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L^r. 300, 5 Erstes Blatt. Samstag den 22. December 1888.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigtblatt für den Kreis Gießen.

Aurea," Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MoutagS.

bahntransport vor. Der Minister verlangte die Dringlichkeit für den Entwurf und beffen Uebermd'Unß an die Commission für die außerordentlichen Militärcredtte, welche Anträge die Kammer genehmigte.

In Bukarest wurde am Mittwoch der gerichtliche Spruch gegen den früheren rumänischen Kriegsminister Angelescu gefallt. Das Urthetl lautet für den der Er­pressung für schuldig befundenen Angeklagten auf 3 Monate Gefängniß, 3000 Francs Geldbuße und 30,000 Francs Entschädigung an den jetzigen Kriegsmintster.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Lokales.

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Trlegraphisch« Pepcschen.

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Berlin, 20. December. Seine Majestät der Kaiser, welcher gestern Abend 10/2 Ubr von Potsdam zurückkehrte, begab sich heute Vormittag nach dem Artillerie­schießplatz bei Kummersdorf. L r r ,

Das Emin Pascha-Comtlä theilt mit, sein geschäftsfuhrender Ausschuß habe nach genauer Prüfung der über die Gefangennahme Emin Paschas dis jetzt verbreiteten Nachrichten die Ueberzeugung gewonnen, daß dieselben keinen Glauben verdienen und demgemäß beschlossen, die Vorbereitungen für die deutsche Emin - Pascha - Expedition weiter zu betreiben. Wtßmann wird, sobald d'e Ausrüstung vollendet ist, jedenfalls noch im Januar nach Afrika abreisen und Peters ihm baldmöglichst folgen.

Berlin, 20. December. Wie dieNational-Zeitung" hört, werde das zungst aus Zanzibar zurückgekehrte Directionsralhsmitglted Dillhcy von der oftafrtkanischen Gesellschaft morgen dem Ausschüsse des Directionsrathes über dort gemachte Er­fahrungen berichten: derselbe verneine auf das Entschiedenste jedes Verschulden der Beamten der Gesellschaft an dem Ausstande, welcher lediglich durch die arabischen Sklavenhändler herooigerusen sei, und halte die Uebernahme der Hoheitsrechte durch das Reich für geboten.

W^n, 20. December. Am 18. ds. wurden in Bosnien, namentlich in Regatica, Lajniea, Plevlje und Poljancic mehrere heftige Erdstöße beobachtet.

D-r heute Nachmittag im Stefansdome stattgefundenen Einsegnung der Leiche Leo Thun's wohnten bei der Kaiser, die Erzberzöge Albrecht und Rainer, Erz­bischof Ganglbaur, Kalknoki, Taaffe, die übrigen Minister, Nuntius Galimberli, der Hof, die Staatswücdenträger, zahlreiche Mitglieder der Aristokratie und beider Hauser des Reichsraths, sowie der Rector und die Dekane der Universität.

PariS, 20. December. Mehrere republikanische Blatter werfen Challemel-Locour vor, durch seine gestrigen Ausführungen gegen die radikale Partei die Republik selbst Qnntflrlffin baden. DasJourn. des Debats" dagegen lobt 6faIIcmcl, daß er den Muth gehabt habe, die Fehler der eigenen Partei aufzudecken. Verschiedene Gruppen des Senats versammelten sich heute vor der Sitzung, um über den Antrag Say wegen Drucklegung der Challemel'schen Rede sich schlüssig zu machen. Die Annahme des An­trages gilt als nicht wahrscheinlich. . » - rr k.

Die Bureaus der drei republikanischen Gruppen des Senats beschlossen, die gestrige Rede Ehallemel-Lacour's auf ihre Kosten drucken und in ganz Frankreich oer-

gonion," 20. December. Einem Telegramm aus Suaktn zufolge nahm General Greenfcll mit 4000 Mann englischer und egyptischer Truppen die feindlichen Ver- schanzunqen mit Sturm. Der Verlust der englischen und egyptfichen Truppen ist gering, während der Feind mehr als 1000 Mann verlor. Der Sieg ist ein voll­ständiger und wurde binnen einer halben Skdnde errungen. Die ^^^^ griff an und führte etne völlige Niederlage des Feindes herbei, der sich nach> Tamm zuruckzog. Die Truppen General Greensell's hallen dre feindlichen Verschanzungen besetzt.

