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Mr. 22 Dienstag den 20. November 1888.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. -

Bnrcaiir Schulstr «fee 7. Erscheint tätlich mit Ausnahme des Montags.

Amtlicher Hßeit.

Betreffend: Die Verpflichtung von Gemeindebeamten; insbesondere Nachtwächter. Gießen, am 16. November 1888.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grohherzoglichen Bürgermeistereien de- Arerses.

Wir sehen innerhalb acht Tagen Ihrem Bericht darüber entgegen, wieviel Nachtwächter in Ihrer Gemeinde angestellt sind, wie dieselben heißen und ob bezw. durch welches Gericht und wann dieselben auf den Polizeischutz verpflichtet worden sind.

von Gagern.

Bekanntmachung.

Montag den 10. Deeember 1888, Vormittags sy2 Uhr, findet in unserem Saale Nr. 18 in öffentlicher Sitzung die Ausloofnng -er Schöffen für das Jahr 1889 statt.

Gießen, den 9. November 1888. Großherzogliches Amtsgericht.

Langsdorff.

Deutschland.

Darmstadt, 17. November. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Realgymnasiallehrer Holtzmann und den Profesfor Dr. Behaget von Gießen.

Darmstadt, 17. November. Seine König!. Hoheit der Großherzog haben Aller- gnädigst geruht:

Am 7. November den Präsidenten der Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbeverein, Geheimerath Franz Fink, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner ausgezeichneten Verdienste um die Entwickelung des Gewerbewesens, von dieser Stelle zu entheben;

am 10. November. den provisorischen Landwirthschaftslehrer Ernst Ludwig Leit Higer zu Alsfeld zum Landwirthschaftslehrer für die Provinz Oderhessen zu ernennen.

Berlin, 17. November. Die morgen hier eintreffenden Mitglieder der Depu­tation der fchwedischen Flotte werden während ihres hiesigen Aufenthalts die Gäste Sr. Majestät des Kaisers sein. Mit der Führung derselben ist der Corvetten-Eapitän v. Arnim betraut. Se. Majestät wird die Deputation am 19. d. M. im Stadtschlosse zu Potsdam in feierlicher Audienz empfangen. Hierauf findet zu Ehren der Depu­tation im Broncesaale des Potsdamer Stadtschlosses ein größeres Galadiner statt.

Breslau, 17. November. Gestern Abend nach dem Diner fand vor dem könig­lichen Schlosse eine große Musikaufführung der vereinigten Militärkapellen statt. Den besonderen Beifall Seiner Majestät des Kaisers fand die Aufführung von drei Fanfaren" (Richard Wagner), welche auf besonderen Wunsch Sr. Majestät von dem Stabstrompeter Altmann wiederholt wurden.

München, 17. November. Die Generalversammlung der Münchener Künstler- Genossenschaft beschloß, alljährlich eine internationale Kunstausstellung alsMünchener Salon" neben regelmäßig alle vier Jahre statlfindenden großen Ausstellungen zu veranstalten.

Oesterreich.

Wien, 17. November. Auf Befehl des Kaisers legt der Hof für weiland den .Herzog Maximilian in Bayern achtwöchentliche Hoftrauer an und zwar die ersten fünf Wochen tiefe Trauer, die letzten drei Wochen weniger tiefe.

Dänemark.

Kopenhagen, 17. November. Der heutigen Feier in der Universität anläßlich des Regierungsjuviläums des Königs wohnten der König, die Königin, sowie die fürst­lichen Gäste bet. Die Feier begann und schloß mit Cantaten von Plough und Gade. Die Festrede hielt der rector magnificua Professor Svarling, der über die Zukunft Dänemarks sprach und mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf das königliche Paar schloß.

