Ausgabe 
25.12.1888 Zweites Blatt
 
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1888.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

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PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich ^Rark 50 Pf.

Vnreairr Schulstraße 7.

. ®* °>lrd hierdurch zur öffentlichen Kenntmß gebracht, daß Grobherzogliches Ministerium der Innern und der Justiz dem Ortsvorstande zu S £u^ba dre Erlaubmß ertherlt hat, tn Verbindung mit dem im Frühjahr k. Q. daselbst stattfindenden Markte eine V-rloosung von Vieh und

landwitthschaftlichen Gegenständen zu veranstalten. Es dürfen bubet höchstens 5000 Loose a 1 m. zur Ausgabe gelangen und muffen mindestens 70°/. de» -Bruttoerlojes aus den Loosen zum Ankauf von Gewrnnsten verwendet werden.

Den Vertrieb der Loose hat Grobherzogliches Ministerium im Großherzogthum gestattet.

Gießen, am 22. December 1888. Grobherzogliches Kreiüamt Gießen.

'v. Gagern.

Bekanntmachung.

I. Nach § 94 der neuen Wehrordnung findet die Einstellung von Einjährig-Freiwilligen bei allen Waffengattungen für die Folge im Allgemeinen nur am 1. October statt beim Train am 1. November. Ausnahmsweise können jedoch Einjahrig-Freiwillige auch am 1. April eingestellt werden bei den vom General-Kommando bezeichneten, nachstehend aufgeführten Jnfanterietruppentheilen:

1) Infanterie-Regiment Nr. 81.

2) Infanterie-Regiment Nr. 83 1. 2. 4. Bataillon.

3) Infanterie-Regiment Nr. 94 Füsilier-Bataillon.

4) Infanterie-Regiment Nr. 116.

n. Nach § 13 der neuen Heerordnung werden von jetzt ab Volksschullehrer und Candidaten des Volksschulamts nach einer lOwöchigen Hebung (Diejenigen aus den Landwehrbataillons-Bezirken Gießen und Friedberg beim Infanterie-Regiment Nr. 116) zur Reserve beurlaubt. Diese active Dienstzeit, sowie auch die späteren Hebungen während der Zugehörigkeit zur Reserve werden grundsätzlich in die Zeit der Ersatz-Reserve-Hebungen gleicher Dauer gelegt. \ Caspary,

Oberstlieutenant z. D. und Kommandeur des Landwehr-Bataillons-B^irks Gießen.

Vevlschlavd.

Darmstadt, 22. December. Seine,Königl. Hoheit der Großherzog haben Aller- gnädigft geruht:

Am 22. December den Landgertchtsrath bei dem Landgericht der Provinz Rhein­hessen Joseph Berdells zum Dtrector bei diesem Gericht;

an demselben Tage den Gerichtsschreiber bet dem Amtsgerichte Ulrichstein- Johannes Kircher zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Nidda und den Hllfs- gecrchtsschretber bei dem Amtsgerichte Groß-Umstadt Leonhard Pfeiffer zum Gerichts- | fchreiber bei dem Amtsgericht Ulrichstein zu ernennen.

