Keisage zu Jlr. 149 des „Mchener Anzeiger".
UniverfftätS - Ghronik.
— vr. William Preyer, ordentl. Professor der Physiologie an der Universität Jena, derzeit Prorektor, gedenkt, wie der „F. Z." geschrieben wird, Ende des Sommersemesters sein dortiges Lehramt und die Leitung des Instituts niederzulegen und nach Berlin überzusiedeln.
— Der als Oberbibliothekar nach Jena berufene Dr. K. K. Müller aus Würzburg wird sein neues Amt noch im Lause des Sommers antreten.
Vermischtes.
△ Mainz, 27. Juni. Ein in seinen Einzelheiten noch nicht ganz aufgeklärtes schreckliches Ereigntß, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen, bildet augenblicklich das Tagesgespräch. Wir erfahren darüber Folgendes: Seit vorgestern Abend wurde eine hiesige Hebamme mit einem hier dienenden Mädchen vermißt. Der besorgte Mann wie auch die Herrschaft des Mädchens hielten am Abend in der ganzen Stadt Nachfrage, bis endlich gestern Morgen ermittelt wurde, daß die Frau und ihre Begleiterin am Abend in einem Badhause gesehen worden waren. Schleunigst begab man.sich nach dorten und auf die Nachfrage nach den Vermißten nahm man eine Durchsuchung vor, wo man dann alsbald die schreckliche Entdeckung machte, daß in der von den beiden Frauen benutzten Badezelle der Boden fehlte und die Vermißten hierdurch in das freie Wasser gerathen und ertrunken waren. Die Kleider der Personen fand man noch in der Zelle. Bis heute Mittag hatte man erst eine der Leichen gefunden.
— 541 Kränze waren am Dienstag Mittag bereits in der Friedenskirche zu Potsdam eingegangen, um am Sarge Kaiser Friedrichs niedergelegt zu werden. Eine wohl ebenso große Anzahl von Kränzen, Palmen, Lorbeerkronen rc. lagert in der Jaspts-Gallerie zu Friedrichskron. Auch sie sind dazu bestimmt, den Sarg des Kaisers zu schmücken. Stündlich gehen überdies weitere Trauerzeichen aus allen Städten und Ortschaften der Welt ein. lieber diese Kranzspenden wird ein genaues Register geführt, jede einzelne notirt, um später dem Darreicher, wie dies mit den Kranzspendern für Kaiser Wilhelm geschah, den Dank durch das Hofmarschallamt aussprechen zu lassen. Diesem Dankschreiben war bekanntlich ein sauber ausgestattetes Büchelchen betgefügt, in dem alle Kranzspenden namentlich aufgeführt waren. Wie verlautet, wird der Dank diesmal in derselben Form ausgedrückt werden.
Aus Thüringen, 25. Juni. Der wohl kaum je dagewesene Fall, daß ein 13jähriger Junge wegen Mordversuchs gegen seinen leiblichen Vater unter Anklage steht, stand dieser Tage vor der Strafkammer in Gotha zur Verhandlung. Der entartete Knabe, der wegen seiner Ungezogenheiten öfters empfindlichen Züchtigungen ausgesetzt war, hatte vor der That wiederholt geäußert, seinen Vater, den Handarbeiter May in Manebach, werde er noch todtschlagen, es müsse anders werden u. s. w. Als der Vater eines Tages allein zu Hause war und im Bette lag, holte der Bengel eine Axt, schlich auf seinen schlafenden Vater zu, versetzte ihm mehrere Schläge aus den Kopf und entfloh dann in den Wald, wo er nach einigen Tagen aufgegrifien wurde. Da die Verletzung nicht erheblich war, kam der jugendliche Verbrecher mit zwei Jahren Ge- fängniß davon.
Werden, 23. Juni. Die Zahlmeister-Affaire, welche zur Zeit so viel Staub aufwrrbelte, hat nunmehr, wenigstens theilweise, ihren Abschluß gefunden. Am oer= flangcnen Montag wurde, wie der „Köln. Volksztg." gemeldet wird, der RaMmeifter F von Münster durch einen Offizier hier eingeliefert, um eine dreijährige Zuchthausstrafe abzubußen. Derselbe war im ersten Verhandlungsgange freigesprochcn worden Geaen dieses Erkenntniß hatte das Militär-Auditoriat Berufung eingelegt und die zweite Instanz hatte auf drei Monate Gefängniß erkannt. Hiergegen legte der Verurtbeilte sowohl, als auch das Militär-Auditoriat Berufung ein, letzteres weil von Seiten des Kriegsministeriums das Urtheil nicht bestätigt wurde. In dritter und letzter ^nftani wurden dem Angeklagten drei Jahre Zuchthaus zu Theil. 8
. » T $en Turnvereinen des Mittelrheinkreises ist nunmehr der Rechenschaftsbericht des Kreisvertreters für 1887 zuaegangen. Wiederum ist überall eine erfreuliche Ru- nabme des Turnbetriebs im Besonderen, wie der Turnvereine selbst im Allgemeinen festgestellt, so daß sich die Zahl der Turnvereine um 22, die der Mitglieder um 2010 der praktischen Turner um 665, der Zöglinge um 428, der Vorturner um 97 der vereinseigenen Turnplätze und Hallen um je 4 vermehrt hat. Im Ganzen zäbl't der Kreis jetzt 355 Vereine, 29 586 über 14 Jahre alte Mitglieder, darunter 4056 Röglinae 1537 Vorturner, 279 im Winter turnende Vereine, 85 vereinseigene Turnplätze und 39 Turnhallen. Der Kreis hat 14 Gaue, lieber 300 Mitglieder stark sind folgende Vereine: Offenbach Turn-Gesellschaft 400, Darmstadt Turn-Gemeinde 520, Kastel Turn- Verein 343; Mainz Turn-Verein 320, Wiesbadener Turn-Verein 386, Männer-Turn- Verein 375, Oberslein 300, Frankfurt Turn-Verein 545, Turn-Gemeinde 370 Turn- Fechtclub 390, Hanau Turn-Gemeinde 400, Offenbach Turn-Verein 708, Gießen Turn-Verein 830 Mitglieder.
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