Ausgabe 
29.1.1888 Zweites Blatt
 
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Keitage zu Ar. 25 desgichener Anzeiger".

Vermischtes.

Rreslau, 26. Januar. In Liegnitz kam es, dem Polij-ibericht zusoige, bisher 8S4 Typhus Erkrankungen und 23 Todesfällen; im städtischen Krankenhaus- kam es bei 146_ertranncn^niu^8U^jn^ obercunewalde (Königreich Sachsen) sind der n -rieticherrettuna" von mehreren Setten zuverlässige Nachrichten zugcgangcn, ein auhergewöhnlich düsteres Bild entrollen;Der schankwtrth Angcrmann, ^nebll ,-wer Frau selbst an der Trichinosis erkrankt lieg,, hatte zu Weihnachten Schweine geschlachtet, aber nur drei auf Trichinen untersuchen lassen. Er hat keine Kunden zum Wcihnachtss-st- zahlreich mit Räucherwürstchen besooenkt, welche von b^en^ntcd, untersuchten Schweinen herzurühren scheinen, so daß ichan hierdurch die THAfnnfiä weite Verbreitung gefunden hat. Außerdem hatte die dortige Feuerwehr Trlchtnos nacktsietertaae in der Schänke ein Fest gefeiert, bei welchem zahlreiche Sßürftdben ^rzchrt^oorven sind, und nun liegen falt sämmtliche Mitglieder der Feucr- webr tt-nk darrriedcr; wie uns heute -in G-m-ind-rathSmitgltcd aus Ob-reun-wald- schrctbt sind der Ä-m-indevorstand, G-m-inde-Iteste und mehrere andere Ä-metndc- rathsinitglteder erkrankt. Im Ganzen betragt dre Zahl der an der Trichinosis Er- k?ank en bereits über 120, täglich aber kommen neue Erkrankungen dazu. Sechs Per­son nllnd bereits gestorben, zahireiche andere ringen unter den größten, peintgendsten mit dem Tode. In dem sonst so arbeitsamen Orte hort man letzt nur ® *U\CJu»n hn« «lavocrn des Webstuhles, denn meist sind es arme Weberfantilien, n°* 'm? k^re^ticke^Evidemie getroffen hat. Wenige Familien nur sind verschont wird täglich großer, feit Weihnachten haben di- Familien in geblieben. Die Noth v >agi ey » verdienen können, die kleinen Ersparniste bereits füch 'Int und Apotheker darausgegangen. Es herrscht eine d» W-b-r ab r sind b-ntts lur trzi Zusehen ift. (Angesichts des Vorstehenden 1 «tb h.?hrinaenbe mäbnung nur zu vringend am Platze sein, daruu, hinzuwnken, durtt--ine dringende lorisch auch bei uns tn Gießen eingeführl weeden

mlLbi ffiÄtfe *on den Bewohnern unserer Stadt haben seither sich sorglos den möge. 21ste ü e aeftattet in dem guten Glauben, datz alle geschlachteten

^dünai untdsucht worden seien und dennoch ist di-s-s nicht der Fall ^melen Unser mr-hrlich-, Stadtvorstand würde sich bcn Dant her Särge. Mait oer= K1 k harof hinrohf£n, daß in Gießen nur au, Trich.nen untersuchtes Fleisch zum Verkaufe gelangen dürfte. Die RedQ

San Remo, 26. Januar. Die Abendmusik und das Feuerwerk vor der Villa Zirio lockten gestern gegen 7 Uhr den größten Theil der hiesigen Gaste und der Be­völkerung an; die benachbarten Gasthöfe und Villen waren glanzend beleuchtet; kurze Zeit, nachdem mit derWacht am Rhein" die Musik begonnen hatte, begann das Feuerwerk am Strande, das in der milden Frühlingsnacht auf einem Hintergründe vom See und leichtbewölktem Rachthimmel sich prächtig entwickelte; als das Schauspiel beendet war und die Musik mit der preußischen Nationalhymne geschlossen halte, trug auch derAgostino Barbarigo", der, mit der Breitseite gegen die Küste verankert, in seinen Umrissen und im Takelwerk beleuchtet, auf der Rhede lag, seinerseits zu dem Feuerwerke bei, indem er Raketen emporsteigen ließ und die Boote im Hasen vor der Villa Zirio elektrisch beleuchtete. Die Kronprinzessin besuchte gestern mit Lady Layard den unter ihrem Patronat geförderten und eröffneten Armenbazar, verweilte längere Zeit und machte mehrfache Einkäufe. Das Wetter ist auch heute milde bei leich ­bedecktem Himmel. Der Kronprinz, den gestern die vielen Beweife herzlichster Theil- nahme sehr erfreuten, befindet sich wohl; eine Ausfahrt steht auf dem Programm. Ein ganz leichter Erdstoß setzte gestern gegen Abend in der voriges Jahr schwer betroffenen Gemeinde Villa Marina an; ein Theil der Bevölkerung übernachtete im Freien.

