Beilage zu Ar 98 Öes „Geßener Anzeiger".
Universitäts-Chronik.
Bonn, 23. April. Heute Mittag verschied Dr. Gerhard vom Rath, Geheimer Bergrath und ordentlicher Honorarprofessor an der hiesigen Universität. Derselbe starb nach kurzem Krankenlager an den Folgen eines Gehirnschlages, der ihn in scheinbar voller Lebensfrische am 19. April in Coblenz traf, wo er im Beginn einer nach Italien gerichteten Forschungsreise einige Stunden verweilt hatte und grade im Begriffe war, seine Reise fortzusetzen. Völlig bewußtlos und gelähmt wurde er von seiner ihn begleitenden Gattin und von Freundeshand in Coblenz gebettet und bis zu seinem letzten, unbewußt gebliebenem Athemzuge gehütet. Er starb auf rheinischer Erde, auf der er vor fast 58 Jahren zu Duisburg geboren worden war und die er als treuer Rheinländer nur vorübergehend auf Reisen zu verlassen sich entschließen konnte. In dem Dahingeschiedenen verliert die Wissenschaft in Deutschland ihren hervorragendsten Mineralogen, die hiesige Universität einen weit über die Grenzen Europas hinaus bekannten Forscher sowie einen langjährigen bedeutenden Lehrer, und die Menschheit, besonders in der Heimath des Verstorbenen, einen unermüdlichen, von echt christlicher Liebe durchdrungenen stillen Wohlthäter und warmen, zu jedem persönlichen Opfer stets bereiten Freund. Die Bürgerschaft Kölns schuldet dem Verstorbenen ein besonders warmes Andenken. Es ist eben erst ein Monat abgelaufen, seit auf Arnoldshöbe der Grundstein zu dem vom Verstorbenen und seiner Gattin hochherzig gestifteten Arbeiterheim Wilhelmsruhe gelegt worden ist, eines Unternehmens, das noch mehrere Jahre bis zu seiner Vollendung in Anspruch nimmt, dann aber ein beredtes Zeugniß für die edle Menschlichkeit und den hohen Bürgersinn des Verstorbenen über die Tage unseres Geschlechts hinaus sein wird.
Vermischtes.
A Mainz, 25. April. Das hiesige Kreisamt erläßt in Bezug auf den Maurer- strike ein Ausschreiben an die Bürgermeistereien des Kreises, in welchem dieselben aufgefordert werden, streng darüber zu wachen, daß Maurer, welche arbeiten wollen, nicht durch Drohungen und Mißhandlungen hiervon abgehalten werden. Unter Hinweis auf den S 240 des Strafgesetzbuches fordert das Kreisamt die Bürgermeistereien auf, Denjenigen, welche arbeiten wollen, polizeilichen Schutz angedethen zu lassen und in vorkommenden Fällen die sofortige Verhaftung der dem Gesetze Zuwiderhandelnden vorzunehmen. — Inzwischen hält der Strike weiter an und beunruhigt alle Handwerkskreise. welche mit dem Bauhandwerk zu thun haben und jetzt mehr oder minder auf das Trockene gesetzt sind. Auf Zeitungsinserate hin waren einige wenige Maurer- gehülfen hierher gekommen, haben es aber vorgezogen, wieder weiter zu wandern.
— Ein schon lange Jahre zwischen der Stadt Mainz und den hier bestehenden Religionsgesellschaften darüber schwebender Prozeß, wer zur Vereinnahmung der aus den Begräbnißplätzen herrührenden Gebühren berechtigt ist, wurde durch ein heute 'erlassenes Urtheil des hiesigen Landgerichts zu Ungunsten der Stadt Mainz entschieden. Das Gericht hat erkannt, daß die Religionsgemeinden aus früheren Zeiten datirte Anrechte auf diese Gebühren haben.
— Die von dem landwirthschaftlichen Verein hier in's Leben gerufene Genossenschaftsschlächterei wurde heute eröffnet. Zur Freude der hiesigen Herren Metzger war das erste in die Schlächterei getriebene Vieh tuberkulös.
