Beilage zu Ar. 92 Öes „gichmer Anzeiger".
Von der Uogat.
Elbing, 12. April.
(Sa mar einer von den Zufällen, die manchmal in geradezu boshafter Weise Len Lauf der Naturereignisse zu beherrschen scheinen, welcher bet der Ueberschwemmung H?oaataebietes mitwirkte; am 25. März, um 3 Uhr Nachmittags, erfolgte der Delch- Idruch an Iouasdorf, an demselben Tage um 5 Uhr fetzte sich das Eis der Weichsel in Bewegung und zwar von der Mündung bis hinaus nach dem Abzweigungspunkt der Nogat. Wäre der Abgang des Weichseleifes drei Stunden früher erfolgt oder hatte Ler^Nogatdeich drei Stunden länger gehalten, so hatte die Weichsel, nicht die Nogat Lte Hauptmasse der von oben kommenden Gewässer ausgenommen und da die Weichsel Reichlich viermal ,o breit ist wie die Nogat, hätte jene Platz genug für de Fluth gehabt — der ganze Eisgang hätte ohne größeres Unglück ablaufen können. Aber der Deich riß gerade zwei stunden zu früh und damit war bas Geschick der rechtsseitigen Niederung besiegelt. ■ ?
Ajcb bin heute bis eine Meile stromabwärts von Marienburg zu Dampfer die Nogat hinab und dann zu Nachen durch den Jonasdorfer Bruch und über das Fluth- ^ebtet 5-6 Stunden lang nach Elbing gefahren. Wir drangen erst ziemUch genau nach Osten vor, bis die Eisenbahn Marienburg-Elbing Schwierigkeiten machte - ste war zwar noch überspült, aber das Wasser stand nur mehr 20^Ctm. über den schienen; Lann wandten wir uns nordöstlich nach Elbing und fuhren ohne sonderlichen Anstand über das Tiefland in die Stadt hinein, wobei der Elbingfluß nur fmden letzten halben Kilometer benutzt wurde. In der Nähe von Gehosten hatten wir gelegentlich Untiefen -hie Ueberkreuzung der Landstraße machte einige Schwierigkeit, im Uebrigen aber hatten wir auf den ganzen drei Meilen, die „zu Lande" zuruckgelegt wurden, bequemes Fahrwasser, bald 1, bald 2 M. und darüber.
Der Anblick ist wüst, schlimmer als an der Elbe. Vor Allem hat das Eis stärker zerstörend gewirkt. Schon auf der Fahrt über die Nogat steht man zu beiden Setten des Stromes große Schollenfelder, auf denen fußdicke schmutzige Eisplatten weithin ausgebrettet sind, verhältnißmäßig unbedeutende Reste dessen, was vor vierzehn Tagen da zusammengeschoben war, aber immer noch von abschreckend unwrrthlichem Aussehen. Bekanntlich verdankt der Weichselstrom als Ganzes (Nogat mit euibegristen) seine große Gefährlichkeit gerade dem Unterfchiede, der zwifchen dem Klima seines Ursprungs und dem seines Endes besteht; wenn oben der Schnee schon mafsenhaflfchmlttt herrscht unten bei Danzig und Elbing noch Frost, das Thauwetter oben trifft also regelmäßig mit Eisstopfung unten zusammen, daher die wesentliche Rolle, welche das
