^etfage zu Dir. 224 des „fließencr Anzeiger".
Vermischtes.
— (Vom Kaiser Friedrich.) Stets gütig war er, wo es sein hohes. Amt erlaubte; selbst einen unausgesprochenen Wunsch suchte er zu erratfoen und zu erfüllen. Wir meinen den erhabenen Dulder, unfern unvergeßlichen Kaiser Friedrich. „Es war zur Zett, da er noch Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen hieß", so erzählt uns (schreibt das „Berl. Tagebl."), bei der Erinnerung von tiefer Rührung übermannt, unser Gewährsmann, der das Glück gehabt hat, schon von früher Jugendzeit Les Prinzen an in dessen Umgebung weilen zu dürfen, da ließ der hohe Herr Jemanden von uns, den ich so gut kenne, wie mich selbst, eines Tages in sein Arbeitszimmer rufen. Der Prinz stand gebückt über seinen Papierkorb und warf die darin befindlichen Papierfragmente und Couverts etwas ungeduldig durcheinander. „Sagen Sie mal, M." begann er mit seinem herzgewinnenden, jovialen Wesen, „ich suche da vergeblich nach einem alten Briefumschlag, den ich heute am Morgen in den Korb geworfen habe. Hat vielleicht Jemand von Euch in dem Korb herumgekramt?" Ich machte verlegen eine verneinende Bewegung. „Na! Na!" fuhr der Prinz fort, „mir scheint es aber doch so, daß da Einer oder der Andere in dem Papterkorb nach alten Siegeln und Couverts „naturgeforscht", um nicht zu sagen „herumgeräubert" hat. Ich will nicht fragen, wer das Couvert hat. Ich will dem Sünder nicht zu Leibe. Ich will nur etwas nachsehen. Es ist ein kleines blaues Leinwandcouvert eines Briefes von der Königin von England an mich und ist mit ihrem persönlichen Siegel versehen. Sie werden mtr's sofort verschaffen. Ich will es nicht behalten. Später können Sie es meinetwegen dem Banditen wieder zurückgeben." Das Alles war, wie gesagt, in jovialem, herzgewinnendem Tone gesprochen. Selbstverständlich war nach wenigen Minuten das blaue Couvert zur Stelle. Der Prinz besah es und gab es mir mit den Worten zurück: „So, danke, brauche es nicht mehr, geben Sie es dem Banditen wieder und sagen Sie ihm, daß es mit seiner Courage nicht weit her sei. So viel Vertrauen hätte er zu mir schon haben können, um zu sagen: „Königliche Hoheit, das ist mein Metier, ich bin passionirter Heraldiker und Manuskriptensammler. Sagen Sie dem bangherzigen Naturforscher — Sie kennen ihn ja sehr genau —, daß er meinetwegen in dem Papierkorb heraldische und Manuskripten-Studien machen darf — aber immer erst am nächsten Morgen. Verstanden? Na, denn is jut!" — Ich athmete erleichtert auf, denn wenn der hohe Herr so ein wenig „berlintite", war dies ein Zeichen, daß er in bester und gnädigster Stimmung war. Als der „Bandit" am nächsten Morgen von der hohen Erlaubniß Gebrauch machte und den Papierkorb plünderte, sollte er noch die seltene Herzensgüte seines Gebieters kennen lernen. Auf jedem einzelnen Couvert war auf der Rückseite von der Hand des Prinzen kurz verzeichnet, wessen Handschrift und Wappen dasselbe trage: „Prince of Wales", „Graf von Flandern", „Großherzogin von Hessen" u. s. w. — Der edle Prinz batte dem „Banditen" die heraldischen Studien erleichtern wollen. Welche unendliche Güte kennzeichnet diese kleine Episode. Das kleine blaue Couvert der Königik von England: SA Son Ältesse Royale Monseigneur le Prince Fr6d6rio Guillaume de Prusse, ä Berlin“ liegt vor mir, und — dem nun „alten Banditen" rollen schwere, heiße Thränen auf Las Couvert herab.
