Ausgabe 
21.10.1888 Zweites Blatt
 
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M. 2^7 . Zweites Blatt. Sonntag den TI. October 1888.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bureaur Schulstr-ß° 7. '«rsch-Int täglich mit Ausnahme des Montags. Q

Darmstadt, 16. October. Das Großherzogl. Regierungsblatt (Beil. Nr. 26) enthält:

1. Bekanntmachung Großherzogl. Ministeriums der Finanzen, den Holzpreistarif 1ür die Grogh. Domaniatwaldungen pro Forstwirthschaflsjahr 188889, Rechnungs­jahr 1889-90 betreffend. *

2. Ordensverleihungen.

3. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnäüigst geruht: Am 28. August dem Vorsitzenden der Special^Dtrection der Hessischen Ludwigs-Eisenbahn- Gesellschaft, Geheimen Regterungsrath Dr. Reinhard in Mainz, die Erlaubnis; zur Annahme und zum Tragen des ihm von Seiner Majestät dem Deutichen Kaiser und Könige von Preußen verliehenen Kronensrdens zweiter Elaste zu ertheilen.

4. Namensoeränderungen.

5. Aufgabe der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft.

Am 10. Sept. Hai der Rechtsanwalt Fr. Bierau in Grünberg die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Grünberg aufgegeben.

6. Tienstnachrichten.

Am 3. September wurde dem Schulamtsaspiranten Friedrich Görlach aus Utphe die 3 Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rieder-Weisel, au demselben Tage wurde dein Schulamtsaspiranten Peter Becker aus Geinsheim eine LehrersteUe an der Gemeindeschule zu Nkeder-Flörsheim übertragen; an demselben Tage wurde der von dem Grafen zu Erbach - Schönberg auf die 3. Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu König präsentirte Schullehrer Johann Philipp Schmunk zu Vielbrunn für diese Stelle bestätigt; am 5. September wurde dem Schulamtsaspiranten Philipp Adam Ritzel aus Friedberg die 2. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Burg-Gräfenrode, am 8. Sep­tember wurde dem Schulamtsaspiranten Johann PH. Barth aus Roßdorf eine Lehrer­ftelle an der Gemetndeschule zu Echzell übertragen; am 17. September wurde dem Heinrich Bischoff aus Groß-Felda das Patent als Geometer 2. Elaste für den Kreis Lauterbach ertheilt; am 20. September wurde der Gefangenwärler Anton Hainstadt in Marienschloß zum Gefangenaufseher am Landeszuchthaus, mit Wirkung vom 1. October an, ernannt; am 24. September wurde dem L>chulamtsasplranten Peter Wecht aus Rimbach die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Schönmattenwag, an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Johannes Jacob aus Habitzheim die Lehreistelle an der Gemeindeschule zu Weschnitz, an demselben Tage wurde dem Schuiklintsaspiranten Valentin Ludwig aus Lorsch die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Unter-Abtsteinach übertragen; am 27. September wurde dem Schulamtsaspiranten August Stauffer aus Ibersheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Oppen­heim, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Joseph Wehner zu Lämmerspiel eine Lehrerstelle an der kath. Schule zu Nierstein, am 28. September wurde der Schulamts­aspirantin M. Gerecht aus Mainz eine Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Heppenheim, am 2. October wurde dem Schulamtsaspiranten Wtlh. Fleischhauer aus Schwalheim die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kölzenhain, an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Aug. Antweiler aus Neu-Bamberg die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Weiher übertragen.

Am 8. September wurde dem Caplan Landvogt zu Gau-Algesheim die kath. Pfarrstelle zu Fürfeld, mit Wirkung vom 1. October an, an demselben Tage wurde dem Pfarrer Graf zu Weinolsheim die kath. Pfarrstelle zu Lämmerspiel, mit Wirkung vom 1. October an, am 10. September wurde dem Pfarrer Hesch zu Hirschhorn die kath. Pfarrstelle zu Groß-Steinhetm, nut Wirkung vom 1. October an, am 15. September wurde dem Pfarrer Kraiger zu Flieden die kath. Pfarrstelle zu Ruhlkirchen, mit Wirkung vom 15. October an, am 21. September wurde dem Pfarrverwalter Dr. Elz zu Gießen die kath. Pfarrstelle zu Gießen, am 1. Cctober wurde dem Pfarroerwalter Nik. Jamin zu Harheim die kath. Pfarrstelle zu Harheim übertragen.

