Stockholm, 26. Juli. Um 113/4 Uhr traf die „Hobenzollern" unter Geschutz- salut hier cm. Kaiser Wilhelm, Prinz Heinrich, Graf Herbert Bismarck und Gefolge fuhren in einer Schaluppe zur Landungsbrücke, die durch eine prachtvolle Ehrenpforte mit dem deutschen Reichswappen geschmückt war und wo der König, das Kronprinzenpaar und die höchsten Würdenträger die Gäste empfingen. Die Ehrentruppen waren in Parade ausgestellt, zwei Musikcorps spielten die preußische Hymne. Die Herrschaften begaben sich alsdann auf die eigens erbaute Brücke und darauf in das gegenüber gelegene Königsschloß; auf dem Wege wurde der Kaiser von der Bevölkerung mit lebhaften Hurrahrufen bewillkommnet. Kurz nach der Ankunft im Schlosse trat Kaiser Wilhelm mit dem König auf den Balkon, von der zahlreichen Volksmenge enthusiastisch begrüßt. Nachmittags 4'/r Uhr fand eine Spazierfahrt nach dem Thiergarten statt, Abends ist Galadiner, zu welchem 115 Einladungen ergangen sind.
Christiania, 26. Juli. Der König verlieh dem Könige von Sachsen das Großkreuz des norwegischen Ordens des heiligen Olaf. Ferner wurden durch Verleihung dieses Ordens ausgezeichnet der preußische Generallieutenanl v. Hahnke und der italienische Ministerpräsident Crispt. ,
Rom, 26. Juli. Auf die Androhung mehrtägiger Beobachtung für die Provenienzen aus dem Golf von Neapel Seitens der Türkei versicherte die Regierung dieselbe des ausgezeichneten Gesundheitszustandes Italiens. Sollte die Pforte trotzdem auf ihrer Absicht bestehen, wird die Regierung allen türkischen Consularagenten im Golfe von Neapel das Exequatur entziehen, weil sie wissentlich oder unwissentlich ihre Regierung täuschten. , r . ,
Petersburg, 26. Juli. Das „Journal de St. Petersbourg" sagt anläßlich einer Wiener Depesche des „Journ. des Deb.", wonach die Entrevue in Peterhof weit entfernt davon sei, die Türkei zu beruhigen, welche militärische Vorsichtsmaßregeln treffen würde: Zu den Regierungen, welche den Frieden aufrecht zu erhalten wünschen, gehöre sicher diejenige des Sultans; Jeder wisse genau, daß die Entrevue bezweckte, Besorgnisse zu beseitigen, nicht zu schäften. — Das Journal bestätigt den Beitritt Rußlands zur Suezcanal-Conventton. _
Kiew, 26. Juli. Die Jubelfeier zur Erinnerung an die Einführung des Christenthums in Rußland, verläuft programmmäßig. Derselben wohnen außer zahlreichen russiichen Bischöfen und Deputationen auch der Generalprokurator der heiligen Synode, der Wirk!. Geh. Rath Pobedonoßzew bei. Aus dem Auslande sind zu der Feier eingetroffen: Der Archimandrit der Kirche zum heiligen Grabe in Jerusalem, Arsenius, der montenegrinische Metropolit, Hilarion, der Archimandrit der Peters- burgischen griechischen Gesandtschaftskirche, Neophit, der Jassyer Archimandrit Konon Aromeiko Donic, ferner aus Jassy der Fürst Bogoridis, der serbische General Gruic. Graf Jgnatieff nimmt in seiner Eigenschaft als Präsident des Petersburger Slavischen Wohlthätigkeitsvereines an der Jubelfeier Theil.
Potsdam, 27. Juli. Ihre Majestät die Kaiserin ist heute früh gegen 1V2 Uhr von einem Prinzen entbunden worden.
Universttäts -Chronik.
— Professor Dr. Leonhardt in Marburg hat den an ihn ergangenen Ruf nach Erlangen abgelehnt.
Vermischtes.