Berlin, 22. December. In der am 21. d. M. unter dem Vorsitz des Vice- j Präsidenten, des Staatsmimsteriums, Staatssecretärs des Innern, v. Bötticher, ab- [ gehaltenen Plenarsitzung ertheilte der Bundesrath dem Entwurf von Aussührungs- defttmmungen zum Gesetz über die Einführung der Gewerbeordnung in Elsaß-Lothrtngen dle Zustimmung und erklärte sich.damit einverstanden, daß ein weiterer Betrag von Zehnpfennigstücken in Höhe von etwa vier Millionen Mark und von Fünfpfennigstücken tu Höhe von etwa zwei Millionen Mark unter der üblichen Verthetlung auf die ein­zelnen deutschen Münzstätten ausgeprägt werde. Von dem durch ein Schreiben des Präsidenten des Reichstags mitgetheilten Beschluß des letzteren, betreffend die Aufnahme der Anstalten zum Trocknen und Einsätzen ungegerbter Thierfelle, sowie Verbleiungs-, Verzinnungs- und Verzinkungs Anstalten in das Verzeichniß der einer besonderen Ge­nehmigung bedürfenden Anlagen (§ 16 der Gewerbeordnung) nahm die Versammlung Kenntnig und überwies das Schreiben des Reichstags-Präsidenten, betreffend die vom Reichstag auf den Antrag des Abgeordneten Dr. Wtndthorst wegen Bekämpfung des Negerhandels und der Sklaoenjagden in Afrika beschlossene Resolution, dem Vorsitzenden Les Bundesraths. Der Antrag Bayerns auf Zulassung der Denaturtrung von Brannt­wein durch Vz pCt. Terpentinöl zur Herstellung der bei der Bleistinsabrikation zu ver­wendenden Politur wurde den Ausschüssen für Zoll- und,Steuerwesen und für Handel und Verkehr zur Vorberathung übergeben. Endlich wurde noch über die geschäftliche Behandlung mehrerer Eingaben Beschluß gefaßt.

Stettin, 22. December. Der Kaiser traf um 12 Uhr mit Extrazug^ auf dem festlich geschmückten Bahnhose ein, wo die Spitzen der Eivil- und Militärbehörden ihn erwarteten. Die zahlreiche Volksmenge begrüßte den Kaiser mit enthusiastischen Jubel- ruien. Der Kaiser zeichnete den General von der Burg, den Oberpräsidenten, sowie den Oberbürgermeister durch huldvolle Ansprachen aus. Darauf schritt derselbe die Front der Ehrencompagnie, welche das Füsilier-Regiment Nr. 34 gestellt hatte, ab und begab sich sodann in einem offenen vierspännigen Wagen unter unausgesetzten stürmischen Hoch- und Hurrahrusen der Menschenmenge nach dem Königsplatz. Das Mllitär und die Kriegervereine bildeten Spalter.

Stettin, 22. December. Auf dem Königsplatz, wo das Königsregiment in offenem Carrs aufgestellt war, fand die feierliche Ueberreichung der neuen Fahnenbänder mit einer kurzen Ansprache des Kaisers statt, sodann dankte der Regiments-Commandeur Lundblatt dem Kaiser, hierauf erfolgte der Vorbeimarsch des Regiments in Parade­formatton. Der Kaiser besuchte sodann die festlich geschmückte WerstVulkgn" und nahm an dem Diner im Casino des Regiments Theil, während die Regimentskapelle eoncerlirte.

NniverstLLLs - KhrorriL.

Der berühmte Lehrer des römischen Rechts, Professor Dr. Bernhard Wind- fcheid in Leipzig, beging am 22. d. M. das 50jährige Doctorjubiläum. Dem bekannten Pandektisten, berauch als Cornmissionsmttglied bei der Ausarbeitung des Entwurfs zum bürgerlichen Gesetzbuch fungirte, sind in wissenschaftlichen Kreisen mancherlei Auszeichnungen zu Theil geworden. r rr

Der bekannte Pathologe der Tübinger Hochschule, Professor Dr. Ziegler, ... to

«ratrirultrte^StMrend^.^ Dorpat berufenen Prof. Unverricht sind von der medtcinischen Fakultät zu Jena zur Besetzungl des vakanten..^ordtnartats ur Interne Medicin vorgeschlagen worden: Prioatdocent Dr. Vterarol m Leipzig, Privatdocent Fr. Müller, Assistent des Professors Gerhardt an der zweiten medt­

cinischen Klinik der Universität Berlin, und Privatdocent Dr. Stintzing tn München.

Die Universität Leipzig wird in diesem Semester von 3430^Studirenden besucht.

Vermischtes.

Paris, 20. December. Die neueste Pariser Mode besteht darin, daß die Damen als Schmuck kleine Uhren tragen, die sie auf ihren Brieftaschen, Tanzkarten, den Armbändern, den Busennadeln und im Haare anbrtngen. Eine als sehr echicM bekannte Dame der Gesellschaft trug jüngst solche Uhren auf ihren Ballschuhen. Die jungen Herren sollen es sich an jenem Abend zur ganz besonderen Ehre angerechnet haben, wenn die Dame ihnen gestattete, sich zu überzeugen, wie viel Uhr es sei. (?)

