Ax 76 Zweites Blatt. Donnerstag den 29. März - 1888.
Weßener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. -
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Gießener Anzeiger,
Ämts= unk> Änzeigeblall für üen -Kreis gießen.
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Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, den Anzeiger auch im II. Quartal 1888 zusenden und den Abonnemcntöbetrag durch Quittung erheben lasten.
Wir bitten die neuen Abonnenten, namentlich auswärtige, ihre Bestellungen baldgefälligst aufgcben zu wollen, damit wir vollzählige Exemplare liefern können.
Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß den Abonnenten des Anzeigers die „Verwaltungsblatter" zum ermäßigten Preise von 50 H pro Quartal geliefert werden. Die Expedition.
Amtlicher Hßeiü
Gießen, am 27. März 1888.
Betreffend: Die Fahrbarmachung der Kreisstraßen bei Schneefall; hier: die Verrechnung der entstandenen Kosten.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Groß Herz »glichen Bürg-rm-ist-reie« d-S «reise».
Sie wollen dafür sorgen, daß die Belege über verausgabte Kosten für Schneeschöpsen auf Kreisstraßen im Winter 1887/88 längsten» binnen 8 Tagen uns vorgelegt werden, damit wir den Ersatz aus der Kreiskaffe veranlassen können.
Dr. Boekman». _______________________
Darmstadt, 27. März. Das „Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren" wurde ertheilt durch Entschließung Großh. Ministeriums ves Innern und der Justiz vom 23. März l. I. den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Friedberg: 1) Carl Berg. 2) Christoph Dörr. 3) Ernst Engel. 4) Johannes Gerster. 5) Wilhelm Kreuter. 6) Wilhelm Kumpa. 7) Wilhelm Müller. 8) Louis Waas. 9) Anton Windecker.
Die Weichsel-Ueberfchwemmungen.
Marienburg, 25. März. Die Eifenbahnbetriebsdirection macht bekannt: <xn nMe Durchbruchs des rechten Nogatdeiches bei Jonasdorf ist das Kleine Werder unter Wasser gesetzt und die Strecke Marienburg bis Elbing wahrscheinlich auf längere Zett u^ahrbar. Die Lage wird; immer bedrohlicher, namentlich an der
Noaat da der Koll-Jungfersche Damm kaum noch -uralten ist, obgleich den ganzen Daa über mit Sandsäcken, von denen täglich 2000 Stuck von Manenburg an die ge- fHftrhpt? Stelle aesandt werden, gestopft wird. Der Damm senkt sich bedeutend, bei weiterem Steigen des Wassers ist ein Durchbruch unvermeidlich und die Ueberfluthung der Tieaenhöfer Niederung bedingt. In der Ortschaft Wolfsdorf sind einzelne Gehöfte bis übe? die Fenster im Wasfer und oberhalb des Koll beinahe bis Jungfer, also fast eine Meile steht das Wasfer bis zur Dammkrone. Die Danziger Meeresbucht ist beute schon fast eisfrei. Aus Jungfer berichtet die „Eibinger Zeitung": Der- diesjährige Eisgang ist mit einer ungeahnten Plötzlichkeit bis in die unteren, bei ftrengftetn Froste noch in völliger Wtnterlage befindlichen Stromgebiete vorgedrungen. Mehrfach drohte der Jungfer-Kollsche Damm zu überfluthen das Wasser stieg bis nahe an die Dammkrone und das Eis thürmte sich bis zu fünf Fuß über demselben auf. Am Dienstag drangen Hilferufe aus einem dem Eigenthumer Schierling in Kettelau ge- hörigen, im Ueberschwemmungsgebtete gelegenen Gehöfte. Es wurden von Jungfer aus Anstalten zur Rettung getroffen. Drei beherzte Manner drangen gegen Abend, mit einer Anzahl langer Bretter ausgerüstet, vom Damm aus über das zum Stehen gekommene Packeis nach dem etwa 1 Km. entfernten Gehöfte vor. Ergreifend waren die immer dringender werdenden Rufe: „Hilfe, Menschen, helft! , die der inzwischen auf das Dach hinausgekletterte Schierling ausstieß. Endlich nach anderthalbstundiger beißer Arbeit hatten die braven Männer unter äußerster Lebensgefahr um 7 Uhr Abends das Gehöft, von dem nur die Dächer aus dem Eise hervorragten, erreicht. Es war bereits dunkel geworden. Eine halbe Stunde spater traten sie mit sämm ltchenl Insassen - Eigentümer Schierling, dessen Frau, deren bejahrte Mutter und sechs kleine Binder — unter dem Schein einer Laterne den nun noch viel gefahrvolleren Ruckweg an, wobei je ein Mann zwei Kinder in den Armen tragen und so oft die Bretter weitergeschoben wurden, wieder auf die Eisschollen niedersetzen mutzte. Um 9 Uhr endlich hatten Retter und Gerettete den Damm erreicht. — Aus dem Schwetzcr Kreise wird noch geschrieben: Schrecklich ist das Geschick, von welchem die nicht eiugedetchten Ortschaften Ehristfelde, Topoltnken, Trempel, Grabowko und Grabowo betroffen wurden. In der stocksinsteren Nacht vom 17. zum 18. d. Mts. wuchs das Wasfer plötzlich auf
UuiverfitätS -Ghronik.