U nm?tt: e?b ar^ hinter bem Jonasdorfer Bruch sah man zunächst nichtsalsdie gelbliche Wasserfläche - aus dem einfachen Grunde, weil der erste Emfturz des Schwalles d'e Öäufer, welche ihm im Wege standen, so gründlich rastrt hatte, daß auch nicht ein Stein oder ein Pfosten übrig geblieben war, um Zeugniß von dem abzulegen, wa dort gestanden hatte. Etwa einen halben Kilometer südöstlich lag ein mafllves rothes Backsleinhaus- das Wasser hatte ihm nichts angehabt, aber ^me Eisscholle hatte eine Ecke des soliden Gebäudes dreieckig abgestoßen, sodaß die eine senkrechte Kante^desselben fnft ihrer aanren Länge nach durch ein gähnendes Loch vertreten war. Die starken Bäume de? Landstraße waren alle auf der Westfeite vom Eise so gründlich verkratzt, daß Rinde und Splint unten fehlten und das nackte Holz in^uadralfußgroßen Decken herausschaute, schwächere waren-umgeworfen und die Zweigkopfe der Weiden oft in lan9C^^^nfaT^t9ä6ertef^tU^ wie gefvgt, scheinbar °n e.ng-stür.ten Häusern weil eben keine Reste übrig geblieben waren; bei der Fortsetzung kamen ste waffenhaf Äum Vorfchein. Bald fchwamm bloß noch ein Dach über der Wasstrflache, bald hatte fich die Mitte eines Hauses oder einer Scheune gesenkt und die Giebel drohten nach innen einzuklappen, bald war ein Giebel nebst einem ber fojb
gerissen, gesenkte Stubenbecken unb zerrissene Sparren hingen in bie leere ^uft hinaus, halb waren Löcher in bie Wänbe gestoßen, bas Innere fortgeschwemmt, bie Dauern ausaebaucht — im Dorfe Fischau fanben wir eine ganze Enbstraße, von ber sich voraussagen läßt, baß kein Haus unb kein Stall mehr stehen wird, wenn das Wasser abgelaufen ist.
Die ganz oder halb zerstörten Gebäude zählen hier nach Hunderten; eine auch nur annähernde Uebersicht über den Bauschaden kann zur Zett noch nicht gegeben werden, aber das sieht man bet flüchtigem Anschauen, daß die Verheerung an Häusern, Scheunen und Ställen hier ganz erheblich schlimmer ist als an der Elbe. In der Nähe des Detchbruchs ist dieselbe so rasch erfolgt, daß viel Vieh unter den Trümmern begraben wurde; wir fuhren an einem ehemaligen Stall vorbei, unter dessen eingefallenem Dach 23 Kühe erschlagen und ertrunken lagen.
Vieles aber ist erst nachträglich gestürzt oder sturzreif geworden. Am 6. und 7. April herrschte nämlich starker Sturm, der auf dem meerähnltch ausgedehnten Ueber- schwemmungsgelände heftige Wellen aufwühlte und damit manches zerstörte, was sonst vielleicht haltbar geblieben wäre. Die größere Zahl der eingefallenen Gebäude datirt nicht aus den ersten Tagen der Fluth, sondern vom 6. und 7. April.
Zu den hervorragenden Etgenthümlichkeiten der hiesigen Fluth gehört ferner ihre furchtbar lange Dauer. Die deutlichen Spuren, welche das Eis hinterlassen hat, lassen überall leicht erkennen, wie hoch der Maxtmalstand des Wassers gewesen ist; dieser höchste Stand trat nicht sofort am 26., sonoern etwa am 30. März ein, und heute, am 12. April, ist der Spiegel im Durchschnitt kaum mehr als 1 M. tiefer als vor 14 Tagen. Schuld daran sind 1) die lange Dauer der Nogatstopfung, welche erst,um den 7. April ein Ende nahm; 2) die Wasserverhältnisse im Frischen Haff, auf die wir später noch eingehen werden.
Hierzu kommt nun die ungemein tiefe Lage des Hinterlandes; dicht bei Elbing stehen heute noch Häuser in Menge bis an's Dach unter Wasser und dasselbe ist nach dem Drausenfee zu der Fall; die Zerstörung schreitet also jetzt noch fort und wenn das Wasser noch 2 Meter fällt, wird man erst sehen können, wie viel von diesen „Kathen" nachstürzen oder eingerissen werden müssen.
