Nr. 117
Zweites Blatt.
Sonntag den 20. Mai
1888.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Vrrreair r S ch u l st r a ß e 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
$te‘8 ??>EhrIiL 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pst
H o s Ä l e e.
Gießen, 18. Mai. Heute wurde das Urtheil gegen Kaufmann Karl Stieb er und dessen Vater Georg Stieber, welches gegen Ersteren auf 10Monate und gegen den Letzteren auf 5 Monate Gefängniß lautete, verkündet.
Vermischte s.
— Die Pfingstglocken ertönen und ihr Klang weckt in unseren Herzen ein sonderbares Echo. Wir sind mit einer Ungeduld erfüllt, die wir lange, lange nicht mehr gekannt haben; wir empfinden eine Sehnsucht, wie sie seit Monden unserem Innersten fremd geblieben. Zu enge ist das Haus uns geworden. Des Herdes Traulichkeit hat seine Zaubermacht verloren, denn eine andere Zauberkraft ist erstanden, die uns gleichsam aus Fesseln und Banden befreit und uns treibt und ruft: „Hinaus in das Freie! Hinaus!" Wer will diesem Rufe sich verschließen? Wer die Freude sich versagen, die Jugend hinauszuführen, um mit ihr und gleich ihr im Anschauen des veu erstandenen Wunderbaues den einsamen Winter zu vergessen? Darum werden sie denn auch heute hinausziehen, alle, alle, die Jugend und das Alter, die Reichen und Die Armen, die Vornehmen und die niedrig Geborenen. Seit der Sonne erster Strahl
Die Ausstellung für Unfallverhütung.
$a$rc' Frankreich die Erinnerung an die Revolution durch e ne ^,Ä?Us?l1ellungI verherrlichen will, wird in der deutschen Reichshauptstadt ebenfalls eine Ausstellung statifinden, welche eme neue Revolution einzuleiten bestimmt ist wenn i Ut tn beschränkterem Umfange und in friedlicherer Durchführung als me große Umwälzung am Ende des vorigen Jahrhunderts. Die soctalvolitiscke ^b.^bbung der letzten Jahre hat mannigfache Erfahrungen und Bedürfnisse auf dem k*Cr Abfüllung von Roth und Elend, von Unfällen und Heimsuchungen der ?Ä//^^^^olkerung an den Tag gebracht. Die Gesetzgebung hat Berufsgenossen- .cbaften geschaffen, in welchen Einer für Alle und Alle für Einen einzustehen haben, ^rUn9-ÄCncr Gesetze hat vielfach einzelne Gewerbe in einem Maße be- iTnfnrr? fMR^Ur9CTn?6 Erörterungen eintraten, wie die Kostspieligkeit der
L °llbntschSdigung durch erhöhte Sorge für die Unfallverhütung herabzumind-rn sei.
* hä b r; nc7? durch das Sonderinteresse des einzelnen Gewerbes wie durch das gemeine Interesse des gelammten Erwerbsstandes geboten, nahm zuerst im “u ungnvöhnlich hohe Anzahl von Unfällen aufzuweisen hat, an' erweiterte sich aber bald zu einem Plane für daS gesammte deutsche ^e (Vh enefürbürf?ninU9? feIniClner Industriezweige; und während das Braugewerbe nur Ausstellung^ nahm, für die Durchführung einer allgemeinen deutschen
rruSfteUung für Unfallverhütung einen Garanttefonds von hunderttausend Mark auf- Ä die Ausstellung selbst allen deutschen ®ewerb™" 8efammten ^acfje der Unfallverhütung und des Arbeiterschutzes eröffnet.
tu ur Zustandekommen der Ausstellung im Frühjahr 1889 ist aestckert Die ^oUub®CrItnenlurr7n,rIli9 Landesausstellungspark und -Palast am Lehrter Bahnbaben ^- -..^d^agung, gestelltdie höchsten Reichsämter und Staatsbehörden unb an* in h,n ! ’(Tt? S te bic gemeinnützige Veranstaltung ausgesprochen,
" k“ n™8 ^ *en Krisen regt sich allenthalben die Theilnahme an der X U' ^uEsiellung. Der Rahmen für dieselbe ist thunlichst weit gestfcks w s £.8€"b”,c, *n Beziehung steht zu Unfällen oder Unfallverhütung,
£u, Arbeiter schütz und Wohltahrt in den ^Betrieben, wie Maschinen und Apparate Vor- kebrungen, Werkzeuge, Arbeitsstücke, Materialien, Modelle, Pläne, Zeichnungen, ^abrtf: be^briÄt^ ~ Alles findet in der einen ober der anderen Gruppe
™ Abcheilungen der Ausstellung Unterkommen. Aber nicht nur Schutzvorrichtungen pudern auch vollständige Maschinen und Apparate, sofern sie nur Schutzoor- AntzsUnJoIIcn 8ur 2lu§fteaunfl gelangen, sodaß man innerhalb der großen Ausstellung für Unfallverhütung gleichzeitig einer Industrie-Ausstellung gegen- uber stehen wird, wenn auch alle ausgestellten Gegenstände in irgend einer Beziehung .-Ü? a^fce^“tun9o'°^er ^um ^rbeiterschutze stehen werden, was eben heute bei jeder uCt Kber jedem Theil einer Maschine der Fall sein sollte.
