btt Großherzog von Mecklenburg-Schwerin und der Herzog von Coburg. Bet einem großen Theile der genannten Fürstlichkeiten galten die Condolenzbesuche auch als Abschiedsbesuche.
Berlin, 18. Juni. Heute Abend um 6 Uhr findet im hiesigen Schloß ein Diner mit 150 Couverts statt. An demselben nehmen Theil der Kaiser mit den fremden Fürstlichkeiten nebst Gefolge.
Berlin, 18. Juni. Aus allen größeren Städten Preußens und Deutschlands werden Trauerfeierlicvkeiten gemeldet. Ueberall wurden Trauergottesdtenste abgehalten. Schulen und Geschäfte waren geschlossen.
— Als Termin der Einberufung des Landtags nennt die „Kreuz - Zeitung" den 28. Juni.
Marseille, 18. Juni. Floquet äußerte zu dem Bürgermeister und den Stadt- räthen: Der einzige Ehrgeiz des Ministeriums sei eine fortschrittliche Reform. Die auswärtige Politik sei eine friedliche; daher fei es auch ungerechtfertigt, die Regierung zu beschuldigen, daß sie an einen Krieg denke, zumal jetzt, da sie eine internationale Ausstellung vorberette.
Brüssel, 18. Juni. In der deutschen evangelischen Kirche, welche stimmungsvoll geschmückt war, fand ein Trauergottesdtenst für Kaiier Friedrich statt, bei welchem der König, die Königin und der Graf von Flandern durch ihre Hofmarschälle vertreten waren. Das gesammte Personal der deutschen Gesandtschaft, der deutsche Konsul, sämmtlicke Minister, das diplomatische Corps, viele Generäle und höhere Behörden, sowie zahlreiche Vertreter der deutschen Kolonie wohnten der Feier bei.
Kairo, 18. Juni. Heute Morgen fand in der hiesigen deutschen Kirche eine Leichenfeier für Kaiser Friedrich statt; anwesend waren Riaz Pascha, die Minister, das diplomatische Corps, die obersten Offiziere der englischen und egyptischen Armee, sowie zahlreiche Personen von Distinction. Die Kirche war dicht gefüllt.
Melbourne, 18. Juni. Heute Mittag wurde ein Trauersalut für Kaiser Friedrich abgefeuert.
"" Lokales.
Gießen, 19. Juni. Die auf gestern Nachmittag 4 Uhr anberaumte außerordentliche Sitzung der Stadtverordnetenbeschlob, nach einer von Herrn Bürgermeister Bramm gehaltenen, tiefempfundenen Ansprache, die von den Versammelten stehend angehört wurde, einstimmig, die nachfolgenden Adressen an Se- Majestät den Kaiser Wilhe lm, die Kaiserinnen-Wittwen Augusta undVictoria, sowie an Se. Königliche Hoheit den Grobherzog abzusenden.
Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster Kaiser! Allergnädigster Kaiser, König und Herr!
Zum zweiten Male in kurzer Frist steht das deutsche Volk an der Bahre eines dahingeschiedenen Kaisers, seines vielgeliebten und tiefbetrauerten Kaisers Friedrich des Dritten. Nur kurze Zeit war es ihm beschieden, die Geschicke des deutschen Volkes zu lenken, aber schon lange Jahre hatte dasielbe den einstigen Erben der deutschen Kaiserkrone, den ritterlichen Sproß des erlauchten HohenzollerngeschlechtS und treuen Sohn unseres ehrwürdigen Kaisers Wilhelm, lieben und schätzen gelernt. Wenn es Ihm daher auch nicht vergönnt war, Seine Regententugenden in dem vollen Glanze zu entfalten, wie das deutsche Volk mit Zuversicht es von Ihm erwarten durfte, so wird Sein Name in der deutschen Geschichte doch für immer und ewig fortleben. Ew. Kaiserliche Majestät aber, in deren Händen nunmehr Deutschlands Geschicke gelegt sind, wolle der Allmächtige Gott mit Seinem Trost um den Heimgegangenen Vater stärken und zu Deutschlands Heil und Segen während einer langen Regierungsdauer mit ungetrübter Gesundheit beglücken.
