Sonntag den 22 April
1888
Meßmer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Brrrearrr Schul st raße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags
Gießen, den 21. April 1888.
I
A. Fangmann
2971
Der Vorsitzende: S ü s f e r t.
gleich geachtet, so daß außer auf den in der Fahrkarte etwa bezeichneten Aufenthalts- ftationen eine einmalige Fahrunterbrechung auch auf jeder Abschnitt(Coupon)-Strecke zulässig ist. Auf Rückfahrtkarten mit längerer als zweitägiger Giltigkeit und auf Rundreifekarten kann die Reise innerhalb der Giltigkettsdauer der Fahrkarte auf beliebige Zeit unterbrochen und braucht nicht schon am nächstfolgenden Tage fortgesetzt zu werden. Rach Ablauf des letzten Tages der Giltigkeitsdauer ist die Unterbrechung der Fahrt nicht mehr gestaltet, ebenso wenig innerhalb der Gilttgkeitsdauer bet einer Aenderung des ursprünglichen Reisewegs. Rach ordnungsgemäß bescheinigter Fahrunterbrechung kann die Weiterreise innerhalb der vorstehend angegebenen Fristen auch von einer anderen, der Zielstatiou nähergelegenen Station desselben Bahnwegs aus fortgesetzt werden.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Landwirthfchaftliche Nachrichten.
(Nachdruck verboten.)
— lieber den Nachtheil, die Tauben zur Aussaatzeit einzusperren, geht uns nachstehende Mitthetlung zu:
Im Frühjahr, wenn die Aussaat stattgefunden hat, dann werden allgemein die Tauben eingesperrt, damit sie nicht auf die Felder hinaus können, weil sie dort nach der Meinung der meisten Landwirthe die Samenkörner auffressen. Wenn nun auch nicht zu leugnen ist, daß die Tauben ein Samenkorn nicht verschmähen, so ist doch als feststehend zu erachten, daß der Stutzen, den die Tauben auch in der Aussaatzeit durch Vertilgung der Unkrautsamen bringen, ein wett größerer ist als der Schade, der durch die gelegentliche Aufnahme einiger Samenkörner verursacht werden kann. Ein Pfarrer Snell im Nassauischen hat vor einer längeren Reihe von Jahren nachgewtesen, daß das Lieblingefutter der Taube die Samen der unter dem Warnen Vogelwicken bekannten verschiedenen Wickenarten sind, dem Landwirth ist von diesen Wickenarten namentlich die sogenannte Zttterlinse bekannt, die besonders in nassen Jahren oft in Roggen- und Weizenfeldern im Frühjahr in großer Menge auftritt, die Pflanzen umspinnt und zur Erde herabzteht. Dieses plötzliche, massenhafte Auftreten kommt daher, daß die Samen der Wicke oft Jabre lang an der Oberfläche liegen bleiben, ehe sie zum Keimen kommen. Diese Vogelwtckensamen sind nun das besondere Lteblingsfutter der Tauben, und sie nehmen davon ungeheure Mengen zu sich. Nach den Angaben der „Köln. Zig." fand Pfarrer Snell z. B in dem Kropf einer am 16. Juli gegen Abend geschlachteten jungen Taube nicht weniger als 3582 Samen. Nimmt man an, daß etwa halb so viel Futter vom Morgen an bereits in den Magen übergegangen war, so erhöbt sich die Zahl auf 5373, halb so viel behält aber wohl jede alte Taube für sich im Kropfe, so daß zur Heckzeit eine einzige Taube täglich über 8000 Vogelwickensamen verzehrt und nach weiteren Angaben also in 188 Tagen etwa 800 000 Samenkörner am Keimen und am weiteren Entwickeln verhindert. Nimmt man nur 500 000, so kommen auf einen Flug von 20 Paar Tauben im Jahre 20 Millionen dieses lästigen Unkrautes. Pfarrer Snell fand auch ferner, daß seine Tauben 80 Tage nur von Vogelwickensamen lebten, 108 Tage nährten sie sich halb von Vogelwicken, halb von anderen Unkrautsamen und Getreidekörnern. Während der übrigen 177 Tage des Jahres wurden die Tauben zu Hause gefüttert oder sie nährten sich von ausgefallenem Getreide- oder Unkrautsamen. Unter diesen befanden sich solche, welche dem Landwirth oft noch weit lästiger sind als die Vogelwicke, nämlich Hederich und wilder Senf. Den ersteren nehmen sie nur bei großem Hunger, den wilden Senf aber fressen sie massenhaft. Dazu kommen nun noch die Samen der Ampferarten, der Kornblume, der Ackerwinde, der Wucherblume und einiger anderer; ferner verzehren sie die kleinen Zwiebeln der Gagea arvensis und des Alliam oleraoeum, sowie auch die kleine nackte Gartenschnecke, die Raupen von Noctua segetum, verschiedene Maden und sonstiges Gethter.
Aus allen diesen Beobachtungen, die von anderer Seite bestätigt werden, ist wohl der Schluß zu ziehen, daß der Stutzen der Taube für den Acker ein bedeutender isi und daß sie gerade auch im Frühjahr diesen Stutzen bringen kann, deshalb soll man sie zur Zett der Aussaat nicht eingesperrt halten.
Literarische-.