7. Nachweis der Befähigung zur Uebernahme eines Kirchenamts.

lieber den Besitz der nach Art. 1 und 4 des Gesetzes vom 5. Juli 1887, die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen betreffend, zur Uebernahme eines Kirchen­amts nothwendigen Eigenschaften ist der Nachweis erbracht worden bezüglich der Can- didaten der evangelischen Theologie: Heinrich Becker aus Worms, Friedrich Clotz aus Hausen, Richard Drescher aus Gießen, Otto Fischer aus Beuern, Friedrich Horn aus Lützel-Wiebelsbach, Adam Köhler aus Langsdorf, Jul. Lehr aus Gießen, Heinr. Porth aus Ruppertsburg, Heinrich Renner aus Bechtolsheim, Hermann Sack aus Hungen und Joh. Würth aus Wachenheim.

8. Dienstentlassungen.

Am 19. September wurde die Lebrertn an der ^Volksschule zu Mainz Elisabetha Roth auf ihr Nachsuchen, am 28. September wurde der Lehrer an der Viktoriaschule zu Darmstadt Siegmund Krauß auf sein Nachsuchen aus dem Schuldienste entlassen.

9. Eoncurrenzeröffnungen.

Erledigt sind: Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Langen mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalte von 10001400 JL Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende 4. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Reichelsheim mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalte von 9001066 Jt Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Königstädten mit einem Gehalte von 900 JL Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Eine Lehrerstelle an der evangel. Schule zu Armsheim mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalte von 9001000 JL Mit der L> teile kann Organistendienst verbunden werden. Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nteder-Ohmen mit einem Gehalte von 900 JL Mit Der Stelle ist Organistendienst verbunden. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende LehrersteUe an der Gemeindeschule zu Maibach mit einem jährlichen Gehalte von 900 Jt. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Eme Lehrerstelle an der Volksschule zu Gießen mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalte von 1200 bis 2400 Ji. Eine mit einem katholischerr Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Laubenheim mit einem jährlichen Ge­halte von 1000 vM*. Mit der Stelle kann Organistendienst verbunden werden. Die mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Frettenheim mit einem jährlichen Gehalte von 900 JL Mit der Stelle ist Organistendienst ver­bunden. Eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemetnde­schule zu Abenheim mit einem Gehalte von 900 JL Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzenoe Lebrerftelle an der Gemetndeschule zu Elsheim mit einem Gehalte von 900 Mit der Stelle kann Organistendienst verbunden werden. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende LehrersteUe an der Gemetndeschule zu Heßloch mit einem Gehalte von 900 JL Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle* an der Gemetndeschule zu Bürgel mit einem Gehalte von 1000 JL Eine mit einem kathol. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nteder-Olm mit einem nach dem

Dienstalter sich bemessenden Gehalte von 9001066 <X Eine mit einem kathol. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gaulsheim mit einem Gehalte von 900 JL Eine mit einer kathol. Lehrerin zu besetzende Lebrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Mühlheim mit einem Gehalte von 950 JL Eine mit einem eoang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bickenlach mit einem Gehalte von 900 JL. Mit Der Stelle ist Organistendienst verbunden. Eine mit einem evang. Lehrer zu besehende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wieseck mit einem nach Dem Dienstalter sich bemessenden Gehalte von 10001500 JL

Landwirths ch a ftliches.

Welche Johannisbeersorten sollen besonders mit Rücksicht auf die Weinbereitung angepflanzt werden.

Bei der Bereitung von Johannisbeerwein für den Hausbedarf kann man die­jenigen Beeren verwenden, welche der Garten und der Markt eben bieten, denn die Güte des erzielenden Produktes wird weniger beeinflußt durch die Sorte als vielmehr durch das bei der Bereitung beobachtete Verfahren. Es können deßhalb rothe, weiße, gelbe, gestreifte und schwarze durcheinander gekeltert werden. Wünscht man den Most dunkelfarbiger, so kann man dies durch eine vermehrte Beigabe von schwarzen Beeren leicht erreichen. Man braucht deßhalb bei etwaiger Anpflanzung von Büschen in Gemüsegärten bezüglich der Anzahl nicht gerade ängstlich zu verfahren. Man wählt von jeder Farbe einige Sträucher, jedoch dürfte es sich empfehlen, von den rothfrüchtigen doppelt so viel zu nehmen als von den übrigen. Anders verhält sich jedoch die Sache, wenn es sich darum handelt, eine größere Fläche mit Johannisbeersträuchern anzu- pflanzen zwecks Gewinnung von Beeren im größeren Maßstäbe zur Fabrikation von Wein im Großen. Hier dürfte es sich empfehlen, nur rothe, weiße und schwarze Sorten anzupflanzen und zwar im Verhältnitz wie 5:5:1.

