Ausgabe 
24.1.1888
 
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M. 20, Dienstag den 24. Januar 1888.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

- " ,£ nr a nn " I PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinaerlohx. Vureau r Schul st raße 7. Erscheint täglich mtt Ausnahme des MontagS. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf,

Amtlicher Hheil. -Z

Betreffende Die Marschgebührnisse bei Einberufungen zum Dienst, sowie bei Entlaffungen- Gießen, am 21. Januar, 1888.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an «rotzherzogliche« Bürgermeistereien des KreifeS.

Diejenigen von Ihnen, welche noch mit Bezahlung der zugesendeten Auszüge im Rückstände stnd, wollen veranlaffen, daß die betr. Beträge baldigst an Kreisamtsgehülfen Döring abgeliefert werden.

Dr. Boekmann.

Deutschland.

Darmstadt, 21. Januar. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 4 enthält:

Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Verordnung über die Prüfungen der Aspiranten des Gymnasial- und Realschul- LehramtS betreffend.

Darmstadt, 21. Januar (Mllitärdienst-Nachrichten.) Es wurden: Hanesse, Major z. D., Bezirks-Commandeur des 2. Bat. (Worms) 4. Großh. Hess. L^ndw. Regt». Nr. 118, von der Stellung als Bezirks-Commandeur ent­bunden; v. Gerhardt, Major z. D., zuletzt im Jnf.-Regt. Nr. 99, zum Bezttks-Commandeur des 2. B 2. (Worms) 4. Großh. Heff. Landw.-Regts. Nr. 118 ernannt.

Berlin, 22. Januar. Der Kaiser und die Kaiserin sind anläßlich des heutigen Ocdensfestes Ln's Schloß gefahren, beabsichtigen jedoch, wie verlautet, nur der Ordensverkündigung beizuwohnen.

Berlin, 21. Januar. Der Kaiser wohnte gestern der Darstellung im Opernhause und gegen 9 Uhr der Thee-Gesellschaft bei, wozu Minister Lucius, Gras Stolberg und Prinz und Prinzessin von Hohenzollern geladen waren. Heute Vormittag hörte der Kaiser den Vortrag Albedyll's und machte nm 2 Uhr eine Spazierfahrt. Um 23/4 Uhr wird der heute eingetroffene Kronprinz von Griechenland, um 33/< Uhr der spanische Botschafter im Beisein des Staots- secrctärs v. Bismarck empfangen. Bei dem Kronprinzen von Griechenland ist Nachmittags ein Diner, wozu Prinz Wilhelm geladen ist.

DieGermania" erfährt, daß der Fürstbischof Kopp auf seiner Rück­kehr von Rom heute Abend hier eintreffe. Er sei von der Kaiserin telegra­phisch ersucht worden, bald nach seiner Hierherkunst derselben persönliche Mit- theilungen über das Befinden des Kronprinzen zu machen.

Berlin, 21. Januar. Prinz Wilhelm machte heute dem Geheimrath v. Berg­mann einen halbstündigen Besuch.

Das Abgeordnetenhaus erledigte in seiner heutigen Sitzung die erste Etat­lesung und verwies die Haupttheile des Etats der Budget-Commission. Im Laufe der Debatte, woran Eynern, Zedtlitz, Meyer (Breslau) uno Benda theilnahmen, wies der Finanzminister die von Rickert, Eynern, Meyer und Huene gemachten Einwendungen zurück. Von der Nothwendigkeit einer Reform der directen Steuern sei die Regierung auch jetzt noch überzeugt, habe aber eine Reform niemals für geeignet gehalten, um Ausfälle in der preußischen Finanzoerwaltung zu decken. Minister Maybach erklärt, bei einer Tarifermäßigung sei die größte Vorsicht geboten, sobald indeß die Tragweite der Ermäßigung übersehbar und man die Ueberzeugung gewonnen habe, daß keine Störung des Gleichgewichts eintrete, werde man solche einführen. Montag 11 Uhr Sitzung. Tagesordnung: Zweite Etatlesung.

AranLreich.

