erwidert, daß, wenn die Blokade eine effective wäre, das Recht der Durchsuchung nach Waffen die natürliche Consequenz davon sein würde. Hinsichtlich des Sklavenhandels habe jedoch Frankreich niemals das Recht der Durchsuchung anerkannt. Einige Mißbräuche könnten vorgekommen sein, hätten aber nicht die ernste Bedeutung, welche man ihnen beilegen möchte. Auf alle Fälle sei ein Schiff von der Schtffsabtheilung im indischen Ocean nach den Gewässern von Zanzibar geschickt worden, um eintretenden Falls zu verhindern, daß der Sklavenhandel unter französischer Flagge getrieben werde, es sei aber keine Rede davon, an der Blokade theilzunehmen. Wenn Frankreich um eine andere Mitwirkung ersucht werden sollte, so würde es nach den jeweiligen Umstanden handeln, ohne irgend etwas von den Ueberlieferungen seiner Wurde und seiner Interessen zu opfern. (Beifall.)
Pari-, 19. November. Deputtrtenkammer. Der Boulangist Susint brachte einen Antrag ein, wonach derjenige, welcher einen Senator oder Deputaten unehrenhafter Handlungen beschuldigt, von Amtswegen dem Schwurgerichtshof des Seine-Departements überwiesen und zum Beweise der Wahrheit veranlaßt werden soll; werde derselbe freigesprochen, so sei der betreffende Senator oder Deputirte selbst dem Geschworenengericht zu überweisen und, wenn schuldig befunden, für immer des activen und passiven Wahlrechts verlustig zu erklären. Susmi beantragte die Dringlichkeit für seinen Antrag. Floquet sprach gegen die Dringlichkeit, worauf die Kammer dieselbe ablehnte. — Sodann wurde die Berathung des Budgets fortgesetzt.
London, 19. November. Die Kaiserin Friedrich mit ihren Töchtern und der Prinz von Wales sind auf der Königsyacht „Victoria Albert" heute früh 8 Uhr 30 Mtn. in Sheerneß eingetroffen, wo sie vor der Weiterreise nach Schloß Windsor die Ankunft der Königin erwarten.
London, 19. November. Die Königin begab sich nach ihrer Ankunft in Port Victoria an Bord der Aacht, wo sie die Kaiserin Friedrich und die Prinzessinnen herzlichst begrüßte. Kurz vor 2 Uhr trafen die Hohen Herrschaften in Windsor ein, wo vor der Station eine Ehrenkompagnte der Grenadiergarde aufgestellt war. In der Begleitung der Königin Victoria befand sich der kaiserlich deutsche Botschafter Graf Hatzfeldt. Der Prinz von Wales war der Kaiserin Friederich bis Vltssingen entgegen- geretst.
London, 19. November. In der heutigen Sitzung des Unterhauses erklärte Staatssecretar Fergusson, daß infolge der feindlichen Haltung der gegen den Sultan von Sansibar im Aufstand befindlichen Eingeborenen an der ostafrikantschen Küste zahlreiche Indier englischer Staatsangehörigkeit nach Sansibar geflüchtet seien. Für die Verluste derselben von der deutsch-ostasrikanischen Gesellschaft oder der deutschen Regierung Schadenersatz beanspruchen zu sollen, erscheine vom Standpunkte des internationalen Rechts nicht gerechtfertigt. — Der Deputirte Madden beantragte die erste Lesung der Regierungsvorlage über den Pachtgüterankauf in Irland. Gladstone beantragt dazu ein Amendement betreffend die Rückstände der Pachtzinsen.
£n Rom, 19. November. Einer Meldung der „Ag.Stefani" aus Sansibar zufolge ist die Genugthuung, welche Italien vom Sultan von Sansibar wegen der Verzögerung der Annahme des Handschreibens des Königs Humbert verlangte, nunmehr erfolgt. Die italienische Flagge wurde wieder aufgehißt, während alle Schiffe des Sultans große Flaggengala anlegten und einen Salut von 21 Kanonenschüssen abgaben. Der Sultan hat außerdem sein lebhaftestes Bedauern ausdrücken lassen und ein Entschuldigungsschreiben an König Humbert gerichtet.
L 9 f a l e
Sietzen, 20. November. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 22. November 1888, Nachmittags 4 Uhr.
1. Gesuch des Wirths Ed. Riemer um Erlaubniß zum Betrieb einer Zapf- wnthschaft.
2. Die Ueberlassung von Räumen im galten. Rathhause an den Oberhessischen Verein für Lokalgeschtchte.
3. Verpachtung der Sandgrube im District Neuheege.
4- Lüdeking um Erlaubniß zur Anbringung eines Firmen-
5. Desgleichen des Sattlers Louis Wittich II.
6. Desgleichen des Heinrich Holl mann.
7* Asuch des Aug. Montanus^um Erlaubniß zur Anlegung von Luft-und Ltchtschachten.