— Der bekannte französische Dichter Francois Coppöe hat vor Kurzem ein schwungvolles Gedicht Kaiser Friedrich" veröffentlicht, welches für uns Deutsche D'Oii ganz besonderem Interesse ist. In diesem Gedicht erkennt der französische Patriot mit großem Freimuth die Helden- und Herrscher-Tugenden Kaiser Friedrichs an, stellt (über zugleich das Verlangen, Deutschland möge Elsaß Lothringen wieder herausgeben, d-ann werde ewiger Friede die Nachbarn verbinden. Aus diese poetischen Träumereien isst in „Schorers Familienblatt" kürzlich eine treffliche, markige, echt deutsche Antwort nfolßt, in welcher Franz Hirsch in wuchtigen Versen die Meinung der Franzosen widerlegt. — In derselben Nummer des genannten, weltbekannten Blattes befindet sich auch eine treifliche Wiedergabe des An ton v. Werner' schen Bildes »Kaiser Wilhelm aus dem Sterbebette", welches Bild bekanntlich in Allerhöchstem Auftrage sofort nach Dem Ableben des verewigten Kaisers aufgenommen wurde. Keine andere Zeitschrift ist in der Lage, ihren Lesern das für jeden Deutschen so hochinteressante Bild vor Augen zu führen. „Schorers Familienblatt" hat soeben das 2. Quartal dieses Jahrgangs begonnen, sein Programm ist nach wie vor äußerst vielseitig und tnter eff an t. _______________________
Handel und Verkehr.
Gießen 20. April. Auf dem am 17. und 18. d. M. abgehaltenen Viehmarkt waren aufgetrieben' 3 Pferde, 1578 Stück Rindvieh und 2191 Schweine; somit ein 5 ehr starker Auftrieb. Während bei dem Rindvieh durch lebhaften Handel die Preise höher gingen als am letzten Markt, war bei den Schweinen in Folge starker Zufuhr ein Stillstand in den Preisen zu verzeichnen. Nächster Markt Dienstag den 8. und Mittwoch den 9. Mai d. I., am letzteren Tage auch Kramermarkt (Himmelfahrtmarkt) ■mb findet an diesem Tage, Morgens 7 Uhr, >as Verlesen der Krämerstände statt.
— Die auf den preußischen Staatsbahnen bestehenden Bestimmungen über Fahrunterbrechungen sind neuerlich wie folgt für sämmtliche Linien gleichmäßig festgesetzt worden: Bei Benutzung einer einfachen Fahrkarte tst eine einmalige, bet Benutzung von Rückfahrkarten je eine einmalige Unterbrechung der ^ahrt auf der Hin- nmb Rückreise gestattet. Die einzelnen Abschnitte (Coupons) der Rundreisekarlen oder 6er in Buchform hergestellten Karten werden in dieser Beziehung einfachen Fahl karten
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Nr. 91 Drittes Blatt
— Frankfurt, 20. April. Tie Nachrichten über das Befinden unseres Kaisers Friedrich hielten auch heute die Bevölkerung in Spannung. Hier sind bereits mit Rücksicht aus das Befinden Seiner Majestät verschiedene Vergnügungen bis auf Weiteres verschoben worden.
D Frankfurt, 20. April. Die Versteigerung im Hotel „Russischer Hof" dahier l*it bis gestern (Donnerstag) Abend bereits einen Totalerlös von rund 100 000 Jt ergeben. Wie billig mancherlei Sachen, insbesondere Möbel, weggingen, mag die einzige Thaisache beweisen, daß für die Einrichtung eines Salons, des sogen. Balkonsalons, welche ca. 15 000 JL bei ihrer Anschaffung gekostet hatte, 1000 «X erzielt wurden. Kleinere Gegenstände gingen zu wahren Schleuderpreisen weg. Am besten wurden enmer noch die Kunstgegenstände bezahlt, für welche unsere Stadt allein zahlreiche Liebhaber stellte.
— (Schandthat.) Aus P est wird Wiener Blättern unterm 14. April gemeldet: Am 2. Avril exercirte eine Eskadron des 7. Husaren-Regiments unter Leitung des Oberlieutenants Kun auf dem Exercirplatze von Satoratja-Ujhely. Ein Husar konnte e6was nicht gleich erlernen, woraus Kun wüthend mit dem Säbelgriffe mehrere wuch- tuge Hiebe gegen den Kopf des Husaren führte. Der Husar brach mit dem Rufe: „Zu Hülfe, ich sterbe!" zusammen. Drei Tage später starb der Husar wirklich im Spitale. Oer Regimentsarzt conftatirte bei der Obduction „Tod durch erhaltenen Hufschlag". Am siebenten Tage wurde der Husar begraben, am neunten meldete sich ein Amts- t teuer beim Stuhlrichttr und sagte aus, er und viele andere Eioilrsten hätten gesehen, Die der Officier den Husaren mit dem Säbel niedergehauen habe und daß der Husar in Folge dessen gestorben sein müsse. Auf Grund dieser Anzeige erfolgte die Unter; smchung militärischerseits. Dieselbe ergab die Richtigkeit der Anklage. Heute wurde Dbeilieutenant Kun dem Militärgericht eingeliesert. Die weitere Untersuchung ist im Zuge.
Das Neueste in
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iin großer Auswahl eingetroffen und empfehle solche zu billigsten Preisen.
Großherzogliches Steuer-Commissariat Gießen.
Amts tage: DieuStag und SamStag Vormittags von 8—12 Uhr und Nachmittags von 2—4 Uhr.
. Irrest« des Publikums macht man noch ausdrücklich darauf aufmerksam, daß Reclamationen gegen Einkommen- und Kapitalrentensteuerausätze
1. Abteilung immer, aber auch Remonstrationen gegen Ansätze dieser Abtheilung, sowie Reclamationen gegen Einkommen- und Kapitalrenteusteueranjatze -■ '-Eh-«»! g möglichst schriftlich und zwar unter genauer Angabe der für eine etwaige Ermäßigung sprechenden Gründe (wenn aber mündlich, nur an Tuen Stags und Samstags) während der gesetzlichen Frist bei dem Unterzeichneten vorzubringen sind, damit der Commission das zur Beschlußfassung erforderliche Material demnächst unterbreitet werden kann.


