Ausgabe 
23.12.1888 Viertes Blatt
 
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2K. 301 Viertes Blatt. Sonntag den 23. December

Gießener Anzeiger

und Anzeigtblatt für den Kreis Gießen.

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Gießener Anzeiger,

Nmls- unö fliijeigeöfoll für öen -Kreis Meßen.

^scheint, wie gewohnt, täglich, mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen, inel. Der BerlageGießener Fmmlimblatter", welche dreimal wöchentlich dem Anzeiger beigelegt werden.

Der Abonnementspreis für den Anzeiger, frei in'S Haus geliefert, beträgt 2 Mark 20 Pf->.; für auswärtige Abonnenten, welche nur bet der Post abonniren können, 2 Mark ml. Postgebühr. ° 8

Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, den Anreiger auch im I. Quartal 1889 zusenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben kaffen.

Wir bitten die neuen Abonnenten, namentlich auswärtige, ihre Bestellungen baldgefälligst aufqeben zu wollen, damit wir sollzahlige Eremplare liefern können. Die Spedition.

Politische Rundschau.

(Ziehen, 22. December.

Die durch das Gesetz vom 11. Februar d. I., betreffend Aenderungen der Wehrpflicht, geschaffenen Verhältnisse haben eine Revision der Zusammenstellung derjenigen Bestimmungen erforderlich gemacht, welche in Bezug auf die Militäroerhält- nisse Anzumusternder zu beobachten sind. Die Revision ist für Preußen bereits vor­genommen und hat der Minister für Handel und Gewerbe eine den neuen Verhält­nissen entsprechende Zusammenstellung dieser Bestimmungen den Regierungspräsidenten der an die See grenzenden Bezirke mit der Aufforderung zugehen lassen, dieselbe den untergestellten Beamten zur Rachachtung zuzufertigen und diese dabei noch darauf auf­merksam zu machen, daß die in der Zusammenstellung enthaltenen Bestimmungen nicht nur auf die anzumusternden Schiffsleute, sondern auch auf die angemusterten Schiffs- führrr zu beziehen seien. Besonders wird in den neuen Bestimmungen den Musterungs­behörden eingeschärft, dafür Sorge zu tragen, daß Personen über die Zeit hinaus, zu welcher sie gestellungspflichtig sind oder für welche sie Ausstandsbewilligung haben, zur Anmusterung nicht zugelassen werden. Dem Bezirkscommando^ welches den die Muste­rung vornehmenden Schiffer controltrt, ist durch das Seeamt von der vorgenommenen Anmusterung Mittheilung zu machen, bezw. dem Schiffer nach vorgenommener Ab­musterung eine Bescheinigung zu ertheilen.

Der in diesen Tagen von Sansibar und der ostafrikanischen Küste zurückgekehrte Amtsgcrichtsrath Dil they, welcher in der letzten Sitzung zum Mitglied des Directions- rathes der Ostafrikanischen Gesellschaft gewählt wurde, gedenkt dem Ausschuß des Directionsrathes ausführliche Mittheilung über seine während eines längeren Aufent­haltes gewonnenen Erfahrungen und Beobachtungen zu machen. Herr Dilthey ist umsomehr befähigt, ein Urtheil abzugeben, als er theilweiie Zeuge der Flaggenhissung in den Küstenhäfen war. Wie dieNat.-Ztg." berichtet, verneint er auf das Bestimmteste jedes Verschulden der Gesellschaftsbeamten an dem Ausbruch des lediglich von den arabischen Sclavenhändlern ausgehenden Ausstandes und spricht sich überhaupt auf das Günstigste über die Disciplin und Geschäftstreue der Beamten aus; er rühmt insbe­sondere die Unermüdlichkeit und Umsicht des Generalvertreters der Gesellschaft, Herrn Consul Vohsen. Herrn Dilthey zufolge ist die Niederwerfung des Aufstandes und überhaupt die Beruhigung des Küstenlandes rasch und sicher zu erreichen, ohne daß es auf die Dauer einer bedeutenden militärischen Macht bedürfte. Haben die in jenen Gegenden vereinzelten und nur durch ihren bisherigen rücksichtslosen Terrorismus herrschenden Araber erst einmal die starke Hand Deutschlands gesühlt, so ist ihr Wider­stand gebrochen. Die Ansichten des Herrn Dilthey bewegen sich vollkommen in der Richtung, welche wiederholt als der einzige Ausweg in dieser Frage bezeichnet morden ist: Uebernahme der Hoheitsrechte durch das Reich.