Kopenhagen, 17. November. Se. Kgl. Hoheit der Prinz Heinrich von Preußen hat heute Vormittag 11 Uhr die Rückreise angetreten. Der König, in der Uniform des Thüringischen Ulanenregiments Nr. 6, sowie die Kronprinzen von Dänemark und Schweden, der Erzherzog Wilhelm, Prinz Waldemar, der Marineminister, die Mit­glieder der deutschen Gesandtschaft, die Deputation des Ulanenregiments und die obersten Hofchargen waren am Hafenplatze anwesend. Die Matrosen der Fregatte Själland" standen auf den Raen und begrüßten Se. Kgl. Hoheit mit Hurrahrufen, während die Musik dasHeil Dir im Siegerkranz" tntontrte.

Arankreich.

Paris, 17. November. Der Präsident Carnot unterzeichnete heute das Dekret, betr. die Errichtung einer Poftdampferlinie zwischen Frankreich und der Westküste von Afrika. Die Dampfer werden abwechselnd von Havre und Marseille auslaufen.

ßugkand.

London, 17. November. DerTimes" wird aus Zanzibar unter gestrigem Dat rm gemeldet: Der belgische DampferBrabo", welcher 400 Sklaven nach dem Con -o führte, wurde auf der Höhe der Küste von Zanzibar von dem britischen Kreuzer Grfffon" angehalten. Der Kreuzer führte zwei Sklaven, welche schwuren, sie seien gewaa.am entführt worden, weg, worauf der Dampfer seine Reise fortsetzen konnte.

Tekegrapyisch« Depeschen.

WsM's teuer, «orrefponden,. Bur-sm.

Breslau, 18. November. Der Kaiser kehrte gestern Abend 9 Uhr 35 Min. won der Jagd zurück und reifte bald darauf nach Berlin weiter. Auf dem Bahnhofe hatten sich die Spitzen der Cioil- und der Militärbehörden eingefunden. Als der Zug sich in Bewegung setzte, stimmte daS zahlreich versammelte Publikum die National­hymne an.

Berlin, 18. November. Der Kaiser ist heute Nacht von Breslau zurückgekehrt. Früh 73/4 Uhr begleitete er die Kaiserin Friedrich, welche mit ihren Töchtern nach England abreiste, auf den Bahnhof. Der Kaiser kehrte sodann nach dem Residenz­schlosse zurück.

Berlin, 18. November. DieVoss. Ztg." bestätigt, daß den städtischen Be­hörden, zu Händen des Oberbürgermeisters, ein kaiserliches Schreiben zuging, welches )n verbindlichen Worten den Dank für die Huldigungsadresse und das damit verbundene Geschenk des monumentalen Brunnens aussprach. Diesem beigefügt fei ein in den freundlichsten Ausdrücken abgefaßtes Schreiben Goßler's.

Potsdam, 18. November. Heute Mittag starb der Erbprinz von Schönburg- Waldenburg, Rittmeister im Leib-Garde-Husaren-Regiment, an Herzlähmung in Folge von Divhtheritis.

Hannover, 18. November. Amtliches Wahlresultat der Reichstagsersatzwahl Im 5. Wahlkreise des Wahlbezirks Hannover: Im Ganzen wurden abgegeben 11457 Stimmen, davon erhielt v. Arnswaldt-Böhme, Gutsbesitzer (Welfe), 5547 (Stimmen, Sattler, Staatsarchioar in Berlin (nationalliberal) 4245 Stimmen und Droop-Bielefeld (Fortschritt) 1647 Stimmen. Es findet mithin etne Stichwahl statt.

Westerland, 18. November. Heute Vormittag trieb ein starker Weststurm das Wrack der ostfriesischen BarkeJork Margarethen", Capilän Ments, an die Küste. Wad) langer Bemühung wurde die Mannschaft mittelst Raketenapparates gerettet. Das Schiff trieb bereits 8 Tage leck im Sturme auf hoher See.

