friedlichen Ton der Kaiserworte hervor. Der „Standard" sagt: Niemals vorher sei in Europa so klar und so kategorisch versichert worden, daß dec einzige Zweck des Dreibundes die Abwendung eines Krieges sei. Stach dieser Versicherung von so erhabener Stelle müsse sich das Publikum des Zweifels oder Argwohns, den es bisher gehegt, entschlagen- Die Bemerkung des Kaisers, daß die Beziehungen Deutschlands zu allen fremden Mächten gegenwärtig sriedliche seien, erscheine, gepaart mit den übrigen Katsirworten, von nicht geringer Bedeutung.
London, 23. November. Aus Sidney wird gemeldet: Der hier eingetroffene Dampfer „Lübeck" berichtet, in Samoa hätten ernste Gefechte stattgefunden. Die Anhänger Mataafas griffen am 7. November die Befestigung der Tamasese Partei bei Ätna an und eroberten am 8. ds. einige kleinere Verschanzungen, erlitten jedoch durch die von den Belagerten gemachten Ausfälle schwere Verluste.
London, 23. November. Im Unterhouse erklärte Unterstaatssecretär Fergusson heute, baß die Regierung nur von Feindseligkeiten zwischen den Stämmen in der Umgebung des Oelflusses und dem darauf folgenden Kanibalismus des siegreichen Stammes gehört habe, daß diese Ereignisse sich oh-r nicht innerhalb des Gebietes der Neger- gesellschast zugetragen hätten.
Petersburg, 23. November. Das „Journal' de St. Petersbourg" dementirt die Nawrichr der „Etnies" von einem geheimen Vertrage zwischen Rußland und Korea, wodurch letzteres der russischen Protektion unterstellt sein soll. Das „Journal" bemerkt, es bestehe kein solcher Vertrag und weist auf die Abmachungen Koreas mit England und Deutschland hin, deren Handel drei Häfen geöffnet seien. Das „Journal" fügt hinzu, Rußland habe sich bald nachher dieselben Vortheile gesichert; da aber der russisch-koreanische Handel ausschließlich auf dem Landwege slattfinde, sei eine Modifikation der Beziehungen erst neuerdings eingetreten, indem für den Handel über die Landgrenze dieselben Vergünstigungen festgesetzt wurden, wie über die See. Das neue Abkommen dürfte bald veröffentlicht werden.
Petersburg, 23. November. Nach Meldungen aus Taganrog vom 12. Nov. sind im Asowschen Meer unweit der Stadt das Leuchtschiff und zwölf Segelschiffe eingefroren, von denen tm Laufe der nächsten Tage fünf sanken. Von den Mannschaften retteten sich 63 Seeleute, größtentheils Ausländer, auf das Leuchtschiff, von wo aus am 18. d. M. ein Offizier und fünf Matrosen des Leuchtschiffes und 48 Mann von den eingefrorenen Segelschiffen das Ufer erreichten. Fünfzehn Mann, deren Extremitäten abgefroren waren, mußten auf dem Leuchtschiff Zurückbleiben. Am 19. d. M. sanken noch weitere zwei Segelschiffe. Am 22. gelang es einem Kriegsdampfer, an das Leuchtschtff heranzukommen und dasselbe in freies Wasser hinauszubugsiren.
Lokales.
Gießen, 24. November. Die Vorbereitungen zu der Samstag den 1. Dezember tm großen Saal des Caf6 Leib stattsindenden ersten Winterfestlichkeit der Rudergesellschaft sind in vollem Gang und dürste dieselbe dem reichhaltigen Programm nach zu urtheilen hinter den früheren Festen nicht zurückbleiben. ES werden u. A. zwei Lustspiele „Müller-Miller" und „der erste Schritt zur Praxis" von Mitgliedern der Gesellschaft aufgeführt und zwei in Ausführung und Costümen großartige lebende Bilder „Scene aus Lohengrtn" und „Ruder-Idylle" gestellt werden. Die Ausführung des Concert- und Tanz-Programms ift der hiesigen Regiments-Musik übertragen worden.
