M. 298 Erstes Blatt. Donnerstag den 20'December
1888.
Amts- und Anzeigkblatt für den Kreis Gießen.
Wnreanr Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
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reis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringcrlohrr.
>urch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Hrntticher Pheik.
Betreffend: Die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst auf Grund von Schulzeugniff«.
Gesuche ohne Weitere» zurückgegeben werden.
1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzog- thum Hessen gestellungspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat.
2. Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem der sich Meßende das 20. Lebensjahr vollendet. Der Nachweis der Berechtigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen.
Ä. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Actenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird.
4» Dem Gesuche sind folgende Papiere beftufügen:
Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werd« hierdurch auf die nachfolgenden, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Ansügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige
während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen;
c. ein Unbescholtenh eitSzeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realschulen, Progymnasien und höheren Bürgerschulen) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde autzzustellen ist;
d. das Schulzeugniß.
Sodann wird noch besonders bemerkt:
Zu pus. b: daß in dem Einwilligungs-Attest die Erklärung des Vaters oder Vormundes, in der Lage zu sein, den Freiwilligen während des einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nickt fehlen bars.
Zu pos. d. daß die Schulzeugnisi e, mit Ausnahme der Reffezerrg- msse für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschul« und Reifezeuanisse für die Prima der Gymnasien und Realschule« I. Ord., sämmtlich nach dem Schema 17 zur Ersatz-Ordnung (I. Theil der Webr - Ordnung vom 28. September 1875 — Reg.-Bl. Nr. 55 von 1875) ausgestellt sein müssen.
94 der äuge führten Ersatz-Ord. verwiese«.
welche die französische Regierung dem finanziell so gut wie verkrachten Panama-Unternehmen zu Hilfe kommen wollte, mit bedeutender Mehrheit abgelehnt worden und es fragt sich, was nun zur Rettung des Panama-Eanal-Unternehmens geschehen soll, worüber in den Pariser parlamentarischen und finanziellen Kreisen die Anschauungen noch wett auseinandergehen. Die Berathung des Senates über den ablehnenden Beschluß der Deputirtenkammer in Sachen der Panama-Vorlage steht noch aus. Daß der letztere indessen bedenkliche politische Folgen haben weide, wird jetzt als wenig wahrscheinlich gehalten, zumal die öffentliche Meinung sich entschieden auf die «Leite der Regierung stellt. Der Verwaltungsrath und die provisorischen Administratoren der Panama- Gesellschaft beschlossen, Ende Januar eine General-Versammlung einzuberufen und geeignete Vorschläge zu machen, um aus der jetzigen fatalen Lage herauszukommen.
Rach den bislang bekannten Ergebnissen der Neuwahlen zur serbische« Skupschtina sind 514 Radicale, 86 Liberale (Anhänger des ehemaligen Ministerpräsidenten Ristics), 4 Fortschrittler und 19 Deputirte von noch nicht bekannter Parterstellung gewählt. Jedenfalls steht das Eine fest, daß die radicale Partei Serbiens in der neuen Skupschtina über eine ungeheure Mehrheit verfügen wird.
Aus Petersburg meldet der Telegraph das Ableben Baron Jomini's vom Auswärtigen Amte. Baron Jomini galt als einer der am meisten deutschfeindlichen russischen Diplomaten und demzufolge als einer der eifrigsten Befürworter eines engen »Zusammengehens Rußlands mit Frankreich. Ob sein Tod irgendwelchen Einfluß auf die deutsch-russischen Beziehungen haben wird, läßt sich jedoch noch nicht beurrheilm.
Die Suakinfrag e führte in der Montagssitzung des englischen Unterhauses abermals zu einer langen Debatte. Im Laufe derselben erklärte der Unterstaatssecretar Fergusson, daß die englische Regierung die bekannten Mitthellungen des ostfudanefifchen Rebellenführers Osman Digma an General Grenfell in Suakin nur für eine orientalische Kriegslist halte und betonte er weiter, daß Suakin auch ferner oertheldigt werden solle, wobei Fergusson jedoch durchblicken ließ, daß England ein friedlicher Ausgle ch mit den Stämmen um Suakin ganz erwünscht wäre. Das Unterhaus brauchte dann ein paar Stunden, um sich über den Oppositionsantrag, den Gehalt des englischen Generalconsuls Baring in Kairo herabzusetzen, schlüssig zu werden; der Antrag ward endlich abgelehnt. Zum Schluffe der Sitzung gab Fergusson noch Erklärungen über die Samoafrage, wobei er den Deutschen das Zeugniß ausstelltc, sie seren überall d e besten Ansiedler. Er bezeichnete es als selbstverständlich, daß Deutschland auf Samoa, welches sich so vortrefflich zur Eolonisirung eigne, ein Auge geworfeni habe und mein e Fergusson hierbei, in England solle man doch nicht mit solcher Eifersucht auf die Eolonisattonsbestrebungen anderer Rationen blicken. _____
». Geburtßzeugniß;
b. ein EinwilligungS-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit ».Fähigkeit, den Freiwilligen I Im Uedrigen wird auf die Bestimmungen der §§ 88, 89, 90, 93 und
Großherzogliche Prüfungs-Commission fite einjährig Freiwillige.