Die Betheiligung gerade der Maschinenindustrie wird um so eher eine erschöpfende und vollständige sein, als jeber Gewerbtreibende eine Maschine mit guten Schutzvorrichtungen unbedingt einer gleich guten Maschine ohne diese Vorrichtungen vorziehen i01™' "berdles aber dre Berufsgenossenschaften nicht säumen werden, ihren Mitgliedern solche Maschinen zu empfehlen, welche Unfälle thunlichst zu verhüten geeignet scheinen.
Aber da das ganze Unternehmen auf dem Boden der berufsgenossenschafllichen Gesammtinteressen erwachsen ist, so geht sein Ziel auch weit über den Bereich der Maschinen hinaus und umfaßt alles, was überhaupt zur Klarstellung des Werthes der technischen Vorrichtungen zum Schutze der Arbeiter durch Austausch der Erfahrungen hienen kann. Für die gesammte Ausstellung gilt der Wahlspruch: „Nichts ist gering, was Menschenleben zu schützen und zu erhalten vermag." Aus manchen Gebieten aber wird die Verhütung von Unfällen von der Verhütung von Krankheit schwer zu trennen sein. Giftige Gase, plötzlich eindringend, vernichten den Organismus durch emen Unfall; langsam und allmählich eindringend, untergraben sie die Gesundheit und fuhren zu einer gewerblichen Krankheit. Alles was zur Verhütung von Krankheit im Betriebe dient, hat ebenfalls Raum in der Ausstellung. Einrichtungen der Ventilation, der kräftigen Ernährung, der Arbeiterwohnungen fallen in den Rahmen der Ausstellung für UnfaUöeibutung. Die Statistik hat ergeben, daß im Jahre 1886 in den damals versicherten Betrieben mehr als sechszigtausend Unfälle vorgekommen sind, darunter etwa zehn Prozent entschädigungspflichtiger Fälle. Bei der Ausdehnung der Ver- stcherungsgesehe find inzwischen auch diese Zahlen bedeutend gestiegen. Es leuchtet mithin die Tragweite dieses Humanitären Unternehmens ohne Weiteres ein. Es wird Ar reich und nützlich sein für die Behörden und für die Gesetzgebung. Es wird eine Revolution in die socialpolitische Literatur bringen und zu zahllosen Verbesserungen in der Lage des Arbeiterstandes den Anstoß geben. Es wird die Socialpolitik ebenso bereichern, wie die jüngste hygienische Ausstellung die öffentliche Gesundheitspflege gefordert hat. Aus allen diesen Gründen aber kann die allgemeine Betheiligung an der Ausstellung für Unfallverhütung nur den weitesten Kreisen angelegentlichst an's 'nen gelegt werden. Denn es wird die Ausstellung nicht nur zur Belehrung der Gewerbe zur Hebung von Handel ur.d Wandel, zur Verminderung der Kosten der Unfallversicherung, zur Verbesserung der Lage des deutschen Arbeiterstandes beitragen, sondern durch ihren gleichzeitigen Character als allgemeine Industrie-Ausstellung der Wohlfahrt und dem Gedeihen vieler Gewerbe Vorschub leisten. Und im llebrtgen bedarf die socialpolitische Gesetzgebung des Reiches der werkthätigen Förderung durch positive Maßregeln der Bevölkerung ohne Unterschied der Partei; denn alles, was für den Arbeiterstand geschieht, das geschieht für das gesammte Volk und für das Wohl . des deutschen Vaterlandes.