Gießen, 24. November. sTheater.j Vor sehr gut besetztem Hause ging gestern Moser's „Bibliothekar" über die Bretter unseres neuen Theaters. Die Verwicklung ist in dem lustigen Stücke auf die nämliche Weise herbeigeführt, wie in der Mehrzahl der bisher aufgeführten: Annahme eines fremden Namens, woran sich eine Reihe der tollsten drastischsten Situationen schließt. Eine sehr dankbare Rolle ist die des unbeholfenen, eckigen Bibliothekars Robert, dem beim leisesten Geräusch das Herz in die Gummischuhe fällt, dadurch ist dieses, da er alle Augenblicke einen derselben verliert, in ständiger Gefahr vor gleichem Schicksal. Herr Kreiß gab die Rolle vortrefflich wieder; sein Spiel war in Mienen und Geberden urkomisch, die Sprache dementsprechend, sehr hübsch machte sich das Stottern. Ebenfalls eine köstliche Figur ist der Schneider Grbson, dessen schwächste Seite der „Gentleman" ist. Herr Director R^ners ließ es auch heute an „glcichbleibender Visage" nicht fehlen, sein Spiel war Überhaupt in jeder Hinsicht wieder ausgezeichnet, hauptsächlich seine realistische Wiedergabe der Trunkenheit wirkte zwerchfellerschütternd. Der biedere Marsland war bet Herrn Pieper sehr gut aufgehoben. Sieben seinem fetndmchdachten naturwahren Spiel ist der Hauptvorzug dieses Herrn die außerordentliche Modulattonsfähigkeit seiner Stimme. Die Damen Reiners und Friedrichs waren außerordentlich niedlich. Erstere befrtedrgte uns jedoch beute an einer Stelle mast so ganz: Beim Empfang v orr.n^/nl^ra(^ ihr Mienenspiel weder dem vorher angekündigten Programm, noch der Wirklichkeit. Die von Schluchzen unterbrochenen Worte der beiden: „Wir sind sehr unglücklich!" haben wir neulich schon einmal — wenn mir nicht irren, von denselben Damen — in anderem Zusammenhang gehört. Es ist eben nichts Neues unter der Sonne, nicht einmal in einem Moser'schen Schwank. Frl. Hellmut's Augen waren mehr geschlossen, als geöffnet. Die Dame wird doch noch einmal Schaden nehmen, wenn sie immer blindlings durch die Welt der Bretter schreitet. Der polternde ungeschliffene Macdonald des Herrn Taußig war sehr gut. Herrn Stern au kam seine Länge bei den mütterlichen Umarmungen sehr zu statten. Sein Spiel war hübsch, ebenso wie im Allgemeinen das des Herrn Göhler, der jedoch wieder furchtbar steif einherging. Unter den untergeordneten Rollen ist die „Philistrine" Dickron, gespielt von Frl. Reichelt, rühmlich zu erwähnen.
Das Auftauchen der beiden Gerichtsbeamten, mit Cylinder und Knüppel bewaff- net, hinter der Gartenmauer erinnert lebhaft an's Kasperl-Theater. Diese Stelle ist bezeichnend für Ue Art der Komik im ganzen Stück, ebenso wie der fast unausgesetzt heiter-lärmende Beifall der höheren Regionen. Th. M—n.
24. November. sNeues Theater.) Hasemanns Töchter, Volks- J £ mn, tn ? Acten von A. L'Arronge. Dieses vortreffliche Stück des beliebten Autors kommt am Sonntag Abend zur Aufführung und zwar, wie wir hören in ausgezeichneter Besetzung Um den berechtigten Wünschen des Publikums entgegen- zukommen, scheut d e Direktion weder Mühe noch Kosten; so tritt am Sonntag eine neue Soubrette Frl. Mila Egkert vom Stadttheater tn Bern, tn der Rolle der Emilie auf und machen wir hierauf ganz besonders aufmerksam. Daß die Rolle des Hasemann von Herrn Direktor Reiners gespielt, in den besten Händen liegt, versteht sich von selbst und können wir somit mit Recht einen amüsanten Abend versprechen - __________________St. -
UniverfitiitS-Ehronik.
November. Die Gesammtzahl der Studirenden an hiesiger n!.fro7Qi W' vorläufigen Zusammenstellung nach, im Fommenben Sßintera
2 97m “SS?1 <?u! theologische Fakultät 185, juristische 101,
medizinische 209 und philosophische Fakultät 296 entfallen. Die Gesammtzahl im oefi M^L^brs-mester betrug 905 (241 Theologen, 126 Juristen, 2Z1 Mediziner 102 MÄ 843 S'udir-nd- (203 Th°°l-g-n,
, . — .Pr; Hansen, der bisherige Assistent der mit der Universität Erlangen ver- tetfnM Mrun8§= unb ©enufjmtttd, hat sich am Poly-
Handel unv Verkehr.
