Ausgabe 
25.11.1888 Erstes Blatt
 
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Nr. 277. Erstes Blatt. Sonntag den 25 November 1888

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen.

Durearrr Schul st raße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

Preis- tertcljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch oie Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher eil.

- 1 Halstuch, 1 silberner Ring, 1 Kinderüberzieher. 1 Brille, 1 schwarzer Handschuh, 1 Portemonnaie mit -Inball 2 Kette» G.eßen, am 2t. November 1888. Großherzogliches Polizeiamt Gießen- W nUt Jn<alt' 2 fictteiL

_______ ________ Fresenius.

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auswärtige Politik und über die Sortierung des socialpolt,ischen Resormwerkes.

Dte Denkschrift zu dem angekündigte,. Rachtragseta. für Zweck, b.r - Abgeordneten Minbtborf? (6t?.) Ite ift "unaiehr crschtencn. Sie legt dar, daß die deuische Marine, wolle man nete zu Schriftführern gewählt: B

Marine

116,800,000 Mark veranschlagt, dte auf sechs Etatsjahre vertheilt werden sollen.

Schluß 4'/2 Uhr.

Deutschkand.

merkenswerthesten folgende Zahlen: Zölle 270,000,000 Mark, Zuckersteuer 51,390,000 Mark, Branntweinsteuer 135,332,000 Mark, Salzsteuer 40,812,000 Mark, Brausteuer

ihr denjenigen Platz unter den Seemächten geben, der den politischen, militärischen und überseeischen Interessen des Reiches entspreche und das Bündniß mit demselben

Deutscher Reichstag.

2. Plenarsitzung Freitag den 23. November 1888.

Politische Ueberfieht.

Gießen, 24. November.

Mit lebhafter Genugthuung sind allseitig die Worte des Friedens begrüßt worden, dre Kaiser Wilhelm in seiner Thronrede bet Eröffnung des deutschen Reichstages ausgesprochen Hai und zwar ist dies mit einem Nachdrucke und einer Zu­versicht geschehen, wie sie von solcher Stelle noch selten bekundet wurde. Mit dem unserem jungen Kaiser eigenen religiösen Ernste wies er nochmals die ihm etwa zu- geschobenen kriegerischen Absichten unter Betonung seiner Pflichten gegen das deutsche Nolk und Hervorhebung seiner großen Auslandsreisen zurück und dte friedensbedürflige Welt hat mit freudiger Bewegung die sriedekündenden Aeußerungen des deutschen Herrschers entgegengenommen. Daß die Thronrede auf dein Gebiete der inneren Politik keine besonderen Überraschungen bringen würde, ließ sich unschwer voraussehen und dres gilt besonders von den aufgezählten Vorlagen für die neue Session. Wie zu er- warten war, schildert dte Thronrede die Finanzlage des Reiches als befriedigend, auch sprrcht sie nicht von einer besonderen Anle.he für militärische Zwecke; nur deutet sie auf unabweisliche Aufgaben" des Reiches hin, für welche neue Mittel beceitgestellt werdeir mußten und hiermit dürften wohl die vielbesprochenen Mehrforderungen für d e Marme u. !. w. gemeint sein. Erfreulich ist zu hören, daß die zollpoMischen Verhandlungen mit der Schweiz zu einer liebere!,,fünft geführt haben, welche tue ent= lube erletcbterungen für den Zolloerkehr zwischen Deulfchland und der Schweiz ver­spricht. Hell leuch,ete aus der Thronrede die warme Erinnerung hervor, welche der Kaiser an ferne bisherigen Jnlandsreisen, und namentlich an seine Reisen nach Süd-

uhu nameniilcy an seine Retten nach Süd- 9r aatV, f f c Vir wcu», vriicn -pranoenr

Deutschland, bewahrt hat. und dast der 9)Znnnrrh miß hontuiR».» s; n t ^te Aufgabe habe, nicht rechts, noch links, sondern stets geradeaus zu seben (Bravo

VRke^ges?^Iagen^h-be^^wir"^üRrall $"%e<tefe,U ®ur8eln"m Xmfen Hausts"weÄ e?"di?'gle.che^u7pa?Llich?GesiLn7 eWg/nbring

^land Bekämpfung des Sclaoenhandels in Ostafrika getroffenen Übereinkommens. ! Buhl den Dank für dte bisherige Führuna der Präsidialgeschäfte aus (Bravo') Dre Rede wurde von den zahlreich erschienenen Reichsboten wiederholt durch Beifall 1 T ^wetten Wahlgange (für den ersten Vtceprüsidmlen) werden 259 Zettel abae- unterbrochen und besonders lebhafter Zustimmung erfreuten sich die Stellen über dte l u0nr8< unbeschrieben; 169 lauten ans den Namen des Abg.vr. Buhl (natl.)

auswärtige Politik und über dte ^orhehunn ve-i fnrrHnnnHU,, 1 «rif Bebel, 1 aus Eugen Richter, 1 aus Frhr). v. Franck en st ein. (Spmßhrt ih