Paris, 19. Januar. Die CorrespondenzHavar" meldet: Die Jaipe- rraliften sind in jüngster Zett höchst rührig. Am Sonntag sand eine General­versammlung statt. Gestern haben die meisten imperialistisch-demokratischen Comiiö-Vorftärde dem Vertreter des Prinzen Victor ihre Unterwerfung zu Füßen gelegt und Lte Gründung einer alle Imperialisten vereinigendenLiga der Be­rufung an das Volk" für Paris uno ganz Frankreich befürwortet.

Der französische Gesandte in Washington hat seine Regierung tele­graphisch benachrichtigt, daß der Bericht des Staatssecretärs der Verewigten Staaten dem Congreß einen Gesetzentwurf vorlegt, kraft dessen die amerikanische Republik sich osficiell an her Weltausstellung von 1889 betheiligt und dafür einen Credit von 200,000 Dollars fordert. Für die zur Ausstellung gesandten und wieder zurückgehenden Gegenstände wird Zollfreibett gewährt.

Paris, 20. Januar. Die Initiativ - Eommission hat sich mtt 13 gegen 3 Stimmen gegen die Jnbetrachtnahme des Basly'schen Amnestieantrags ausgesprochen, den Antrag Gaudtn, betreffend die Unabsetzbarkeit der Kriegsminister und Marine­minister dagegen in Erwägung gezogen. Die Eommission zur Vorberathung des Municipalgesetzes hat die Vorlage, wonach der Setuepräfekt im Stadthaus wohnen soll, angenommen.

DemJournal des Debats" zufolge hätte der Ministerrath den Antrag von Lesseps, der Panamagesellschaft die Emittirung von Loospapieren zu gestatten, ein­stimmig abgelehnt.

Paris, 21. Januar. Lesseps bestätigte in einem Schreiben an die Actionäre des Panama-Canals die Weigerung der Regierung, bet der Kammer die Ermächtigung zur Ausgabe von Loospavieren zu beantragen. Lesseps erklärt sich für verpflichtet, die Indifferenz nicht gutzuheißen, deren Folgen das Panama-Unternehmen kurz vor seiner Vollendung Ausländern überliefern könnten. Er ersucht die Actionäre, eine Petition an die Kammer» zu unterzeichnen, um die verlangte Ermächtigung zu erhalten, da er eine öffentliche Debatte wünscht, wobei die wirkliche Lage des Unternehmens dargelegt würde. Er erklärt weiter, der Panama-Canal werde vollendet werdenin gleicher Weise wie der Suez-Canal.

ßngkaud.

London, 21. Januar. Der parnellitische Parlaments-Deputirte für Monaghan Patrick O'Brien, wurde gestern Abend wegen einer aufrührerischen Rede verhaftet.

Italien.

Rom, 21. Januar. Der Papst empfing heute diejenigen deutschen und öster­reichisch-ungarischen Persönlichkeiten, welche den ComitS's zur Darbringung der Jubi­läumsgeschenke, Vorbereitung der vatikanischen Ausstellung und Organisation der Pilgerzüge angehörten. Erstere wurden von dem Fürsten Löwenstein, letztere von dem Grafen Pergen vorgeftellt.

Son Remo, 21. Januar. Se. K. und K. Hoheit der Kronprinz machte heute einen Spaziergang.

Zlußtand.

Petersburg, 21. Januar. Der Gerichtshof verurtheilte den Redacteur der Rowoje Wremja" (Feodorow) wegen Verleumdung des Herrn v. Villaume zu 150 Rubel und 6 Wochen Arrest auf der Hauptwache.

Ztumänien.

Bukarest. 21. Januar. Die Meldung, daß zwischen dem Vatikan und R>- nänien pourparlers wegen Abschlusses eines Konkordats eingelcitet seien, wird vo^gut unterrichteter Seite dementirr.

Amerika.