In allertiefster Ehrfurcht verharrt
Ew. Kaiserlichen Majestät allerunterthänigste Stadtverordneten-Versammlung zu Gießen und in deren Namen
A. Bramm, Bürgermeister.
Gießen, im Großherzogthum Hessen,
18. Juni 1888.
Sr. Majestät
Wilhelm II.
Deutscher Kaiser und König von Preußen.
Berlin.
Allerdurchlauchtigste Kaiserin!
Allergnädigste Kaiserin und Königin!
Nur kurze Zeit nach dem schweren Verluste, welcher Ew. Majestät und die ganze Kaiserliche Familie, sowie das gesammte deutsche Volk, durch das Hinscheiden Seiner Majestät unseres vielgeliebten Kaisers Wilhelm betroffen hat, wird das erhabene deutsche Kaiserhaus und mit ihm ganz Deutschland von Neuem in die tiefste Trauer versetzt. Nach Gottes unerforschlichem Rathschlusse ist auch Seine Majestät Kaiser Friedrich, Ew. Majestät geliebter Sohn, Deutschlands Stolz, zur ewigen Ruhe eingegangen. Möge es Ew. Majestät bei dieser neuen, schweren Prüfung einigermaßen zum Trost gereichen, daß das ganze deutsche Volk dieselbe mitempfindet und seines dahin gegangenen Herrschers stets in Liebe und Verehrung gedenken wird. Ew. Kaiserliche Majestät wolle der allgütige Gott auch ferner in seinen gnädigen Schutz nehmen.
In allertiefster Ehrfurcht verharrt
Ew. Majestät allerunterthänigste Stadtverordneten-Versammlung zu Gießen und in deren Namen
A. Bramm, Bürgermeister.
Gießen, im Großherzogthum Hessen, den 18. Juni 1888.
Ihrer Majestät
Kaiserin-Wittwe Augusta
Berlin.
Allerdurchlauchtigfte Kaiserin!
Allergnädigste Kaiserin und Königin!
Nach langem schweren Leiden ist Deutschlands geliebter Kaiser Friedrich III., Ew. Majestät Erlauchter Gemahl, zur ewigen Ruhe eingegangen. Schmerzerfüllt naht sich das deutsche Volk Ew. Majestät, um den Gefühlen innigster Theilnahme an dem schweren Geschick, welches Ew. Majestät und deren Familie betroffen hat, Ausdruck zu geben. Möge diese Theilnahme in Verbindung mit der Dankbarkeit des ganzen deutschen Volkes für die aufopfernde Pflege, mit welcher die treueste Gattenliebe die Leiden des schwergeprüften Herrschers zu mildern bemüht war, Ew. Majestät zu einigem Tröste gereichen und der Wunsch des allerunterthänigst unterzeichneten Stadtvorstandes, daß der Allmächtige Ew.Majestät und Allerhöchst deren Familie in seinen gnädigen Schutz nehmen, insbesondere mit steter Gesundheit segnen wolle, in Erfüllung gehen.
In allertiefster Ehrfurcht verharrt
Ew. Majestät allerunterthänigste Stadtverordneten-Versammlung zu Gießen und in deren Namen
A. Bramm, Bürgermeister.
Gießen, im Großherzogthum Hessen,
18. Juni 1888.
Ihrer Majestät
Kaiserin-Wittwe Victoria.
Berlin.
Allerdurchlauchtigster Großherzog! Allergnädigster Großherzog und Herr!
Noch trauert das deutsche Volk um das Dahinscheiden seines vielgeliebten Kaisers Wilhelm, und schon wiederum ist ihm durch den Dahingang seines innigstgeliebten Kaisers Friedrich ein neues schweres Leid beschieden worden. Wenn auch der Schmerz ob dieses
traurigen Ereignisses in tent Herzen eines jeden Deutschen Widerhall findet, so wird doch Ew. König!. Hoheit durch den Tod unseres erhabenen Kaisers Friedrich, Ew. Königl. Hoheit treuen Verbündeten, Freundes und Verwandten ganz besonders berührt. Dem Mitempfinden an dem Schmerze, welcher Ew. Königliche Hoheit erfüllt, wagt es der unterzeichnete Stadt- vorsiand hiermit Ausdruck zu geben, indem er zugleich Gott den Allmächtigen bittet, daß er Allerhöchstderen Leben auch ferner in seinen gnädigen Schutz nehmen möge.
