Ausgabe 
25.12.1888 Erstes Blatt
 
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DaS deutsche Emtn-Pascha-Comtt6 mißt den Nachrichten über die Ge- sangennahme Emin Pascha's keinen Glauben bet und hat deshalb der Ausschuß des fcomlOT in seiner in voriger Woche abgehaltenen Sitzung beschlossen, die in der Aus- ; rüstung begriffene Expedition weiter zu betreiben und sobald die Vorbereitungen be- ; endigt sein werben, Herrn Lieutenant Wißmann nach Afrika zu entsenden. Etwa Mitte ; Zanuar wird Herr Wißmann nach Ostafrika abreisen und ungefähr vier Wochen später * gedenkt ihm Herr Dr. Peters nachzufolgen. Herr Wolff, welcher ursprünglich mit Wtß- i mann zusammemetsen sollte, wird sich entweder mit Herrn Peters oder bald nach dessen Abreise ebenfalls nach Ostafrika begeben. -

Der preußische Landtag wird am 15. Januar zusammentreten und gedenkt der Kaiser die Eröffnungsfeier in Person vorzunehmen. Von wesentlichen Vorlagen für den Landtag ist noch nichts Genaueres bekannt geworden.

Die beiden schweizerischen Kammern, der Nattonalrath und der Ständerath, haben sich noch kurz vor Beendigung ihrer Thätigkett wiederholt mit der Frage der politischen Polizei zu befassen gehabt. Auch in der am Donnerstag abgehaltenen Sitzung des Nationalrathes wie des Ständerathes spielte diese Frage nochmals ihre Rolle und -war infolge der P titionen vieler Grütlioereine der schweizerischen Arbeitervereine um Zurückziehung des vom Bundesrathe erlassenen Kreisausschreibens bezüglich der schärferen Handhabung der politischen Polizeigesetze. In beiden parlamentarischen Ver­tretungen ging man jedoch über diese Petitionen zur Tagesordnung über und lehnte man weiter den Antrag auf Erlaß eines Gesetzes über die Organisation der Frernden- poltzei ab; am Samstag fanden die lediglich einen formellen Character tragenden Schlußsitzungen beider Parlamente statt.

Die lärmenden Scenen, mit denen im französischen Senate die Budget- berathung eingelettet wurde, haben sich bis jetzt noch nicht wiederholt; allerdings bot sich auch kaum eine Gelegenheit hierzu. Freilich hat der Senat durch die lärmende Art und Weise, mit der er den Boulangisten Naquet niederschrie, als dieser seine Partei gegen die Angriffe Ehallemel-Lacour's in Schutz nehmen wollte, sein eigenes Ansehen im Lande schwerlich gehoben. Unwillkürlich möchte man auS dem Verhalten des Senats gegen Naquet den Schluß ziehen, daß diese ehrenwerthe Körperschaft eineHeidenangst" vor dem Boulangismus besitzt, andernfalls hätte man dessen Vertreter doch ruhig sprechen lassen können.

Die Dynamitatr en täte in der französischen Hauptstadt mehren sich in nach­gerade unheimlicher Weise. In der Nacht zum Freitag fand in Paris vor dem Poltzet- commissariat imQuartier des Archives" eine Dynamitexplosion statt, durch welche die Vorderseite des Hauses vollständig zerstört wurde, doch kamen Menschen glücklicher Weise nicht zu Schaden. Polizeilicherseits wurde sofort eine umfassende Untersuchung eingeleitet und ist es kaum zweifelhaft, daß die Urheber des schändlichen Complottes in den Reihen der anarchistischen Partei gesucht werden müssen.

Die italienische Deputirtenkammer hat noch vor ihrer Weihnachtspause ver­schiedene wichtige Angelegenheiten erledigt. Sie lehnte in ihrer Donnerstagssitzung zunächst den in Sachen der Provinzial- und Communalreform gestellten Antrag Del- dalzo's in Betreff der Wählbarkeit der Bürgermeister in den Arrondissementshauptorten Italiens ab, nachdem Ministerpräsident Erispi denselben entschieden bekämpft hatte. Dagegen stimmte die Kammer dem von Erispi genehmigten Anträge Ricotera's zu, unverzüglich die Commissionsberichte über die Entwürfe, betr. die Verpflegung des Militärs beim Eisenbahntransport und betr. die außerordentlichen Militärcredite, zu berathen. Ferner genehmigte die Kammer in geheimer Abstimmung mit 187 gegen 83 Stimmen die Vorlage über die Provinzial- und Communalresorm im Ganzen und ist diese wichtige gesetzgeberische Maßregel demnach im ©inne der Regierung entschieden. Am Freitag trat die Deputirtenkammer in die Berathung der außerordentlichen Militär­credite ein, welche jedenfalls in Anbetracht des zustimmenden Commtssionsberichles seitens der Kammer angenommen worden sind.