8. Gesuch des Bankdirectors° Georg Wort mann um Erlaubniß zur Ableitung des Abwassers in den städtischen Canal.
9. Die Anlegung eines Friedhofes auf der südlichen Seite der Stadt.
10. Unterhaltung der Frtedhofswege.
11. Erbauung eines Gewächshauses für die Stadt Gießen.
12. Die Beschaffung einer Uhr in die Wohnung des Thürmers.
13- Die Anlegung und Einrichtung der Abtritte; hier Erlaß statutarischer Bestimmungen.
14. Das Einquartierungswesen, hier das Ortsstatut.
15. Ausbau der Stetnstraße zwischen Asterweg und Schottstraße.
16. Den durch den Garten des Kupferschmieds Zimmer ziehenden Fluthgraben.
17. Ueberlassung eines Weges nach dem Hardtberg Seitens des Oeconomen Schlenke an die Stadt.
18. Ausbau der Ostanlage.
19. Die Beleuchtung der Ostanlage.
20. Die Straßenbeleuchtung.
<ÄH<fcen, 20. November. Den Musikfreunden unserer Stadt steht ein weiterer großer musikalischer Genuß bevor; Pablo de Sarasate wird am Sonntag den 2. December im Clubsaale ein Concert veranstalten. Ihn unterstützt die vortreffliche Pianistin Frau Berth. Marx aus Parts, der ein vorzüglicher Ruf vorausgeht, so rühmt der Referent des Frankfurter Generalanzeigers den vielseitig gebildeten, äußerst Ä »EN Anschlag der Künstlerin. Wir behalten uns vor, auf dieses außerordentlich mtereffcknte Concert zurückzukommen und verweisen noch für heute auf unseren Jnferatenthetl.
«letzen, 20. November. Die „Wimpfener Zeitung" bringt unterm 8. d. M. kJa * ll^r einen am vorhergegongenen Tage in Wimpfen gehaltenen Vortrag e 1 üb^^Ioseph Victor von Scheffel, sein Leben und seine Dichtungen , welches wir hier mittheilen, da es wohl für diejenigen Leser Don 3n= durfte, welche beabsichtigen, Herrn Reallehrer Kahl über dieses Thema Samstag den 24. d. M. im hiesigen Kaufmännischen Verein sprechen zu hören. — „In zeichnete der Herr Vortragende ein charakteristisches und lichtvolles Lebensbild des gottbegnadeten Sangers und Dichters des „Trompeters" . ™ tnb "endigte in erschöpfender Weife dessen herrliche Werke, welche
etne Ruhmessäule und zugleich einen Markstein in unserer neueren Literatur bilden. Das Publikum lauschte mit Spannung den interessanten Ausführungen des Redners Damenflo^ 93elfQ[I' Qn bem M aud) ber zahlreich anwesende
N°7"iber. Die sehr günstige Aufnahme, die dos der Kammer- ^widmete erste Concert des Marburger Akademischen Concert- veretns nach Berichten von dort gefunden hat, gibt uns Veranlassung, die hiesigen §"Äifreunde auch auf das Donnerstag den 22. November im Marburger Saalbau ftattfindende zweite Concert des genannten Vereins aufmerksam zu machen. In dem- felbcn kommt für großes Orchester (über 50 Musiker) zur Aufführung die D-dur- Vorspiel zu Wagner's ,Meistersinger von Nürnberg" und ch"^Ouoerture. Außerdem wirkt der bekannte Clavter-Virtuos Eugen b mit und wird Beethoven's Clavier-Concert (Es-dur) mit Orchesterbegleitung unb Clavtersoltstucke vorgetragen und zwar auf einem Flügel von Bechstetn (Berlin). Die gelegenen An- und Abfahrtszeiten begünstigen den Besuch des Concertes von yrer.
Universität- - Chronik.
«n,,r ,,T die Sestens der sämmtlichen Corps deutscher Universitäten an Kaiser Beileids- und Ergebenheitsadresse ist aus dem Geheimen Civtl-
^bim nachst henhes Dankschreiben an den Kösener 3.6.-Verband, z.H. des derzeitigen
„Seine Majestät der Kaiser und König haben die
Gnade gehabt, die Adresse der im Kösener L.c.-Verbande vereinigten Corps der deutschen
Hochschulen vom 29. VIII. unter besonderer Anerkennung der künstlerischen Ausfübr,,^ derselben huldvollst anzunehmen. Allerhöchstdieselben sind durch den Ausdruck b.? Theilnahme aus Anlaß des Hinschetdens Allerhöchst Ihres Herrn Großvaters uv!
