Ausgabe 
3.11.1889 Zweites Blatt
 
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gelangen mit Kopf und Füßen, aber ohne die Zunge, Lust- und Speiseröhre zur Verwiegung; die Zunge ist ohne die, die Zungen- wurzel umgebenden Muskeln herauszulösen.

8 9. Der Wäger ist verpflichtet, strenge darauf zu sehen, daß die Schlachthiere so zur Verwiegung kommen, wie es in den Be­stimmungen de« S 8 oorgeschrieden ist. Ist eine dieser Bestimmungen nicht eingehalten, so hat der Wteger die Pflicht, das Schlachtthier zurückzuweisen. Streitigkeiten darüber, ob das zu verwiegende Schlachtthier vorschriftsmäßig ausgeschlachtet ist, entscheidet eintreten­den Falles der Fleischbeschauer.

S 10. Das Verwiegen der Schlachtthtere hat innerhalb fünf Stunden nach dem Tödten zu geschehen. Dabei kommen bei dem Rindvieh, wenn in der ersten Stunde nach dem Ausschlachten ver­wogen wird, 2% von dem Gewicht in Abzug, wird erst später ver­wogen, so kommt nichts in Abzug; bei Schweinen kommen bet dem Verwiegen innerhalb fünf Stunden nach dem Ausschlachten 3°/o in Abzug; bei Kälbern, Hammeln und Ziegen kommen 2% beim Ver­wiegen in Abzug, wenn innerhalb fünf Stunden nach dem Tobten der Thtere verwogen wird. Beim Verwiegen von Rindvieh und Schweinen werden Gewtchtsmengen unter 50 Pfund beim Abziehen von Gewichtsprozenten nicht in Rechnung, Gewichtsmengen von 50 und mehr Pfund als volle Gentner in Rechnung gebracht. Sind Käufer oder Verkäufer oder beide, wenn das Ausschlachten des Thieres beendet ist, nicht zur Stelle, so hat der Wäger in dringenden Fällen das Recht, auch in deren Abwesenheit zu verwiegen. Etwa dadurch entstandene Kosten haben der eine oder der andere, oder, wenn beide nicht »uaeaen. beide zu tragen.

$ 11 Da das Blut der geschlachteten Thtere als Abgang zu betrachten ist, darf es aus der Schlachchausanlage nicht fongenom- men werden. Eine Ausnahme findet nur zu Gunsten der Wurst- berettung statt. Bezüglich des zur Wurstbereitung aufgefangenen Blutes gelten folgende Vorschriften:

1) Blut darf als Zuthat zur menschlichen Nahrung nur benutzt und aus dem Schlachthaus verbracht werden, wenn es voll­ständig frisch ist und der Fleischbeschauer das Thier, von welchem das Blut stammt, für gesund erklärt bat;

2) das Blut der nach israelitischem Ritus geschlachteten Thiere darf nur dann zur Wurstbereitung benutzt bezw. aus dem Schlachthaus verbracht werden, wenn das Thier in Gegen­wart des Fletschbeschauers geschächtet und dabet der Schlund des Thieres nach Anweisung des Fleischbeschauers derart zugehalten wird, daß kein Mageninhalt in das Blut gelangen

S 12°" Auch die A' beits-, Verkaufs- und Aufbewahrungslocale -er Metzger und Fleischhändler unterliegen der polizeilichen Beauf­sichtigung und Revision und sind diese verpflichtet, dem reoidirenden Polizeibeamten alle Räume und Behältnisse, in welchen Fleisch oder Fleischwaaren bearbeitet oder ausbewahrt werden, zu offnen und die gesammten Fleisch- oder Wurstoorräthe einer für nothwendig erkann­ten Untersuchung unterziehen zu lassen.

8 13. Das Aushängen ganzer geschlachteter Thiere oder ein­zelner Theile, sowie von Metzgerwaaren vor den Häusern an den Thürpfosten, Thüren oder Fenstern ist verboten.

S 14. Das Feilhalten von frischem Fleisch darf nur im Innern der Läoen stattfinden und sind Messer, Waagen, Gewichte, überhaupt alle zum Verkauf und zur Verarbeitung von Fleisch und Fleisch­waaren dienenden Geräthschaften stets in reinem Zustande zu er-

15. Die Bestimmungen in 8 7 des Localreglements vom 28. Mai 1886 sind aufgehoben.

8 16. Jede Uebcrtretung dieses Ortsgesetzes wird nach 8 26 dcS Localreglements vom 28. Mai 1886 bestraft.

