Ausgabe 
24.1.1888
 
Einzelbild herunterladen

Vertage zu Jlr. 20 desAchmer Anzeiger".

Darmstadt, 20. Januar. Das Verordnungsblatt ffür die evangelische Kirche des Großherzogthum» Hessen Nr. 3 veröffentlicht die Lrgebniffe der kirch­lichen Statistik vom Jahre 1886.

Wir entnehmen denselben die für die Superintendentur Gießen bezüg­lichen Mittheilungen.

A Statistik des Kirchen- und Abendmahtsbesuchs.

Superintendentur Gießen: Kirchenbesucher im Durchschnitt der drei Zähl­tage 54,359 Erwachsene, 26.273 Kinder; in Procenten der evang. Bevölkerung 34,3; Communicanten 187,507, an Procenten der Erwachsenen 119,6.

B. Geburt, Taufe, Confirmation, Beerdigung.

Superintendentur Gießen: Geborene 6783; Taufen durch evang. Geist­liche 6693; Confirmirte aus rein evang. Ehen 4894, aus Mischehen 80, Sonfirmations-Entziehungen; Beerdigung von Verstorbenen über 6 Jahren mit Begleitung des Geistlichen 3225, ohne Begleitung des Geistlichen 159.

C. Eheschließung, Trauung von Evangelischen, Mischehen.

Superintendentur Gießen: Eheschließungen überhaupt 1674, evangelisch kirchlich getraut 1659; Gemischte Eheschließungen bürgerlich M. evang. 22, F. evang. 38, evang. getraut M. evang. 20, F. evang 32; Kinder aus ge­mischten Ehen M. evang. 107, F. evang. 112; evang. getaufte Kinder aus Mischehen M. evang. 86, F. evang. 74.

D. Christliche Liebesgaben.

Landeskirche: Für Vereine und Anstalten christlicher Liebesthätigkeit 92,822 JL 61 4; Collecten 21,008 JL 22 3\; Kirchcnopfer für die Armen 28,625 72 4; sonstige freiwillige Leistungen für kirchliche Zwecke

54,744 JL 48

Berlin, 13. Januar. Die Vorlage, welcher der Reichstag einstweilen mit der größten Spannung entgegenfieht, betrifft die Forderung für tue neue Heereserweiterung. Wir haben schon mitgetheill, daß Die Höhe der gesammten Koste» näher an 200, wie an 100 Millionen Liegen dürfte. Heute lheilt man uns von glaubwürdiger Seite mit, daß ste den Betrag von 200 Millionen sogar erheblich übersteigen dürste. Da die Vorlage heule den Bundesrath be­schäftigt hat, so wird ste wohl in den nächsten Tagen bekannt werden.

Die auswärtige Lage, fo bemerkt dieKöln. Zsg.", wird seit einigen Tagen günstiger beurthetlt, als vor einigen Wochen; hauptsächlich wohl aus 'dem Grunde, weil man sich sagt: was wochenlang vorgehalten hat, kann auch jahrelang vorhalten, und eine Wendung zum Sckrlimmern ist nirgends wahrzu­nehmen. Daß man im Gespräch gethane, schwerlich für die Orfientiichkeit be­stimmte und wahrscheinlich sogar unter Scher» oder aber unter Vorbehalt abgegebene Äeußerungen des Reichskanzlers, wonach er auf drei Jahre den Frieden für gesichert halte, an der heutigen Börse herumgetragen hat, ist nichts mehr und nichts weniger als unpaffend. Daß der Friede nur bedroht ist, wenn Rußland und Frankreich ihn brechen, weiß man ohnehin, daß aber Rußland seine Pläne im Orient oh»e Krieg nicht würde erreichen können, steht gleichfalls lest, und daß es ste auf längere Zeit vertagt o°>er gar aufgegeben habe, wird etnstwellen noch immer bestritten. Die russischen Blätter rufen freilich unaus­gesetzt Deutschland an, es möge im Verein mit Rußland den Berliner Vertrag Herstellen. Da es aber Rußland nicht um den Berliner Vertrag in Bulgarien zu thun ist, sondern um seine einseitige Auslegung de» Berliner Vertrages, die der österreichischen entgegensteht, so ist an eine Lösung der Schwierigkeit vorerst gar nicht zu denken. Somit bleibt nach wie vor die beste und einzige Friedenr- bürgfchaft im deutsch - österreichisch - italienischen Bündniffe, das den Ruffen die Fortdauer der jetzigen Zustände in Bulgarien für eine geringere Gefahr erschei­nen läßt, al» einen Krieg selbst mit Hülfe Frankreich» gegen diese drei Mächte. Da» ist der wahre Grund, au» welchem wir den Frieden für vorläufig gesichert halten dürfen; es ist auch ein triftiger Grund, wie wir ausdrücklich betonen wollen. Slic Versuche wenn solche gemacht worve» sein sollten, was wir nicht sicher wissen, Rußland aus feiner lediglich beschuldigenden Haltung zu lösen und zu bestimmten Vorschlägen zu bewegen, find einstweilen ohne den r wünschenswecthen Erfolg geblieben, vielmehr aus Ablehnung gestoßen.

