Ausgabe 
22.3.1888
 
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Nr. :o

Donnerstag den 22 März

1888.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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vureaur Schulstraße 7.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlokm.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Z«m 22. März 1888.

9516 ßeba$K wir den heutigen Tag zu seien«, wie hoffnungsvoll Erz, Jahrhunderte und Jahrtausende. Witt* mild ihm dtih/iAdw umK mU U a. f... ___k l ' . rv> . r . 7

sahen wir Alle ihm entgegen und wie bewegten Herzens trafen wir die Barbe-

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Verehrung für den Heimgegangenen Monarchen, fie werden mit ehernem Griffel in dar Buch der Geschichte eingetragen und dieses Denkmal überdauert Stein,

I reitungen zur würdigen Begehung des 92. Geburtstages Kaiser Wilhelms! l ilber was find Menschenwills, Menschenvorsätze, Menschenhoffnungen! Durch I Gottes unersorschltchen Rathschluß ist dieser Tag, der in früheren Jahren mit I Jubel, mit tosender Freude von ganz Deutschland begrüßt wurde, zum Trauer- Itag verwandelt worden. Zwar gedämpft wäre der Freude Ton ohnehin I in diesem Jahre gewesen; weilte doch der dem Throne Kaiser Wilhelms zu- I nächst Stehende, unser geliebter deutscher Kronprinz und nunmehrige erlauchte I Kaiser von Deutschland, fern im Süden, kämpfend mit schwerer Krankheit, l ünd müssen wir doch auch heute noch an dem Tage, an dem wir betend die I Hände für die Erhaltung Kaiser Wilhelms gen Himmel heben wollten, um I Schutz des Allerhöchsten für das bedrohte Leben des Fürsten flehen, der den I verwaisten Thron bestiegen.

Wohl ist der heutige Tag, an dem der in Gott ruhende Kaiser Wilhelm I sein 92. Geburtstagsfest feiern sollte, kein Freudentag und graues Gewölk ballt I stch über deutschem Himmel zusammen; aber trotzdem wollen wir nicht achtlos den 22. März vorübergehen lassen und wenigstens gedenken, in stiller Trauer gedenken wollen wir des früheren Freudentages des deutschen Reiches. Denn der dankbare Deutsche vergißt, bei aller Verehrung für die Lebenden, nicht seiner ihm theueren Todten und hält ihnen die Treue über das Grab hinaus.

Hoch vom Gipfel des Niederwaldes schaut auch heute Frau Germania hernieder in deutsche Gefilde, aber ernste Trauer blinkt in ihrem Auge. Die Trauer um den besten ihrer Söhne, der ihr Bild auf dieser Höhe dereinst ge- ' weiht und der nun dahingegangen in das Reich des Todes. Welch' weites Gefild' thut fich auf vor dem sinnenden Auge der stolzen, hehren Göttin und wie wogt es von der Fülle der Gestalten, die im Spiegelbild der Vergangenheit oorüberziehen. Hoch zu Roß der deutsche Kaiser, der der Reiches Macht aus festem Grund gefügt und neben ihm des kaiserlichen Sohnes Heldengestalt und 1 ringsumher die deutschen Recken alle, die tapfer geholfen, mit Blut und Eisen des Reiches Herrlichkeit zu gründen. Des Reiches Glanz und Größe besteht und für sie tritt das deutsche Volk und des deutschen Kaiserhauses Sprossen mit Gut und Blut ein und vor Allem der neue deutsche kaiserliche Held: aber der : Gründer des stolzen Bauwerkes if» heimgegangen in die seligen Gefilde. Dank­bar hat das deutsche Volk seines reichen Lebens Heldenthaten anerkannt und um ihn zu ehren, hat es ihm bereits zu Lebzeiten der Denkmäler große Zahl gesetzt, jene Siegesdenkmäler, die an große Zeit erinnern, die Deutschland unter seinem großen Kaiser erlebt hat. Aber das schönste Denkmal, das riesengroß und un- : vergänglich, es wächst aus des deutschen Volkes Herzen hervor, dem dankbaren, liebersüllten Herzen Aller, gleichviel welches Standes, welcher Consesfion, welcher j Partei. Die Dankbarkeit des deutschen Volkes, die Anhänglichkeit, Liebe und \

. 3 Darmstadt, 20. Marz. fErste Kammer der Stände.) Unter dem Vorsitz des Fürsten Jsenburg-Budingen trat heute die erste Kammer der Stände zur Berathung des Staats-Budgets pro 1888-91 zusammen.

Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt der Präsident des Todes unseres all- verehrten Kaisers Wilhelm. (Das Haus erhebt sich von den Sitzen.) Meine Herren! tL>eit unserer letzten Sitzung hat Deutschland einen herben Verlust erlitten dadurch, daß es seinen glorreichen Kaiser verloren hat. Dieses so wichtige Ereigniß hat uns gewiß aste tief berührt und erschüttert. Ich bin daher auch Ihrer Empfindung sicher, daß ich dem Verluste, der uns getroffen, in tiefstem Mitgefühl von dieser Stelle Aus­druck verleihe. Auch Kaiser Friedrichs wollen wir gedenken, welcher von einer schweren Krankheit heickgesucht wird. Wollte Gott, daß derselbe baldigst von ihr genesen möge.

Nach der Verlesung einiger Einläufe tritt das Haus in die Berathung des Budgets,Ordentliche Ausgaben".

Mit gewohnter Präcision erledigte das hohe Haus die Kap. 1-48 und tritt in fast allen Punkten den Beschlüssen zweiter Kammer bei.

Nur bei Kap. 40, Realgymnasium und Realschule zu Offenbach, beschließt die Kammer, die von der Regierung geplante und von zweiter Kammer genehmigte Um-

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Der grelle Aufschrei der Schmerze», in dem dar deutsche Herz erbebte, ais -r die Nachricht vom Ableben der theuren kaiserlichen Herrn empfing, hat stiller Trauer und liebevoller Erinnerung Platz gemacht. Mild lächelnd taucht auch heute wieder da« Angeficht der in Gott Entschlafenen vor unr auf; ein unfichtbarer Band spinnt fich von den Lebenden zur Brücke der Todes, und wie einst dar Volk den Kaiser Barbarossa nicht sterben, sondern nur schlafen und so dem Volke tmn nahe sein ließ, so lebt auch heute Kaiser Wilhelms Geist noch unter unr, er lebt in seiner Kaiserhauses Sprossen, er lebt in deutscher Kraft, deutscher Männlichkeit, deutscher Tüchtigkeit und Pflichttreue. Die Raben, fie fliegen nicht mehr um den Berg, und wenn auch der Arm, der fie ver­scheucht, nun nicht mehr un» seine Stärke leihen kann, wir wollen darauf halten, daß die Raben nimmer wieder kehren, wir Alle, die wir deutsch denken und deutsch fühlen, wir und der mächtigen deutschen Kaiserhäuser Glieder. Eine» so bescheidenen, gottergebenen und wahrhaft großen Manner Erinnerung kann man nicht besser ehren, al» indem man in seinem Sinne handelt, alr indem man ihn selbst zum Vorbild nimmt. Auf Deutschlands Einigkeit war Kaiser Wilhelms Ziel gerichtet und das geeinigte deutsche Reich ist sein V-rmächtniß an dar deutsche Volk. So wollen wir unr denn in Stunden der Freude und der Ge­fahr, treu zu Kaiser und Reich stehend, um jener Heldcnweib auf der Rieder- walde« Höhe schaaren, wollen aurharren bis zum letzten Blutstropfen, in ange­stammter Treue bei Kaiser und Reich und in aller Roth und Gefahr, bei Mm Guten und Bösen, war dem jungen Reiche noch bevorstehen mag, gedenken Kaiser Wilhelm«. Und wenn dann Germania vom seifigen Gipfel frohe Botschaft zum Himmel sendet und deutschen Ruhm und deutsche Ehre und deutsche unentwegte Treue kündet, dann mag wohl milden Lächelns der verklärte Geist Kaiser Wil- helmr auf deutsche Gefilde herabschauen und uns sein Gruß umwehen: Ich denke dein, du treuer deutscher Vaterland!

Betreffend: Die Ausführung der Bauunfallverficherungsgesetze«. Gießen, am 20. März 1888.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« die »rotzherzpgttchen Bürsermeiftereien de» «reiss», erinnert ^^enigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 20. v. Mts. noch nicht entsprochen haben, werden hierdurch an alsbaldige Erledigung derselben ________________________ Dr. Boekmann.

Betreffend: Die Anschaffung und Unterhaltung der Faselviehr. Gießen, am 2V. März 1888.-------

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

a« die Grotzherzsglichen Bürgermeistereien des Kreisel

drei Tagkn Mgegem'b * au^rei(,en Dom 22' Februar l. I. - Anzeiger Nr. 54 - noch nicht erledigt haben, sehen wir Ihren Berichten binnen

. . Dr. Boekmann.