Die Entscheidung Großh. Ministeriums über die für die Stadt Gießen beschlossene Einführung der Trichinen­schau liegt noch nicht vor. Herr Fleischbeschauer Stooß hat in einer Eingabe dargelegt, daß er sich in Anbetracht der täglich sich vermehrenden Schlachtungen und demgemäßen Mehrinanspruchnahme in seiner Eigenschaft als Fleischbeschauer der Trichinenschau mit der nöthtgen Verantwortung nicht mehr widmen könne, und bittet, von dieser Thätigkeit entbunden zu werden. Es tritt damit die Frage in den Vordergrund, ob nun der eine oder andere der bereits geprüften Mikro- scopen mit der Trichinenschau betraut werden solle. Die Metzgerinnung hat sich bereit erklärt, die Trichinenschau auf eigene Kosten ausüben zu lassen, sie ersucht nun um Ueber- lassung eines dazu passenden Locals im Schlachthause, z. B. des Händler- oder des Meisterzimmers. Zu der Frage, ob der Innung gestattet werden solle, Trichineuschauer anzu­zustellen und denselben ein Zimmer im Schlachthause zu überweisen, hat die Schlachthausdepntation beantragt, der Innung das sogen. Meisterzimmer zur Vornahme von Unter­suchungen des Schweinefleisches auf Trichinen durch besondere, von der Innung zu besoldende Trichinenschauer zur Ver­

fügung zu stellen, ohne indeß Gewähr für die Ergebnisse dieser Untersuchungen zu geben. Herr Dr. Ploch hält es für bedenklich, dte Trichinenschau durch die Innung ausüben zu lassen, auch die Sorgfalt, mit der diese Untersuchung vor­genommen werden müsse, könne nur auf eine kleine Anzahl geschlachteter Schweine von einem Trichinenschauer ver­wendet werden, so daß an Hauptschlachttagen deren mehrere thätig sein müßten. Herr Georgi bezeichnet es als fraglich, ob die Stadt angesichts der gegenwärtigen Umstände mit der Anstellung von Trichinenschauern warten müsse, bis die Genehmigung des Ministeriums vorliege. Herr Vogt erklärt, daß es auch im Sinne der Innung liege, an sogen. Haupt­schlachttagen mehrere Trichinenschauer, ständig aber einen zu beschäftigen. Es wird unter Ablehnung des Jnnungs- antrages Zurückverweisung der Sache an die Commission be­schlossen , in welcher über die Anstellung des nöthigen Trichinenschaupersonals und die vorläufig im Sinne früherer Beschlüsse einzurichtende Trichinenschau berathen werden soll. Dem Gesuche einer Anzahl Bewohner der verlängerten Flügelsgasse (Dammstraße) um Anschluß an die Quell­wasserleitung soll entsprochen werden, sofern dieselben für einen jährlichen Wasserzins von 120 Mk. garantiren. Die Entscheidung über beantragte Versetzung einiger Richtungs­laternen und Aufstellung einer neuen wird der Deputation für das Gas- und Wasserwerk übertragen. Gleichzeitig mit Einrichtung der Wasserleitung für die verl. Flügels­gasse soll die Gasrohrleitung für dieselbe gelegt und drei Gaslaternen aufgestellt, die Kosten hierfür mit 1500 Mk. in das nächste Budget eingestellt werden. Eine etwas kostspieligere Beleuchtungsanlage wird diejenige nach dem Schiffenbergerthale. Den Wünschen der dortigen Be­wohner, die mangelhafte Petroleumbeleuchtung durch eine ausreichende, dem Verkehr der zahlreich den Schiffenberger Weg benutzenden Personen und Fuhrwerke, wie der Sicher­heit dienende Beleuchtung zu ersetzen, soll durch Anlage einer 540 Meter langen Rohrleitung und Aufstellung von sechs Laternen entsprochen werden. Auch die hierfür aufzuwendenden Kosten mit 3000 Mk. sollen im neuen Voranschlag gewahrt werden. Die zur Herstellung dreier Schulzimmer im Realschulgebäude (es soll zu diesem Behufe der Fest­saal in 3 Räume getheilt werden) nöthigen Arbeiten sollen, ohne Rücksicht auf das Mindestgebot, hiesigen Unternehmern übertragen werden. Zimmermeister Ruckstuhl erhält die Zimmerer-, Weißbindermeister Seipp die Maurer- und Weiß- binderarbeiten.

