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27/05/1888 Erstes Blatt
 
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OeffentLiche Impfung.

Die diesjährige Impfung wird Freitag den 1. und Freitag, den 8. Juni d. I., jedesmal Nachmittags 3 Uhr, im alten Rathhause abgehalten werden, und die Nachschau, zu welcher die geimpften Kinder noch­mals erscheinen müssen, 8 Tage später.

Jmpfpflichtig im laufenden Jahre sind die im Jahre ISST geborenen Kinder, sowie die Rückständigen aus früheren Jahren. Es dürfen jedoch auch Kinder, die erst in 1888 geboren sind, zur Impfung gebracht werden und auch Erwachsene werden auf ihren Wunsch geimpft.

ES kommt nur Kälberlywphe auS dem Landes Jmpf- Jnstitut zur Verwendung.

Wir laden die hiesigen Einwohner zur Benutzung dieser Termine ein, mit dem Bemerken, daß alle in denselben vorgenommenen Impfungen für den Einzelnen unentgeltlich sind. Wer die Termine nicht benutzen will, muß auf eigene Kosten die Impfung vornehmen lasten. Kinder, deren Zurückstellung wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können in den Terminen gleichfalls dem Jmpfarzt vorgestellt werden.

Gießen, 26. Mai 1888.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

4451 A. Bramm.

Oberhesjische Eisenbahnen.

In Bezug auf die Beförderung von Patronen aus Sekurit hat der Bundes­rath eine Ergänzung der in der Anlage D -um $ 48 des Betrtebsreglements für die Eisenbahnen Deutschlands vorgesehenen Bestimmung beschlossen, welche in der Nr. 18 des Centralblattes bekannt gemacht worden ist.

Nähere Auskunft ertheilen die Güter- exveditivnen.

Gießen, den 22. Mai 1888.

4441 Großherzogliche Direction.

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Thierschutzverein Gießen.

Generalversammlung

DienStag, den 5. Juni, Abends 8 Uhr, imPostkeller".

Tagesordnung: 1) Jahresbericht,

2) Rechnungsablage,

3 ) Vorstands wähl.

Nach S§ 8 und 9 der Statuten müssen etwaige Anträge 8 Tage vor der Generalversammlung beim Vorstande eingereicht werden. 4418

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I Erklärung betreffs des Luther-Testspiels.

! als aam°aP1m6th^b9rttr*i.eiteh rol,b mir mitgctheilt, daß bei Gliedern meiner Gemeinde ' ßutbe?-sSms* mich Derbreitet werde, ich sei ein heftiger Gegner des

I Ls nurs .l®'m ? blc ^ute wider dasselbe auf und suche die Aufführungen ! mft 5fcbrP rokbtLnn<Sn* . ®antt DÖUiß unwahre, lieblose Gerede in einer mir jepr wichtigen L>ache durch mem Schweigen nicht den Schein der Ntcktiakeit ae-

SichluIrklLm^ 6etreff8 D,£inCt Stellung zu dem ZÄRtt L s td) selbst Niemand sonst die Anregung zur Aufsübruna

von H. Herrig in hiesiger Gemeinde gegeben habe. Als Gegner

ÄttÄs?les doch mcht, sondern ich lhat es, weil ich den hohen Werth dieser kirchlichen 2Ur bfQ9 eoangetilch-kirchliche Leben erkannt hatte, weil ich den Segen der- selben auch unserer hiesigen Gemeinde geboten zu sehen wünschte, und wei?ich für unseren Kirchenbaufonds dadurch einen Beitrag erhoffte. Ich hatte hierbei von Anfana an keinen anderen Gedanken, als daß zu diesen Ausführungen nur effr öffentliche? Saal, der. größte in Gießen, Stein's Gartensaal, gemiethet und würdig heraericktet te unserer Stadtkirche galt mir für unbedingt ausgeschlossen.

s?^nis Gemeinde von fast 17 000 Seelen nur diese eine Kirche zu Gottesdienst ^bndmahlsfeier, Trauungen und anderen kirchlichen Handlungen besitzt, so hielt und

UV- Un k bra& Lese Handlungen und das in ihnen sich darstellende Un3i"m«b?s^EU'deleben durch solche Festspiele auf Wochen hinaus unterbrochen werden. Auch widerstrebt es mir entschieden Anderen geht es vielleicht auch so daß unser ist es XrehJllrd,\n11/ Bühne zu einem Festspiel überbaut werde; eine Bühne Hnh ^dirmu* Cbr^Unbrte rI! auf ^usgefuhrtes Luther-Festspiel, mag es noch so kirchlich und christlich sich gestalten und ergreifend wirken, ist nimmermehr ein Gottesdienst. In anderen Städten sind allerdings auch zuweilen Kirchen für die Luther-Festspiele benutzt worden, aber mel häufiger öffentliche Säle; und in letzterer Zeit werden immer

meines Erachtens in sehr richtigem Verständniß Säle" benutzt, nicht die W? ^^^res doch geschieht, da sind es entweder Kirchen, die zu Gottesdiensten nich mehr in Gebrauch sind, oder die neben anderen tii b.r @em Jnbf DÄe.en & 5 entbehrt werden können. Stoch nirgends ist meines Wissens die einzige