abBefanbte6®n8^c2ber;Ä sür'LschaN
°U°nd-s Ab-nbs von Frankfurt USÄ U
webt ^b^n^^ri auf ben preußischen Staatsbahnm wird nun-
f , allgemein auf ben anbcrthalb achen Preis ber einfachen
r ^""gefetzt unb überall nach Normaltaxen berechnet, bie anbei bald
fache Schnellzugtaxe somit abge cha st werben. Die letztere erst kurie «elf Einrichtung hat sich nicht bewahrt, ba bte biefelbe nicht Iiltm V.Ä?*
«WU -bm-tne mit' Rücksahrlen zLbefabrenbe ÄÄ« Sie Ktiltigkettsbauer von zwei bezw. brei ober vier Tagen ausreich,, t„ mehrere Strecken
von weniger als 100 km Länge unb erzielt durch bit Losung von Einzel-RilcNaor, karten hierfür einen °i> erheblichen Gewinn; so beträgt berselde beispielswei^ für b,e Strecke Hamburg-Frankfurt a. M. 5 at. Die jetzige Bestimmung bebtnat au-b mm,*! Unbilligkeit, ba zum Beispiel bte Schnellzugstaxe auch im Verkehr zwische^ kleinen Stationen bezahlt werden mutz, auf denen ein Schnellzug nie anhZ, Es iu jedoch hierbei bemerkt, daß auch nach dem 1. April im Localverkebr hpr Eisenach-Halle und Korbetha-Leipzig die Zuschlagskarten bei Schnellzügen nöthig^lechem
Gießen, 24. November. Auf dem am 20. unb 21. b. M. dahier abgehaltenen Viehmark - waren aufgetrteben: 1660 tolücT Rindvieh und 727 Schweine. Sei \ud>t" unb arbeUSoieh entmidtelte sich ein reger Handel, während bei Schlachtvieh, namentllch Kälber, ein Rückgang zu bemerken war. »uuiciuruy
Nächster Markt Dienstag den 4. und Mittwoch den 5. December dss. Jz letzteren Tage auch Kramermarkt (letzter dieses Jahres). ’
„ . 24. November. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, pr. Pfd
JL 1,00—1,05, Hühnereier, 1 St. 7—8 H, 2 St.--A Enteneier 0— ras«}/
eter Ä-12 Käse pr. St. 4-7 Kasematte pr. ßiteMG a
ßtnfeiAr. Liter 28 H, Tauben pr. Paar JL 0,40—0,55, Hühner pr. St.^ . 80-1 OO Hahnen pr. St. Jü 0,50-1,00, Enten pr. St. JL i,40-2,00, Ochsenfleisch vr m' M 64 Rindfleisch 45-54 I Schweinefleisch 50-60 ^,Hammelflchch
54—64 Kalbfleisch 50— Kartoffeln pr. 100 Kilo JL 4,50—6,50 Zwiebeln ^änfe^Sfb^O^toT miI* Pr‘ £‘*Cr 12"18 * W-ibkrant pr/St.^",
Für die Abgebrannten in Hünfeld
gingen noch bei uns ein: Reinertrag des Eoncerts vom Turn- und Gesanaverer?^ in Lollar 20 JL, im Ganzen 329.02 JL, welche wir an das ComtlS zur Unterstükuna der Brandbefchädigten in Hünfeld absanbten und worüber Quittung auf unserer Expedition eingesehen werden kann. Wir sagen den edlen Gebern besten Dank und schließen hiermit unsere Sammlung.
Die Expedition des „Gießener Anzeiger".
Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen,
«rrfgebote.
. ^,x?vember: 19. Christian Heinrich Sauer von Freiensecn, Schneider dahier mit Eltsabethe Dickel von Freienseen, wohnhaft dahier. 21. Peter Christian Karl Heun, Sergeant dahier, mit Anna Elisabetha Strauch zu Homberg a. d. Oüm 23. Christian Carl Pitzer, Lohnkutfcher dahier, mit Anna Catharine Hilbert von ßohi hausen, Kreis Kirchhain, wohnhaft dahier. $ °
Gheschlteßnngr«.
November: 22 Johann Heinrich Arnold II., Kaufmann dahier, mit Anna Catharine Lowe von Bellnhausen. 23. Johannes Peter Krauskopf, Bürstenmacher von Dillheim mit Louise Peif dahier.
Geborene.