Die Crists in Serbien scheint in ein beruhigenderes Stadium eingetrcten zu sein. In der FreitaKsitzung des serbischen Verfassungsausschusses beantragten die radi- calen Führer die debattenlose Annahme der Hoheitsrechte des Königs, worauf König Milan erklärte, seinerseits auf das Recht, allein Handelsverträge abzuschließen, verzichten zu wollen. Die Uebereinstimmung des Königs mit den radicalen Führern begegnet verschiedener Gegnerschaft innerhalb der radicalen Partei, doch glaubt man in den Belgrader politischen Kreisen, daß es den radicalen Führern gelingen werde, das Cvrn- promiß mit König Milan aufrecht zu erhalten.

In Bulgarien ist die längst befürchtete Ministercrisis nunmehr eingetreten. Sämmtliche Mitglieder des Cabinets Stambuloff haben wegen der unter ihnen herr­schenden Meinungsverschiedenheiten ihre Entlassung eingereicht mit Ausnahme des Eabtnetschefs Stambuloff und des auf einer Reise abwesenden Unterrichtsministers Schikow. Vermuthltch wird Stambuloff vom Fürsten Ferdinand mit der Neubildung des Cabinets beauftragt werden.

Der Botschaft von dem vollständigen Siege des englischen Generals Grenfell über die Sudanesen unter Osman Digma bei Suakin ist eine weitere Freudenpost aus demdunkeln Continente" gefolgt, diejenige von der glücklichen Auffindung der Gtanley-Expedttion. Nach einer Reuter-Depesche brachten Leute des bekannten araoischen Sclavenhändlers Tippu Tip Briefe nach der Station Stanley Falls am Eongo, denen zufolge sich Stanley im August d. I. in Bomalaya am Arumhimi, einem Nebenflüsse des Congo, befand und Emin Pascha in guter Gesundheit, mit reichlicher Munition und Lebensmitteln versehen, verlassen hatte und zwar 82 Tage, bevor Stan­ley zu seiner Arridregarde zurückgekommen und die Verprovianttrung in Bomalaya angelangt war. Am 17. August hatte Stanley die Absicht, zehn Tage später wieder aufzubrechen und von Neuem zu Emin Pascha zu stoßen. Alle Weißen der Expedition befanden sich bet guter Gesundheit und litten sie an nichts Mangel. Man kann nur wünschen, daß alle diese hocherfreulichen Nachrichten ihre Bestätigung finden mögen.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'- telegr. Eorrespondenz-Bureau.

Kaldenkirchen, 23. December. Die englische Post von gestern Abend 8 25 i& verfthtt hat"' WCtl wegen starken Nebels auf See in Vlissingen den Anschlust

Pari-, 23. December. Wie es heißt, ist der Deputirte Hude (Seine) gestern zu Mostaganem m Algier verstorben; Boulanger würde in Folge dessen für das Seine- Departement seine Candidatur aufstellen.

z-x ^ drüffel, 22. December. Der König empfing heute ein Telearamin IN« i?h h rmÄetn gEern im englischen Untelhaus mitgetheilten Nachrichten

über Stanley bestätigt werden; auch im Congostaate, wo man noch Zwei el geliea" hatte, beginne man je^ an bie Wahrheit dieser Mittheilungen zu glauben. * W London, 23^ December. DemReuter'schen Bureau" wird aus Zanzibar von Mozambique eingeganzenen Nachrichten haben die portu- Strelkkraste bte Bombas am oberen Zambesi besiegt. Das von den BombaS

Nzerstört ' portugiesischen Befehlshaber Castilho eingenommm

Rom, 23. December. DieTribuna" will wissen daß der

Maglrant seine Entlassung gegeben habe. ' ° $ nanzmtnister

Lokales.

