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Vellage zu Nr. 45 desAchmer Anzeiger".

Deutschland.

Berlin, 18. Februar, lieber den Zustand des Kronprinzen liegen heute die widersprechendsten Nachrichten vor. DemBert. Tagcdl." wiro berichtet, gestern Nachmittag hätten sich besorgnißerregende Symptome einer neuen Schwellung eingestellt, worauf Mackenzie Abends zum ersten Male nach der Operation eine laryngoskopische Untersuchung vornahm. Das Resultat derselben war, daß die neue Schwellung bereit- wieder etwas geringer geworden war. Diese Neigung zu neuen Schwellungen lasse aus neue Complicationen schließen, deren Hinzutritt die ernstesten Besorgnisse rechtfertigen würde, dazu komme, daß die Operation-wunde durchaus nicht so schnell heilen wolle, als man gehofft habe. Die Aerzte sehen deshalb den nächsten Tagen nicht ohne Sorgen entgegen. Die Nacht sei günstiger verlausen, als man noch gestern Adend gehofft hätte. Der blutgesärbte Auswurf lasse noch immer nicht nach. Im Gegensatz hierzu wird derVoss. Ztg." gemeldet: Jeder neue Tag verstärke die Hoffnung aus eine günstige Weüerentwickelung. Mackenzie'- Abreise könne sich noch eine Woche verzögern, wenn die Einwilligung des Kronprinzen dazu nicht früher erfolge. Aehnlich berichtet der Correspondent desBörsen-Cour.", der erfahren haben will, die blutige Färbung des Schleimauswurfs sei lediglich die Folge der zu langen Canüle gewesen und der jetzige Schleimauswurs sei wieder normal.

Das heute publicirte Gutachten Virchow'- und die daran geknüpften Be­merkungen des Professors Ewald werden in allen Kreisen lebhaft commenttrt. Die Thatsache muß doch nachgerade Jedermann klar werden, daß die Bericht­erstattung in den Zeitungen, wie sie von San Remo inspirirt wird, diejenige Objectivität vermissen läßt, auf welche das deutsche Volk Anspruch hat. In den Streit der Gelehrten kann sich der Late nicht mischen. Aber die Thatsache muß nachgerade auch Laien klar geworden sein, daß in dieser Art Berichterstattung ein Vertuschung-system liegt. In unzweiselhaster Klarheit tritt dasselbe in den vorstehend mitgetheilten widerspruchsvollen Telegrammen zu Tage. In einer sehr zutreffenden Bemerkung desBörsewCour." wird darauf hingewiesen, wie es nach dem Berichte Virchow's auch in Laienkreifen auffallen müsse, daß Dr. Krause die aus dem Kehlkopf des Kronprinzen ausgestoßenen Stücke nicht in unverändertem Zustande an Virchow hat gelangen lassen. Die an Virchow's Gutachten geknüpften Bemerkungen Professor Ewald's, des Herausgebers der Klinischen Wochenschrift" lauten wörtlich:Die Veröffentlichung von Virchow's Gutachten und Mackenzie's Bericht kommen recht zur gelegenen Zett, weil beide Schriftstücke wohl geeignet sind, das Publikum von der übertriebenen Angst und Verzagtheit zurückzubringen, die ihm die Ausführung der Tracheotomie und alle daran^geknüpften und erörterten Consequenzen betgebracht haben. Es erhellt auch für den Laten, daß die Ausführung der Tracheotomie weder für noch gegen die bisherige Behandlung und Auffassung des Krankheits-Processes fettens der behandelnden Aerzte ein Verdict abgiebt, noch daß sie diesen selbst als etwas Unerwartetes oder etwa als dec Anfang vom Ende über den Hals gekommen ist. Daß für die Nachbehandlung der Operation und darin liegt für den Augenblick wohl die dringendste Aufgabe der Aerzte Alles geschieht, was in menschlichen Kräften steht, ist außer Frage. Haben wir doch die Genugthuung, daß sie sich unter den Augen unseres ersten Chirurgen, des Herrn v. Berg­mann, vollzieht, welcher auch der weiteren Behandlung hoffentlich nicht fern bleiben wird. Auf den ersten Anschein könnte der Passus des Virchow'schen Gutachtens, in welchem über Nester von epidermoidalen Zellen berichtet wird, stutzig machen. Es sind hier aber offenbar dieselben Zustände gemeint, über deren Natur und Bedeutung sich Virchow in seinem Gutachten vom vorigen Jahre und in einem Vortrage über Pachydermia laryngis sieheKlinische Wochenschrift" von 1887, S. 585, sowie in den Mittheilungen über die von ihm erthetlten Gutachten ebend. 877 ausführlich verbreitet hat. So dürfen wir denn auch jetzt noch nicht die Hoffnung eines glücklichen Aus- gangs dieser schweren Krise aufgeben. Daß aber während eines so langen und schweren Leidens und nach einer immerhin eingretsenden Operation allerlei Zwischenfälle auftreten und nicht ein Tag wie der andere aussehen kann, wird Niemanden, am wenigsten uns Aerzte, wundern.