Infolge der mit Anfang kommenden Jahres eintretenden Vermehrung der Zahl der Stadtverordneten tritt die Rothwendigkeit ein, die nöthigen Veränderungen im Sitzungssaale schon jetzt zu treffen. Zur Zeit sitzen die Stadt­verordneten an einem einzigen langen Tisch, an dessen Mitte der Vorsitzende nebst den Beigeordneten. In Zukunft soll nun unter entsprechender Verlängerung des Tisches der Vor­sitzende nebst Beigeordneten an einem am Kopfende des Tisches angebrachten Quertische Platz nehmen, so daß durch diese Anordnung Raum für weitere Stadtverordnete gewonnen wird. Ein Theil des Sitzungssaales, mit separatem Eingang, soll fiir das Publikum, das unter den seitherigen Verhält­nissen, wie der Herr Vorsitzende aussührte,förmlich weg­geguckt" worden sei, reservirt und entsprechend vom übrigen Theile des Saales abgegrenzt werden. Außerdem soll ein besonderer Garderoberaum mit Eingangsthür nach dem Sitzungs­saale hergerichtet, für den letzteren bessere Ventilationseinrich­tungen getroffen werden. Die Mobiliaranschaffungen sind veranschlagt auf 308 Mk., die Lüftungseinrichtungen auf 330 Mk., die sonstigen baulichen Veränderungen, wie Thüren, auf 125 Mk. Die Eingabe einer Anzahl Interessenten am Leih gestern er Weg, in welcher um die Offenhaltung des zwischen Wilhelmsstraße und Leihgesterner Weg, an der Fernie'schen Besitzung vorüberführenden Hohlweges für den Verkehr gebeten wird, wird als berechtigt anerkannt. Vor- gcnommene Messungen haben ergeben, daß nach Schließung

dieses Weges und ausschließliche Beschränkung des Fuhrwerk­verkehrs über die Kreuzung der Wilhelms- und Ludwigs- straße nach dem Leihgesterner Weg die Steigungsverhältnisse ungünstiger werden. Es soll bis zur Herstellung einer anderen, den Leihgesterner Weg mit dem Seltersberg ver­bindenden Straße von der Schließung des betr. Hohlweges abgesehen werden.

Nidda, 30. October. Der Gerichtsschreiber i. P. Herr- Stork hat mit diesem Jahre 21 Jahre lang das Directorium der Spar- und Leihkasse Nidda gehabt. Er hat einen großen Theil seiner Kraft diesem Institute gewidmet und hat sein Amt allezeit mit Treue und Hingabe verwaltet. Umsomehr wurde es bedauert, daß er aus Gesundheitsrücksichten ge­nötigt war, mit dem 1. Juli d. I. die Stelle eines Direc­tors niederzulegen. Die diesjährige Generalversammlung der Sparkasse faßte den Beschluß, in Anerkennung seiner Ver­dienste ihn zum Ehrendirector zu ernennen nud als bleiben­des Andenken ihm einen silbernen Pokal mit geeigneter In­schrift überreichen zu lassen. Der Vorstand wurde mit der Ausführung dieses Beschlusses beauftragt. Dieser entledigte sich dieses Auftrags durch eine Deputation aus seiner Mitte, die sich in die Wohnung des Herrn Stork begab, ihn in feierlicher Weise mit dem Beschluß bekannt machte, dabei zu­gleich die Ehrengabe überreichend. Der verdienstvolle Ehren­direktor war tief ergriffen, stattete in bewegten Worten seinen Dank ab mit der Versicherung, fernerhin, soweit es möglich wäre, das Interesse der Sparkasse mit im Auge zu haben. Möge ihm vergönnt sein, noch recht lange seinen Willen zur That werden zu lassen. D. Z.

Pfarrer, Lehrer, Gutsbesitzer, Beamte rc. rauchen mit Vorliebe d.

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m 1 Beutel fco. 8 JL u

Vermischtes.