London, 20. December. Bet einem zu Ehren Salisbury s in Searborough gegebenen Frühstück erklärte der Premier, England wolle sich nW wkber n,bc? tischen Sandwüsten vergraben, aber so lange der Khedive es wünscht, sei England durch das Versprechen Gladstone's gebunden, die Häsen des Rothen Meeres besetzen. Man könne Suakin also nicht ausgeben, namentlich nicht im jetzigen 2higenblt(f, wo die Unterdrückung des Sklavenhandels angestrebt werde, dessenwegen noch euenschelbender Kamvf gerade im Rothen Meere stattfinden werde. Auch müsse Englandfeiner Ver­pflichtung gegenüber dem Sultan eingedenk sein, da es durch den Pariser Vertrag ver- *8^ puffen riU 'n der h-u

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le f«to ße?rf(ber üneXnt, s sei keine neue Annerkennung irgend eines anderen ^rrsckerserfolgt - Kriegs Minister Lord Stanhope theilte darauf eine weitere De-

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S?.Ä."ÄS »Si 0ef6t Ü?L Einer Meldung derAgence St-sani" aus Zanzibar zusolge haben sich der sa.-:; e äÄÄ-Äas'ÄMäS'ä Italien aus diese Weise noch besonders h-roorzuheben.

Dolitische Runds^a«.

Gießen, 21. December.

Das herrlichste und poesievollste Fest des ganzen Jahres steht mit der Weih­nachtsfeier wiederum vor der Thür und seinem Einflüsse kann sich auch das Ge- tr;ebe der Politik nicht ganz entziehen. Wenigstens fließen aus dem Gebiete der inneren deutschen Angelegenheiten die Neuigkeiten immer spärlicher, nachdem schon die in voriger Woche eingetretene parlamentarische Weihnachtspause eine merkliche Verlangsamung des politrschen Geschäftsganges bewirkt hatte und die letzte Woche vor dem Feste vermochte <vif innerpolitischem Gebiete auch nicht sonderlich viel Neues zu bieten. Immerhin ist erwähnenswerth, daß in diesen Tagen das Etnführungsgesetz zum bürger­lichen Gesetzbuche der Oefsentlichkrit übergeben worden ist. Dasselbe regelt in 129 Artikeln, in denen zunächst allgemeine Vorschriften gegeben werden, das Verhält- viß des bürgerlichen Gesetzbuches zu den Reichsgesetzen, ferner zu den Landesgesetzen und gibt schließlich ausführliche Nebergangsvorschriften. Die noch verbleibenden Fragen über die fernere Geltung von Reichsgesetzen neben dem bürgerlichen Gesetzbuche sind von der Wissenschaft zu beantworten. Ferner muß noch darauf hingewiesen werden, daß die durch daS bürgerliche Gesetzbuch nöthig werdenden Abänderungen der Wechsel­ordnung und des Handelsgesetzbuches, sowie verschiedener, mit diesen in Zusammen­hang stehender Reichsgesetze nach Beschlüssen des Bundesrathes einer besonderen Revision Vorbehalten sind. Aus diesem Grunde erklärt es sich, daß das Einführungsgesetz hin­sichtlich derselben schweigt.

In Berlin hat in letzter Zeit die Central-Moor-Commission getagt, Welche sich mit den nicht unwichtigen Fragen der Nutzbarmachung der im nordwestlichen Deutschland befindlichen großen Moore beschäftigt. Die Verhandlungen der Commission, denen als Vertreter der preußischen Regierung der Minister für Landwirthschast, Frei­herr v. Lucius, beiwohnte und welche Unterftaatssecretär o. Marcard präsidirte, haben diesmal besonders befriedigende Resultate ergeben und ein erfreuliches Fortschreiten der Moorcultur dargethan. Mit der am Dienstag abgehaltenen Sitzung sind die dies­jährigen Verhandlungen der Central-Moor-Commission beendigt worden.