= Frankfurt, 26. Juli. Die Ihnen gestern gemeldete schwere Diebstahlsgeschichte, die einen hiesigen Zahnarzt betraf, hat eine höchst einfache Lösung gefunden. Die Frau jenes Zahnarztes soll nämlich die Eassette und Werthgegenstände weggeschleppt haben. Die Letzteren sind dem Derneha en nach wieder zur Stelle geschoftt, dagegen ist die Eassette mit 40 000 JL. (?) sowie die Gattin verschwunden.
Frankfurt, 26. Juli. Der jüngst verhaftete gefährliche Einbrecher soll nach neuesten Ermittelungen Hoffmann heißen. Die Richtigkeit dieses Namens wird indeß auch bezweifelt und wohl nicht ohne Grund. Hoffmann-Bergmann ist ein vielgesuchter Mann. Von Wiesbaden aus wird er steckbrieflich verfolgt. Er ist dort aus-- gebrochen, gibt also auch in dieser Beziehung seinem vermuthlichen Complicen Langner nichts nach. Hoffmann soll auch den Raub an dem dreizehnjährigen Knaben aus Seckbach, der Ihnen s. Z. gemeldet wurde, verübt haben. Da er sich von den Verletzungen, die er sich bei der Verhaftung beibrachte, erbolt hat, findet seine Vernehmung nicht mehr im Gefängniß, sondern im Landgerichtsgebäude statt. Die Untersuchung leitet Herr Landrichter Dr. v. Harnier. Hoffmann, der hier eine große Rolle gespielt — so auch beim vorigjährigen Schützenfeste — und mit zahlreichen Organen unserer Polizei verkehrt hat, ist keine unbekannte Persönlichkeit, prangt doch seine Photographie im hiesigen Verbrecher-Album. In Wiesbaden war er unter anderem Namen inlernirt, woraus zu schließen ist, daß man den Namen des gefährlichen Burschen noch nicht kennt und auch mancherlei Schwierigkeiten haben wird, ehe man weiß, mit wem man es in der Person des Herrn „Rentier" zu thun hat. Bergmann-Hoftmann wird von zwei Wächtern bewacht.
— Se. Majestät Kaiser Wilhelm II. hat das Protectorat über den im August Hierselbst stattfindenden III. Internationalen Binnenschifffahrts-Eongreß übernommen.
— fSonderzüge nach Münchens Wie man hört, soll die Betheiligung an den am 28. d. M. nach München abgehenden Sonderzügen besonders von Frankfurt und Mainz aus eine sehr zahlreiche werden.
— Von der Findigkeit der Post wird wieder einmal ein hübsches Geschichtchen erzählt und zwar aus Sonneberg. Hier ist es: Ein Kaufmann in Madrid interessirt sich lebhaft für eine gewisse Sorte waschbarer Puppenköpse. Da er aber weder den Fabrikationsort, noch den Fabrikanten kennt, sondern nur weiß, daß die von ihm gewünschten Puppenköpfe in Deutschland angefertigt werden, so versieht er seinen Brief auf gut Glück mit folgender Adresse: Al fabricante de esta marca Alemania. (An den Fabrikanten dieser Marke in Deutschland) und klebt nun die Schutzmarke des Puppen- kopfes, welche ihm zur Hand ist, obenan. Der Brief ging zuerst nach Nürnberg, dann nach Sonneberg und gelangte hier alsbald in die Hände desjenigen Fabrikanten, welcher die betr. Schutzmarke führt.
