Nr. 299 Freitag den 21. December 1888.
Gießener Anzeiger
Amts- und AnzeigÄstt für den Kreis Gießen.
Bureau t Schulstraße 7.
thanen an der Sansibar-Küste durch Deutschland glitt indessen Mr. Fergusson vor- sichlig hinweg.
Deutschland.
][ Darmstadt, 17. December. Nachdem gestern Abend 78/< Uhr die Überführung der Leiche Sr. Großh. Hoheit des in Gott ruhenden Prinzen Alexander aus dem Palais des Verewigten nach der Stadtkirche unter militärischer Eskorte statt- gesunden hatte, setzte sich beute Nachmittag 3 Uhr nach Abhaltung eines entsprechenden Trauergottesdienstes von der Kirche aus der impotente Trauerzug programmmäßig rn Bewegung. Ein nach Tausenden zählendes Publikum erfüllte die Straßen und Platze, welche der Zug zu passiren halte, und gab durch sein Verhalten Zeugnrtz von der au- gemeinen Liebe und Verehrung, deren sich der Prinz im Leben von allen weiten zu erfreuen halte. Außer dem Großherzog, den Prinzen des Großherzogllchen Hauses und Söhnen des Verstorbenen bemerkte man von fürstlichen Personen in dem Zuge. Den Prinzen Heinrich von Preußen, die Großfürsten Sergius und Paul von Rußland, den Prinzen Wilhelm von Baden, den Primen Hermann von Sachsen-Weimar, den Landgrafen Alexis von Hessen-Philippsthal, den Herzog von Nassau, den Prinzen Nikolaus von Nassau, den Fürsten Leopold von Hohenzollern. Die anderen fürstlichen ^ammen waren durch Abgesandte vertreten. Ebenso waren die Regimenter, deren Chel, bezw. Inhaber der hochscltge Prinz gewesen, durch Deputationen vertreten, unter ihnen auch das 2. Großh. Infanterie-Regiment (Großherzog) Nr. 116. Der Zug ging un er dem Geläute der Glocken und Vortritt der militärischen Eskorte (2 Bataillone Infanterie, 3 Schwadronen Eavallerie, 2 Batterien Artillerie) über den Marktplatz, Paradeplatz, durch die Alexanderstrahe, Mühlstratze und Erdachcrstraße nach der Rosenhohe, m deren Mausoleum die Beisetzung oorgenommen wurde. Oberhofprediger Dr »enoer Ußneie die an ihren Ort gestellte höchste Leiche unter den Ehrenbezeugungen des militärischen Eonducts zur letzten Ruhe ein. Abends 7 Uhr fand für die fürstlichen Herrschaften im neuen Palais Hoftafel, für das Gefolge im Schloß Marschalltasel stall.
Berlin. Der Seitens des Reichskanzlers beim Bundesrathe eingebrachte Antrag auf weitere Ausprägung von Zehn-und Fünfpfennigstücken geht dahin, daßivon.ersteren Nickelmünzen etwa 4 Millionen und von letzteren etwa 2 Millionen neu ^geprägt werden sollen. In der dem Anträge beigegebenen Begründung wird die Steigerung in der Nachfrage nach den Ntckelmünzen von Jahr zu Jahr nachgewiesen. Aus Grund
Bunbesrathsbeschlussts oom 12. AvrU 1877, Jo wird ausgesuhrt se, im November desselben Jadres bie vorläufige Einstellung der Ausprägung von R-tchs-Nicke munzm zu Zehn- und Fünfpfennig vcrsügt worden. Die Gesammtsumme dn bis dahin ge- prägten Ntckelmünzen Hube sich aus 35 160 344.45 JL belaufen, roooon 23502 530..OJL aus Z-hnvs-nnigstückc und 11 657 813.75 X auf Funfpfenntgstuckc entfielen. Ta an- zuoehmcn gewesen, daß dieser Betrag für längere Zett zur bedürfnis es hiureichm würde, so waren bie noch vorhandenen Nickelmunzpmt ch einem Ausmünzunaswertbe von 2 479 578.70 X - und zwar 1 774151.40 X tn Zehn- und 705 427.30 X tn Fünspfennigstü-ken - bis auf Weiteres uns°pragtem Zustande in Reserve gelegt worden. Inzwischen sei feit dem Etatjahr 1873/80 im Bei kehr ein von Jahr zu Jahr .steigender Bedarf an
Während noch im Etatsjahre 1879/80 aus den Bestanden des Reichs nur für 40000 ^ Zehnpfennigstücke und für 20000 JL Sunfpsennigstucke in den^
seien, habe sich der Verbrauch gestellt: im Etatsiahre l880/81 auf 52 00 n Zehn
Pfennigstücken und 59 000 JL an Fünfpfennigslucken, 1881/82 auf 268 000 v w.