Metz, 29. October. Unsere Stadt hat seit 1870 eine Bevölkerungsbewegung aufzuweisen, wie in der Geschichte nicht oft dagewesen sein dürste. Bis zu dem genannten Jahre war bekanntlich Metz die einzig größere Stadt Elsaß-Lothringens mit ausschließlich französischer Bevölkerung. Die Auswanderung der Einheimischen war so umfassend, daß schon ein Jahrzehnt später infolge der starken Einwanderung die altdeutschen Ein- wohner den einheimischen an Zahl gleichkomen. Seitdem hat das Anwachsen der eingewanderten und der Rückgang der einheimischen Bevölkerung stetige Fortschritte gemacht und dazu geführt, daß bereits 1886 bei den Gemeinderathswahlen die Altdeutschen die überwiegende Mehrheit erlangen konnten. Heute ist in der Aus- und Einwanderung ein ziemlicher Still­stand eingetreten. Daß aber gleichwohl die Zukunft den Deutschen gehört, geht aus der Thatsache hervor, daß seit einer Reihe von Jahren die Eheschließungen und Geburten der Eingewanderten die der Altmetzer bei Weitem übertreffen. Beispielsweise kamen 1888 bei den Eingewanderten 236 Ehe­schließungen und 1016 Geburten, bei den Einheimischen da­gegen nur 147 Eheschließungen und 416 Geburten vor. Aus der verhältnißmäßig großen Zahl der nationalgemischten Ehen läßt sich übrigens der auch durch eine Reihe anderer Erschein­ungen bestätigte Schluß ziehen, daß die Schranken zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen immer mehr im Schwinden begriffen sind. Im genannten Jahre sind nämlich nicht weniger als 123 oder 29.29 v. H. national gemischte Eben geschlossen worden, und zwar haben sich 4 < eingewanderte Deutsche und 16 Franzosen mit Elsaß-Lothringerinnen verheirathet, während 12 Elsaß-Lothringer sich altdeulsche Frauen wählten.

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Zeit des Tiberius, Caligula, Domitian spielen, verfährt Walloth weder nach Art von Ebers, noch in der von Eck­stein. Er hat seine eigene Art, das Alterthnm dichterisch aufleben zu lassen, eine Art, die ebenso die Anachronismen wie das gesuchte Antikisiren vermeidet. Der hervorstechendste Zug dieser Art ist der, daß das Sittenbild weniger durch allgemein gehaltene Schilderungen sich uns zeigt, sondern daß wir es wirklich aus dem Gange des Romans kennen lernen, die Handlungen der Personen vermitteln uns jene Zeit. Wie diese sich in den Charakteren reflectirt, so wird sie dem Leser nahe gebracht. In der Regel begnügt unser Schriftsteller sich mit wenigen Personen und überläßt die verwirrende Fülle der Gestalten solchen Romanciers, welche den bekannten Aus­spruch:Wer vieles bringt, wird jedem etwas bringen" gar zu trivial aussassen. Dabei hat er den Vortheil, für seine Person genügenden Spielraum zur Entwickelung zu haben. Blasse Farben, verschwommene Umrisse kommen nicht vor, selbst da nicht, wo die Natur des Stoffes solches entschul­digen könnte. Sogenannte einheitliche Charaktere vorzuführen ist ja immer leichter, Walloth fühlt sich aber augenscheinlich mehr zu schwankenden, widerspruchsvollen und dabei stark sensitiven Naturen hingezogen. In der Zeichnung derartiger Jünglingscharaktere offenbart er eine unleugbare Meister­schaft. Die Natur des Weibes wird sodann von ihm in ihrer ganzen Vielseitigkeit erfaßt,- für eine Lucretia hat er die geeigneten Farben zur Hand wie für eine Messalina. Seiner Sicherheit in der Anlage der Charaktere tritt zur Seite die Kraft und Anschaulichkeit in der Situationsschilderung. Es ist kein Nacheinander, kein Haufen von Einzelnheiten, es ist wahres, lebendiges Gestalten. Seenen, welche eine breite, große Pinselführung verlangen, gerathen ihm gewöhnlich am besten. Ein Beispiel aus derOctavia" mag diese Behaup­tung erhärten:Schon begannen sich die grauen Steinsitze des Circus maximus zu beleben - die Thore waren geöffnet, Kopf an Kopf drängte sich die Volksmasse durch die Hallen, fluthete aus den Logenthüren in die schmalen Gänge, die