— sEin städtisches Bterleitungs-Project.^ Ein Bierröhren-System ist von einem gewissen W. Heeg in Alleghany City in Vorschlag gebracht, das von einem Braueret- besitzer nach der Patentirung angenommen werden soll. Es wird nichts weniger beabsichtigt, als von einer Brauerei ausgehende Röhren längs der Straßen zu legen und diese durch Zweiglinien mit Privathäusern zu verbinden. Diese Zweigröhren enden in Hähnen, die mit Meßapparaten in Verbindung stehen. Auf diese Weise kann sich jede durstige Kehle sofort und auf kürzestem Wege mit kühlem und frischem Bier Labung verschaffen. Allmonatlich macht dann der Eollector die Runde, stellt die Menge des abgezapften Bieres fest und erhält Bezahlung. Hegg will ein System von drei Röhren annehmen und zwar soll eine Thonröhre, eine Eisenröhre und diese in geringen» Abstande wieder eine solche von innen versilberte umschließen. Der Raum zwischen den beiden eisernen Röhren wird durch kalte Luft gefüllt, die von der Kaltlufterzeugungs- Maschine der betreffenden Brauerei hineingetrieben wird. Die Reinigung der inneren Röhre soll jeden Monat erfolgen. Ein mit 50 000 Gallonen Bier gefülltes Reservoir in der Brauerei gibt den nöthigen Druck, um das Bier durch die Röhren in die Prioat- häuser zu treiben. Die Consumenten werden weder Licenzen noch Taxen zu zahlen haben, nur hat die Brauerei das Reservoir mit den betreffenden Stempelmarken zu versehen. — Für die „Sauregurken-Zeit" wäre eine derartige Steuerung außerordentlich angenehm. — Leider hat der ingeniöse Projectant der Bterleitung in feinem sonst so genauen Entwürfe nicht angegeben, ob man mehrere Monate lang die „Viermiethe" schuldig bleiben darf, da der „Pump" nun einmal so leicht vor sich geht.
Landwirthschaftliche Machrichte«.
(Nachdruck verboten).
— (Das Bitterwerden der Gurkens Das Bitterwerden der Gurken ist häufig der directen Einwirkung der Sonne zuzuschreiden, denn wenn die Früchte bei heißem, trockenem Wetter von Ranken und Blättern nicht beschattet werden, so werden sie welk und bitter. Ebenso werden die Früchte an alte Ranken, denen es an genügender Nahrung mangelt und die deshalb zu langsam und kümmerlich wachsen, häufig bitter. Ein erprobtes wirksames Mittel gegen das liebel gibt es indessen gar nicht, vermieden kann dasselbe nur durch sorgsame Eultur, reichliches Gießen und Düngen und dann hauptsächlich durch richtiges Verthetlen ter Ranken auf dem ganzen Beete werden,
damit dieselben nicht zu dicht stehen und zuviel Schatten haben. Nun wollen wir auch gleich ein Mittel angeben, um bittere Gurken wieder genießbar zu machen, da man es diesen beim Einkauf nicht ansehen kann, ob sie bitter sind, in dem Falle würde man sie doch nicht kaufen. Man schält die Gurke (vom Stengel nach der Blüthe hin geschält) sauber ab und legt sie 4—5 Stunden in frisches Wasser, dem man etwas Quilagarinde zugesetzt hat, welche man in jeder größeren Drogenhandlung erhält. Diese Quilagarinde hat neben anderen guten Eigenschaften auch die, daß sie den Bitterstoff der Gurken unfehlbar aufnimmt und die Gurken angenehm frisch und wohlschmeckend macht.
Schiffs nachrichten
Bremen, 25. Juli. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Elbe, Eapitän H. Blanke, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 14. Juli von Bremen und am 15. Juli von Southampton abgegangen war, ist gestern Mittag 12 Uhr wohlbehalten in Newyork angekommen.
Hande» und Verkehr.
Herborn (an der Köln-Gießener Eisenbahn), 26. Juli. Auf den heutigen hiesigen Markt wurden gebracht: 703 Ochsen, Kühe und Rinder und 728 Schweine. Der nächste Markt ist am 20. August l. I.
Frankfurter Stadttheater.