, -ESi^N, 23. November. DasFremdenblatt" betont, der nicht mehr zu über­bietende friedensfreundliche Charakter der Thronrede des Deutschen Kaisers müsse am meisten auffallen. Der ungeheure militärische Apparat des Reiches sei vollständig mit Schweigen übergangen in der festen Absicht, daß der Apparat am besten seinen Kweck erfülle, wenn fein bloßes Vorhandensein seine ernstliche Verwendung überflüssig mache. d?* Sr bezeichnet dte Thronrede als dte friedfertigste und friedens-

verhetßendste, die man nur wünschen könne. DiePresse" findet in der Unter­scheidung zwischen befreundeten und zunächst benachbarten Monarchen die internationale Lage wiedergespiegelt, welche nothwendtg macht, daß dte Absichten der Friedensltga durch ein imposantes militärisches Aufgebot unterstützt werden müssen. Das Blatt begrüßt mit großer Genugthuung die Erklärungen über die Festigung des deutschen Reichsgedankens.

_ .Za"?- 23- November. DasJournal des Debats" hält daS Gerücht eines Staatsstretths für eine Aufbauschung der Aeußerungen einzelner Abgeordneten, welche den Wunsch ausdruckten, dte Regierung möge energische Maßregeln gegen dte Umtriebe der Boulangtsten ergreifen.

Die republikanischen Gruppen des Senats beschlossen, an der Kundgebung am Grabe Baudm's am 2. December officiell nicht theilzunehmen.

m 2?' November. Das Unterhaus nahm in zweiter Lesung die irische

Pachtankaufsbill mit 299 gegen 224 Stimmen an.

, c. Die meisten Morgenblätter besprechen dte deutsche Thronrede, drücken leb­hafte Befriedigung über den freundlichen Hinweis auf England aus und heben den

20195,000 Mark; Mehperträge sind veranschlagt: Bei den Zöllen 25,246,000 Mark, nrL » -3?ckeroerbiauchsabgabe 35,754,000 Mark, bet der Maischbottichsteuer 2,358 000 Mark u. f. w., wahrend bei der Zuckermaterialsteuer ein Minderertrag von 18,234/XX) ilt Faßt man die wesentlichsten Ziffern des Entwurfes zum Reichs- haaöhallsetat für 1889/90 zusammen, so ergiebt sich folgendes Bild: Nach Ausscheidmig des außerordentlichen Etats von 84,123,882 Mark verbleiben 864,980,105 Mark Aus- rmb 28T- Ä Dbckungssumme bei den ordentlichen Einnahmen. Von letzteren - ^1,440,000 Mark als Ueberweisvngen an die einzelnen Bundesstaaten aus den

Einnahmen an Zöllen, Tabaksteuer, Branntweinsteuer und Stempelabgaben in Aus- 5 Gfl ^stellt, so daß für den eigenen Haushalt des Reiches 583,540,105 Maik oer;

Darunter sind die Matrikularbetträge mit 221,140,567 Mark, das sind 1,765,108 Mark mehr als im laufenden Etatsjahre, enthalten.

^p^sldcnt Dr. Buhl eröffnet dte Sitzung um 21/« Uhr. Am Bundes­rathstische Staa ssecretar des Innern Dr. v. Boetttcher. Das Haus tritt in die Tagesordnung ein: Wahl der Präsidenten und Schriftführer. - Beim ersten Wahl­gange für den Präsidenten werden 271 Stimmen auf den Namen des Abgeordneten v. Levetzow (cons.) abgegeben, ein Zettel lautet auf Eugen Richter, neun Heitel unbeschrieben. v. Levetzow ist mithin gewählt. Er erklärt die Annahme der Wahl, in welcher er den Ausdruck alten und neu bewiesenen Vertrauens erblickt, äwar vergesse sich nichts soleicht als dte Geschäfts-Ordnung des Reichstages, dessen Prästdmt

Berlin, 22. November. Der dem Reichstage bet seinem Zusammentritte vor- r gelegte Etat balanctrt in Einnahmen und Ausgaben mit 949 Millionen Mark, darunter I fortlaufende und 58 Millionen einmalige Ausgaben des ordentlichen, »4 Millionen Mark einmalige Ausgaben des außerordentlichen Etats; der Fehlbetrag des Haushaltes des Etatsjahres 1887/88 beziffert sich auf ca. 22,700,000 Mark. Unter den Positiven der Einnahmen aus den Zöllen und Verbrauchssteuern sind die be­

im oefcyrieven; 169 lauten auf den Namen des Abg.vr. Buhl (natl) i tx'«cV1' 1 ,ar ®?en Rechter, 1 aus Frhr). v. Franckenftein. Gewählt ist Buhl, welcher die Wahl dankend anntmmt. Auf den Antrag des ^hnpnrhnrtpn D, werden per Acclamation folgende Abgeord-

.......... D. Bürkltn (natl.), Frhr. v. Buol >

vr. Hermes (dfr.), Graf v. Kleist-Schmenzin (cons.), Dr. v. Kulmtcz (ReicksvV L /^?"ndltn (natl), Wichmann /cons.), zu Quästoren e^ennt

Telegraphisch« Feprschen.

telegr. «»rrespoude«,. Vurea«.