Sitz von Sitz schieden, stürzte wie ein plötzlich entfesselter Kataract über die Stufen hinunter oder wuchs empor, wie die Woge eines Stroms, die ein Thal auszusüllen droht. Bald war nichts mehr zu sehen vom Marmor des Gebäudes, überschwemmt von Köpfen war die ungeheuere Wanne bis hinaus, wo die letzten Säulen der äußersten Umfassung das Blau des Himmels berührten. Köpfe, nichts als brau­sende, summende Köpfe, ein Wogen von Köpfen, ein Berg von Köpfen, in dessen gewaltigem Ring der weiße Sand der Arena im Sonnenlichte brennt. Wie friedfertig liegt er da, der weiße Sand, der sich roth färben soll, wie hängen diese Tausende von Augen an diesem Sand. Jetzt noch spielen die blendenden Sonnenstrahlen auf seinen Körnern, aber das römische Volk will ihn rauchen sehen von Blut- der Tod soll darüber hinschreiten, wie ein phönizischer Färber, wenn er die Purpurschnecke auspreßt über dem weißen Wollmantel, daß der dunkele Saft herniederträufe, rothe Pracht dem weißen Stoffe verleibend." Worte, Bilder und Gleichnisse strömen Walloth nur so zu, wenn es sich um Localschilderung oder gar um das Ausmünzeu des Stimmnngsgehalts einer Situation handelt. Bei dieser Kraft und Sicherheit im Be­herrschen des Stoffs und der Ausdrucksmittel fällt es dann doppelt auf, daß der Autor sich hie und da kleine stilistische Schnitzer, eigenthümliche Provinzialismen wie §. B. die fal­schen Imperative: spreche, esse (statt: sprich,) nicht übel nimmt. Formfehler, die einem nörgelnden Kritiker, in wel­chem der Philologe den Aesthetiker überwiegt, gerade ge­nügen, um das Ganze abfällig zu beurtheilen.

Nach Form und Inhalt muß sich bei Walloth überhaupt noch manches klären und vervollkommnen, bevor ihm auf dem deutschen Parnaß die Stellung angewiesen werden kann, zu welcher ihn seine Begabung entschieden berechtigt. Glücklich in der Wahl der Stoffe, die dem Alterthum angehören, trifft er es im Ausfinden und Ausgestalten moderner Sujets nicht immer günstig.

Es war ein unglücklicher Gedanke von Walloth, mit

einem modernen Roman auch einmal in die Fußtapfen der deutschen Naturalisten treten zu wollen. Das Resultat dieses Versuchs istDer Dämon des Neides", ein höchst unerquick­liches Opus, das auch zur Beanstandung Anlaß gegeben hat. Das Problem des Neides oder besser gesagt des Größen­wahns, welches der Dichter mit dieser Arbeit begründen wollte, ließ sich auch sehr wohl ohne dieses widerliche Drum und Dran behandeln. Der Verleger hat gut gcthan, den ungünstigen Eindruck, welches dieses Buch in der Leferwelt hervorrief, schleunigst zu verwischen durch die Herausgabe des neuejicn WerksTiberius", welches uns den Autor wieder auf gesundem Pfade zeigt nnd in einer Welt, ~ deren Lebensäußerungen er künstlerisch beherrscht, >^m Walloth )i )en Tiberius" haben die wissenschaftlichen Untersuchungen des bekannten Geschichtsforschers Ad o ls Stahr poetisches Dasein gewonnen. , ,

Uc6ei- Walloths Bedeutung als Lyriker noch einige Worte das nächste Mal.

(Ueberboten.) Erster Maler:Da habe ich neulich ein dünnes Tannenbrettchen so natürlich wie Marmor bemalt, daß es, in's Wasser geworfen, sofort untersank, wie ächter Marmor." Zweiter Maler:Ach was, als ich gestern an die Staffelei, worauf meinePolargegend" steht, das Thermometer hängte, fiel dasselbe gleich 20 Grad unter Null." Dritter Maler:Das ist nichts, mein letztes Porträt des Baron Buffski ist so lebenswahr, daß es wöchent­lich zweimal rasirt werden muß."

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(Auch ein Erforderniß.) Ein reisender Handwerks­geselle spricht bei einem Meister in Todendorf nm Arbeit an. Sie können anfangen zu arbeiten," spricht der biedere Mei­ster,jedoch unter einer Bedingung: Können Sie Scat spielen?"Nein," war die Antwort.Dann kann ich Sic nicht gebrauchen, uns fehlt immer der dritte Mann.