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Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

jvureanr Schulstraße 7.

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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn« ^urch bie Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf«.

Politische Rundschau

_ Gießen, 28. December.

,«.dL'LL7LL LEWSNLL'dL: LL 3 SÄKSSÄEä« ff* W°ihn°ch.spaus- beherrsch., nur di- -°l°?7p°NNsch-n Fragen MMPnbLkCr ®<SiJn,ner des Weihnach.sfestes gegenüber auf der Tagesordnung gc- uorraaenbe'n T^sU* bem Wtederzusammentrttt des Reichstages ein/her- n b^l" Verhandlungen spielen. Wann die bezüglich Qstafrika'S ftlmninon n BhtlT on. ben 3ici*6ta9 9cIana wird, läßt sich freilich noch nicht be- P-Eiaes mdö " ben 3n6alt derselben etwas Bestimmtes und Zu-

b i 9 snrh^ ° mtben tann; "Ur ist das Ein- gewiß. daß di- R-ichsreg,erung der Ausarbeitung der Vorlage mit ernster Berücksichtigung aller hierbei in ^raae kam- fick" vills^S"^ °*0Ckt! 'f1 3Bciteren di- in den letzten Wochen -iy^gangen-ni sich vielfach widersprechenden und darum noch sehr der Aufklärung bedürftigen Rack-

el* ix b?8 Schicksal Emin Pascha's und Stanley's anbelangt, so läßt sich bier- »nnte" ^d^t wirklich Anspruch aus unbedingic Zuoerlässigkei! erheben

fQna6 n.H nr fi" □eintrlbDdt' °b blc mi6 englischer Quell-stammende und An- Pafcha's^unki?f0eretene SDieibuna von der glücklichen Ankunst Emin Pascha s und Stanley's am Aruwhumi-Flusse, wo sich di- b-id-n Afrikareisendcn ja in scrhaUnißmaßiger Sicherheit befinden würden, optimistisch ausgcsärbt worden ist und hL £ m.4 b°ding-st°llt bleiben, in welcher Weise sich endlich der über

dem Schicksal dieser Manner ruhende g-heimnißvolle Schleier lüften wird.

ii <n Berlin sand am Mittwoch der Austausch der Ratificationen des am 11. November abgeschlossenen Zusatzvertrages zum bestehenden deutsch-schweizerischen Handelsverträge statt.

3n der auswärtigen Politik haben die Festtage einen bemerkenswerthen Vorgang in Serbien gebracht. Am Dienstag Mittag erschien im königlichen Palais zu Belgrad «me Deputation von 120 der hervorragendsten Mitglieder der radicalen Partei und sprach dem König Milan den wärmsten Dank derselben dafür, daß er dem serbischen Volke eine liberale Verfassung gegeben habe, aus, woran sich die Versicherung der un­verbrüchlichen Treue und Hingebung der radicalen Partei für Thron und Vaterland knüpften. Der König betonte in seiner Erwiderung, daß er von der Treue und der Loyalität der Partei überzeugt sei und zog er dann einen Vergleich zwischen der alten und der neuen serbischen Verfassung, hierbei die großen Vorzüge und die damit erzielte große Verbesserung der verfassungsmäßigen Zustände heroorhebend. Gleichzeitig ent­wickelte der König die Gründe, weshalb er bei feinem dem Verfassungsausschusse gege­benen Worte, keine weiteren Zugeständnisse machen zu wollen, beharren und auf un­veränderter Annahme des Verfassungsentwurfes durch die Skupschttna bestehen müsse. Die einstündige Rede des Monarchen wurde von der Deputation mit wiederholten stürmischen Beifallskundgebungen ausgenommen und gab der Führer der Deputation wiederholt die Versicherung, daß die radicale Partei des Vertrauens des Herrschers sich würdig erweisen werde. Dem Empfange wohnten die Minister und die Regierungs- commissäre bei. Mit diesem bedeutsamen Acte im Belgrader Königspalaste hat die Verständigung zwischen König Milan und der mächtigen radicalen Partei Serbien's in der Versassungsrevisionsfrage ihre Besiegelung erfahren und darf somit angenommen werden, daß von Serbien diese schwere innere Crisis nunmehr überwunden ist. Die Annahme des in den Berathungen zwischen König Milan und dem Ausschüsse der großen Skupschttna vereinbarten neuen Verfassungsentwurfes seitens der serbischen Volksvertretung ist um so mehr zu erwarten, als sich derOdjek", das leitende Organ der radtcalerr Partei, bestimmt für den Entwurf ausspricht.

Im österreichischen Kaiserhanse ist zu Weihnachten eine Verlobung gefeiert worden. DiePol. Corr." meldet die Verlobung der Erzherzogin Marie Valerie, der am 22. April 1868 geborenen jüngsten Tochter des österreichischen Kaiserpaares, mit dem Erzherzoge Franz Salvator, zweitem Sohne des Erzherzogs Karl Salvator.