, . h Berlin, 23 November. In der heutigen Mag'.ftratssitzung wurde beschlossen, bei den Ministern des Innern und der Finanzen einen Zusatz zu dem Gemeinde Ein­kommensteuer-Regulativ zu beantragen, wonach nicht nur der Erlaß, resp. die Er­mäßigung der Miethssteuer bei Miethswerthen bis 300 JL, sondern auch der Erlaß der untersten Stufe der Gemeinde-Einkommensteuer (Einkommen oon 420600»*) den Gemeindebehörden Vorbehalten bleiben soll. Sobald dieser Zusatz genehmigt ist, soll der gedachte Steuernachlaß bereits für das Etatsjahr 1889-90 eintreten, sofern der schon in Berathung begriffene Gemeinde-Etat dies zuläßt.

. r~JEöifn' 23. November. Der Handelsvertrag zwischen Oesterreich-Ungarn und der Schweiz, der heute Mittag unterzeichnet worden ift, gilt bis zum 1. Februar 1892. Die kurze Dauer steht in Zusammenhang mit dem Ablauf der schweizerisch-französischen Verträge zu jenem Zettpunkte, in Folge dessen die anderen Staaten sich auch nicht weiter hinaus binden. w

"UH maritimer Beziehung als wünschenswert erscheinen lasse, unabweisbar einer Präsident die Abgeordneten Kochhann (Clr) und Francke (nL). Das Bureau

Verstärkung bedürfe. Es sollen daher neugebaut werden, 4 Panzerschiffe neuester Bau- ?amtt conftituirt und soll Seiner Majestät die vorgeschriebene Meldung erstattet

art 9 Panzerfahrzeuge zur Küstenvertheidigung, 7 geschützte und 4 ungeschützte Kreuzer ! ?^?n. - Das Haus ehrt sodann das Andenken der verstorbenen Mitglieder des

2 Avisos und 2 Torpedodivisionsboote und wird d.e Gesammtsumuw der Kosten auf t Pfafferoth, v. Gruben und Frhr.

116,800 000 Mark veranschlagt, die auf sechs Etatsjahre vertheilt werden sollen. neten d ^Cebbe^Iift-nn^hp^ört)cru.n0 ^r Abgeord- am ®onn^LÄlb6 d°s Sst.rr.tchisch.» Ahg«-rdn,t.nh-»ses beenbigte | -ng-z-lgt, di- b"'Wb°n'g-hIn an bT@"&ähäorbnungä®omn ®U"U

ont Donnerstag bte ^0^0 der Wehioorlagc durcy unveränderte Annahme des l ^c'ächste Sitzung Dienstag den 27. November, 2 Uhr Taaesordnuna

Entwurfes und beschloß, oen Bericht des Referenten in vertraulicher Sitzung zu be- 6 Etatsberathung. 9 gesorbnung.

rathen. Da nicht zu bezweifeln ist, daß auch das Plenum des Abgeordnetenhauses dem Beispiele seines Ausschusses folgen und die Wehrvorlage unverändert gutheißm wird, so wäre dem Ministerium Taaffe wiederum ein großer Wurf gelungen zu dem man dem Kaiserstaate einmal aufrichtig Glück wünschen kann. '

In Frankreich hätte es beinahe wieder einmal eine Ministercrlsis gegeben. Dei der Berathung des Colonialbudgets durch die Deputirtenkammer befürwortete Unterstaatssecretair Delaporte in der Donnerstagssitzung das Budget für Tonkin und betonte er hierbei, eine weitere Verminderung der dort stehenden Truppen würde eine Unklugheit sein, die Kammer möge daher die verlangten 15 Millionen Fr cs be­willigen. Es erhob sich nun hierüber eine lange Debatte, in deren Verlaufe der Opportunist Lamessan eine Verminderung des Credits um 5 Millionen beantragte Dem gegenüber bezeichnete es der Marineminister Krantz als nothwendtg daß der jetzige Trupvenbestand in Tonkin aufrecht erhalten werde und sprach er sich demgemäß Legen den Anttag Lamessan aus. Von Seiten der radicalen (regierungsfreundlichen) Partei erklärte Abgeordneter Conftanz, man müsse es der Einsicht der Regierung über­lassen, die Truppen in Tonkin im geeigneten Zeitpunkte zu verringern. Minister­präsident Floquet wies den Antrag Lamessan ebenfalls zurück und erklärte Namens der Regierung, es sei schon eine Verminderung der Truppenzahl in Tonkin eingetreten und werde man damit vorsichtig forffahren. Schließlich stellte Floquet dte Vertrauens­frage und dieserDrohung" gegenüber vermochte Lamessan doch nicht Stand zu halten und zog er seinen Antrag zurück; nur meinte er gereizt, es sei die Budgetberathung unmöglich, wenn das Cabinet wegen einer Lappalie von 5 Millionen gleich mit dem Rücktritt drohe. Die Verhandlung endete mit Genehmigung des Tonkincredits mit 278 gegen 229 Stimmen und Bewilligung des gesammten Colonialbudgets, das Mini­sterium Floquet-Freycinet war wieder einmal gerettet!