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Vermischtes.

Darmstadt, 22.August. MittelrheinischerArchitecten-undIngenieur-Verein.) Die Abhaltung der diesjährigen Generalversammlung ist für Donnerstag den 11. October in Darmstadt in Aussicht genommen. Es soll in Verbindung damit eine Ausstellung von Entwürfen der Mitglieder stattfinden und werden die daran sich beteiligenden Mitglieder um Mttthetlung über die auszustellenden Gegenstände und das Maß der für die Ausstellung erforderlichen Fläche an den Vereinsoorstand (Vorsitzender Mini- sterialrath Dr. Schäffer) bis zum 30. d. M. gebeten.

Mainz, 23. August. Ein nicht alltäglicher Raubanfall wurde gestern Abend in der hiesigen Messe verübt. Auf einen jungen Mann traten plötzlich zwei unbekannte Personen, grüßten den jungen Mann auf das Herzlichste, wobei die eine der Personen dem Gegrüßten mit den Worten:Ei, Ernst, sehe ich Dich endlich wieder!" um den Hals fiel. Trotz alles Abwehrens des jungen Mannes, daß er gar nicht Ernst heiße und hier jedenfalls eine Verwechselung der Person vorliege, trat auch die zweite Per­sönlichkeit unter den gleichen Liebkosungen an denselben heran. Plötzlich bemerkte der junge Mann, wie an seiner Uhrkette gezogen wurde, und schrie laut um Hülfe, worauf die beiden Unbekannten im Gedränge davoneilten, ohne daß man ihrer habhaft werden konnte. Am Abend gelang es indetz, die Gauner, welche schon ähnliche Kunststücke mit Erfolg ausgeführt, festzunehmen.

Frankfurt a. M., 23. August. Binnenschifffahrttz-Congreß. In der heute Nachmittag ftattgehabten Schlußsitzung sprach der Congreß den Wunsch aus, daß Seitens der Regierungen practische und wissenschaftliche Versuche gemacht werden mochten behufs Bestimmung der besten Form- und Größenverhältnisse der für die Binnenschifffahrt dienenden Schiffe, sowie der Fortbewegungsmtttel, welche am Besten den Forderungen der Geschwindigkeit, der Regelmäßigkeit und der Billigkeit entsprächen Ferner wurde beschlossen, die Frage der Gebühren und Abgaben auf Flüssen, Schtff- fahrtscanälen und in Binnenhäfen auf die Tagesordnung des nächsten Congresses zu setzen. In die Commission für Statistik wurde nachträglich noch General-Jnspector v. Salis für die Schweiz gewählt. Der Secretär des englischen Handelsamts Courtenay-Boyle (London) beantragte, daß die Fragen betreffend die Tarifsätze und die vereinfachte Waaren-Classification auf Wasserstraßen dem nächsten Congresse überwiesen würden; zugleich dankte derselbe Namens der englischen Regierung für die Einladung zum Congreß. Der Antrag wurde vom Congreß angenommen. Marshall Stevens (Manchester) lud den Congreß für das Jahr 1890 nach Manchester ein. Dieser Vor­schlag wurde von Duncan und Vernon Harcourt (London) unterstützt und vom Congreß angenommen. Baenches und Oelwein (Wien), sowie Fürbrtnger (Emden) beantragten der Congreß möge der deutschen Regierung seinen Dank aussprechen für die großartige Ausstellung von Plänen und dieselbe ersuchen, die Pläne zu veröffentlichen. Der Antrag wurde unter lebhaftem Beifall angenommen. Oberbaudirector Wiebe versprach, diesen Dank und Wunsch dem Minister v. Maybach zu übermitteln.

Frankfurt a. M. Zu den zahlreichen Versammlungen, welche bis heute schon hier getagt haben oder die im Laufe der nächsten Monate in Frankfurt sich zusammen­finden werden, gehört auch der Verein für Socialpolitik. Derselbe hat den 28. und 29. September, also die Tage nach der in Karlsruhe stattfindenden Zusammenkunft des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkett, für seine Berathungen angesetzt. Letztere werden folgende, heute schon feststehende Vorträge bringen: 1) Der ländliche Wucher und die Mittel zu seiner Abhilfe, insbesondere die Organisation des bäuerlichen Credits; erster Berichterstatter Professor Dr. o. Miaskowskt-Breslau, zweiter Berichterstatter Geh. Ober-Regierungsrath Thiel-Berlin. 2) Der Einfluß des Detail­handels auf die Preise und etwaige Mittel gegen eine ungesunde Preisbildung; erster Berichterstatter Professor Dr. Conrad-Halle a. d. S.

