das Mittel »V tn.?crIid)' sondern er spritzt es auch unter die Haut. Beionders wirksam war eS in Vermischung mit einer kleinen Menge Cocain.

Handel rrrrd Verkehr.

Nus dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, pr. Pfd. ** 0,85-0,90. Hühnereier, 1 e>t. H, 2 St- 11-13 Enteneier 7-8 VGänse, eier 1213 H, Käse pr. St. 58 Käsematte pr. St. 3 Erbsen pr Liter 17 k Linsen pr. Liter 28 Tauben pr. Paar JL 0,901,10, Hühner pr. (5t.PJt 1,001 60' Hahnen pr. St- JL 1,602,20, Enten pr. St. JL 2,002,30, Ochsenfleisch pr. Pfd. Rindfleisch 45-54 A, Schweinefleisch 50-60 Hammelfleisch 5464 A Kalbfleisch 50 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo X 6,000,00, Zwiebeln per Gentner JL 8,000,00, Milch pr. Liter 12-18 Weißkraut pr- St- H Februar, (©etreibemarft). Weizen hiesiger JL 19,5019,75 Her £ 21,0022,00, Roagen hiesiger JL 16,2516,50, fremder Jt 00,0000 00, ÄÄaremb?r'" *'°°' ®fer

Wöchentliche Aeberficht der Todesfälle in der Stadt Gießen.

5. Woche. Vom 27. Januar bis 2. Februar 1889.

Einwohnerzahl: 19 001 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 32,84 o/^

Es starben an:

Zusammen:

Erwachsene:

Kinder im

vom

Gehirr-entzündung

2

1. Lebensjahr: 2- 1

-15. Jahi: 1

Gehirnschlagfluß

1

1

Lungenentzündung

1

1

Lungenödem

1

1

Lungenschwindsucht

2 (1)

2 (1)

Organischer Herzkrankheit

1

1

_

Krebs

1

1

Scharlach

1 (1)

1 (1)

Altersschwäche

1

1

Unbekannter Todesursache, da

Todesschein nicht vorliegt

1

?

?

?

Summa:

12 (2)

8 (2)

1

2

, . Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele ber Tobesfälle

in der betreffenben Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

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Attgemeiner Anzeiger.

Feuervrrstchrrungsbank für Dculfchland m Gotha.

Aus Gegenseitigkeit errichtet im Jahre 1821.

Bekanntmachung.

Nach dem Rechnungsabschluß der Bank für das Geschäftsjahr 1888 beträgt die in demselben erzielte Ersparniß:

75 Procent

der einqezahlten Prämien.

Die Bankthellhaber empfangen, nebst einem Exemplar des Abschlufies, ihren Dividenden-Antheil in Gemäßheit des zweiten Nachtrags zur Bankversaffung der Regel nach beim nächsten Ablauf der Versicherung, beziehungsweise des Verstcherungsjahres, durch Anrechnung auf die neue Prämie, in den in obigem Nachtrag bezeichneten Ausnahmefällen aber baar durch die unterzeichnete Agentur, bei welcher auch die ausführliche Nachweisung zum Rechnungsabschluß zur Emstcht für reden Bankthellhaber offen liegt. 9

Gießen, im Februar 1889.

L. Schultheis*

IU4Z Agent der Feueroersicherungsbank für D. zu Gotha, Afterweg Nr. 39.

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