Die Theilung der Regierung von Schleswig-Holstein soll nach einer Mit­theilung, die der Bürgermeister von Schleswig in einer Sitzung der dortigen städtischen Collegien machte, dahin gehen, daß das Ober-Präsidium nach Kiel verlegt werden soll. Die Theilung wird im Verhältniß von 40 (Schleswig) zu 60 (Kiel) beabsichtigt.

In Belgien zieht die Frage des persönlichen Militärdienstes immer wieder ihre Kreise. Im Laufe der Verhandlungen der Deputirtenkammer über das Militärbudget erklärten regierungsseitig Graf Oultremont und General Jacmart, daß sie demnächst eine neue Vorlage über den persönlich abzuleistenden Militärdienst einbringen wüiden. Einstweilen ist es jedoch noch sehr zweifelhaft, ob die angekündigte Vorlage ein besseres Schicksal haben wird, als ihre Vorgängerinnen, denn in Sachen der Militärreform war die belgische Volksvertretung immer von einer merkwürdigen Zugeknöpftheit.

Die Rede des opportunistischen Senators Challemel-Lacour im französischen Senate über die Fragwürdigkeit des jetzt in Frankreich herrschenden radicalen Re­gierungssystems macht großes Aufsehen. Es sind dem Cabinet Floquet von republika­nischer Seite noch niemals so bittere Dinge gesagt worden, als es Herr Challemel- Lacour, der ehemalige Botschafter Frankreichs am Londoner Hofe, gethan hat, noch niemals ist aber auch seitens der französischen Republikaner unter Hinblick auf die vom Boulangismus drohende Gefahr so warm an die Vaterlandsliebe der monarchistischen Parteien appellirt worden und es macht daher die Rede. Ehallemel-Lacour's in Frank­reich großen Eindruck. Allerdings tadeln verschiedene republikanische Blätter, daß durch die Rede Ehallemel-Lacour's die Republik selber angegriffen worden sei, aber dieser Umstand ändert an dem bedeutenden staatsmännischen Eharacter der Lacour'schen Kund­gebung gar nichts und daß Challemel-Lacour bei seinen Ausführungen den Muth ge­habt hat, die Fehler seiner eigenen Partei auszudecken, wird vomIourn. des Debats" . rühmend heroorgehoben. Uebrigens zog der Parteifreund Ehallemel-Lacour's, der |

frühere Finanzminister Leon Say, seinen im Senat gestellten Antrag, die Rede Ehallemel- Lacour's in allen Gemeinden Frankreichs öffentlich anschlagcn zu lassen, in der Donners- tagssitzung wieder zurück, da in einer vorher abgehaltenen vertraulichen Besprechung der Senatoren gewichtige Bedenken gegen einen derartigen Schritt laut geworden waren. Der boulangistische Senator Naquet nahm allerdings den Antrag Leon Say's wieder auf, aber er wurde durch großen Tumult gehindert, das Wort zu ergreifen und sah sich sogar genöthigt, den Sitzungssaal zu verlassen, worauf die Budgetberathung ohne weiteren Zwischenfall fortgesetzt wurde.