Eine Landschule in der Umgebung von Halle wurde unlängst vom Kreis­schulinspektor reoidirt. Als dieser eintrat, behandelte der unterrichtende Lehrer gerade den Schluß des ersten Hauptstücks (Beschluß der Gebote). Der Schulinspector hörte dem Unterricht einige Zett zu, dann ergriff er das Wort und richtete an die Kinder dre Frage, wie sich Goites Gerechtigkeit zu seiner Gnade verhalte. Er erwartete natür­lich die Antwort zu hören: Gottes Gnade ist größer als seine Gerechtigkeit. Rach einer Pause erhielt er die Antwort:Gottes Gerechtigkeit verhält sich zu seiner Gnade wie ~ 1 8 250 Auf die Ermunterung des erstaunten Schulinspektors zur Be­gründung dieser Behauptung führte der Knabe Folgendes an:Gott will strafen bis in's vierte und wohlthun bis in's tausendste Glied. Beim Strafen zeigt sich seine ^erech^g^eit, beim Wohlthun seine Gnade. Demnach ist das Verhältniß zwischen Gerechtigkeit und Gnade wie 4 zu 1000 oder wie 1 zu 250!" Als der Inspektor auf der nächsten Con erenz diese Episode erzählte, fügte er hinzu:Was kein Verstand der Verständigen sieht, das übet in Einfalt ein kindlich Gemüth."

Um die Ausstellung von Kopenhagen zu besuchen, hatte eine Fürstlichkeit bei einem Hotelier eine Wohnung vorher bestellt und um den Preis angefragt Der Hotelier stellte den wahrhaft fürstlichen Preis von 50 000 Kronen (56 000 Mark)

/Fielt /r die telegraphische Antwort:Sie sind im Jrrthum. Ich will Ihr Hotel nicht kaufen, sondern nur einige Zimmer miethen."

Der neueste Plan einer Uederbrückung des Canals zwischen Calais und Dover, bearbeitet von den Ingenieuren des großen Eisenwerks Creuzot und dem Vor- fitzenden des Vereins der Civtltngenieure, Hersent, bezweckt die Anlage von Pfeilern in der Entfernung von je 500 Metern, deren Belag 50 Meter über den Meeresspiegel zu liegen kommen, mithin den größten Seeschiffen unbehinderten Durchgang gestatten

0je Br^e soll 30 Kilometer lang werden und vier Bahngeleisen einer Straße für Wagen und einer Fußbahn Platz bieten. Auf jedem Pfeiler soll ein Beob- - Masten mit Signal-und Alarmoorrichtungen, eine Rettungsstation und ein mächtiger Leuchtthurm angebracht werden. Die Verfasser des Plans sind der Ansicht daß das Grundmauerwerk mit Taucherglocken, die mit Luftdruck versehen sind, gelegt werden kann, da die Tiefe zwischen Dover und Calais meistens nur 25 bis 30 Meter an wenigen Stellen 50 Meter betragt. Die Brücke soll zwei Millionen Tonnen wiegen! StaafÄ Än Unb 800 m,UiOn£n 5rQnfen f0ftCn- °h"° daß eine ... 1TsJ,'^erin1nen-L Zwei junge Amerikanerinnen, Hattie Leslie und Alic- Leary, ^ben n Bunalo einen Vertrag unterzeichnet, worin sie sich verpflichten, öffentlich einen

Zu bestehen. Der Einsatz ist 500 Dollars und der Kampf soll zwischen dem 23. und 25. August in der Gegend von Buffalo stattfinden. Die Siegerin bekommt den Emsatz und die Hälfte der Einnahmen und wird als Königin der Faustkämpferinnen proklamirt. Hattre ^slie, eure Akrobatin von Profession, ist 20 Jahre alt, 5 Fuß ,3hre Concurrentin, Alice Leary, eine komische übrigens sehr hWstin.' 8®6 wiegt aber auch nur 180 Pfund. Beide sollm ß b TflaeMah" fd,ütV-°r ^o^ett nic&t.] In Wloclaweck machte, nachdem ' D°rc Jürgen Tagen ein Mann im Alter von 88Jahren seinem Leben durch Erhängen em Ende. Der Grand zu dieser traurigen That war Eifersucht auf seine ungefähr 3o Jahre lungere Gattin. 1 1

Arbeitern bewohnt waren. In Folge des furchtbaren Branbunglücks sind gegen zehn­tausend Personen obdachlos,

Lokales.