In allertiefster Ehrfurcht verharrt
Ew. Königliche Hoheit
allerunterthänigste Stadtverordneten-Versammlung zu Gießen und in deren Namen
A. Bramm, Bürgermeister.
Gießen, den 18. Juni 1888.
Sr. Königlichen Hoheit »
Ludwig III.
Großherzog von Hessen und bei Rhein.
Darmstadt.
Gießen, 19. Juni. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sttzung am Donner-tag den 21. Juni 1888, Nachmittags 5 Uhr.
1. Gesuch des Johannes Seeger dahier um Ertheilung der ConKssionzum Wirthschastsbetrieb.
2. Desgleichen des Karl Klingenberg.
3. Gesuch des Möbeltransporteurs Ludwig Bender um pachtweise lieber- lasfung eines städtischen Platzes zur Aufstellung von Möbeltransportwagen.
4. Desgleichen des Möbeltransporteurs Philipp Müller.
5. Erhöhung städtischer Trottoirs.
6. Geländecrwerb für die neue Caserne.
7. Gesuch um Erlaubniß zur Aufstellung einer Laterne.
8. Das Feuerlöschwesen.
9. Die Reinhaltung der Straßen.
10. Gesuch der Firma Andreas Euler um Erlaubniß zur Wasserabführung nach dem Stadtbach.
11. Gesuch der Freimaurerloge um Erlaubniß zur Wasserabsührung.
12. Die Ruhebänke in den Anlagen um die Stadt.
13. Festsetzung der Baufluchtlinie für die Wolkengasse.
14. Die sogen. Wodestraße.
Gießen, 18. Juni. Unter dem Vorsitz des Herrn Landgerichtsraths Küchler nahmen heute die Schwurgerichtsoerhandlungen des II. Quartals 1888 ihren Anfang. Die heutige Verhandlung in der Strafsache gegen Johannes Wehrum Ludwig I Sohn von Albach und Genossen wegen Körperverletzung und Raub wurde infolge Unwohlseins eines Geschworenen bis Morgen Nachmittag 3 Uhr vertagt.
Gießen, 19. Juni. (Schwurgerichtsverhandlung vom 19. Juni 1888.] Karl Btngmer, früher Postagenl von Staden, geboren daselbst, evangelisch, verheirathet, wird beschuldigt:
1. am 16. Juli 1887 als Beamter Gelder im Betrage von 40 X in amtlicher Eigenschaft empfangen und sich dieselben in rechtswidriger Weise angeeignet zu haben]
2. am 17. October 1887 in derselben Eigenschaft Gelder im Betrage von 199 X empfangen und sich dieselben in rechtswidriger Weise angeetgnet zu haben, und
3. die in Beziehung dieser Vereinnahmungen und zur Controle zu führenden Bücher nicht ordnungsmäßig geführt oder verfälscht zu haben.
Durch das eigene Geständntß des Angeklagten und durch das Ergebniß der Beweisaufnahme wurde die Anklage in allen ihren Punkten für festgestellt erachtet. Der Spruch der Geschworenen, welcher durch den Obmann verkündet wurde, lautet in allen Fällen auf „Schuldig" mit mehr als 7 Stimmen; jedoch wurden dem Angeklagten mildernde Umstände zugesprochen, ebenfalls mit mehr als 7 Stimmen. In Folge dessen erkannte der Gerichtshof wegen Verbrechens im Amte im Sinne der SS 350, 351 des St.-G.-B.'s gegen den Angeklagten auf eine Gesammtgefängnißstrafe von 2 Jahren.
Vermischtes.