November: 12. Dem Kutscher Peter Berg eine Tochter, Minna. 15. Dem Gartner Wilhelm Gerhard ein Sohn. 17. Dem Kutscher Heinrich Rühl ein Sohn Carl. 18. Dem Fuhrmann Justus Benner II. ein Sohn. 18. Dem Schneider Reinhardt Greb ein Sohn. 19. Dem Schuhmacher Eduard Julius Christian Engeler eine Tochter, Emilie Katharine Elise Minna.
Grtzorbsrrr.
November: 17. Karl Schieferstein, 27 Jahre alt, Sohn von Arbeiter Georg Schieferstein zu Launsbach. 18. Marte Eisenhut. 2 Jahre alt, Tochter von Zimmermann Albert Eifenhut zu Wieseck. 18. Gottfried Koch, 54 Jahre alt, Hüttenarbeiter von Straßebersbach. 18. Eltsabethe Plank, geb. Malkomesius, 59 Jahre alt, Ehefrau des Gerbereibesitzers Franz Plank dahier. 21. Emma Velten, 19 Jahre alt, Dienstwagd von Hungen. 21. Friedrich Heinrich Thiel, 1 Monat alt, Sohn von Hülfs- Kremser bei der Main-Weser-Bahn Johannes Heinrich Thiel. 22. Anna Rau, 3 Jahre alt, Tochter von Ackermann Georg Nau zu Launsbach.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Den 18. November Konrad Läufer, Hausbursche, und Elisabeth Johannes Schäfer, Tochter des Dachdeckers Konrad Schäfer zu Burkhardsfelden.
Den 22. November. Johann Heinrich Arnold II , Kaufmann, ein Wittwer, und Anna Katharina Lowe, Tochter des Landwirths Johann Georg Löwe zu Bellnhausen, Getau^re. t
, Dm 16. November. Dem Gärtner Jakob Trautmann eine Tochter, Marie geboren den 5. November.
Denselben. Dem Schuhmacher Martin Schmidt eine Tochter, Karoline Katharine, geboren den 8. October. 1 ’
rc Denselben. Dem Kutscher Peter Wagner ein Sohn, Johann Karl Peter Georg Adolf Heinrich, geboren den 12. October.
™$)£^cn,cn- Dem Metzger Johannes Schunk ein Sohn, Heinrich August, geboren den 28. October. ' ”
Denselben. Dem Bremser Johann Heinrich Schneider ein Sohn, Kurt Heinrich, geboren dm 17. October.
Denselben. Dem Drechsler August Bock ein Sohn, Otto August Karl Ludwig Konrad, geboren den 20. October.
7 3un?en^lben‘ $el” e4ncibcr ®ranj ein Sohn, Franz Konrad, geboren den
Den 21. November. Dem Premierlieutenant und Regimentsadjutant Hermann Clößner ein Sohn, Philipp Karl Albert Reinhard Erich, geboren den 17. September. t i November. Dem Wagner Louis Faber eine Tochter, Frieda Luise, geboren den 28. October.
rr ™ Veerdlgte.
_ _ Den 17. November. Valentin Emil Christian Hohmeter, Leinweber, alt 66 Jahre, starb ben 14. November.
_ Dbn 20. November. Elisabeth Plank, geb. Malkomesius, Ehefrau des Gerber^ meisters Franz Plank, alt 59 Jahre, starb den 18. November.
Brodpreise
vom 25. November bis 9. December 1888.
1
2
1
2
1
der Bäcker H
Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 28
bei D. Rübl Wwe. u. F. Schreiner 27
* (4 Pfd.) Weißbrod .... 56
bet D. Rühl u. F. Schreiner 54
„ (2 Pfd.l Schmarzbrod 1. Sorte 25
« (4 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 50
- (2 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 23
2
3 bei
Z1 bei Carl Lenz 22
* (4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 46 bei Carl Lenz 44
„ (6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte
L. Keil, K. Wallenfels, I. Lein, K. Haas 69
pr-
2 :
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9 "
3 ;
Gießen, den 24. November 1888.
der Brodverkäufer
(2 Pfd.) Weißbrod . . . . (4 „ ) „ • * . . •
(2 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte (4 fr ) Schwarzbrod 1. Sorte (6 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte (2 „ ) Schwarzbrod 2. Sorte (4 „ ) Schwarzbrod 2. Sorte (6 w ) Schwarzbrod 2. Sorte
28
56
25
59
25
45
69
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.