Rußland.

Petersburg, 18. Februar. Das Kriegsministerium veröffentlicht die Vermehrung des Officier«Corps der Reservebataillone um einen Stabsosficier und fünf Osficiere auf jedes Bataillon. Bet den Reservebataillonen im Westgebtet ist diese Vermehrung schon vor drei Jahren erfolgt. Jetzt erfolgt sie bei 85 europäischen und asiatischen Reseroedataillonen. Diese bilden bekanntlich den Stamm zu den Reserveregimentern. Der Kriegsmintster befiehlt jedoch, äugen- scheinlich um Beunruhigung zu vermeiden, daß die Maßregel nicht sofort ctuß* geführt werde, sondern nur auf seinen jedesmal zu veröffentlichenden Befehl. !

Augenblicklich findet nur die Vermehrung um 73 Stabsofficiere für die europäi­schen Bataillone statt.

Vermischte-.

41 Mainz, 19. Februar. Die für die Quintinuskirche hier bestimmte neue sStocke, tote sogenannte Uhrglocke, wurde gestern in der Glockengießerei von I G m Kaiserslautern gegossen. So weit sich bis jetzt beurtheilen läßt, ist ber Guß fcer

zu welcher das Metall der alten Glocke verwendet wurde, vollständig gelungen Wahrend die alte Glocke nahezu 60 Gentner wog, hat die neue nur ein Gewicht oon 40 Gentner. Dieselbe trägt folgende Inschriften (die frühere in heutiger Schreibweise) -

Uhrglocke heiß ich, Der Stadt Mainz bin ich, z Peter von Mainz goß mich 1379.

Da mir mein ehern Kleid zersprang Und meine Stimme halt' schlechten Klang, Ward ich verjüngt im neuen Guß Auf Stadtoerordnelen-Beschluß. Der Meister I. G. Pfeifer war Von Kaiserslautern um das Jahr

1888.

Saarbrücken, 20 Februar Die König!. Steinkohlengrube Kreuzgraben der Schauplatz des neuen Grubenunglücks, ist eine neue Anlage und 3 Kilometer nord^ östlich von Grube Camphausen entfernt. Einige wenige Kilometer weiter besindet firft He neue Anlage Grube Maybach. Diese drei Gruben unterscheiden sich dadurch von den anderen Gruben, daß in ihnen ein Wassermangel herrscht, infolge dessen dteKoUe sehr trocken ist und einen feinen Staub läßt. Dieser Staub ist es, der bei^ Explosion die Flamme blitzschnell sich ausdehnen und alsbald eine furchtbare Verwüstung entstehen laßt. Von oben wird Wasser in diese Stollen geschafft, um dieselben feucht ru ^halten, es ist aber nicht ausgeschlossen, daß sich infolge der Arbeiten und der Kohlenbeförderung mittelst der sog.Hunde" (kleiner Wagen) vorübergehend eine neue trockene dünne Staubschicht bildet. Dieser Staub ist von fettiaer wahrend die von der Schicht kommenden Bergleute aller anderen mit Wasser mehr ober weniger reichlich versehenen Gruben freilich geschwärzt aussehen, kehren di-ür oben erwähnten Gruben arbeitenden Bergleute mit völlig schwarzen alämmbm Gesichtern heim. Um der durch die Staubbtldung entstehenden Gefahr möglichst ent- gegenzuwirken, i|t das Schießenim Kohl" verboten und Schießen im Gestein nur bet Verwendung brisanter Sprengstoffe gestattet. Im Wesentlichen bewegt sich der Grubenbau SU Kreuzgraben auf einem einzigen Flötz und auch nur auf einer Sohle. Die mittlere Partie des Flotzes ist besonders trocken und deshalb zur Staubbtldung gdeiflt Um