München, 18. November. Um 2 Uhr setzte sich der feierliche Leichenzug vom Palais des Herzogs Maximilian nach der Theatinerkirche in Bewegung. Vor dem sechsspännigen Leichenwagen schritt der Erzbischof, hinter demselben der Kaiser Franz Josef sowie die Durchlauchtigsten nächsten Leidtragenden. Es folgten sodann der Prinzregent mit den übrigen Prinzen des königlichen Hauses, die Abgesandten der fremden Höfe, darunter im Auftrage des Kaisers Wilhelm der General-Adjutant v. Wittich, ferner die Generalität, das gesammte Staatsministerium, das diplomatische Corps, die Hoschargen, und die Spitzen der Behörden. In der Theatinerkirche, woselbst die Prinzessinnen den feierlichen Condukt erwarteten, hielt der Erzbischof die feierliche Vigil. Die Ueberführung der Leiche nach Tegernsee erfolgt morgen früh 6 Uhr.

Pest, 18. November. Der Wehrausschuß acceptirte nach langwieriger Debatte principiell die auf Verschärfung des einjährig-freiwilligen Dienstes bezüglichen Para­graphen des Wehrgesetzes.

London, 18. November. Das Reuter'sche Bureau meldet aus Zanzibar von gestern, der englische Generalconsul habe eine Proklamation erlassen, welche den dort lebenden Engländern verbietet, weder Contracte mit Sklavenbesitzern zu schließen, um Sklaven zur Arbeit zu erhalten, noch auch Sklaven durch Vermittelung ihrer Besitzer oder auf eine andere Weise zu verwenden.

Petersburg, 18. November. Der Minister der öffentlichen Verkebrsanstalten, Admiral Possiet, ist auf sein Ansuchen feines Amtes enthoben und zum Mitgliede des ReichSrathes ernannt worden.

Bukarest, 18. November. Eine heute früh um 4 Uhr in den Stallungen des königlichen Palais ausgebrochene Feuersbrunst vernichtete einen Th eil derselben; das Palais selbst blieb unbeschädigt, Menschenleben sind nicht zu beklagen. Der König und die Königin befinden sich augenblickliä) noch in Sinaja, dieselben werden am Dienstag den 20. d. hier zurückerwartet.

Lokales.

Gießen, 19. November. Die Erwartungen, die wir an das Concert der Schwestern Ferrari geknüpft, wurden nicht im vollen Umfange erfüllt; zwei Künst­lerinnen hofften wir zu hören, in Wirklichkeit jedoch sind die beiden Gräfinnen nur sehr tüchtige Virtuosinnen und zwar gilt dies sowohl von dem Spiel der Damen, wie auch im Wesentlichen von ihrem Gesang.

An der Spitze des interessanten Programms standen Saint-Saöns'Variationen für zwei Claviere über das Triothema des Menuett aus Beethoven's bekannter Es-dar- Sonate. Der Vortrag der geistreichen Composition zeugte von hervorragendem techntfchem Können, aber der Anschlag der Damen klang, besonders im Forte, ziemlich trocken und hölzern, außer wenn das Pedal in Thätigkeit trat. Am schönsten gelangte die trauer­marschartige Variation zum Ausdruck.

Auch das Einzelspiel der Damen bewies eine bedeutende Technik. Die ältere, Frl. Augusta, trug ein Nocturne von Chopin und Liszt's Gnomenreigen vor. ErstereS hätte weicher sein dürfen, der Ton hatte einen, wenn wir so sagen dürfen, ledernen Charakter. Dagegen der Gnomenreigen übte eine elektrisirende Wirkung aus. Frl. Ernesta's Spiel, ließ ebenfalls an Fertigkeit wenig oder nichts, an Innigkeit dagegen manches zu wünschen Übrig.

Einen sehr angenehmen Eindruck machten die Damen durch ihren Gesang. Beide verfügen über kräftige, wohlklingende Stimmen, die ältere über einen sonoren Contra- Alt, die jüngere über einen pikanten und sehr ausgiebigen Sopran. Unter den vier ersten Duetten müssen wir besonders Flori'sFlorine asaise hervorhebeneine Com- pofttion, die durch ihre eigenartige Verbindung von strengem Stile mit südlicher Leb­haftigkeit außerordentlich wirksam ist. Bei dem Duett ausGenoveva" schien uns das Tempo zu rasch, zumal Schumann ausdrücklichNicht schnell" vorschreibt. Sehr