Rewyork, 21. Januar. Die heute nach Europa abfahrenden Dampfer La Gascogne" und herSwitzerland", ersterer der Compagnie Transatlantique, letzterer der Red Star Line gehörend, stießen in der Upper - Bay zusammen. Die Gascogne" ist wenig beschädigt und wird wahrscheinlich um Mitternacht wieder ab­fahren.Switzerland" war gezwungen, wieder zurückzufahren, wird ausladen und auf Dock gehen müssen.Switzerland" behauptet, der Zusammenstoß sei dadurch erfolgt, daß dieGascogne" versucht habe, ihm quer vorbeizugehen.

Deutscher Reichstag:

18. Sitzung vom 21. Januar 1888.

Erster Gegenstand der Tagesordnung ist erste und zweite Lesung des Gesetz­entwurfs betr. die Einführung der Gewerbeordnung in Elsaß-Lothringen.

Abg. Winter er (Els.) befürwortet Streichung des § 2, wonach das Buch­druckergewerbe in den Reichslanden auch künftig den Beschränkungen unterliegen soll, denen es jetzt unterliegt.

Abg. Ackermann (cons.) erklärt Namens seiner Freunde für 8 2 zu stimmen, weil derselbe eine Waffe gegen die fortdauernden antideutschen Agitationen in Elsaß- Lothringen biete, die nicht entbehrt werden könne.

Unterstaatssecretär Studt befürwortet gleichfalls Aufrechterhaltug des 8 2.

8 2 wird unverändert angenommen.

Abg. Frhr. v. Dietrich (Els.) beantragt Aufnahme des folgenden 8 6:Die Bestimmungen über die Anlegung von Dampfkesseln bleiben der landesgesetzlichen Regelung überlassen. Es finden jedoch die auf Grund des 8 24 Abs. 2 der Gewerbe­ordnung vom Bundesrathe erlassenen allgemeinen polizeilichen Bestimmungen auch in Elsaß-Lothringen insoweit Anwendung, als dies vom Bundesrathe beschlossen wird."

Abg. Petri (natl.) befürwortet den Antrag.

Abg. Ackermann (cons.) hält denselben für unbedenklich und wird, wenn nicht die Regierung gewichtige Gründe gegen denselben anführt, für denselben stimmen.

Abg. Henneberg (natl.) wünscht einheitliche Neuregelung der Bestimmungen über die Dampskesselanlagen im ganzen Reiche.

Nachdem noch Abg. Grad für, Unterstaatssecretär Studt aber mit Rücksicht auf die Reichseinheit gegen den Antrag gesprochen, wird derselbe mit großer Mehrheit angenommen.

Abgg. Winter er und Grad beantragen 8 7 wie folgt zu fassen:Jugendliche Arbeiter, welche zur Zeit des Inkrafttretens dieses Gesetzes in einer Fabrik bereits beschäftigt waren, können bis zum 1. Januar 1891 in der durch das Gesetz betr. die Beschäftigung der Kinder in Fabriken zugelassenen Ausdehnung weiter beschäftigt werden."

Abg. Ackermann (cons.) hätte es lieber gesehen, wenn die bezüglichen Be­stimmungen der Gewerbeordnung ohne Weiteres auf Elsaß-Lothringen übertragen worden wären; jedenfalls müsse er sich gegen den Antrag Winterer erklären.

Abg. Dr. Windthorst will der Regierung keine discretionäte Vollmacht geben; ein Uebergangsstadium aber müsse geschaffen werden, deshalb stimme er für den Antrag Winterer.

Abg. Singer (Soc.) erklärt sich gegen jede Uebergangsbestimmung.

Abg. Dr. Baumbach (freist) spricht sich aus den Gründen, die schon Windthorft geltend gemacht, für den Antrag Winterer aus.

Unterstaatssecretär Studt wendet sich gegen dm Antrag Winterer, der die Ausnahme xur Regel machen wolle.

Nachdem noch die Abgg. Windthorft und Hitze für, Abg. Dr. Buhl (natl.) aber gegen den Antrag Winterer gesprochen, wird derselbe abgelehnt, die Fassung der Regierungsvorlage aber angenommen.

Damit ist die Vorlage überhaupt angenommen.

Die Etatsberathung wird hierauf bei dem Etat des Innern fortgesetzt.