Die weißen Johannisbeeren sind sehr-gesucht, da die Weine von dunkelrother und solche von reinweißer Farbe zur Zeit als Handelswaare die höchsten Preise erzielten. Die Anpflanzung der weißfrüchtigen dorten wurde aber bisher vernachlässigt. Es empfiehlt sich deßhalb, bei den Anlagen von größeren Anpflanzungen die weißen im vermehrten Maßstabe zu berücksichtigen, denn einestheils sind gerade die weißen sehr ertragreich, dabei süß und milde im Geschmack, so daß sie von allen Johannisbeeren neben den großfiüchligen schwarzen (Bang up), die allerdings zur Zeil noch weniger bekannt sind, die beliebtesten Tafelfrüchte bleiben werden; andererseits sind sie zur Weinbereitung sehr begehrt und schon zu wiederholten Malen erging an mich von Seiten jrenommirter Producenten die Bitte um Namhaftmachung von Bezugsquellen dieser Sorte. Ich konnte diesen Aufforderungen in den seltensten Fallen nachkommen. Die weißfrüchtig-n Sorten werden in größeren Mengen augenblicklich kaum kultivirt. Eine Ausnahme machen abgesehen von einzelnen größere Pflanzungen, die speciell für Weinkelterei hergerichtet sind, einige lokal eng begrenzte Gegenden, wie Werder bei Berlin und Vierlanden bei Hamburg. Jedoch wird auch hier nicht viel mehr produ- cirt als der Consum der beiden genannten Großstädte erfordert.

Da nun die Kulturen dann den höchsten Ertrag liefern, wenn sie alljährlich eine reichliche Menge von Früchten liefern, welche die für die Weinbereitung erwünschte milde Säure zeigen, so ist es selbstverständlich, daß beim Massenanbau großbeerige, volllraubige, fruchtbare Sorten mit mildem Säuregehalt am meisten zu berück­sichtigen sind.

Ich schlage aus diesen Gründen für Weinbereitung besonders folgende Sorten vor:

A. Von den rothen: 1) Kirschjohannisbeere; 2) Holländische rothe - 3) Versailler: 4) Langtraubige; 5) Fruchtbare (La Fertile); 6) Frauendörfer; 7) Kaukasische.

B. Von den weißen: 1) Holländische weiße; 2) Kaiserliche weiße; 3) Groß- früchtige weiße; 4) Englische große weiße.

C. Von den schwarzen: 1) Bang up; 2) Neapolitanische; 3) Victoria.

Als kleinere Auswahl empfehle rch von diesen am meisten:

A. Von rothen: 1) Holländische; 2) Langtraubige und 3) Fruchtbare.

B. Von weißen: 1) Kaiserliche weiße; 2) Holländische weiße; 3) Groß- früchtige.

0. Von schwarzen: 1) Bang up und 2) Neapolitanische.

Ausführlicheres hierüber, besonders auch die eingehende Beschreibung der ein­zelnen Sorten, Art und Weise der Pflanzung, Vermehrung u. s. w. findet man in meinem Buch:Der Johannisbeerwein, sowie die übrigen Obst- und Beerenweine." (Verlag Eugen Ulmer tn Stuttgart.) Preis elegant gebunden 3 JL

Ich will zum Schluß nur noch hinzufugen, daß die Anlage von größeren Pflanzungen Landleuten bei den zeitweiligen schlechten Conjuncturen nur zu empfehlen ist. Ein Hektar Landes mit Johannisbeersträuchern bepflanzt kann jährlich im Durch­schnitt bei einigermaßen günstigem Absatz einen Reingewinn von über 1000 JC eins bringen. Dabei macht die Pflanzung, abgesehen von Dem Pflücken (wozu Kinder ver­wandt werden können), kaum eine nennenswerthe Arbeit. Ich bin gern erbötig, Denjenigen, die sich für die Sache interessiren und die in irgend einem Punkte noch ausführlichere Auskunft wünschen, mit Rath an die Hand zu gehen. Ich bitte, der brieflichen Anfrage dann eine Retourmarke beizufügen.

Kappeln (Schlei). H. Timm,

Lehrer an der landwirthschaftl. Schule.

Folgender Bries ist unserem Wiener Vertreter zugegangen: Direktion der All­gemeinen Poliklinik beehrt sich au Ihrer gefälligen Kenntniß zu bringen, daß sich die »Aleifchextracte und Fleischconferven" von Armour &, Co, Chicago sehr gut be­wahrt haben. Achtungsvoll! Der Director: Prof. Dr. Schnitzler. K. K. Regierungs­rath, Vorst, d. Abth. für Hals- und Brustkrankheiten, Cmdr. d. dän. D. £)., Offiz, d. grd). E. O. rc. rc.

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