Gießen, 24. December. sThierschuhverein Gießen 91 udf

X^tere In einem Behälter untersetzt, jo daß

haben; die Folge davon ist, daß sich die stärkeren auf die schwächeren setzen. Auch das Tragen in den Netzen würde für das Geflügel weniger schmerzhaft sein, wenn man in denselben Bodenbrettchen anbrtngen würde. Das Tragen an den Flügeln ober ben Füßen ist gänzlich unstatthaft. Der Vorstanb des Thierschutzoereins richtet besbalb an bie Organe der Polizei die Brite, auf den Transport des Geflügels ein wachsames Auge zu richten.

Alljährlich wurden solche Personen hiesiger Stadt, welche sich um den Thierschutz verdient gemacht Haden, zu Weihnachten mit Prämien bedacht. Auch in diesem Jahre sollen Officianten, welche durch erfolgreiche Anzeigen von Tierquälereien den Verein in seinen Bestrebungen unterstützten, sowie Dienstboten, welche sich durch liebevolle Behandlung des ihrer Pflege anoertrauten Viehes auszeichneten, Prämien erhalten Es wurden prämiirt die Herren: Polizeiwachtmeister Kasper, Schutzmänner Krauses Weiß, Göbel, Lang; die Gendarmen Conrad, Heppner, Haus; die Dienstboten Jakob Steinmüller, Gottdardt Krug, Friedrich Hofmann, Karl Haas, Martin Helfrich. Friedrich Krach, sowie der Metzgerlehrling Adolf Hartmann.

Jedes Mitglied des Thierschutzoereins erhält ein Exemplar des bet Auer in Donauwörth erschienenen Thierschutzkalenders pro 1889 gratis.

Um einerseits die Liebe zur Thierwelt, andererseits Abscheu vor Tierquälereien in die Herzen der Jugend zu pflanzen, beschloß der Vorstand, in den mittleren Klassen der Realschule, sowie den Oberklassen der Stadtknaben- und Mädchenschule weitere 850 Thierschutzkalender gratis vertheilen zu lassen.

Gießen, 24. December. Indem wir auf die betr. Annonce in unserer heutigen Nummer verweisen, wollen wir auf den Unterricht des Kalligraphen Herrn Gottlieb aufmerksam machen. Eine schöne Handschrift ist, wie ein liebenswürdiges, offenes Menschenantlitz, einer der besten Empfehlungsbriefe. Und Herr Gottlieb versteht die Kunst meisterlich, seine, Schüler ob alt ober jung mit solchenEmpsehlungS- brtefen" auszustatten.

sEisveretn.j Einer Eisfläche, wie sie ben Freunben bes Eislaufes dermalen geboten wird, hatten wir uns seit Jahren nicht zu erfreuen gehabt und beabsichtigt der Vorstand deS Eisoereins, falls die günstige Witterung noch einige Zeit anhält, Freitag den 28. l. M. eine Festlichkeit auf dem Etse zu veranstalten. Es wäre dies schon eher geschehen, umcrblifb aber, weil die vor der Thüre stehenden Feiertage bekanntlich einen ungünstigen Einfluß auf den Besuch des Eises ausüben und die Feiertage selbst sich nicht gut für derartige Feste eignen.

DaS Fest soll, ähnlich dem im vorigen Jahrezveranstalteten, zunächst der Jugend gelten und in Wettlaufen verschiedener Art bestehen. Für das Vergnügen bet reiferen Jugend wird eine Musikkapelle Sorge tragen.

Handel und Verkehr.

ra Grünb-r g 22. Decemb^. (Fruchtpreise). Weizen M 19,20, $torn Jt. 15,50, Gerste 14,00, Hafer M-13,20, Erbsen M 00,00, Samen JL 00,00, Wicken M. 00 00 Kartoffeln JL 0,00. Linsen JL 22.00.

Vermischtes.

Darmstadt, 19. December. Unter dem Vorsitz deS Geh.Oberschulraths Greim trat gestern die s. Z. gewählte Commission zusammen, um über den von Herrn Dr. Schröder bei der Großh. Centralstelle unb dem Landes-Gewerbverein gestellten Antragauf regelmäßige Unterstützung des der Großh. Centralstelle für das Gewerbe unterstellten gewerblichen Unterrichts im Großherzogthum Hessen" einer Berathung zu unterziehen. Der Antrag Schröder wurde allseitig begrüßt und wurde der Beschluß gefaßt, auch jetzt schon fördernd für die weitere Entwickelung der Handwerkerschulen deS Landes e'iijutreten. Zum Schluß wurde es für wünschenswerth erachtet, daß ein öfteres Zusammentreten der Hatidwerkerschulcommission stattfinden möge, um gemachte Erfahrungen auszutauschen und demgemäß Anträge bei Großh. Regierung stellen zu können. Ferner soll in etwa drei Jahren eine eingehende Prüfung der jetzt bestehenden Einrichtungen stattfinden, um sich einen Maßstab für deren Anwendbarkeit vilden zu können. Im Ausschuß des Landes-Gewerbvereins wird demnächst der Antrag Schrö­der zur Berathung gelangen.