Der frühere Italienische Minister des Auswärtigen, Mancint, ist am Mittwoch auf der Villa Capodimente bei Neapel gestorben. Auf dem Namen Manctni rubte für viele Italiener ein gewisses Odium, denn Manctni galt neben dem verstorbenen Grafen Nobilant, dem italienischen Botschafter in Wien und London, als der Urheber .'der Eolonialpolitik Italiens am Nöthen Meere und gleich Nobilant wurde Mancint für das Mißgeschick der Italiener bei Dogali und Saati mit verantwortlich gemacht. Viel­leicht hat Mancint in dieser Beziehung Fehler begangen, dagegen muß es seiner aus­wärtigen Politik als das hervorragendste Verdienst angerechnet werden, daß sie den innigen Anschluß Italiens an das deutsch-österreichische Bündniß zur Folge hatte und dies Verdienst Mancint's wenigstens dürfte die Anerkennung aller ruhig urtheilenden Italiener finden.

Die europäischen Eisenbahn-Unternehmer in Perften haben soeben an dem Fanatismus der dortigen Bevölkerung eine unangenehme Erfahrung gemacht. Auf der Eisenbahnstrecke Teheran-Scha-Azim war kürzlich ein Perser durch einen Bahnzug über­fahren und getödtet worden, infolge deffen ein Haufen wüthender Perser einen meist mit Frauen und Kindern besetzten Zug der genannten Strecke überfiel und denselben nebst seinen Insassen verbrannten. Die Erregung des Volkes in jener Gegend war überhaupt so groß, daß anfänglich eine Empörung befürchtet wurde. Die persische Regierung ließ dem Vertreter der belgischen Eisenbahngesellschaft 100,000 Frcs. für die verbrannten Waggons ausbezahlen aber die Entschädigung für die Angehörigen der armen verbrannten Passagiere, wo bleibt diese?

Aeulschlaud.

Darmstadt, 24. December. Mit Genehmigung Seiner Königlichen Hoheit des Oroßherzogs wurde mittelst Erlasse« Seiner Majestät des Kaisers vom 12. l. Mts. | der Großherzogl. Oberlandesgertchtsrath Freiherr von Ricou für die Dauer seines , gegenwärtigen Hauptamtes zum richterlichen Mitglied des Reichs - Eisenbahn - Amtes ernannt.

\ °rdnunf?^LvrWdm,mw.7d Ä" a^nbiÄ ÄS für all- L-brg-genständ- in ben Volksschulen Nordschleswlgs etaaefübrt

n°h"-n ftnb nur noch beim Religionsunterricht zulässig 6 * 6 au8

Irankreich.

»y-ÄS.» »äs-

L"d b?t -uttr-ten wird, Di- republikanischen »lütter sorb-rn all- R-publikan^ ,ur

bie ffi'ÄS^tn?ÄVf^re±n^ennbab7r

Kagland.

nraDbiuOn^nSr.t,?.eCe7bler'iS*'8" rolrb au§ Sansibar von gestern tele- w-IckVm'MiÄ111 "L-tp»'4 hat wiederum ein Sklavenschifi genommen, auf ! noSn ®L40hn,te"raCfanbfen:(e.ä wurden gleichzeitig viele Araber gefangen g-' I ms deutsche G-neralconsul -rrichi-t unweit Dar-es-Salem -in- große

Mifstonar-Niederlafsung für die befreiten Sklaven.

A December. In der Thronrede, mit welcher das Parlament heute bedau-m^fet^'Ä%n ®iätbl£n ,cien freundschaftliche? Zu fnnü s»; 6 b s der Vereinigten Staaten von Nordamerika die Ueberein-

nebml^ h^,9ü bcn "orbameritanifdjen Gewässern nicht gk-

EaÄn t,? .m m L ederherstellung der politischen und finanziellen Sicherheit In kafeng nnn JU0enbIJia unterbrochen durch den Versuch der Sudanesen, sich des

vafens von Suakm zu bemächtigen, di- englischen und egypttfchen Truppen hätten bet 's ^^^"r ^u.d'efes Versuchs einen glänzenden Erfolg errungen. In allen übrigen HeblaenTr" £ b7 !b®^^°"s°,^und wirthfchastlich- Fortfchrltt Egyptens ein be- b f-s>lSnblsch-n Th-il- des Gebiets des Sultans von Zanzibar Aufitand habe beträchtliche Verluste an Leben und Etgenthum in den deutschen Colonien herbe,geführt, es sei klar, daß das Wiederaufleben des Sklaven- «n rE Anzeichen an mehreren Punkten Afrikas sich offenbart hätten, in hÄÄLä b efen 9iu6eftorungen beigetragen habe. Die Königin habe sich mit im or?,rr?*s S « suj.066«?, Herstellung einer Blokade zur S-- an dem Theile der im Aurstand befindlichen Küste geeinigt, um den Sklavenhandel und die Einfuhr von Irland wird in der Thronrede nicht erwähnt. Von n^m7,np wird nur die Vorlage über die administrative pro­

vinzielle Autonomie hervorgehoben, welche vom Parlament genehmigt worden ist. V

StaKea.

