Nr IMS Freitag den 22. Juni 1883.
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für bcn Kreis Gießen.
Bureau r Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher HHeit.
Sir. 26 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 18. b. M, enthält; (Nr. 1807.) Verordnung, betreffend die Einberufung des Reichstags. Vom 16. Juni 1888.
Gießen, am 20. Juni 1888. Großherzogliches Krersamt Gießen.
p ' Dr. Boekmann.
Darmstadt, 19. Juni. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Aller- gnädigst geruht»Ma^ ^en Cabtnetskassier, Rccknungsrath Ackermann mit Wahrnehmung der Funktionen eines Rechners der Großh. Hofdiener - Wtttwen - Anstalt zu beauftragen.
Darmstadt, 18. Juni. Das Großherzogl. Regierungsblatt (Beilage Nr. 18) CntMt’i. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1888 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedursmfien in den G^mewdm ^^.Kretsts S^^Etatsjahr 1888-89 zur Bestreitung von Eommunal- bedurfnissen in den Gemeinden des Kreifes Worms erforderlichen Umlagen.
Sei?e^^nigUch?Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 1. Mai dem eoang.^ Pfarrer Gotthilf Kleberger zu Lardenbach die evang. Psarrstelle zu Ober-Mockstadt, an demselben Tage dem Pfarramts -Eandidaten Heinrich Kohler zu Pnnoshorf die evanael. Pfarrstelle zu Eberstadt, im Dekanat Hungen, zu übertragen.
" Am 17 Mai wurde dem Schulamtsaspiranten K. Reineck aus Munster dre Lehrerstelle an der Gemeinbeschule zu Bodenrod übertragen; am 20 Mai wurde ber von dem Herrn Grafen zu Stolberg-Ortenberg Roßla auf bte ^meite Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Ortenberg präsentirte Schulamtsaspirant WliPP aus Langsdorf für diese Stelle bestätigt; am 22. Mai wurde bem Schullehrer He nnch Schneider zu Wieseck eine Lehrerstelle an der eoangel. Schule zu Eastel, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Eonrad Böckner zu Allendorf a. b. ß. eine Lehrerstelle an ber Gemeindeschule zu Heuchelheim übertragen; am 25. Mar wurde der Lehrer an der Taubstummen-Anstalt zu Bensheim Johann Platz zum Lehrer an ber ^.aubftummen- Anstalt zu Friedberg, unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer, an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Hermann Dorr aus Brauerschwend die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Strebendorf übertragen.
6tlXtUfirnbnlCr6inenBmii einem enang.L Lehrer an
ber Gemeindeschule zu Bonsweiher mit einem Gehalte von 900 JL. Erne mrt einem evanael Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeindefchule zu Budesherm mit -fnem Gehalte von 900 !m. Die mit einem evang. L-hr-r zu besetzende Mehrer,M an der Gemeindeschule zu Allendorf a. d. L. mit einem Gehalte von 900 JL. JHit ber Stelle ist Organistendienst verbunden.. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Schonmattenwag mit einem Ge- halle von 900 JC- Die mit einem evangelischen Lehrer »u besetzende g^^rstelle an der Gemeindeschule zu Kölzenhain mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mit der Stelle ist Organisten- und Lesegottesdienst verbunden. Die mit einem katholischen Lehr? zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindefchule zu Unter-Abtsteinach mit einem
} Berlin, 90 Juni. Der Kaiserin-Wittwe Victoria sind durch letztwillige Ver- fügung "''"(lhäriottenburger Schloß und daS Kronprinzenpa a in Berl.n als ^"u^üung^eE^es°j°tzk°is wahLinUck^daß'H-rr »«> N«_3WoI^ schost annimmt, während die „Post" behauptet, daß er abgelehnt ba e. '
kündet werden, die in Form eines Nachrufs gehalten ist, aus dem die „Fr. Ztg. ^olgen^s entnimmt^ bange Sorge um das Leben des Themen bas
Mche Volk bedruckt flammte .auch, ~ Sm . “«ÄÄSSx«» SMWZWWß sHlsfetses Monate eingenommen. Ei" Zrwdenswer woute ei m> SRegUrung bem
Glanz ruhmbringender VnilMiA imh d-m Reich^ein Segen fei; Gott hat eS ihm Volke wohlthatig, dem Landenützlich u Gedanken und Grunirsätze allzumal zu
nicht befchieden, eine in der SEe gereiften ^oamen un ^wiesen im
verwirklichen. Ein siegreicher Held im ft 0 ' P „ hteie Lofung hat er selbst geübt, 5 sm;1"
auch dem nahenden Tod in's Angesicht geschaut.
Politische Ueberficht.
Gießen, 21. Juni.