sGesährliche Feind e] traf, wie das „Bündn. Tagbl." meldet, das schweizerische Bataillon 92 am Jnspectionstage bei Ettiswyl. Schon stand das Bataillon in Reih und Glied und harrte des Jnspectors. Da machte man plötzlich die unheimliche Entdeckung, daß nicht weit vor der Front ein kolossales Wespennest sich am Boden Lesand, aus dem es ganz schwarz hervorwimmelte. Zuerst einzeln, dann immer zahlreicher und hartnäckiger flogen die Wespen den Leuten um die Köpfe. Vom Stabe aus bemerkte man eine sonderbare und ordnungswidrige Unruhe im Bataillon 92, und ein Adjutant kam daher gallopirt, um zu schauen, waS denn das für Faxen seien. Schon hatte er den Mund geöffnet zum Üblichen Donnerwetter, als zum Unglück sein Pferd gerade mitten in das Wespennest trat... die Wespen fuhren in wildem Schwarme <mf, und das Roß ging mit dem Reiter in rasenden Sätzen durch, man konnte nur noch sehen, wie der Unglückliche verzweifelt mit den Händen um sich schlug, dann Zügel und Bügel verlor und schließlich zu Boden flog. Unmittelbar darauf kommt eine '
Dragoner-Ordonanz d?s Weges geritten und das Unglück will es, daß das Pferd ebenfalls mitten in den Wespenschwarm tritt. Nun wiederholt sich ganz akkurat das Schauspiel von vorhin. Jetzt aber wurde die Sache ernst; immer näher rückte der Moment, wo der Jnspector und sein Gefolge kommen mußte und die Wespen die keinen Respect kennen, schienen nur darauf zu passen, ihnen das gleiche Schicksal zu bereiten, wie dem Adjutanten und dem Dragoner. Man denke sich das Tableau, wenn nun auf einmal die glänzende Kolonne der hohen Herren, wie die Spreu im Winde, auseinander gestäubt und zuletzt Einer nach dem Andern vor den Augen der Truppen beruntergepurzelt wäre! Das mußte im Interesse der nationalen Würde um jeden Preis verhindert werden. Zwei Pioniere wurden beordert, das Wespennest mit Erde znzudecken. Nachdem sie umfassende Vorsichtsmaßregeln getroffen , die Häupter verhüllt und ihre Pfeifen angezündet hatten, rückten sie mit Heldenmuth gegen die Position des Feindes vor; aber kaum hatten sie einige Schritte gethan, so schwärmte ihnen dieser in dichten Schaaren entgegen, worauf die Beiden Heldenmuth und Schaufeln fallen ließen und eiligst den Rückweg antraten. Inzwischen war auch unter der Mannschaft die Noth immer mehr gewachsen, da die Wespen immer zorniger und aggressiver wurden. Da verfiel endlich ein intelligenter Mann auf ein sinnreiches Mittel: aus einem benachbarten Bauernhöfe wurde ein Bund Stroh geholt, mit Petroleum getränkt, ange- zündet und mittelst einer langen Stange auf das Wespenlager geworfen. Das half, und als kurz darauf der Jnspector mit seiner Eskorte herankam, war alles glatt und in Ordnung und die Herren hatten wohl keine Ahnung, welcher Gefahr sie soeben entgangen.
— sAchtzehn Pferdediebe erschossen.) Eine Bande Pferdediebe hatte im südlichen Colorado seit einiger Zeit den Ansiedlern eine große Anzahl von Pferden gestohlen und sich mit denselben geflüchtet. Die Diebe wurden von den bestohlenen Ansiedlern verfolgt und aufgespürt. Es kam zu einem regelrechten Gefechte zwischen Verfolger und Verfolgten, wobei achtzehn der letzteren und drei der Ansiedler erschossen wurden.
Repertoir der vereinigten Stadttheater zu Frankinrt a. Ai.
Opernhaus.
Dienstag den 25. September: Hochzeit des Figaro. Große Preise.
Mittwoch den 26. September: Reise um die Erde. Außer Abonnement. Große Preise.
Donnerstag den 27. September: Violetta (la Traviata). Große Preise.
Freitag den 28. September: Reise um die Erde. Außer Abonnement. Große Preise.
Samstag den 29. September: Zum ersten Male: Othello. Oper in 4 Akten von Verdi. Große Preise.
Sonntag den 30. September: Euryanthe. Große Preise.
Montag den 1. October: Reise um die Erde. Außer Abonnement. Große Preise.
Schauspielhaus.
Dienstag den 25. September: Tartuffe. Hierauf: Der Geizige. Große Preise.
Mittwoch den 26. September: Antoinette. Große Preise.
Donnerstag den 27. September: Abonnements-Vorstellung für einen ausgefallenen Freitag. Zum ersten Riale: Frauenemancipation. Schauspiel in einem Akte von Sonntag. (Friederike: Fräulein Wolff als Gast.) Hierauf: Ein toller (Unfall. Große Preife.
Freitag den 28. September: Antoinette. Große Preise.
Samstag den 29. September: Zum ersten Male: Die alten Junggesellen Schauspiel in 5 Akten von Sardou. Große Preise.