Statistische Miltheilungen über den Civilstand der Stadt Gießen im Jahre 1887.

} Mitgetheilt vom Standesamt Gießen.

Die Eheschließungen im Jahre 1887 betragen 119, im Jahre 1886 betrugen die­selben 126 es ergibt sich sonach eine Abnahme von 7.

Hinsichtlich der Eonsession der Getrauten wird Nachstehendes bemerkt: 100 prote­stantische Männer heiratheten Protestantinnen, bei 1 Ehe war der Mann evangelisch, die Frau katholisch, bet 10 Ehen war der Mann katholisch, die Frau evangelisch, 4 katholische Männer heiratheten Glaubensgenossinnen, 4 israelitische Männer heiratheten Frauen ihres Bekenntnisses.

Dem bürgerlichen Berus nach verhetratheten sich: 11 Aerzte, Künstler, Beamte, Lehrer, Rentner rc., 19 Kauf- und Handelsleute, Eoinmis, Gastwirthe, Kellner rc., 53 Handwerker und deren Gehülfen, Fuhrleute rc., 15 Unterbeamte, Scribenten rc., 5 Militärpersonen, 2 Werkführer und Fabrikarbeiter, 14 Tagelöhner und Dienende aller Art.

12 Gießener Männer nahmen Frauen aus Gießen, 7 Gießener Männer nahmen Frauen von Auswärts, 36 Gießener Frauen nahmen Männer von Auswärts, bet 56 Eheschließungen waren die sJiupturienten von Auswärts aber hier ansässig, bei 4 Eheschließungen war der Mann dahier, die Frau auswärts wohnhaft, bei 2 Ehe- Ichlietzungen die Frau dahier, der Mann auswärts wohnhaft, bei 2 Eheschließungen waren beide Nupturienten auswärts wohnhaft.

Dem Eivilstande nach verhetratheten sich: 100 ledige Personen, 2 ledige Männer heiratheten Wittwen, 12 Wittwer ehelichten ledige Frauenspersonen, 5 Wittwer ehelichten Wittwen.

Bei 3 Eheschließungen wurde je 1 Kind anerkannt und legitimirt.

Von den im Jahre 1887 dahier lebend geborenen Kindern waren 304 Knaben und 309 Mädchen, zusammen 613 Kinder es sind mithin gegen das Jahr 1886 3 Kinder mehr geboren und zwar 10 Knaben mehr und 7 Mädchen weniger. Von Liesen im Jahre 1887 geborenen Kindern waren 222 Knaben und 239 Mädchen ehe­licher und 82 Knaben und 70 Mädchen unehelicher Geburt.

Im Jahre 1886 kamen ehelich zur Welt: 217 Knaben, 232 Mädchen, zusammen 449; im Jahre 1887 kamen ehelich z«r Welt: 222 Knaben, 239 Mädchen, zusammen 461 mithin im Jahre 1887 mehr 5 Knaben, 7 Mädchen, zusammen 12.