A Aus Rheinhessen, 25. April. Im Wackernheimer Walde wurden heute Morgen zwei Mainzer Herren beim Stellen von Hasenschlingen von dem Förster erwischt. Nach heftigem Wortwechsel wurden die Herren, die sich weigerten, ihre Namen .anzugeben, unter Zuhülfenahme mehrerer Leute verhaftet. j
— Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahl- j industriellen belief sich die Roheisenproduction des Deutschen Reichs (einschließlich | Luxemburgs) im Monat März 1888 auf 359 772 Tonnen, darunter Puddelroheisen [ und Spiegeleisen 176 618 Tonnen, Besiemerroheisen 34 781 Tonnen, Thomasroheisen k 104 592 Tonnen und Gießereiroheisen 43 781 Tonnen. Die Production im März 1887 I betrug 315 713 Tonnen. Vom 1. Januar bis 31. März 1888 wurden producirt 1045 575 Tonnen gegen 885 818 Tonnen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. I
zT,rtte - (Gegen die Offiziers-Moden.) Seit einiger Zeit fiel es auf, daß einzelne mü dn?r ^erigen schneidig-engen Form abweichende weite Beinkleider
HSJ Bügelfalte trugen und diese Annäherung an das Ciotl durch die nicht gerade schon geformten englischen Stiefel mit niedrigen Absätzen und Schnabelspitzen vervoll- Wie nun die „Schles. Ztg." von gut unterrichteter Seite erfährt, hat sich Kronprinz Wilhelm kürzlich zu dem Offiziercorps des betreffenden Garde-Regiments recht unzweideutig und mißbilligend über diese Moden ausgesprochen. Der Kronvrinr lpcctla bie englischen Stiefel und die „Bügelfalte" bei den Beinkleidern. — unb Schneider der Mitglieder jenes Offiziercorps sollen in den nächsten Tagen sehr viel zu thun gehabt haben. P " °Cn
2t4l 2IprtI; Rudolf Herzog hat dem Kronprinzen 100,000 JL zu Gunsten der Ueberschwcmmten zur persönlichen Verfügung gestellt.
rr ~ (Gin Kranz aus Afrika für Kaiser Wilhelm.) Die Herren Donald Currie u. Comp. beförderten am 22. d. M. nach Hamburg einen prachtvollen Kranz, welchen die deutschen Einwohner von Cape Town per Dampfer „Rosltn Castle" gesandt, um als ein L,rrbut der Achtung seitens der Deutschen in Südafrika auf das Grab des verewigten Kaisers Wilhelm in Charlottenburg gelegt zu werden. Der Kranz ist an das Auswärtige Amt in Berlin adressirt.
° (Lawinensturz.) Zwischen Gasscnfaß und Schelleberg in Tyrol ist eine mächtige Lawine niedergegangen und hat die Bahn auf 80 Meter Lange und 5 Meter Hohe bedeckt und durch die mitgerissenen Felsstücke den Oberbau in einer Ausdebnuna von berlaufig 50 Meter stark beschädigt. M 9
— [Unerhörte Neugierde.) Ein Reisender kam in ein Hotel und wollte seinen Namen in das Fremdenbuch eintragen, als er eine Wanze in dem Buche herumkriechen sah. Die Feder wegwerfen, sein Gepäck nehmen und fortgehen war bei ihm das Werk eines Augenblicks, wobei er ausrief: „Ich habe in Bezug auf Ungeziefer schon Einiges mitgemacht, daß aber dieses Vieh schon gleich im Fremdenbuch nachsieht, in welchem Zimmer ein Reisender untergebracht ist, das ist mir zu stark!"
Nachstehender Brief ist uns aus Amerika zur Veröffentlichung zugekommen:
„Wir unterzeichnete Zwischendecks-Passagiere des Dampfers „Pennsylvania" wollen nicht unterlassen, nach unserer glücklichen Ankunft in New-York, der Red Star Line in Antwerpen, sowie deren Agenten unsere Zufriedenheit für die gute und rasche Beförderung öffentlich auszusprechen.
Von Herrn C. F. I. Bot Hof in Mainz, General-Agent der Red Star Line, und seinen Agenten erhielten wir unsere Schiffskarten zum niedrigsten Preise, wurden daselbst freundlich empfangen und nebst unserem Gepäck weiter befördert. Wir hatten uns um Nichts zu kümmern und in Antwerpen wurde unser Gepäck kostenfrei von der Bahn auf den Dampfer gebracht.
Zur festgesetzten Zeit ging unser Dampfer „Pennsylvania" von Antwerpen ab und auch auf der Seereise waren wir in jeder Hinsicht vollständig zufrieden. Das Essen war gut und schmackhaft mbereitet und reichlich vorhanden und die Reinlichkeit und bequeme Einrichtung aus dem Dampfer ließen Nichts zu wünschen übrig; auch die Offiziere und Mannschaften waren gegen Jedermann sreundlich und zuvorkommend.
Nach einer äußerst günstigen Fahrt landeten wir am 27. März in New-York und wurden daselbst in Castle Garden nach Herrn Bothof's Anweisung von Herrn C. I. Fischer zum Baierischen Hof abgeholt, sehr gut und billig bewirthet und am anderen Tage zur Bahn geleitet.
Wir können daher jedem Auswanderer zu seiner Reise nach Amerika die Benutzung der Red Star Line mit gutem Gewissen empfehlen.
New-York, 28. März 1888.