Bonn, 25. März. Der außerordentliche Profesfor in der hiesigen juristischen Fakultät Dr Friedrich Oetker, hat einen Ruf als Ordinarius an die Universität Rostock'erhalten und ebenso ist der Prtvatdocent in der medicinischen Fakultät und Assistent der Anatomie, Dr. Dietrich Barfurth, zum Prosector an der Anatomie in Göttingen ernannt worden.
30 Fuß, so daß an die Rettung der Habe gar nicht zu denken war. Auf manchen Besitzungen ertrank der gesammte Viehstand. Tagelang mutzten die Bewohner einzelner Grundstücke aut den stellenweise auch noch überflutheten Hausböden zubringen. Selbst Menschenleben sind zu beklagen. Von einzelnen Familien fehlt noch jede Nachricht, da es noch nicht möglich war, durch das Eis zu ihnen zu dringen. Der Schaden an den Häusern, an Vieh u. s. w. ist noch gar nicht zu berechnen. Tiegenhof und Umgegend hat noch durch Ueberschwemmung aus der Tiege zu leiden. Das Master bespült dort die niedrig gelegenen Straßen, die an der Tiege belegenen Fabriken haben die Arbeit einstellen müssen. Alles Land rechts an der nach Elbing führenden Landstratze steht unter Master, der Eisenbahndamm wird stellenweise überspült. — Die „Dariz. Ztg. meldet: Am Montag, als die Nogat aufbrach, stieg in der Zeit von 1 bis 1«/» Stunden das Wasser um beinahe 5 Meter. Eisschollen vom 70 Etm. Dicke schossen vorbei. Durch die Ueberfälle kam das Wasser fast ebenso schnell. Ein mehrere Fuß dicker Wasserstrahl stürzte herein in halber Deichhöhe -wischen der Mannow'schen und der Arnold'schen Besitzung, mit jeder Sekunde sich erweiternd. Um 3 Uhr war der Damm durchbrochen. Unsere Stuben sind bis zur Decke voll Wasser gelaufen, Claoier, Model, leider noch mit unserer Wäsche gefüllt, alles ist voll Wasfer und Eis. Mittags hatten sie die Ueberfälle versetzt, mit desto grötzerer Gewalt strömte die Nogat durch den Bruch, der sich auf 3- bis 400 Meter erweiterte. Zwei Tage später ging der ganze Weichselstrom durch den Arnold-Wannow'schen Bruch; die hohen Pappeln und mein Weidenpark mit allen Bäumen find verschwunden. Die Wannow'sche Käthe «ging am ersten Tage, die Arnold'sche am zweiten Tage fort; jetzt ist der Arnold'sche Speicher in Gefahr, auf dem noch 800 Scheffel Getreide liegen fallen. Mehreren Besitzern ist alles Vieh ertrunken. Das gerettete Vieh ist aber auch so gut wie verloren. Wir sind gänzlich zu Grunde gerichtet.
Neuteich, 23. März. In der Einlage sieht es jämmerlich aus. Ueberall liegt todtes Vieh im Wasser und am Deich. Der Bruch ist 100 Meter lang und hat starkes Gefälle in der Einlage. Der Reitz'sche und der Rodacker Ueberfall sind fest mit Eis verstopft, das Wasser ist etwas im Fallen.
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* Es ist eine ärztlich bekannte Thatsache, dass die Diphthcrl- ♦ # tispilze in den meisten Fällen sich in dem Rachen ans!©- J ♦ dein, wenn derselbe vorher catarrhalisch erkrankt ist. Es empfiehlt ä sich desshalb während Diphtherltisepldeniieeu, dass alle # Mütter ihre Kinder dazu anhalten, auf den nothwendigen W egen zur
♦ Schule etc. eine Pastille im Munde zergehen zu lassen. 24 ♦
Im In- und Auslande erprobt als das unübertrefflichste Heilmittel bei ♦ : Husten und Heiserkeit, ärztlich verordnet als das wohltätigste Medikament für £ Kehlkopf, Brust- und Lungenkranke, nachhaltig wirksamstes aller Quellenprodukte > <$> bei Magencatarrh, Hämorrhoidalleiden und ünterleibsstörungen.