Im Jahre 1886 wurden unehelich geboren: 77 Knaben, 84 Mädchen, zusammen 161; im Jahre 1887 wurden unehelich geboren: 82 Knaben, 70 Mädchen, zusammen 152 mithin in 1887 mehr 5 Knaben, weniger 14 Mädchen, zusammen weniger 9.

Die ehelich geborenen Kinder entstammen und zwar: aus rein evangelischen Ehen 187 Knaben, 203 Mädchen, zus. 390, aus rein katholischen Ehen 6 Knaben, 8 Mädchen, zus. 14, aus israelitischen Ehen 6 Knaben, 8 Mädchen, zus. 14, aus Misch­ehen 23 Knaben, 20 Mädchen, zus. 43: = 222 Knaben, 239 Mädchen, zusammen 461.

Die unehelichen Geburten verthctlen sich auf 106 Mütter evangelischer und 46 Mütter katholischer Eonfession.

Unter Berücksichtigung der Geburts- bezw. Wohnorte sind von den Müttern der unehelichen Kinder: 75 aus Hessen, 43 aus Preußen, 21 aus Bayern, 6 aus Württem­berg, 4 aus Baden, 1 aus Sachsen-Meiningen, 1 aus Sachsen-Altenburg, 1 aus Sachsen-Weimar.

Unter den unehelichen Kindern befinden sich 2 Knaben, 3 Mädchen, welche von Wittwen unehelich geboren wurden.

Die Mütter der unehelich geborenen Kinder vertheilen sich in folgende Berufs­klassen: 108 Dienst-, Haus-, Laden- und Laufmädchen rc., 4 Haushälterinnen, Auf­wärterinnen, Köchinnen rc., 10 Näherinnen, Kleidermacherinnen, Büglerinnen, Strickerinnen rc., 6 Fabrikarbeiterinnen rc., 10 Tagelöhnerinnen, Arbeiterinnen rc., 2 Wäscherinnen, 12 ohne Berufsausübung.

Das Verhältniß der Anerkennung der Vaterschaft ist gleich den vorderen Jahren ein sehr geringes gewesen.

ES wurden von den außerehelich geborenen 82 Knaben und 70 Mädchen anerkannt: 2 Knaben und 3 Mädchen nicht anerkannt sind daher 80 Knaben und 67 Mädchen.

An Mehrgeburten sind 11 Zwilltngsgeburten erfolgt, 2 mehr als im vorigen Jahre. Diese verteilen sich: eheliche: 3 mit Knaben, 3 mit Knaben und Mädchen, 4 mit Mädchen (in 2 Fällen war je eins der Kinder lebend und eins tobt geboren); uneheliche: 1 mit Knaben.

Todtgeboren wurden 26 Kinder, 5 mehr als im vorigen Jahre.

Im Jahre 1886 wurden geboren: ehelich 9 Knaben, 6 Mädchen, unehelich 3 Knaben, 3 Mädchen, zusammen 12 Knaben, 9 Mädchen; im Jahre 1887 wurden geboren: ehelich 10 Knaben, 9 Mädchen, unehelich 3 Knaben, 4 Mädchen, zusammen 13 Knaben, 13 Mädchen mithin in 1887 mehr: ehelich 1 Knabe, 3 Mädchen, un­ehelich 1 Mädchen, zusammen 1 Knabe, 4 Mädchen.^

Die Gesammtzahl der Sterbfälle beträgt: 455.

Im Jahre 1887 sind gestorben: 237 männliche, 218 weibliche Personen-*, im Jahre 1886 sind gestorben: 239 männliche, 180 weibliche Personen sonach in 1887 weniger 2 männliche, mehr 38 weibliche Personen.

Dem Eivilstande nach sind verstorben: ledige Personen: 116 männliche, 109 weibliche; verheirachete Personen: 73 männliche, 56 weibliche; verwittwete Personen: 18 männliche, 50 weibliche zusammen 207 männliche, 215 weibliche Personen; der Familienstand (ob ledig, verbeirathet oder verwittwet) konnte nicht festaeslellt werden bei 30 männlichen und 3 weiblichen Personen zusammen wie oben 237 männliche, 218 weibliche Personen.