Im verflossenen Jahre wurden bei der Lebensversicherungs- und ^rsparniß- Bank in Stuttgart 5269 Anträge mit 31,808,000 JL, in den letzten 5 Jahren 24,837 Anträge mit 144,694,000 «X und seit dem Bestände derselben 94,220 Anträge mit 447,947,000 JL eingereicht. Für angefallene Versicherungen hat die Bank seit ihrem Bestände 38,900,000 JL und nebenbei den Versicherten an Dividenden 19,900,000 Jt. ausgezahlt. In den nächsten 4 Jahren kommen weitere 8,800,000 Ji. als Dividende an die Versicherten zur Rückvergütung. Die im Jahre 1887 eingetretene Sterblichkeit ist als sehr mäßig zu bezeichnen; es starben 604 Personen, die mit 3,180,800 JL be­teiligt waren, während die Wahrscheinlichkeitsrechnung wesentlich mehr Sterbfälle er­warten ließ; es ift daher für das Jahr 1887 ein günstiges Nechnungsergebnitz zu er­warten bezw. den Versicherten wiederum eine sehr befriedigende Drvivende in Aussicht zu stellen. Die Versicherungs-Bedingungen der Bank entsprechen hinsichtlich der Unan­fechtbarkeit den zeitlichen Anforderungen, solche sind in ihrer Gesammthert unüber­troffen günstig, ebenso sind die Prämien durch den Genuß der Dividenden unüber­troffen billig. _______________________________________

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Allgemeiner Anzeiger. Freiwillige Kranlrcnpstege im Kriege.

Zur Ausführung des allgemeinen Organisationsplans für den gesammten Sanitätsdienst im Kriege hat der hiesige Zweigverein in Aussicht genommen:

1) die Errichtung eines Lrzareths von etwa 100 Belten vorzut ereilen;

21 eine Abtheilung von Krankenpflegern und Krankenträgern für den Dienst im Felde und eine solche für den Dienst in Deutfchland, besonders auch in Gießen, zu bilden;

3) eine besondere Gruppe für Einsammlung von Liebesgaben und eine solche für die Erftlschungsstation auf dem hiesigen Bahnhofe aufzu­stellen ;

4) die Verwaltung für alle Zweige des Sanitätsdienstes emzurichten.

In der Erwartung, daß im Falle des Bedürfnisses die Mittel zur Aus­rüstung des Lazareths in kürzester Frist durch freiwillige Gaben zusammen- flietzen werden, ist vorläufig nur beabsichtigt, das zur Ausbildung und Aus­rüstung der Mannschaften erforderliche Material anzuschaffen.

Um den in langen Jahren ersparten nöthigen Fond zu erhalten, ist dem Verein eine Beisteuer von kleineren Geldbeträgen sehr erwünscht.

Viel mehr bedarf er aber der persönlichen Betheiligung an feinen Auf­gaben, deren Verschiedenheit und Umfang ihm auch die Verwendung bescheidener Kräfte gestattet. . r

In erster Linie erstrebt er, tüchtige Krankenpfleger, am Verbandsplatz und im Lazareth verwendbar, auszubilden und zu einer stets vollzähligen Gruppe mit selbstgewähltem Führer zu vereinigen.

Eine besondere Abtheilung würde für den Dienst im Bereiche der Etappenbehörden, d. h. im Rücken der im Feindesland entwickelten deutschen Armee bestimmt werden.

Nur in besonderen Nothständen und mit Genehmigung des Armee- Oberkommando's könnte diese mobile Abtheüun^ auch zur Hülfeleistung bei den operirenden Truppen zur Verwendung gelangen.

Behufs Ausbildung der Mitglieder und zweckentsprechender Zuweisung an die verschiedenen Ausschüffe ist es erforderlich, daß die Anmeldungen sofort geschehen. Bei derselben steht es Jedem frei, die Verwendung innerhalb der oben unter 13 erwähnten Gruppen selbst zu wählen und damit den Bereich { seiner Verpflichtung selbst zu bestimmen.

MÄs Mit der Meldung zum Krankenpfleger- und Krankentragerdienst ist zugleich die Verpflichtung übernommen, an dem Äusbildungskursus, der demnächrt zu möglichst Jedem gelegenen Stunden eingerichtet wird, Theil zu nehmen.

In Zukunft ist es nur möglich, im Anschluß an ben Verem sich dem Dienste des kämpfenden und leidenden Heeres zu widmen.

Der Verein aber muß alsbald und fortwährend in voller Bereitfchast stehen.

Er erlaubt sich deßhalb unter Anrufung der patriotischen und hülfs- bereiten Gesinnung der Bevölkerung die dringende Bitte öffentlich zu erheben, daß die Mäuner aus allen Ständen, die im Kriegsfälle nicht den Fahnen folgen, durch Zutritt zu dem Verem dem Vaterlands ihre Dienste sichern.

Die Anmeldung kann schriftlich bei dem Vorstände oder persönlich auf der Kanzlei des Großh. Bürgermeisteramts Gießen erfolgen.

Eifrige Freunde unseres Vereins dürfen wir einladen, Jeder in seinem Kreise zu werben und später an uns einzusendende Listen zur Einschreibung, namentlich in öffentlichen Lokalen aufzulegen.

Gießen, den 21. Januar 1888.

Der Vorstand des Zwerghllfsverems Greßen.

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