P?iers, weiland Ihrer Majestäten der hochseligen Kaiser und Könige Wilhelm und Friedrich sowie durch das Gelöbniß unwandelbarer Treue und Hingebung angenehm berührt und haben mich zu beauftragen geruht, den Corps Allerhöchst Ihren Dank für diese loyale Kundgebung auszusprechen. Der Geheime Cabinetsrath, Wirkliche Geheime Rath v. Lucanus." NC,U1C
Vermischtes.
_.,r Darmstadt, 19. November. Ernannt wurde am 15. d. M. der Wachtmeister Wilhelm Kuchler aus Darmstadt zum Landgestüts-Fouragemeister.
, ?^?ltadt, 17. November. Das Präsidium des hessischen Landes-Krieger- verbandes erlaßt folgenden Aufruf an alle ehemaligen Soldaten, am sämmtltche mili- ^rischen Vereine des Großherzogthums, an die Herren Osfictere, Santtätsofficiere unb Beamten be8 Heeres: „Die in der Geschichte einzig dastehende Liebe und Verehrung welche Seine hochselige Maiestat Kaiser Wilhelm im ganzen deutschen Volke genoß die Gefühle hingehender Dankbarkeit, die ihm das lebende Geschlecht gerne schuldet und die nachkommenden Geschlechter gerne schulden werden, führen aller Orten zur Errichtuna
Dmkmülern, zur Erinnerung an die Großthaten, die er dem deutschen Vatettande geleistet hat. Den einzelnen Landern und Provinzen des Reiches, die mit der Widmuna von Erinnerungszeichen vorangehen, beeilen sich Hunderte von Städten nachzukommen um das Andenken des erhabenen Entschlafenen der Nachwelt lebendig zu überliefern' Zn diesem Wettkampfe verehrungsvoller Liebe und Dankbarkeit darf das deutsche Volk
Waffen, dürfen die ehemaligen Soldaten des hochseltgen Heldenkaisers nicht unthätta beiseite stehen! Sie vor allen haben die Ehrenpflicht, den Gefühlen der Liebe und Treue sichtbaren Ausdruck zu geben; sie vor allen sollten sich daher zusammenthun um durch ein gemeinsames Denkmal das Andenken des erlauchten Führers und seines innigen Verhältnisses zum Volke in Waffen der Mit- und Nachwelt vor Augen m fuhren. Ein Denkmal aller ehemaligen deutschen Soldaten wird aber zugleich ein Denkmal der Nation sein, da das Volk in Waffen das ganze Volk, alle Gesellschasts- klassen umfaßt. Es wird aber im Besonderen den Dank dafür ausdrücken, daß der entschlafene Heldeukatser durch fast drei Menschenalter hindurch an der Wehrhmtiakeit des Volkes gearbeitet hat, es wird den Stolz des ehemaligen Soldaten bedeuten unter [einer Leitung und der Führung ritterlicher Prinzen unserer deutschen Fürstengeschlechter durch Kampf zum Sieg geschritten zu sein und es wird endlich der Ausdruck des Jubels dafür sein, daß es dem deutschen Volke in Waffen vergönnt war, mttzuwirken an dem großen Einigungswerke, das Kaiser Wilhelm, getragen von der opferfreudigen Gesinnung und dem ächt vaterländischen Geiste seiner erhabenen Bundesgenossen der deutschen Fürsten, zu glücklichem Ende geführt hat. Von diesem Gedanken d'urch- drungen, sind am 7. October dss, Js. in Berlin die Vorstände sämmtlicher großen deutschen Landes-Kriegerverbände zusammengetreten und haben einmüthig beschloßen- „Die Errichtung eines Denkmals für Seine Majestät Kaiser Wilhelm, unseren heißgeliebten und tiefbetrauerten Heldenkaiser, durch die alten Soldaten Deutschlands in i vlnb Zu nehmen." Die Frage des Ortes für das Denkmal bleibt vorerst noch eine schwebende. Es sind tn's Auge gefaßt in erster Linie der Kyffhäuser und die alte Kaisern alz, Goslar. Namens des erwählten Denkmalsausschusses richten nun die Unterzeichneten an alle Kameraden im engeren Vaterlande Hessen die Aufforderung diesem Liebeswerke der deutschen Kriegerverbände ihre kräftige Unterstützung leihen zu wollen und geben sich der sicheren Hoffnung hin, damit keine Fehlbitte zu thun." (Folgen die Namen.)