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 22. December. Für Weitersendung postlagender Chiffre-Postkarten, -Drucksachen und -Waarenproben an eine bestimmte Person an einem anderen Orte wird neues Porto nicht in Ansatz gebracht, wohl aber für Weiterbeförderung post­lagernder Briefe.

Gießen, 23. December. Wir erhielten nachstehende Zuschrift:

Darmstadt, 21. December 1888.

Die oerehrliche Redaction desGießener Anzeigers" ersuche ich crgebenst um freundliche Aufnahme der folgenden Zeilen in einer der nächsten Nummern:

Die imGießener Anzeiger" vom 19. December abgedruckte Besprechung meiner Schrift:Pädagogische Briefe an eine Mutter" (Verlag von H. Hässel in Leipzig) legt mir den bösen Argwohn nahe, daß der Herr Referent dieselbe gar nicht gelesen sondern stch mit dem Studium der Vorrede und der Ueberfchriften begnügt hat Hätte er sie wirklich gelesen, so hätte er sie unter keinen Umständen eineSalon­plauderei" nennen können; jedes einzelne Kapitel hätte ihn belehren müssen, daß meine Arbeit ganzernste Discussionen" umschließt, für die ich aus leicht erkennbaren Gründen nach der leichtesten und ansprechendsten Darstellungsform gesucht habe. Auch mußte der Herr Referent wissen, daß es bet der Darstellung ernster und wichtiger Dinge viel leichter ist sich tn das Gewand sogenannter Wissenschaftlichkeit zu hüllen, die meistens gleichbedeutend ist mitLangweiligkeit", als für dieselben eine angenehme und volks- tbümliche Form zu finden. Alle mir bisher zugegangcnen Besprechungen meiner Schrift haben sich über diesen Punkt mit der freundlichsten Anerkennung geäußert.

Auch die Verwunderung des Herrn Referenten, daß ich mich in meinem Buch mit der Erziehung der Knaben beschäftige, obwohl ich Director einer Mädchenschule bin möchte ich wiederum auf feine Unkenntntß meiner Schrift zurucksuhren. Denn auch eine ganz oberflächliche Lectüre würde ihm gezeigt haben, daß meine sämmlltchen Erörterungen fick gleichmäßig auf die Erziehung von Knaben- und Mädchen be)ühen lassen, daß der verschiedenartige Lehrplan der Knaben- und Mädchenschulen mit kestiem Worte berührt worden ist. Diesen Punkt hat z. B. die Besprechung meMer Schrfft imFranks. Journ." freundlich hervorgehoben.

Uebrigens will ich zur völligen Beseitigung der Bedenken des Herrn Referentm mittheilen, daß ich 15 Jahre hindurch an einem Pr. Gymnasium und einer Pr. ReaU- schule 1. Ordnufig als Lehrer in allen Klassen thättg gewesen bin, seit mehr als 20 Jahren aus pädagogischem Gebiete schriftstellerisch gearbeitet habe unb mir eine gewisse Kenntniß des deutschen Schulwesens zutrauen darf. Zudem bringt mich die Erziehung meiner eigenen Söhne täglich auf's Neue mit den besprochenen Dingm tn ^Für^den ^freundlichen Wunsch, daß ich mich einmal über Mädchen er-ie hung vernehmen lassen soll, bin ich dem Herrn Referenten sehr dankbar und verspreche, auch in Zukunft diesen Wink gern zu beherzigen. Nöthtg war er lreil^ nicht, da dn öerr Referent leicht hätte erfahren können, daß ich gerade auf jenem Gebiete unch nach dem bescheidenen Maß meiner Kräfte nützlich zu machen gesucht habe.

Ganz ergebenst

Dr. Richard Wulckow,

Director der Victoriaschule und des Großh. Lehrerinnen-SeminarS.