Im akademischen Hospital, in der Entbindungsanstalt und in Prioathäusern sind 142 ortsfremde Personen gestorben und zwar 92 männlichen und 50 weiblichen Geschlechts.

Die Sterbiälle nach dem Alter der Verstorben gruppirt ergibt Folgendes:

Im Jahre 1887

1886

Gegen das Jahr 1886

männl.

weibl.

mehr

weniger

männl.

rveibl.

männl.

weibl.

männl.

weibl.

unter 1 Jahr

38

42

51

43

13

1

von 15Jahren

28

26

24

23

4

3

6-10

6

7

9

2

!--

5

3

11-15

8

6

5

2

3

4

1620

10

7

16

5

2

6

21-30

21

15

25

16

4

1

3140

30

26

21

18

9

8

4150

23

17

25

20

2

3

51-60

27

22

21

10

6

12

61-70

20

23

22

15

8

2

71-80

18

18

15

22

3

4

8190

7

9

4

4

3

5

Alter unbekannt

1

1

zusammen 237

218

239

180

28

47

30

9

Die Sterbefälle vertheilen sich auf die Monate

Januar 23

18

19

10

4

8

Februar 16

13

15

18

1

5

März 19

21

17

21

2

April 20

24

14

26

6

2

Mai 21

20

30

14

6

9

Juni 26

26

25

11

1

15

Juli 13

22

15

16

6

2

August 23

25

22

13

1

12

September 9

10

22

18

13

8

October 16

11

24

15

8

4

November 23

15

12

7

4

8

December 28

13

17

11

11

2

zusammen 237 218 239 180 30 57 32 19

Dem Religionsbekenntnisse nach sind gestorben: evangelische 193 männliche, 190 weibliche Personen, katholische 18 männliche, 13 weibliche, israelitische 6 männliche, 8 weibliche, disüdentisch 1 männliche, freireligiös 1 männliche, zusammen 219 männliche, 211 weibliche Personen; bei 18 männlichen und 7 weiblichen war das Religionsbekennt­nis unbekannt, zusammen wie oben 237 männliche, 218 weibliche Personen.

Die Zahl der im Jahre 1887 lebend geborenen Kinder beträgt 304 männliche, 309 weibliche. Hiervon gehen ab: a) die unehelichen Kinder (in der Entbindungsanstalt und in Privatwohnungen geboren) 82 männliche, 70 weibliche; b) eheliche Kinder, deren Eltern auswärts wohnhaft sind 8 weibliche, zusammen 82 männliche, 78 weibliche bleiben 222 männliche, 231 weibliche. Hierzu kommen uneheliche Kinder, deren Mütter in Gießen wohnhaft sind 14 männliche, 12 weibliche; ergibt Geburten für Gießen 236 männliche, 243 weibliche (= 479 : 2,52O/O der Bevölkerung).

Die Zahl der im Jahre 1887 Gestorbenen beträgt 237 männliche, 218 weibliche Personen. Hiervon gehen ab die im academischen Hospital und in der Frauenklinik rc. gestorbenen Ortsfremden 92 männliche, 50 weibliche Personen; ergibt Sterbefälle für Gießen 145 männliche, 168 weibliche Personen; zusammen 313 verglichen mit der Zahl der Geborenen 145 männliche, 168 weibliche (= 313 : 1,65O/O der Bevölkerung), ergibt Geburten-Ueberschuß für Gießen 91 männliche, 75 weibliche ( 166 : 087<>/0 der Be­völkerung).

An unsere geehrten Abonnenten.

Wiederholte Beschwerden, welche in den letzten Tagen uns kund wurden, veranlassen uns, die geehrten Abonnenten unseres Blattes zu bitten, jede Unregelmäßigkeit der Austräger uns mit kurzer Notiz gefl. bittet zu melden. Nur dadurch sind wir in Stand gesetzt, Abhllfe zu schaffen. Di- Austräger sind angewiesen, den Anzeiger in die Wohnung der Abonnenten zu bringen und nicht, wie vielfach zu geschehen scheint, auf Treppen und Muren abzulegen. _ __

Die Expedition de»Gießener An,t1ger".