Seit Montag ruhen nun die irdischen Ueberreste Kaiser Friedrichs in der Potsdamer Friedenskirche, der von ihm selbst gewählten letzten Ruhestätte; der königliche Sarg ist einstweilen in der Sacristci rechts von der Apsis beigesetzt worden, um spater von der Gruft, welche im Vorhofe der Kirche errichtet wird, endgültig aufge- mommen zu werden. Der Tag der Beisetzung des verewigten Monarchen hat dem deutschen Volke Gelegenheit gegeben, noch einmal seine unbegrenzte Liede "uo Verehrung für den nun dahingeschiedenen edlen Herrscher darzuthun denn an zahllosen Orten Deutschlands fanden am Beisetzungstage Trauergottesdienste und Feierlichkeiten zum Gedächtnisse des entschlafenen Friedenskaisers statt wahrend sich außerdem die allgemeine Trauer fast überall durch Schließung der Laden wahrend der Beifetzungs- stunden bocumentirte. Auch aus dem Auslande liegen vom Montage rahlreiche Kundgebungen allgemeinster Trauer vor; in der Sitzung der ungarischen Delegation z. B. feierte Präsident Smolka in geradezu glänzendster Weise das Gedenken des verblichenen Monarchen und in beiden Häusern des englischen Parlamentes wurdenems mm 0 Eondolenzadressen an die Königin von England und andie Kalserm-Wlttw angenommen. Ueberhaupt hat sich auch diesmal wieder die Theilnahme des, man kann wohl sagen, gesammten civilisirten Erdenrundes, an dem abermaligen schweren Geschick, das Deutschland durch den Hintritt Kaiser Friedrichs ^troffen, m erhebendster Weise gezeigt und in diesen Sympathiebezeugungen liegt für das deutsche Volt in a seinem großen und heiligen Schmerz ein tröstlicher Gedanke. w
Das Fernbleiben des Reichskanzlers von den Potsdamer BeisetzungS- feierlichkeiten soll auf den ausdrücklichen Befehl Kaiser Wilhelms erfolgt fem, da der Reichskanzler in Folge der Aufregungen der letzten Zeit fo abgespannt ist, daß er bec mrätbev»n Pp-Utz-N, Prinz-Regent fvov Braunschweig, ist dem
Vernehmen nach vom Kaiser zum Feldmarschall ernannt worden.
Die Proklamation, mit welcher sich Kaiser Wilhelm an das preußische Volk gewendet hat, ist überall in Preußen und im Reiche Sonstig au gmommen worden. Einrnüthig rühmt die Presse aller Parteien die Klarheit ""d Einfachheit der Sprache des jugendlichen tzerrfchers und der Umstand daß d -Proklamatron einer bestimmteren poltlifchen Färbung entbehrt, wird von den meisten Mattern^dahtn er. klart daß WUHelm II. auch den Schein zu vermelden bestrebt war, als rooOe er eine motzen Vorgänger überbieten oder als stehe er zu ihnen in irgend einem Gegenfatze. Allgemein hegt man die Erwartung, daß der neue Kaif-r bestimmtere polrtlfche Grund- fätze wenn nicht in einer besonderen Botfchaft an das deutsche Volk, fo in der Thronrede anläßlich des bevorstehenden Zufammentriltes deS Reichstages ausfprechen werde. Auch die auSländifche Preffe befchäftigt sich angelegentlich mit der kaiferl chen Proklamation und finden di- meisten Londoner Blatter, daß namentlich der PafmS, i Bleichem ber Kaiser und König gelobt, gleich feinen Vätern den Frieden schirmen zu «ollen^für Europa beruhigend fei. Die Wiener, Römifchen und Petersburger Z-iiungen heben gleichfalls den friedlichen Ton des Manifestes hervor und fag hierbei das Wiener Fremdenblatt", um nur eine der vielen Prebaußerungen anzufuhren, Km,er Wilhelm habe die Schirmung des Friedens unter dte hohen Ziele feiner Verrfcher- würde gestellt, schon in seiner Proklamation betrete er die Bahnen, .auf denen ferne Vorgänger gewandelt. Einigermaßen zurückhaltend lauten dagegen die llrtheile der meisten Pariser Blätter, was freilich nicht gerade verwunderlich> erfcheinepj kann, nach, dem die Parifer Preffe foebcn erst den Armeebefehl Kaifer Wilhelm s fast ausnahmslos vom chauvinisttfchen Standpunkte aus behandelt hat. Jndesien liegen di-fein Bestreben augenfcheinltch Partei,actifche Manöver zu Grunde es foll Beunruhigung und ängstliche Stimmung in der großen Waffe des französischen Volkes angesichtsi deutschen Thronwechsels erzeugt werden und diese Stimmung wollen natür ch Boulangisten wie Republikaner und Pionarchisten für ihre befondcren Zwecke aus- b-uten! g^^Trützschl«», der zum Minister des Innern designirte bis- b-riae Oberpräsident von Pofen, ist am Dienstag vom Kaifer empfangen worden, fo daß^alch die definitive Ernennung des genannten Herrn zum Minister des Innern homnni-hft erfolacn bürste, womit bie sich an bcn Namen bes Herrn v. Puttkamer knüpfende Krisis in Preußen ihre endgültige Beilegung ersahren wird. WaS fons noch bezüglich bevorstehender Veränderungen i» den höheren Eommandostellen d "i * ’ diplomatischen Dienst u. s. w. verlautet, muß vorerst noch abgewartet werden Lediglich als Euriositat seien die Gerüchte regtstrirt, von denen das eine von der bevorstehenden Ernennung v. Puttkamer's »um Botfchaster .in Paris, das ander von seiner Designirung zum Hausminister wisien will.
Das bekannte antideutsche »astnachtSPamphlet in Basel hat am ^ontas nnh Di-nstaa die Baseler Strafkammer befcha tigt. Der Bundesanwalt beantragte Schill 3 Wochen Gefängniß, 1000 Frcs. Buße und X MS M
.corrccteftcr Weise verhalten hat.