Abend fuhren 70 Bergleute zur Nachtschicht in die Grube Kreuzgrabeu

J00,? horte man auf der Grube einen dumpfen Knall und dicke

M7ÄIfen promten dem Schacht. Ein starres Entsetzen überfiel die Beobachter dieses Vorganges. Ein Gluck, daß die Forderschächte, Wetterschächte und Maschinen unverletzt geblieben waren! Die schleunigst beorderten Hülfsmannschaften konntai somit, bald nachdem Rauch und Gase sich verzogen, an die Rettungsarbeiten gehen - in "°hrem Todesmuthe drängten sich die wackeren Knappen herzu, ihren Kameraden bei- zustehen. Die Rettungsarbetten wurden unter persönlicher Leitung des Herrn Beraratb Leybold vorgenommen Bald nach Bekanntgabe des Unfalles fand sich der Vorsitzende der Konrgl. Bergwerksdirectton zu Saarbrücken, Herr Geh. Bergrath Eilert auf hn- Grube ein, ebenso verweilte Herr Landrath Dr. v. Voß heute längere 3eit an UnglÜcksstatte. Gegen 11 Uhr wurden die ersten 5 Tobten zu Tage gebracht- es warm bies Leute aus Neuweilerhof, welche bort nebeneinander ihre Wohnung hatten Un­unterbrochen losten sich die Rettungsmannschaften ab; dieselben hatten eine überaus schwierige A^eit. Die Gehaue find auf wette Strecken hin sehr schmal und dort mußten die Bergleute hineinkriechen, um nach den Verunglückten zu suchen Und wer nun einen Todten auffand, mußte denselben sich auf den Rücken befestigen und mit dieser schaurigen Last wieder zurückkriechen; zudem war die Luft noch mit Gasen erfüllt So mancher der aufsuchenden Bergleute fand seinen Bruder oder einen Verwandten' dessen Lerche er in solcher Weise beförderte! Einen tiefen Eindruck machte das rubiae' mannlich-straffe Benehmen bicfer Bergleute; kaltblütig, ohne jede GefühlsaufwallunL verrichteten sie ihr Werk. Sammtltche Verunglückte waren verheiratet unb in vo^ gerucktem Alter. Die Kunde von der Katastrophe hatte sich sehr schnell verbreitet und bald nach dem Eintritt derselben kamen laut jammernd die Frauen und viele Kinder der zur Grube gefahrenen Bergleute zur Unglücksstätte; sie verblieben fast alle dort. Als der Morgen anbrach, waren sie nicht mehr im Stäube, zu weinen; schweigend und apathisch standen sie da unb nur wenn roieber Tobte an ihnen vorübergetragen wurden schrieen sie schluchzend von Neuem auf. Man wird den Schmerz dieser Armen ermessen' wenn man bedenkt, daß so mancher der Verunglückten 6 bis 10 Kinder binterläfeL 2hn ftoerften ist die Ortschaft Quierscheid betroffen; von dort stammen etwa. 23 Familienväter; dann kommt Hühnerfeld mit 10 Mann. Die Tobten wurden in das Zechenhaus gebracht, in Reihen gelegt und mit Segeltuch bedeckt, nur die Beine meist entsetzlich verbogen waren sichtbar. Im Zechenhause fand die gerichtliche Leichen­schau statt. Die Beerdigung sand am Samstag statt. Die Gewalt der Ervlosion war eine furchtbare; sämmtliche in dem Explosionsfelde befindlich gewesene Förderwaaen sind zertrümmert, die Eisentheile zerbrochen oder aufgerollt. Der Betrieb der Grube wird auf einige Zeit unterbrochen fein.

Gchiff-nachrichten.

Bremen, 18 Februar. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Ems, Gapt. Th. Jüngst, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 5eb?uaorüton J?remen ""d a,m 10- Februar von Southampton abgegangen war, ist heute 3 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. °

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