Die Suakinfrage beherrscht in England fortgesetzt das öffentliche Interesse. In der Donnerstagssitzung des Unterhauses erklärte der Finanzminister Goschen, die Operationen bei Suakin hätten die allgemeine Politik Englands im Sudan nicht ge­ändert, hinsichtlich Egyptens halte die Negierung an ihren wiederholt gegebenen Er­klärungen fest. Die jüngsten Ereignisse hätten ermuthigend bewiesen, daß die egyptischen Truppen unter Führung englischer Offiziere im Stande seien, den Derwischen die Spitze zu bieten. Die Bestrebungen, eine Sirettmacht aus den Eingeborenen zu er­richten, welche fähig sei, Egyptens Grenzen zu vertheidigen, seien nicht-umsonst gewesen.

Darmstadt, 21. December. Durch Entschließung Großherzogl. Ministeriums der Finanzen wurden ernnant: Zu Steuerassessoren die Finanzaccessisten Heinrich Dieterich zu Alzey, Carl Greiner zu Darmstadt, Adolph Heil zu Babenhausen, Carl Kritzler zu Darmstadt, Adolph Schläger zu Alzey und Adolf Weißen­bruch zu Darmstadt. Zu Forstassessoren die Forstaccessisten Eduard Beyer zu Freienseen, Carl Bonhard zu Oppenheim, Friedrich Kleinkopf zu Groß-Gerau, Anselm Stifel zu Schotten. Zum Baumeister der Bauacce'fist Adam Paul zu Darmstadt. f

Lokales.

Gießen, 22. December. Aus Worms wird uns die Mittheilung, daß im Concerl Der Musikgesellschaft und Liedertafel am 16. December unsere Landsmännin Fräulein M. Langsdorfs eine außerordentlich freundliche Aufnahme gefunden hat. Widjt allein der Wohllaut ihrer ausgiebigen Altstimme, sondern auch die Behandlung derselben, Aussprache, Ausdruck und Abtönung der Liedervorträge wirkten vereint dahin, den angenehmsten Eindruck zu hinterlassen. Fräulein Langsdorff brachte zudem ihre sämmtlichen Lieder völlig frei und unabhängig von den Roten zu Gehör, so daß man von Anfang an ihr gegenüber das angenehme Gefühl hatte, eine kapitelfeste Sängerin auf dem Podium zu wissen. Der Beiiall war so groß, daß sich Frl. Langsdorff dazu verstehen mußte, noch den Schubert'jchenErlkönig" dareinzugeben.

Gießen, 21. December. Wie wir hören, so soll gegen das Urtheil der Straf­kammer Groß». Landgerichts vom 18. b. M. in der Strafsuche gegen stud. Zimmer von Lich die Revision eingelegt werden.

(Neues Theater.s Eine der lustigsten Possen, welche je geschrieben wurden, gelangt am Sonntag zur Aufführung: Doctor Faust's Hauskäppchen von Friedrich Hopp, einem der besten Possendichter Oesterreichs. Poll gesunden Humors nnd der tollsten Einfälle, die ihre Wirkung niemals verfehlen, verbunden mit ernsten Scenen, wird sie auch hier ihre Anziehungskraft auf's Publikum ausüben und können wir mit Recht einen vergnügten Aberzd versprechen.

Brodpvcise

vom 23. December 1888 bis 6. Januar 1889.

der Bäcker

1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 28^

2 (4 Pfd.) Weißbrod .... 56

1 (2 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 25

2 (4 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 50

1 (2 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 23 bei Carl Lenz 22

2 (4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 46 bei Carl Len, 44

der Brodverkäufer $

1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 28

2 (4 ) ..... 56

1 (2 ) Schwarzbrrü» 1. Sorte 25

2 , (4 ) Schwarzbroo 1. Sorte 50

3 (6 ) Schwarzbrod 1. Sorte

1 (2 ) Schwarzbrod 2. Sorte 23

2 (4 , ) Schwarzbrod 2. Sorte 46

3 , (6 ) Schwarzbrod 2. Sorte

3 (6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte bei L Keil- I. Lein, Ä. Haas, F. SB-

Hartmann 6y

Gießen, den 22. December 1888.

Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.