^Urmnbn bieJ?il0Crfabrt jur wiedererwachten Natur angetreten worden
»h u ’n i V"“'“nh b,n Moment zu erwarten, da er selbst schauen und sebm soll ob her bofe Traum zerronnen und an seiner Statt die sonnige blütbenreiche
getreten sei. Und werden doch so viele Tausende von d?m ÄÄ trieben, daß heute und morgen wohl ihnen ein freier Tag beschieden fei
Kamrff um's Dasein wieder Stunden bescheert die sie m«? geschmückten Waldesraum verbringen dürfen Wiederum Taufend-
b-r Nähe beä Festes mit verdoppeltem Eifer arbeiten müf en $a aab t M nicht Nacht-Ruhe, denn auch die Menschen wollten gleich der Wgfnrk/
®‘™e'lbt ^scheinen, und fleitzig mutzten sich die Hände"r,g^n, sollte allen Ansord^runam genügt werden. Nun ist Stillstand geboten und so bringt das Fest Auaenblikkp Taab/ hrr^raf ;Ser 5lrbeii ?tun?n dec Fröhlichkeit nach dem Ernst der Pflich en u^d Tage der Erquickung nach der langen Knechtschaft des Winters Möae der lanntt^,- Wettergott daher ein Einsehen haben und durch warmes fetter unb1 ßtmmel die - wahrhaft ersten Stunden der Freiheit in der schönen FElLas-eit b, Äu : Ekn f7ö kl.vs PlsnM^'ung werde, rufen wir Uferen °ibt ble®,^ir13?MÄ~lenÄ5eiUÄ Wilhelm-Denkmal Für k?» fv! an das preußische Kriegsminifteiium gerichtetes Schreibm des Eomtt^'ä
bl- Errichtung eines Kaiser-Wilhelm-Denkmals in Metz, weicht um bic
HAtP mö,Ci ^ustUnmung zur Veranstaltung von Sammlungen in der Armee nach- ? ezünftige und erfreuliche Nachricht eingelaufen. Der Kriegsminister
Bronsart v. Schellendorf hat unbedenklich seine Zustimmung ertheitt^und unt7rÄr- seines ergebensten Dankes für die Darlegungen des Eomit^'s die zuverfickt-
Ln r&nnfn9 P-r^?en# bab es den Bemühungen des Comitä's gelingen werde'
£,n0Ctretcn -u fein. Wie ein'Vnjab warum ku
'A-eiben deutscher Kriegervereine bekunden, und auch in dem Organe derselben L-r hir^h/e' hUm h ^Äangt ist, bespricht man in diesen Kreisen mit Begeisterung c e ',„deni hochseligen Kaiser ein Denkmal an jenem Orte zu errichten der mit
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f*mn;mmLbCnr^ werden wir erreichen.^ Sind die Gaben fiir bfe Uebe?
7^ e aufrj und die Sammlungen für die Denkmäler der einzelnen
Ie i n . ^^^^b^en geleitet, bann wird sich das deutsche Volk einer einheitlichen impoianten Spende aufschwingen, nicht zu Gunsten eines den foofienftflHfen ^Gunsten^nnn' M ^in Staufen-^ nkcht' aber ein Zollernd^ prft der Stätte der größten Kriegsthat Kaiser Wilhelms ObwoM
MH b^prnhtbcrei enbln Dritte gethan wurden, in der Stadt Metz selbst Sammlungen von Belang gar noch nicht veranstaltet sind, laufen doch die Beträge schon fn rpirfutrh ein, daß an einem glänzenden Gelingen nicht gezweifelt werden kann In allen Orten Dringens wird mit Erfolg gesammelt, das hart an der ®ren3e gelegene Sm ^enbcte auf einstimmigen Gemeinderathsbeschluß^ biii die für diesen p ulende Summe von 100 jl. Aus Frankfurt a. M. trafen geftern lOOO ^
T. b^»putschen fenseits des Oceans kommen erfreuliche 9tachrichten ihrer SÄ VUi Katserdenkmal in Metz beizusteuern. So haben wir begründete §o^ung, bereinft auf der herrlichen Esplanabe, mit 6er Front nach ber Höhe von
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EstSMickm Lt!!n?b wahrg-nomm-n, wie zahlreiche Ameisenvölker nach einer allen
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s^^bie Fortpflanzung bes Stammes, sie legt jährlich 12—18000 Eier und die Kaste der Arbeitsbieneii tritt sofort als priesterlich pädagogische an sie erzieht die Kinder mÄÄÄ "Laste, mit Honigbrei Vnb schließen bic nach bis 14 Taam'auakhbW.nh“1’’’^ "k Wachsdeckeln, putzen und bürsten den nach 13
.j rClt “uf;JIu»f™ben gesunden Nachwuchs trotz jedem Friseur ja sie batten ÄtJM* ‘?bcDaVi£ Krüppel und Kranke augenbtickslödÜn? Die mirfliifien «?mmenei’ beginnen in den ersten Stunden
Kaste di- der Drobn.^ k ^beit: sie fliegen aus und suchen Honig. Eine andere durck hie WrMtaM ' b t Befruchtung der Königin und verfallen dem Tode rn^rrn« F.n'F.2 ‘A6 V frobalb f,c bc» Zweck ihres Daseins erfüllten. Sie sind MLLLL Vl' ^6l'enb i6re H°nker den wohlbekannten Waffcnschmuck, faaten e ne Ä ■SIttenJ Monarchisch ist das Staatsgesetz i wie wir schon
aus d'n Moden^ ' Fne Königin, darf es geben im Reiche. Haben die Arbeitsbienen
• i" ber Königin eine oder mehrere neue Königinnen mit ihrem besten 8eb n erbebt -i*Ofmn^Orr ?" ,k^?/i'unssgesetz in Kraft. Wildes Treiben, reges Mihpn Cfi* m und als hielten sie revolutionäre Volksversammlungen fo
aus, e "neues T°chter7eich7u grAn. ^"^°"0 3U Unb äit”cn mit *br
Wpfrfi uns an diesem zarten Jnsektengeschlecht aufftoßt
^rem Änä-n^Egenz, welche Fassungsgabe, welch strenger Ordnungssinn spricht aus ?Etzt kommen sie wieder hervor und mancher unserer Leser mag's und ihre seltsame Staa7s«ganM “Uf W‘ iierIid,en Archen