18- No»-mb-r Seiber ist, der „Ofsenb. Ztg." zufolge, der Maurer Ott aus Fechenheim, welcher bei dem neulichen Mauereinsturz in der Bismarckstraße schwer verletzt wurde, seinen Leiden erlegen. Der Verstorbene, welcher seit einer langen ?on Jahren bei den Gebrüder Beck in Arbeit stand, hinterläßt eine Frau unb acht Kinder.
Offenbach, 19. November. Wie aus der am Kopfe der „OffenbacherZeitung" ^flentlichten Erklärung ezsichtlich, ist diese Zeitung heute in den Besitz einer Anzahl Offenbacher Burger übergegangen, welche dieselbe in Form einer Actiengesellschast in. settberigen Sinne weiter führen lassen werden. Die Betheiligten sind die Herren
Ä .^/nder, Ad. Buesing, Val. Huppe, Ferd. Pfaltz, Jos. Schloßmacher, Fritz Stroh,. Fz. Weintraud. Zum Vorstand der Actiengesellschast wird Herr Schloßmacher bestellt werden, welcher gleichzeitig auch die Leitung der Zeitung übernehmen wird.
Handel und Berkehr.
i/ 4 m 6n=nNovember^ Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, pr. M. •f ^00-1,05, Hühnereier, 1 St. 7-8 H, 2 St---H, Enteneier 0- Gänse-
der 10—12 H Käse pr. St. 4—7 H, Kasematte pr. St 3 Erbsen pr. Liter 16 Linsen pr. Liter 28 H, Tauben pr. Paar Jü 0,40-0,55, Hühner pr. St. 0,80-1,00 Hahnen pr. St. JL 0^50—1,00, Enten pr. St. JL 1,40—2,00, Ochsenfleisch pr. Pfd.
D^und ^tndfleisch 45—54 A Schweinefleisch 50-60 Hammelfleisch b4—Kalbfleisch 50— 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo JL 5,00—7,00, Zwiebeln
Gänft^e^Pf^oO-^^OO' Milch pr. Liter 12-18 H, Weißkraut pr. St. 4-9 4 . . ^5"^urt, 19. November. (Getreidemarkt). Weizen hiesiger JL 19,25—19,50, fremder JL 20,50—20,75, Roggen hiesiger 16,25—16,50, fremder JL 00,00-00,00, ^Cr^^u?I?,acaTe zu Mahlzwecken JL 00,00, Hafer hiesiger
vM 14,75—15,00, fremder JC. 00,00—00,00.
Möcheulliche Neberficht der NodesfSlle in der Stadt Gießen.
46. Woche. Vom 11. November bis 17. November 1888. Einwohnerzahl: 19001 (ind. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 24,5°/«.
Es starben an: Zusammen:
Lungenentzündung 2
Organischer Herzkrankheit 1
Lungenschwindsucht 1
Bright'scher Nierenkrankheit 1
Diphtherie 2 (2)
Unbekannter Todesursache 2
Summa: 9 (2) 5 2 (1) 2 (1)
k Die In Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle
in der betreffenbcn Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
Erwachsene:
im
vom
1
1. Lebmsjahr:
1
2.—1b. Jahr
1
—
—
1
—
—
1
—
_
1
im
Repettolr der vereinigten Stadttheatcr zu Frankfurt tu W. Opernhaus.
Mittwoch den 21. November, Nachmittags 3«/, Uhr: Die Reise um die Erde. Außer Abonnement. Kleine Preise.
Donnerstag ben 22. November: Lucia. Gewöhnliche Preise. Hierauf: Margarethen-Walzer. (Ballet.) v
Freitag ben 23. November geschlossen.
Samstag ben 24. November: Der fliegende Holländer. Gewöhnliche Preise.
Sonntag den 25. November, Nachmittags 3Vj Uhr: Die Reise um die ^^b/: Abonnement. Kleine Preise. Abends 7 Uhr: Zum ersten Male: Der
deutscheMichel. Oper in 3 Akten von Adolph Mohr. Große Preise.
Schauspielhaus.
■ - , Mittwoch den 21. November: Zum ersten Male wiederholt: Der Zaunkönig.. Anfang 7 Uhr. Große Preise
Donnerstag ben 22. November geschlossen.
Freitag den 23. November: Der Kaufmann von Venedig. Große Preise. n ... .Samstag den 24. November: Zum ersten Male: Anton Antony. Lustspid in 5 Akten von O. Blumenthal. Große Preise.
Sonntag den 25. November: Zum ersten Male wiederholt: Anton AntonY.- Anfang 7 Uhr. Große Preise.
Montag den 26. November: Der Zaunkönig. Große Preise.