Johann Schuster. Josef Schatzdorfer. Ludwig Aschenbrenner. Joseph Greipl und Frau. Johann Drasch. Josef Piser. Marie Oeller. Therese Oeller. Peter Wimmer. Josef Enzensperger mit Familie. Paulus Suckfüll. Paul Halbig. Johann Herzing mit Familie. Johann Grünthammer. Elise Wtßmuth. 3541
Freitag, den 27. ds. Mts.,
Nachmittags 2 Uhr,
in der früher Bramm'schen Hofratthe dahier sollen gegen Baarzahlung öffentlich versteigert werden: , ,,
1 Kuh, 2 Schweine. 1 Wägelchen, 1 Drehbank, 1 Hobelbank, 2 Kommoden, 2 Kleiderschränke, 1 Secretär, 2 Sophas, 1 Regulator u. s. w.
Gießen, den 25. April 1888.
Engel,
3531 Gr. Gerichtsvollzieher.
Freitag, den 11. Mai l. I,
Nachmittags 2 Uhr,
soll auf dem hiesigen Ortsgericht die den Karl Achenbach Ehelcuten in Gießen gehörige Hofraithe:
Flur 1 Nr- 7925/i0 — 88 Meter Hofratthe an dem Markt
öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 29. März 1888.
Großh. Ortsgericht Gießen.
Bogt, Ortsgerichtsmann. 2611
Montag, den 30. d. M., Nachmittags 2 Uhr, wird die Versteigerung der Möbel des Herrn I. Goldschmidt, Neuenweg 6, im Hause des Herrn Schlatter, fortgesetzt. Es kommen zum AuSgevotr
2 schöne Bilder mit Goldrahmen, 1 Kommode mit GlaSaufsatz, Sopha, Stühle, Tische, 1 Spiegel- schrank, Kleiderschrank, Lehnsessel, einige Christofte-Gegen- stände, Haushaltungsgegenstände, Bütten re. 3516
Aeisgeöotenes.
3078 Ein Haus mit Laden und bewohnbarem Nebengebäude unter günstigen Bedingungen zu verkaufen.
Näheres in der Exped. d. Bl.
Allgemeiner Anzeiger.
Die erledigte Stelle des Kreisstraß enwarteS für einen Theil der Strecke Beuern—Geilshausen mit dem Sitz in Beuern, Geilshausen, Bersrod oder Reinhardshain soll aus 15. Mai neu besetzt werden.
Bewerber haben ihre Meldungen bis längstens 30. d. M. bei dem Bezirksbauaufseher Maringer in Grünberg schriftlich zu erstatten, wobei Alter, Wohnort und seitherige Beschäftigung unter Beisügung etwaiger Zeugnisse über Dienstleistungen ähnlicher Art anzugeben sind.
Gießen, am 23. Aprll 1888.
Der Kreisausschuß des Kreises Gießen.
Dr. Boekmann. 3484
Abbruchs-Material.
Freitag den 27. und Samstag den 28. April,
Vormittags 9 Uhr,
kommen in der Wetzsteingaffe altes Bauholz, Thüren, Fenster, Treppen, Oefen, Ziegel und sonstiges Abbruchs-Material
zur Versteigerung. 3520
W. Th. Wittlich, Auktionator.
Lacke, Farben und Materialwaaren zu allen Zwecken in besten Qualitäten liefert die üxog-eziU.axxd.l^g- von Otto S = lxa.a,f, Seltersweg 39.
Portlaired-Cement von Dyckerhoff & Söhne, Amöneburg, Eiserne Träger und Säulen, Bauartikel, Sandstein. K Cement-Platten, Thonröhren, Gyps, Herde und Oefen. Eiserne Abtritt-Rohre, Schlösser, Thür- und Fenster-Bande.
3239 Emil Fistor.
3505 Zwei vierjähr, braune schwere fehler- freie Arbeitspferde (Wallache) stehen zum Verkaufe.
_______Hch. Lenz, Oberohmen. j Gothaer Cervelatwurst, das Beste was darin geboten wird, empfiehlt 2861
___Emil Fischbach*
3221) Zwei gut erhaltene Anzüge, sowie Gehrock und Ueberzieher (schmale große Figur) habe ich im Auftrag lzu verkaufen.
W. Wiedmeyer, Neuen Baue 12.
Brennholz.
Buchen- und Tannenholz, in guter trockener Waare, per Meter und per Gentner, billigst bei
96 Andreas Euler«
Div. feine Käse n. Fleischwaaren (täglich frisch avgekochten Schinken, Fleischgelee re.), Fertigstellung kalter Schüsseln jeder Art, billige Gemüse- eonserven bei v
A. Koch AachL, 3074 Hamb. Fisch- u. Delic.-Handlg.
Eine Hofraithe, bestehend aus einem größeren und zwei kleineren Wohnhäusern mit großem Garten auf dem SelterSweg hier ist erboertheilungshalber unter sehr """8i
Kaffenschrank.
J 120 Ctm. hoch, 60 br.- 84 tief, zu j verkaufen durch
Louis Rothenberger,
’ 3479 Neuenweg 22.