Der Vorsitzende: Dr Zeller._________
Keutschland.
Darmstadt, 18. December. Mit Bezug auf den Bericht in vor. Nr. th^lm mir noch die Namen aller derjenigen Herren mit, welche der der Leiche des Hochstseligen Nrinr?n Alexander in dessen Palais am Sonntag den Ehrendienst hatten; Awaren be« 115. unb 116. Regiments, Staatsrath von Biegeleben, ^00^ Oberst v. Küchler, Oberstlieutenant FreiherrR cou, Major Freiherr v. Rotsmann, Kammerherr Freiherr v. Schenk zu Wäldershausen, Reaterungsrath v. Grolman und Oberstlieutenant v. Sanders. neben
u Die lämmtllcken ^rdm des Hohen Verblichenen lagen auf vier Tabourets neben
^ehasiaife unbbie 6t. Andreas-Orden gelegt.
Politische Rundschau.
Gießen, 19. December.
DieWinterfestlichkeiten am kaiserlichen Hofe werden sich für dieheurige Saison infolge der vom Kaiser befohlenen und dis 15. Juni 1889 währenden Hoftrauer größtentheils auf musikalische Soireen beschränken, getanzt wird bei Hole Nicht werden. Dasselbe wird auch in der diplomatischen Welt und in der Hofgesellschaft bet Fa^^herannahenden Festtage äußern bereits ihren Einfluß auf das Getriebe der inneren Politik, denn mehr und mehr treten da die schwebenden Zeit- und Streitfragen vor dem Glanze des Weihnachtsfestcs zurück, während zugleich auch die Vertagung des Reichstages sichtlich mit das ihrige dazu beiträgt, den Stoff für die politische Tagesdiscussion zu vermindern. Auch der Bundesrath hat inzwischen seine Weihnachtsferien angetreten, nachdem er in einer seiner letzten Sitzungen noch eine Reihe von Beschlüssen gefaßt hat. Dieselben beziehen sich auf die vom Reichstage angenommenen Gesetze, betr. die Abänderung der bisherigen Bestimmungen über drc Nationalität der Kauffahrteischiffe und betr. die Vorarbeiten für das Natronaldenkmal Kaiser Wilhelms I., welche Gesetze dem Kaiser zur Vollziehung vorzulegen sind, und aus dm vom Reichstage gleichfalls genehmigten Zusatzvertrag zum deutsch-schweizerischen Handelsvertrag, welcher dem Kaiser zur Ratification zu unterbreiten ist. Außerdem überwies der Bundesrath die neue Vorlage über die weitere Auswägung von Zehn- undFunfzig- pfennigstücken, sowie den Entwurf, betr.^die Einführung der Gewerbeordnung in Elsatz- Lothringen, dm zuständigen Ausschüssen zur Vorberathung.
Wenn die innerpolitischen Angelegenheiten unter der Einwirkung der Weihnachtspause allmälig weniger von sich reden machen, so tritt dafür gerade jetzt das Interesse an dm colonialpolitischen Vorgängen immer mad)tt0er ^emr ®ic 6ebeu= tungsoolle Verhandlung des Reichstags über die Sclaoereifrage beginnt bereits in der öffentlichen Meinung Deutschlands ihren lebhaften Widerhall zu staden, wie die in München am Sonntag stattgesundene große Versammlung n Sachen des Sc.aom- handels beweist. Auch außerhalb Deutschlands zeigen sich chon die Anfänge emer gleichen Bewegung, wie die in Brüssel stattgefundene Versammlung belgffcher Katholik n bekundet, die sich zu einem energischen Protest gegen oie Gräuel des ^^.^handels aestaltete und in welcher der mitanwesmde Bischof von Trier erklärte, daß überall in Afrika das Kreuz aufgepflanzt werden müsse. — Mitten hinein in diese Bewegung für eine heiliae Sache ist nun die Hiobspost von der angeblichen Gefangennahme Emin SfS unb*Stan?e.’b durch bie Anhänger be§_ und verleiht sie natürlich dem Interesse an den gegenwärtigen Bestrebungen der europäische« Mächte in Afrika einen erhöhten Grad. Freilich fehlt es noch immer an einer authentischen Bestätigung der jüngsten Unglücksnachricht aus Afrika undErschöpft man sich in der gesammten europäischen Presse in Vermuthungen über das Wahrscheinliche odlr^lnwahrschünliche in den bisherigen Meldungen über die Gefangennahme Em n «ascha's und angeblich auch Stanley's, so daß noch immer die Möglichkeit vorhanden ist 1s b-nbl- sich nur um eine non den Mcchbisten zu einem bestimmten Zwecke ner- breitete falsche Nachricht. Anderseits enthalten jedoch die über das Ereigniß bis,letzt cingegangmm Meldungen verschiedene Einzelheiten welche die Richtet « lichen Mitthestung über den Fall der Aequatoriaiprooin, zu destät gen ick-ir n.eine Aufklärung, bie jeden Zweifel ausfchließt, wird aber wohl noch nicht Wort zu ge sättigen fein. ldrt fid) ba5 Tagesinteresse augenblicklich auf bie
$der Deputirtenkammer ist die Vorlage, durch