42 300 JL, 1882/83 auf 387 000 bezw. 172 500 JL 1888/84 auf 604 000 b w.
208 400 JL. 1884/85 auf 763100 bezw. 302 400 18^/86 auf 9^350 v w.
451300 JL, 1886/87 auf 1089 600 bezw. 425 380 E/88 auf 1 224 100 v w
389100 JL und in der Zeit vom 1. April bis 30. November mif 30 bez 363 060 JL In Folge dieser gestetgertmNachf^
^7187xTug7Z°LLeD^mb-f"1887^u?30154gesunken,
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der Maßgabe zu Grunde zu legent sem, daß det bisher “« ■" Verhältnißzahl
gewiesene Procen satz den übrigen^ Münzstätten nach" bic Münzstätte öMffl *» **
Hamburg 8,17, zusammen also 100pEt. betragen.
- Bei der großen Bedeutung welch^bas ^ienwli^che Seminar ^Berlin f^ die deutsche Exportindustrie hat, hat der Ausschuß Westfalen beschlossen, die gemeinsamen w ir t h s ch a f tli ch en Inter esse n meßrere ;unnC Leute, welche das Seminar
Stiftung eines Stipendiums für welche dem Vereine
einet Betrages zu dem gedachten Zwecke auf die Dauer von drei Jahren gerichtet.
Ilaüm.
bie Deputation -rwartenben Genpsten Lärmen unb G ich mellen sich jedoch
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Ruh/die Wünsche der Studenten prüfen werde.
ix ar « K kpa» .. i. .5 . Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Politische Rundschau
Gießen, 20. December.
Der im Reichstage noch unmittelbar vor dessen Vertagung verhandelte und . schließlich angenommeneWtndthorst'scheAntrag tn Betreff der Sclavenfrage bat bk Aufmerksamkeit den sich in der Centrumsparlei wegen der Colonialfrage bekämpfenden Strömungen zugewendet. Dieselben haben sich allerdings in dem Wtndthoist'schen Anträge zunächst vereinigt, aber es ist mehr als wahrscheinlich, daß sie bei der nach ^ku- jahr im Reichstage zu gewärtigenden weiteren Erörterung der colonialpolttischen Angelegenheiten wieder auseinander gehen werden. Es gibt im Eentrum eine Anzahl angesehener Mitglieder, welche nicht nur oom Humanitären Gesichtspunkte den colonialen Bestrebungen Deutschlands durchaus freundlich gegenüberstehen und Herr v. Heeremann zum Beispiel, einer der hervorragendsten Parlamentarier der Partei, ist ein warmer Anhänger des deuischen Colonialvereins. Von diesem Theile der Centrumsfraction wird man wohl annehmen können, daß er verständigen und zweckmäßigen Maßregeln zur Sicherung unserer ostafrikanischen Schutzgebiete vorbehaltlos zustimmen wird. Von einem anderen Theile der Fraction steht dagegen zu befürchten, daß er die Verknüpfung der Sclavenfrage mit den colonialpolttifchen Jnteresfen bekämpfen und aus der Zustimmung zum Anträge Windthorsi keinen Anlaß nehmen wird, weitere sich ans demselben ergebenden Folgen zu unterstützen. Dieser colontalpolitische GegensatzUm Centrum ist schon wiederholt zu Tage getreten, besonders aber bei den Reichstagsoerhandlungen über die Postdampfer-Vorlage, denn damals stimmte der größere Thell des Centrums schließlich für, der kleinere Thcil unter Führung des Herrn Windthorsi gegen das Postdampfergesetz. Vielleicht wird sich das Centrum bei der Entscheidung über die im Reichstage zu erwartenden „ostafrtkanischen" Vorlagen in ähnlicher Werse spalten obwohl bei den jetzigen Mehrheitsverhältnissen im Reichsparlamente eine dcr- artige Spaltung von keinerlei Einfluß auf das Geschick dieser Vorlagen sein wurde. Indessen ist es sehr wünschenswerth, daß gerade die Beschlüsse des Reichstages hinsichtlich Ostafrrka's mit möglichst großer Mehrheit gefaßt werden und wenn sich dens Iben auch das Eentrum zum überwiegenden Theile anfchließt, wie zu erwarten fteht. könnte diese Haltung nur mit aufrichtiger Genugthuung begrüßt werden.