w. 24;3)ccAmbc^ Der Papst empfing heute das Cardinals-Collegium und £nn $C Weihnachts-Glückwünsche darbrachten, und erwiderte auf die

^»/w^sten!der Cardinäle, Sacconi, verlesene Adresse, nachdem er den Eardinälen gedankt hatte. Wahrend es Gott gefallen habe, ihm die Gunst der Feier seines b;ier ^were Lage des Papstthums keine Erleichterung ^fahren. Die ^.age habe sich vielmehr noch verschlimmert durch den systematischen allAAathEsche und durch administrative wie legislative Verfügungen.

Selbst fromme Stiftungen, wie das asiatische Collegium, würden nicht geschont und ;npirtohipb& UÄTun0eü' rotc diejenige gegen die Sklaverei, würden gehindert, die Kirche die Initiative dazu ergriffen habe. Man erlaube sich Beschimpfungen und drohende Kundgebungen gegen den Papst, man bediene sich aller und jeder Waffe

A IXa /TX ___CV3 _ .. Fi 1 d r » . t V man noch neue, dem

Papstthume feindliche Gesetze. Der Papst werde beschuldigt, daß er ein Feind Italiens sei, roeU er zur Wahrung seines geistlichen Amtes auf der Revindicirung der wirklichen Souveranetat beharre. Er habe diese Anschuldigung, mit der man die Italiener vom Papstthume abwendig machen wolle, schon oft widerlegt, jene Revtndiciruna bedeute nur Ruhe und Wohlfahrt für Italien, der Papst sei nach den ruhmwürdigen Traditionen des Papstthums kein Feind Italiens, sondern-nur bestrebt, dessen moralische Macht zu heben. Die italienischen Katholiken, welche die Souveränetät des Papstes zurück­forderten, liebten ihr Vaterland mehr als die anderen Katholiken, die das nicht thäten. Die Bischöfe und die Katholiken der ganzen Welt erhöben ihre Stimmen zur Ver- theidigung der Rechte des Papstes, cs handle sich um moralische und sociale Interessen Auch Italien sei, wie die Pilgerfahrten bewiesen, mit dem desfallsigen Verlangen nicht zurückgeblieben, die Regierung habe aber diese Stimme durch neue Gesetze unterdrücken wollen. Am Schluffe seiner Rede ertheilte der Papst den erschienenen hohen geistlichen Würdenträgern seinen Segen.

Telegraphische Depeschen.

Wolst'S telegr. Eorrespondenz-Brrrearr.

Berlin, 27. December. Staatsminister v. Bötticher begab sich gestern zum Reichskanzler nach Friedrichsruh. Er wurde für heute zurückerwartet.

Der Chef der Reichskanzlei, Herr v. Rottenburg, ist zur Weihnachtsfeier am Montag hier eingetroffen und kehrt erst nach dem Neujahrsfeste nach Friedrichsruh zurück.

Berlin, 27, December. DieNordd. Allgem. Ztg." bemerkt gegenüber der Neuen Freien Presse", welche behauptet hatte, daß die russisch-vatikanischen Verhand­lungen erst seit dem Besuche des deutschen Kaisers in Rom ein rascheres Tempo an­genommen hätten:Das mag richtig fein; aber die Deutung dieser Thatsache ist irr- thümlich. Für die deutsche Politik ist die Verständigung des Papstes mit Rußland nichts Unerwünschtes. Das Jntereffe, welches die preußische Politik an den russisch­vatikanischen Verhandlungen nimmt, liegt rücksichtlich der Haltung der Polen im Par­lament und ihrer Unterstützung Seitens deutscherReichsfeinde" mehr in der Richtung !)es Gelingens der Verständigung zwischen dem Papst und dem russischen Kaiser, als in der des Scheiterns. Deßhalb kann es wohl richtig sein, daß der Beginn des günstigen Fortganges dieser Verhandlungen mit der Anwesenheit des Kaisers in Rom koinzidirt. Wer in Deutschland ein richtiges Verständniß der politischen Situation hat, kann nur wünschen, daß die Curie sich mit Rußland über die zwischen beiden Mächten treittgen polnischen Gebiete dauernd verständige.

München, 27. December. In der heutigen Festsitzung der Akademie der Wiffenschaften wurden zu auswärtigen Mitgliedern 'ernannt: die Professoren Virchow und Weitzsäcker in Berlin, der Professor der Philologie Usener in Bonn, Professor Wimmer in Kopenhagen, der Botaniker Staatsrath v. Regel in Petersburg, Professor Stockes in Cambridge und Director Essenwein in Nürnberg. Zu correspondirerden Mitgliedern wurden ernannt: die Professoren Kelle in Prag und Kaufmann in Münster, der Professor der Geschichte Müller in Gießen, der Astronom Dr Hylden.