kLuther - Festspielen hergegeben worden. Als hier das unsere Stadtkirche zu den Aufführungen erbat, war ich selbst­verständlich gegen Bewilligung und erklärte die Benutzung eines Saales als das einzia angemessene. Die Bewilligung der Kirche wurde aber bekanntlich ertbeilt, doch nur unter ausdrücklichen bestimmten Bedingung, daß der sonntägliche Gottesdienst in der Stadt- klrche dabei nicht gehindert werde. Nttr erschien diese Bedingung von vornherein als unerfüllbar; ich wurde aber belehrt, daß die Errichtung und Wegnahme der sehr ein- sachen Buhne ledesmal in einigen Stunden ausgeführt werden könne. Was ich vor­aussah, geschah. Das Luther-Festsptel-Comitö erklärte nach längerer Zeit der Vorbereituna die wochenweise Wegnahme und Neuaufstellung der Bühne in derKirche für unausführbar unö bat um Verzicht auf die eben genannte Bedingung und um Ueberlassung der Kircke auch an einigen L>onntagen. Auch diese Bitte wurde gewährt und beschlossen, an jenen Sonntagen unsere Gottesdienste in der Friedhofskapelle zu halten. Ich sprach da wo ich zu reden berufen und veranlaßt mar, mein schmerzliches Bedauern über diese Ge- wahrmra aus und ich hege dieses Bedauern heute noch, weil in Folge derselben einige Wochen lang unsere Kirche weder zu Gottesdiensten, noch Abendmahl, noch ^rauungen am Altar benutzt werden kann (ob 2 Sonntage genügen werden, ist mir heute noch sehr zweifelhaft), weil wir auch bet vermehrten Gottesdiensten in der fernen, kleinen Friedhofskapelle vielen fleißigen und regelmäßigen Kirchenbesuchern ihren ge­wohnten Kirchgang nehmen, und weil ich in solcher Unterbrechung und Aenderung nur eme Schädigung des kirchlichen Lebens in der Gemeinde zu erkennen vermag. Es war auch in diesem Stadium der Angelegenheit meine feste Ueberzeugung und ist es heute noch, daß Stein's Gartensaal zu den Festspielen hätte gemiethet und hergertchtet werden sollen, und daß dort die Aufführungen mindestens mit demselben Erfolg und Segen, wie er in der Kirche zu hoffen ist, vor sich gehen würden. Natürlich war dann wegen der Kosten eine viel geringere Einnahme für den Kirchbaufonds zu erwarten was aber bet einer solchen ernfteh kirchlichen Angelegenheit der allergeringste Verlust ist.

Nachdem unsere Kirche zur Aufführung des Luther-Festspiels bewilligt war war mir eine Mitarbeit zur Vorbereitung dieser Festspiele nicht mehr möglich; und nach­dem auch die Unterbrechung der gewohnten Gottesdienste u. s. w. in der Kirche zu­gestanden war, war mir persönlich meine Herzensfreude an dem Luther-Festspiel ver­dorben; und das um so mehr, als es bekannt ist, daß im deutschen Vaterland viele evangeliiche Christen für die Luther-Festspiele aufs höchste sich begeistern und dabei kaum zwei bis drei Mal lährlich zur Kirche und niemals zum Abendmahl kommen und weil auch um deswillen das gewohnte kirchliche Leben durch die Festspiele in keiner Werse beschrankt, sondern bestimmt bezeugt werden sollte, daß bei allem hochgeschätzten Werth der Luther-Festwies doch in jeder Hinsicht erst der Gottesdienst kommt und bann erst das Festspiel. Dies sage ich offen; und ich habe so gut wie andere Leute das Recht und den Beruf, m dieser mich persönlich und amtlich sehr nahe angehenden tirchtichen Angelegenheit meinem Gewissen zu folgen und meine Ueberzeugung aus- zusprechen. Wenn ich dadurch bei Manchem mich unangenehm mache, so muß und kann ich das tragen. Daß ich aber deshalb ein Gegner des Luther-Festspiels sei daß ich gegen dasselbe aufhetze und seine Aufführung hier zu Hintertreiben suche, das kann nur nut arger Verdrehung und Verleumdung gesagt werden. Im Gegentheil das möchte ich nunmehr auch öffentlich erklären habe ich dasselbe Interesse" an dem Wohl- gelingen des Luther-Festspiels, wie nur sonst irgend Jemand in der Gemeinde; ich hege ?rCn££c rld)Ugen daß die nun unvermeidlicher Weise in derKirche geschehenden

Aufführungen allgemeine Betheiligung und möglichst reichen, besonders geistlichen und kirchlichen Erfolg und Segen schaffen möchten. Ich wünsche dies um der guten evangelischen Sache willen, die ick m jeder Weise in unserer Gemeinde gefördert sehen möchte; ich wünsche es auch um der Mltwirkenden willen, die mit Eifer und Begeisterung ihrer ernsten Aufgabe sich hingeben, sowie um der Mitglieder des Comites willen die mit den größten Opfern an Zeit und Arbeit das schwere Werk binausführeu. Auch habe ich alle mir als dem ersten Pfarrer und Vorsitzenden des Kirchenvorstandes zu­kommenden Vorbereitungen und Besorgungen ungesäumt/erledigt und werde sie soweit nolhig noch weiter erledigen, damit in dieser Hinsicht die Aufführungen des Festspiels in der Kirche ungehindert vor sich gehen, und damit die Gemeindeglieder möglichst zahlreich und bequem an den Gottesdiensten in der Friedhofskapelle sich betheiligen können

Nach diesen Darlegungen bitte ich meine Gemeinde herzlich, ein anderes Urtheil 'N dieser Sache über mich zu haben, als es das oben genannte Gerede veranlassen mußte

Gießen, den 26. Mai 1888.

Dr. Naumann, Pfarrer.

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Emil Dominik.