Die neuesten Nachrichten aus dem Sudan haben auch das deutsche Emin- Pascha-ComitS zur vorläufigen Stellungnahme gegenüber der Meldung von der linieblich"n Gefangennahme des letzten tapferen Vertheidigers des egyptrichen Sudans “BÄ wS hielt amMittwoch in Berlin -ine zahlreich besuchte Sitzung ab in welcher die Schritte erörtert wurden, welche angesichts dieser Meldung zu thun find- über etwaige Beschlüsse ist jedoch noch nichts bekannt. Jedenfalls wird aber auch das Emin-Pascha Comitö abwarten müssen, ob und inwieweit sich die lungsten afrika- nischen Meldungen bestätigen; dis dahtn wird sich wohl für das Comrw nicht viel mehr thun lassen, als daß vielleicht Premierlieutenant Wtßmann zur Recognoscirung nach Ostafrika gesendet wird. Herr Wißmann sollte ja sowieso demnächst nach San- fifinr abreifen um die Emin Pascha-Expedition einzuleiten.
Das österreichische Abgeordnetenhaus beendigte am Dienstag die Ernzeloerathung h = npuen Wehrgesctzes und nahm dasselbe in zweiter Lesung unverändert an. Dte unverändert und so gut wie einhellig erfolgte Annahme dieses wichtigen Gesetzes durch ^^österreichische Parlament bedeutet für das Ministerium Taaffe, äußerlich betrachtet, ba§ „Mola Derselbe erfährt jedoch eine wesentliche Abschwächung, wenn man
Parteien ihre Zustimmung zum auf bie Motive zuruag-yi, m e v ^„ahl bi-D-uffch-Lib-ralen, wie bie
©efe^ 5c0run Härten baß sie bas Gesetz nichts weniger als aus Liebe zum
SV'TÄ tawrntm Hter Miel - bi-nun erfolgte Annahm- b-s W-Hr- eleües SS b-s° st r eichischen Adg-orbn-t-nhauf-s, welchem Beispiel- bas ungar sch- t nt «ad, giCu abr unzw-iselhast folgen wirb, leitet eine abermalige unb beträcht- ^arl(j??jt Vh frart Oesterreich-Ungarns ein und hiermit legt das Donau- Uche Erhöhung yin die Wagschale.
reid) ein neue ybgeorbnetenbauä genehmigte am Dienstag in einer Abenb^
?a^ in dritter Lesung b-finitiv mit 182 gegen 23 Sttmmen unb
t6an9 ftner^ben ßanbei" oertrag mit ber Schweiz nahezu einstimmig an. nahm ferner den tzanbetsver g b£lraätet man den „Krach" ber
ragten f d,cf t säst als ein nativnales Unglück unb von allen S-itm regnet Panama-Ges eil 1 a>«n lazr Untexftüt)ung d-rPanama-
es Vorwürfe gegen b ,^r.,l,n»n01iaae abgelehnt hat. Der bonapartlstlsche Kamps- Gesellschaft bestimmte Regierungs > U das Ministerium Floquet unb bie
Hahn Paul de Castagnae macht n s ” g„abe,u verantwortlich unb meint, r-publiranischeKammermehrh-it für b--Kat-n- w#n gebcnten. Die Bou-
bie Wähler würben b , , a jn Milcher Welse für bie boulangistrsche Wahl- langisten-Blatter beuten denVo sll « republikanischen Fractione» wegen
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Beschlüssen gtlangt. dürfte sich noch vor ihren Weihnachtsf-rlen
Die italie«if*e Deputtrtenr .„k-rorbentllchen militärischen Maßnahmen über bi-von ber Regierung vorge^chb^ bezüglichen Commission empfiehlt bem schlüssig zu wachen h • unb hervor, daß ungeachtet der Erklärungen Plenum bie Annahme der g D ntl(d)C Horizont wieber geklart habe, Crispr's in ber Commission, wonam i tu für bie Ve.iherbigung b-s Landes
bi= Regierung dennoch in ^ 2-^ Di-nsiag bas B-gräbniß b-s Prinzen des iialienifchen Königshauses, unter b-sonber-n Feierlichkeiten statt. nnierstaatsfecretär Fergusson in ben letzten
Im englischen Unterhause HaiUn rstaatssee ostafrlkanischen
Tagen wieber einmal -in wahres Kreuz, ^rungen b-s Regierungsoertreters, bie