Das im Opernhause nächste Woche zur ersten Aufführung gelangende Schauspiel „Die Reise um die Erde in 80 Tagen" (nebst einem Vorspiel „Die Wette um eine Million") von Jules Verne und d'Ennery, zerfällt in nachfolgende Abtheilungen: 1. Abtheilung: 1. Bild: Am Canal vön Suez, 2. Bild: Die Wtttwe des Rajah, 3. Bild: Auf dem Scheiterhaufen; 2. Abtheilung: 4. Bild: Im Namen des Gesetzes, 5. Bild: Die Schlangengrotte in Borneo, 6. Bild: Das Fest der Königin Nakahira; 3. Abtheilung: 7. Bild: Der Goldgräber von San Franzisco, 8. Bild: Der Ueberfall auf der Pacificbahn, 9. Bild: Die Riesentreppe von Kearney; 4. Abtheilung: 10. Bild: An Bord der Henriette, 11. Bild Capitän Togg; 5. Abtheilung: 12. Bild: Ein freiwilliger Verbrecher, 13. Bild: Drei Hochzeiten auf einmal.
5C.em.lll en oh S unentbehrliches’Nährmittel ftir Magentranke, MVAMaaiiV* M** Schwacheu.Genesende. Von Aerztenverordnet.
Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde.
Gottesdienst.
Samstag, den 28. Juli:
Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Schlosser.
9. Sonntag nach Trinitatis, den 29 Juli: Vormittags 9Vz Uhr: Gymnasiallehrer Stamm. Feier des heiligen Abendmahls. Nachmittags 21A> Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Kinderkirche, Vormittags 11 Vt Uhr, Pfarrer Schlosser. Katechismuslehre für die Realgymnasiasten und Realschüler Vormittags 8 Uhr in der Kleinkinderschule, Pfarrer Dr. Naumann.
Katechismuslehre für die Mädchen, Vormittags 8 Uhr, in der Kirche, Pfarrer Schlosser.
Die Pfarrgesckäfte in der Woche vom 29. Juli bis 4. August besorgt Pfarrer Dr. Naumann.
Katholische Gemeinde.
10. Sonntag nach Pfingsten.
Von 6 Uhr an Beichte.
Um 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion.
Um V2IO Uhr: Hochamt und Predigt.
„ 2 Uhr: Andacht.
Gottesdienst in der Synagoge.
Freitag Abend 7°° Uhr, Samstag Morgen 8°° Uhr, Sams rag Mittag 4 Uhr Samstag Abend 840 Uhr.
Wärmegrade der Lahn und der Luft,
nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr.
Luft 18, Wasser 16 Gr.
Gießen, den 27. Juli 1888. Rübsamen.
Jugendfest.
Das diesjährige Jugendfest wird am 9* August im Philosophenwald abgehalten werden. Es sind zur Betheiligung über 2500 Kinder angemeldet, woraus zu ersehen, daß zur würdigen Begehung des Festes ansehnliche Geldmittel erforderlich sind. Wir richten deshalb an die geehrten Eltern und Freunde der Jugend die freundliche Bitte, uns auch diesmal durch Beiträge an Geld wohlwollend unterstützen zu wollen.
Junge Damen, die geneigt sind, als Zugführerinnen oder Spielordnerinnen mitzuwirken, werden gebeten, sich bei einem der unterzeichneten Comitemitglieder, am besten bei Herrn Lehrer Lehr zu melden und sich Sonntag, den 29. d. M, Vormittags 11 Uhr, in der Turnhalle der höheren Mädchenschule etnzufinden.
Da diesmal die Plätze für die acht Wirthschaften versteigert werden sollen, so ist hierzu Termin auf Mittwoch, den 1. August, Nachmittags 3 Uhr, an Ort und Stelle anberaumt. 5989
Das Festcomite:
Altvater, Baist, Bramm, Büchner, Enders,
Bautechniker. Stadto. Brgstr. Schulrath. Stadtrechner.
Fuhr, Franz, Georgi, Hahn, Haustein,
Oberlehrer. Reallehrer. Stadtv. Oberlehrer. Stadtv.
5 Hornberger, Lehr, Nodnagel, Spitz, Vigelius,
Stadtv. Lehrer. Direktor. Lehrer. Direktor.