(Deutsche Lehrer Versammlung.! Die Allgemeine deutsche Lehreroer­sammlung findet zu Pfingsten nächsten Jahres (10. bis 13. Juni) in Augsburg statt. Folgende Punkte sind zunächst in Aussicht genommen: 1) Volksthum und Volksschule. 2) Die Mädchenbildung der Gegenwart und Nothwendigkeit, Zwecke und Lehrinhalt der Fortbildungsschule für Mädchen. 3) Die Rothwendigkeit einer entschiedenen und allgemein gütigen Vereinfachung unserer Rechtschreibung. 4) Die Bestrebungen des Vereins für deutsche Schulreform. 5) Gehört der Handfertigkeitsunterricht in die schulen und in die LehrcrbIIdungsanftalt.it? 6) Was kann die Schule zur Lösung der socialen Frage beitragen? 7) Der Ausbau der deutschen Volksschule.

Klcinkinder-Bewahranstalt.

Nachdem am gestrigen Sonntag die Christbescheerung für die 212 Kinder unserer Anstalt unter zahlreicher Betheiligung unserer Freunde und Gönner in der städtischen Turnhalle stattgefunden hat, ist er unsere angenehme Pflicht, den herzlichsten Dank Allen auszusprechen, die uns zur Ausführung der Bescheerung freundlichst unterstützt haben.

. Vor allem danken wir Denen, die durch ihre Gaben an Geld, Bekleidungs- gegenständen, Kleiderstoffen, Puppen, Confekt u- s. w sowie durch Handarbeit er uns ermöglicht haben, allen unseren Anstaltskindern eine große Freude und deren Eltern zugleich eine bedeutende Unterstützung zu bereiten.

Wir danken ferner noch besonders den Herrn Besitzer und Redak­teur dieses Blattes für die unentgeltliche Aufnahme aller unserer Bekannt­machungen für die Christbescheerung, sowie das ganze Jahr hindurch; ferner Herrn Oberbürgermeister Bramm für die Ueberlassung der Turnhalle und eines Chnstbaumes; ferner den Vereinen und Gesellschaften, die uns Stühle, Bänke und Tische liehen; ferner dem Polizei amt und denSchutz- männern, die durch Handhabung der Ordnung zur Sicherung der zahl­reichen Gäste mitwirkten. Endlich danken wir auch Allen, die durch ihre k r2dUn9rQn ""^rer Feier ihr Wohlwollen für unsere Anstalt bekundet und dieselbe unterstützt haben.

.Wir thetlen schließlich noch mit, welche Beträge an Geld für unsere Christbescheerung gespendet wurden; e« gingen ein durch Fräulein Bansa 85 JLf durch Frau Oberbürgermeister B r a m m 85 Jt., durch Frau vr. Brüe 37 durch Frau Amtsrichter G e b h a r d t 52 JL, durch Fräulein Langer- mann 57 «^, durch Frau Pfarrer Naumann 162 JL, durch Frau Ottens an q Arau Schwan 33 at, durch Fräulein Wortmann 39 JL 80 H, durch die Schwestern unserer Anstalt 95 10 H. Außerdem

fammetten p°n ben Wb^e« ihrer Schulklaffen Fräulein Koch 92 52

und Fraulein Müller 13 60 H, wofür wir denselben noch besonders

f Die Gaben, die Herr Oktroi-Inspektor Jost in liebenswürdigem Eifer besonders sammelte, hat derselbe einzelnen Vorstandsdamen übergeben, lich gedankt^" vot&enannten Beträgen enthalten; auch Herrn Jost sei herz- -Me bie unserer Anstalt und deren Kindern so reichlich bewiesene Liebe bleiben QU<^ fernerhin' Gebern und Nehmern zum Segen, uns erhalten Gießen, den 24. December 1888.

Der Vorstand der Kleinkinder^Bewahranstalt. vr. Naumann, Pfarrer-