Darmstadt, 17. Juni. Die Ergebnisse der Verwaltung der Sparkassen im Großherzogthum bleiben nach wie vor erfreuliche und fortschreitende. Von 1875 bis 1885 incl. (weiter gehl die Slatistik nicht) stieg der baare Kassenbestand derselben von 2 196 917.03 X auf 3 355 481.77 X, wobei zu bemerken ist, daß die Drei-Millionen- Ziffer bereits 1880 erreicht wurde. Die Reservefonds stiegen in derselben Zeit von 3 740 589.25 X auf 7 316 452.53 X Gegen das nächst vorausgegangene Jahr betrug die Zunahme der Einleger auf einen Einwohner 5,33pCt. und es hat eine Zunahme von einigen Procenten seit 1867 ununterbrochen jährlich stattgefunden. Auf einen Einwohner des Großherzogtbums kommen durchschnittlich an Einlage 100.65 X
A Mainz, 18. Juni. Neben dem Bericht über dieVerbandsthätigkeit war der wesentlichste Punkt der heute hier unter Anwesenheit von 165 Interessenten sowie Vertretern der Regierung und der Bürgermeisterei begonnenen 18. Generalversammlung des deutschen Mülleroerbandes die Frage der Einführung eines Zolles auf Kleien. Die Versammlung sprach sich einstimmig für einen solchen Zoll aus und sollen von dem Vorstand die geeigneten Schritte gethan werden. Selbst die freihändlerisch gesinnten Mitglieder des Verbandes sprachen sich für einen Kleienzoll aus und zwar hauptsächlich mit Rücksicht darauf, weil durch die freie Einfuhr der Kleien der Getreidezoll im Allgemeinen nicht die beabsichtigte Wirkung habe, indem die eingeführten Kleien vielfach noch einen großen Procentsatz Mehlstoffe enthalte. Bei der Eröffnung der Generalversammlung gedachten sowohl der Verbandsvorsitzende wie auch Provinzialdirector Küchler und Beigeordneter Dr. Gaßner in warmen Worten des verstorbenen Kaisers» — In der gestern unter dem Vorsitz des Herrn Eduard Osterrieth hier ftatt- gehabten Sectionsversammlung der deutschen Buchdrucker-Berufsgenossenschaft wurden die seitherigen Delegirten und Vertrauensmänner, sowie del en Ersatzmänner per Acclamation wiedergewählt und Darmstadt als Ort der nächsten Sectionsversammlung bestimmt.
— Das hiesige Kreisamt sieht sich veranlaßt, das im October 1884 erlassene Verbot des Besuches von Wirthshäusern und öffentlichen Tanzmusiken von Setten schulpflichtiger Kinder neuerdings wieder in Erinnerung zu bringen.
— Der Rhein ist zur Zeit derart im Wachsen, daß sich eine Ueberschwemmung befürchten läßt. ~
Bingen, 18,Juni. Am Markte ist in der Apotheke um 11 Uhr großes tftuer ausgebrochen; sieben bis acht Gebäude sind bedenklich gefährdet. Die Löschmannschaft arbeitet mit großer Anstrengung. Bis jetzt war es noch nicht möglich, dem Feuer Einhalt zu thun. (F- B-)
— Der Brand scheint jetzt, Nachmittags 5 Uhr, auf seinen Herd beschrankt zu sein, wenn nicht noch die im Innern der ab- resp. ausgebrannten Gebäude befindliche Gluth und eine veränderte Windrichtung neue Gefahren bringen. Ganz ausgebrannt bis zum Parterre sind drei Wohnhäuser; stark beschädigt zwei aus beiden Seiten angrenzende Nachbarshäuser. Der an Mobilien entstandene Schaden ist ein bedeutender. Mitbetheiligt sind fünf Versicherungsgesellschaften. Der aufopfernden Thätigkeit der beiden hiesigen Feuerwehren, die bei strömendem Regen auf dem Posten waren, mutz alle Anerkennung gerollt werden.
handel und Verkehr.
Gießen, 19. Juni. Auf dem heuttaen Markt kostete: Butter per Pfimd X 0.80-085, Hühnereier pr. St. 5 2 Stück 9^, Enteneier 5— Gänseeier
St. 0—00^, Käfe vr. St. 4-10^, Käsematte per St. 3 \ Erbsen per Ltter 16 Linsen per Liter 28 H, Tauben per Paar X 0.65-0.80, Hühner per Stück X 100 bis 1.40, Hahnen per Stück X 0.80—1.70, Enten per Stück X 2.00—2.20, Ochsenfleisch per Pfund 56-54 H, Kuh- und Rindfleisch 45-50 H, Schweinefleisch 50-60L, Hammelfleisch 51-64 Kalbfleisch 40-46 H, Kartoffeln per 100 Kilo X 4.00-5 00, Zwiebeln per Centner X 9.00-14 00, Milch per Liter 12-18 Welßkraut Stück 00 -00 -9», Kirschen per Pfund X 0,20—0,30.
Wärmegrade der Lahn und der Luft,
nach Reanmur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr.
. Luft 14, Wasser UV» Gr.
' Gießen, den 19. Juni 1888. Rübsamen.