Gießen, 24. August. Die am 20. August zu zehnwöchentltcher Uebung etn- getretenen Ersatzreserotsten wurden heute Vormittag vereidigt.

Es gibt bekanntlich schon von Urzeiten her eine in der ganzen Welt ver­breitete Innung von Leuten, die sich das eigenlhümliche Ziel gesetzt haben,nicht alle werden zu wollen." Dahin gehören auch diejenigen Münz streb er, welche es sich durchaus nicht nehmen lassen, für die mit Kaiser Friedrichs Bild versehenen oder die im Todesjahr Kaiser Wilhelms geprägten Stücke ein ganz unerhörtes Draufgeld in die Taschen von gewinnsüchtigen Händlern oder sonstigen für dergleichen Geschäftchen beanlagten Leuten zu schieben. Wir geben daher zur Warnung folgende verbürgte Nachricht über den Umfang der betreffenden Ausprägungen: Bis zum 15. Juli wurden mit dem Bilde Kaiser Friedrichs geprägt: Zwanzigmarkstücke für 2 097 820 JL, Zehn­markstücke für 8 762 280 JL Die Prägung der ersteren wird fortgesetzt, die der letzteren ist beendet, die der Zweimarkstücke, zuerst ausgegeben am 16. und die der Fünsmark- ftücke am 21. Juli, von denen je eine Million in Umlauf kommen wird, ist noch im Gang. Von Kaiser Wilhelm sind im Jahre 1888 geprägt worden: Zwanzigmarkstücke für 9 825 540 Ji, Zehnmarkstücke für 1 891 250 JL

, o. .^Der Landrath Io spe.J Ein sehr wohlhabender pommerscher Gutsbesitzer ^bllngswumch es lst semen Jungen" einmal als Landrath in seinem hetmath' se zu sehen, schickte denselben nach absoloirtem Abiturienten-Examen, mit Geldmitteln reich versehen, nach Berlin, um ihn dort die Jurisprudenz studiren zu x* e n£C" gesucht der Alte seinen hoffnungsvollen Sprößling in

der Residenz.Fränzchen scheint diese Bezeugung väterlichen Interesses zwar nicht ganz angenehm AuJein, aber nothgedrungen machte er gute Miene zum bösen Spiel und fuhrtden Alten in der Stadt herum, wobei er zwar eine auffallende Kenntniß totale entwickelt, dagegen sonst recht wenig Bescheid zu wissen scheint. Die beiden Spaziergänger kommen endlich auch, erzählt dasKl. Journ.", in eine ganz prächtige Straße wo es natürlich wieder viel zu sehen gibt. Wieder stehen sie vor ! fei?em Absude, das ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht, wieder weiß Fränzchen i Rath. Der liebe Papa erkundigt sich also abermals bei einem Vorübergehenden | und da erfahren Vater und Sohn zu ihrer gewiß großen beiderseitigen Ueberraschung daß sie vor - der Universität stehen. Am Tage darauf istFränzchen" mit seinem lieben Vaterzu Muttern abgereist. Er soll jetzt nicht mehrLandrath lernen". Der Alte hat genug davon. 1

an r m J?1 Modelle-Prügelei j Der Kindergarderobehändler Oratole Radoux in Marseille hat tn feinen Schaufenstern sechs kleine Wachsbübchen stehen, welche die neuesten Anzuge zur Schau tragen. Die Modelle haben nebenbei auch einen moralischen Zweck. Radoux gibt ihnen, um die Herzen der Mütter zu gewinnen, stets Bücher und L-chretbtafeln in dre Hand, und unaufhörlich sieht man Frauen vor dem Laden Auf­stellung nehmen, welche ihre Kinder auf das tadellose Benehmen der Bübchen auf- merksam machen. Vor einigen Wochen nun hatte Radoux einen Streit mit seinem

§a£\cnrtl L/monnrer, welcher mit der Kündigung endigte, und am 31. Juli, als UrU<fle3°8/n' Lemonnier mit höhnischem Lächeln:Adieu, Monsieur, ich bleibe noch ein wenig, ich will zum letztenmale heute die Auslage die ein noch nie dagewesenes Aufsehen erregen wird. Am 1. August öffnete der Hausknecht den Laden, Mr. Radoux, der, sein Zeitungsblatt in der Hand, durch die halbgeöffnete Thür hereinschlüpft, hörte alsbald ß^f^nUr .eüte hinaus und fand trotz der frühen Morgenstunde sein