Das Jntelesse an den colonialpoiitischen Vorgängen in Ostafrika lat durch die allerdings noch immer unglaubliche Nachricht von der Gefangennahme Emin Pascha'S und Stanley's eine bedeutende Steigerung erfahren und in der ganzen cioilrsilten Welt sieht man mit begreiflicher Spannung den ferneren Meldungen hier­über entgegen. Spcciell lntercssirt ist natürlich das deutsche Emin Pascha Comit4 an dem Schickiale unseres berühmten Landsmannes Emin Pascha, da ja die Vorbereitungen zu der Expedition, welche demselben Unterstützung bringen sollte, schon weit vorge­schritten waren. Infolge der jüngsten aus Afrika eingelaufenen Nachrichten hielt das Comtt4 in dieser Woche eine Sitzung ab, über deren Ergebnisse jedoch noch keine Be­richte vorliegen; vcrmuthlich wird aber auch das Emin-Pascha-ComitS nichts Entschei­dendes unternehmen können, bevor nicht authentische Mittheilungen über das Schicksal Emin Pascha's eingegangen sind. An solchen fehlt cs indessen noch immer und der ziemlich lebhaft gesuhlte Streit in der europäischen Tagespresse darüber, inwiefern die Meldungen über die Gefangennahme Emin Pascha's und des angeblich in feiner Be­gleitung befindlichen weißen Reisenden Glaubwürdigkeit verdienen oder nicht, kann da nicht viel nützen. Zur Vervollständigung der in dieser Angelegenheit vorliegenden Nachrichten sei die Antwort angeführt, welche das englische Emin-Pascha-Eomit6 dem deutschen Eomits auf eine telegraphische Anfrage des letzteren hat zukommen lassen. Dieselbe lautet:Obgleich noch ungewiß, fürchten wir, daß Emin wahrscheinlich ge­fangen; wir glauben, daß Stanley nicht bei ihm war, fonbernauf einer anderen Route zurückkehrt. Wir sandten eingeborene Boten von Suakin nach Süden zu Erkundigungen Im Juli erwarten täglich ihre Rückkehr, werden Sie in Kenntniß setzen. Mackinnon.

lieber bie fortgesetzt bedrohliche Lage auf der Insel Samoa sind neue Nachrichten eingegangen, welche das in Auckland (Neuseeland) von Samoa eingetrofiene britische KanonenbootLizard" überbrachte. Dieselben besagen, daß abermals heftige Kämpfe zwischen der Partei des von den Deutschen eingesetzten neuen Herrschers von Samoa Tanasese, und den Anhängern des von den Nordamerikanern und Engländern heimlich begünstigten Gegenkönigs Mataafa stattgefunden haben, bei denen der beider- seitiae Verlust hundert Todte und mehrere hundert Verwundete betragen haben soll. Beim Abgänge desLizard" befanden sich ein englisches und zwei deutsche Kriegsschfife noch vo^Apm.^^ ^ammern be§ schweizerischen Parlaments, Ständerath und Nationalrath, welche anläßlich des Ablebens des bisherigen Bundespräsidenten Herten- stein, sowie zur Erledigung verschiedener dringlicher Gesetzentwürfe zu einer kurzen Session einberufen worden waren, sind am Mittwoch einstweilen geschlosten worden. Die Session soll im nächsten Frühjahr sortgeseht werden, den Zeitpunkt der Einbe­rufung bestimmt der Bundesrath. Unmittelbar vor der Vertagung genehmigte der Ständerath noch die bereits vom Nationalrathe angenommenen Handelsverttage mit Oesterreich-Ungarn und mit Deutschland.

otn frrtttfttidi hat die über die Panama-Gesellschaft hereingebrochene finanzielle Katastrophe aus bie W-ihnachtsstimmung weiter Volkskreise einen tiefen Schatten ge­worfen. Die Actien der Panama-Gesellschaft befanden sich überwiegend "s denHaiiden kleiner Leule", wozu namentlich die in Frankreich ungeheuere Popularität des H n n Lesteps des Begründers des Panama-Canal-Unternehmens, das ihrige beitrug. Man schätz, dk- Zahl dieser kleinen Panama-Actien-Besitzer oon 800,000 bis aus Million und diele müssen ihr in diesen Papieren angelegtes Vermögen als verloren betrachten, wmn sich nicht noch -in Ausweg findet. Dies ist freilich chwier^, nachbem es bie Dcvutirtenkammer abgelehnt hat, sich in ber Sache za engagiren unb was bie Panama- Gestllschast bei ber auf den 26. Januar anberaumten General-Versammlung ihrer Stationäre erzielen wird, bleibt noch abzuwarten.

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