Sonntag den 30. September: Zum ersten Male wiederholt: Die alten Junggesellen. Große Preise.
Arbeitsbersteigerung.
Mittwoch den 26. I. Mts.,
von Vormittags 9 Uhr an,
sollen im alten Rathhause versteigert
werden: veranschl. zu
Erdauffüllung,
«X 59,40
Maurerarbeit
„ 521,80
Steinhauerarbeit, aus Lung-
steinen
„ 90-
desgleichen aus Sandsteinen
„ 87,12
Zimmerarbeit
„ 223,47
Dachdeckerarbeit
, 90,81
Epenglerarbeit
„ 35,40
Schreinerarbeit
„ 223,08
Schlofferarbeit
„ 399,27
Glaserarbeit
„ 49,80
Weibbinderarbeit
„ 146,66
Pflasterarbeit
„ 118,43
Gießen, den 22. September 1888.
Großh. Bürgermeisterei Gießen.
A. Bramm.
7600
Obstverfleigerung.
Montag den 1. Oktober, Don Vormittags 10 Uhr an, soll das der Gemeinde Grüningen zustehende Obst, bestehend in mehreren Hundert Stämmen sehr vollhängender Zwetschen, sehr viele Birnen zu Honig, sowie Winterglockenbirnen und Aepsel, versteigert werden. Die Zusammenkunft ist im Ort.
Grüningen, den 21. Septbr. 1888. Großh. Bürgermeisterei Grüningen.
7602 Gilbert.
7556 Einen IVrjähngen gelben Bernhardiner-Hund verkaufe billig wegen Mangel an geeignetem Raum.
Conr. Jos. Keller, Schloßgasse.
Allgemeiner Anzeiger.
Bekanntmachung.
Der Plan über die von der Stadtverordneten-Versammlung festgestellten Baufluchtlinien für die Kaplansgaffe liegt 14 Tage auf dem Bureau des Stadtbaumeisters zur Einsicht offen, während welcher Zeit Einwendungen bei Vermeidungen des Ausschluffes bei der unterzeichneten Behörde vorzubringen sind.
Gießen, den 21. September 1888.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
A. Bramm. 7616
H. NESTLE’S KINDERMEHL
Zahlreiche
ZEUGNISSE:
der ersten medicinischen
Autoritäten.
L4
*1
32 Auszeichnungen,
worunter
12 Ehrendiplome
und
14 Gold. Medaillen.
7582 Einen tüchtigen Gesellen sucht k 7615] Zwei Schreiner gesucht von Schtchmachermstr. Krast, Krofdorf. ! Louis Beil, Wetzsteingasse 18.
J"ür Einjährig-4reiwissige.
Unterzeichneter empfiehlt sich im Unfertigen von Uniformen jeder Art. Für guten Stoff, solide Arbeit und gutes Paffen wird ga- rantirt. Hochachtungsvoll 7613.
Wilhelm Stumpf, Sonnenstrsße Nr. 9.
Fabrik-Marke
Vollständiges Nahrungsmittel für kleine Kinder.
Ersatz bei Mangel an Muttermilch, erleichtert das Entwöhnen, laicht und vollständig verdaulich, desshalb auch Erwachsenen bei Magenleiden als Nahrungsmittel bestens empfohlen.
Zum Schutz gegen die zahlreichen Nachahmungen führt jede Büchse die
Unterschrift d. Erfinders Henry Nestle, Vevey (Schweiz). 200
Verkauf in allen Apotheken und Drogen-Handlungen.
Vergebung von Straßenbauarbeiten.
Die nachstehenden zur Erbauung einer Kreisstraße von Rüd- dingshaufen nach Deckenbach auf ersterer Gemarkung im I. Loos erforderlichen Arbeiten sollen Donnerstag, den 27. d. M.,
Vormittags 10 Uhr, auf dem Amtszimmer des Unterzeichneten im Wege schriftlicher Submission vergeben werden und zwar:
veranschlagt zu 1) Erdarbeiten . . . 1236,12 JL 2) Maurerarbeiten . 1120,— „
Kostenvoranschlag, Pläne und Bedingungen sind aus dem Amtszimmer des Unterzeichneten einzusehen; weitere Auskunft ertheilt Bezirksbauaufseher Maringer in Grünberg.
Gießen, am 20. September 1888.
Der Kreisingenieur: 7576 Gnauth.
Ieilgeöotenes.
Apfelmost
7618___________Restauration Herbert.
Aechte Frankfurter Würstchen (alleinige Niederlage der Fabrik von Stroh & Müller) empfiehlt in täglich frischer Sendung
Carl Schwaab’s
7560 Delicateffenhandlung.