^rU cn umringt, daß er sich kaum durchzudrängen vermochte, o^en» stand er sprachlos vor Entsetzen vor seinem Schau-

i Mutiger Zwist war unter den sechs Wachsbuben entbrannt. Zwei lagen kJ ?aa3en runbv zerzausten Gewändern am Boden, ein dritter hielt ein zer- rissenes Buch in der Hand, das er wohl als Waffe gebraucht hatte, die drei andern N"en um ein Körbchen mit Johannisbeeren, und Der Säst befleckte Wäsche und Hände.

;Dür f0 ? alle Welt hinlief, um diese Prügelei zu Ni"' b f bIi$ ber Kaufmann wuthend den Laden schloß. Nunmehr verklagte Mr. Radoux seinen Commis wegen dieses von ihm angerichteten Scandals. Lemonnier Mn Prmcipal ist ein Undankbarer. Seit fünfzehn Jahren hat

sein Geschäft nicht so großes Aufsehen erregt, als mein kleiner Scherz es verursacht." flpTitti«,» :Ich habe es mir selbst angesehen und fand es in der That

gelungen und von Talent zeugend." Radoux antwortete bedauernd:Ja, Talent t ®ber bX fr°Ltb?n Grundsätze fehlen ihm, sonst hätte ich ihn nicht ent- mrremrph£Cq;Onnttr^5-Jemem Chef mit bittender Geberde und sagt:Werden nflfrfuJ mi?rM?bsm laKcn ?'e mich auf meinen Posten zurückkehren und ich ver­pflichte mich die Modelle wieder so sauber zu kleiden, als wäre der Friede zwischen ihnen nie gestört worden. Radoux ist nicht unerbittlich, er verzeiht dem Frevler.

Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

13. Sonntag nach Trinitatis, den 26. Auaust- Vormittags 9% Uhr: Pfarrer Schlosser.

. .Nachmittags 2</a Uhr: Candidat Göbel aus Friedberg.

Kinderkirche fällt aus. u

Pfarre?S ch/o fVe tn ber 2Bo<be üom 26 August bis 1. September besorgt

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ACjllilltjl lull Ja ist vom feinsten Geschmack und grösster Aus- giobigkeit. Das Beste ist stets das Billigste.

Katholische Gemeinde.

14. Sonntag nach Pfingsten.

Von 6 Uhr an Beichte.

Um.. J Uhr: Frühmesse und Austheilung der f). Kommunion.

Um ValO Uhr: Hochamt und Predigt.

2 Uhr: Andacht.

Gottesdienst in der Kynagogr.

,, Freitag Abend 0-° Uhr. Samstag Morgen 8°° Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr, Samstag Abend 730 Uhr.

Wärmegrade der Lahn und der Luft, nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr. Luft 18, Wasser 13 Gr.

Gießen, den 24. August 1888. Rübsamen.

Evangelische Gemeindevertretung.

Die Mitglieder der Gemeindevertretung der evangelischen Gemeinde Gießen werden, vorbehaltlich der den einzelnen Herren noch besonders zugehenden Einladung, hierdurch einaeladen zu einer Sitzung, die am Acnstag den 28. August d. I., Nachmittags 5 Uhr, in der Stadtkirche stattfinden soll mit folgender Tagesordnung:

1) Jahresbericht des Kirchenvorstandes über den kirchlichen und sittlichen Zustand der Gemeinde im Jahre 1887.

2) Neuwahl eines Mitglieds des Kirchenvorstandes.

Nachdem von den am 6. Juli d. I. gewählten 6 Kirchenvorstehern einer die Wahl abgelehnt hat, muß für denselben eine Neuwahl statt­finden. Unter Hinweis auf die §§ 13, 18 und 38 des Kirchenverfasfungs- Edikts wird bemerkt, daß wählbar in den Kirchenvorstand nur solche stimmberechtigte Männer unserer Gemeinde von bewährtem kirchlichen Sinn und ehrbarem Lebenswandel sind, die das 30. Lebensjahr über­schritten haben.

3) Wahl von 3 weltlichen Abgeordneten zur Dekanats- Synode und von 3 Stellvertretern für dieselben.

Gießen, den 24. August 1888.

Der Vorsitzende des Kirchenvorstandes:

Dr. Naumann. 6787