Der Hausschaben erscheint beim Durchfahren als der ausschließlich auffallende, weil eben der übrige Schaden noch unter Wasser liegt. Hier und da machten sich bedeutende Versandungsgebiete bemerklich. Von Zahlenangaben, betreffend Güterverlust, ist noch keine Rede. Die Zahl der verunglückten Menschen im Nogatgebiete wird auf fünf angegeben, darunter eine wahnsinnige Frau nebst ihrer Pflegerin, ein Bursche, der sich auf's Eis gewagt hat, und zwei andere, von deren Untergang ich die näheren Umstände noch nicht erfahren habe.
Wer nicht weiß, was solch eine Marschlandüberschwemmung zu bedeuten hat, kommt leicht auf den Gedanken, mit der ersten Gefahr fei auch der eigentliche Noth- stand in den überschwemmten Landesthetlen vorüber. Das auf den hiesigen Fall anzu- wenden, wäre, rote sich aus dem Obigen zur Genüge ergibt, vollkommen unrichtig. Die acht Quadratmeilen östlich der Nogat stehen noch heute und stehen noch wochenlang 2—4 Meter unter Wasser. Die Häuser sind, wo sie stehen blieben, zum großen Theile unbewohnbar. In vielen camptren die Besitzer mit ihrem Vieh auf dem Heuboden unter dem Strohdach, ohne Fenster, ohne Licht, die Nachen bringen ihnen noth- dürftige Nahrung für sich und ihre Thiere. In anderen war nicht einmal das möglich, die Leute mußten ausquartiert werden; man hat sie in Elbing und Marienburg, in einem höher gelegenen Dorfe, welches jetzt als Insel aus dem Fluthmeere hervorragt, und in den Orten, welche den Rand des Ueberschwemmungsgebiets umgeben, untergebracht. Die Verprovianttrung wird für die nächste Zett schwierig; die hochangclegten Wege kommen bald in den Zustand, wo sie noch nicht begangen werden können, wo aber auch kein Nachen mehr hinüber fahren kann. Die meisten von den Marsch-Insassen werden auf 14 Tage hinaus froh sein müssen, wenn sie trockenes Brot und etwa ein Stück Speck bekommen können und wenn das Dach über ihren Köpfen aushält. Kommt ein neuer Sturm, fo fallen noch viele Häuser. Und es kann Jult werden, ehe die tiefliegenden Felder leergepumpt sind. (K. Z )
UniverfitätS-Chronik.
Marburg, 17. April. Der Privaldocent in der philosophischen Facultät hierfelbst Herr Dr. Georg von Below, ist an die Universität Königsberg übergesiedelt/— Der 1. Kustos an der hiesigen Universitäts-Bibliothek, Herr Dr. Pietschmann, ist mit Anfang des Sommersemesters nach Göttingen und an dessen Stelle Herr Dr. P. Habrucker, bisher Kustos an der Königlichen und Universitäts-Bibliothek r zu Königsberg i. Pr„ nach hier versetzt worden.
Arbeitsveraccordirung.
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In Auftrag: Unger.
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Maurer- Pflaster- Schlosser- Weißbinvev Spengler-
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Mittwoch, den 23. April d. I., Nachmittags 2 Uhr, sollen folgende, an der Kirche und den Pfarr- gebäude» ,u Londorf erforderliche Ar- beiten versteigert werden: Dachdecker-Arbeit, veranschl.
Freitag, den 20. April L I.,
Nachmittags 2 Uhr, nm'teiaere ich in meiner Amtsstube: 2^Sophas, 1 Kommode, 1 Klnder- schrank, 1 Küchenschrank mit aufsatz, 4 Stühle, 1 ovalen Trsch, einen Regulator, 1 Spiegel, 8 Brlder und 1 Landuhr. MWei 3299 Gerichtsvollzieher.
Freitag, bet» 20. April d. I., Nachmittag» 2 Uhr, werden in der Gail'schen H vfraithe in der Sandgasse .
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gegen haare Zahlung versteigert._____
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Allgemeiner Anzeiger.
3251
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Das in hiesigem Gemeinbewald, Forstwartei Vorderwald unb Hmter- wald lagernde und zwar in ersterer 224 Stämme mit 12—26 cm nnttl. Durchm. und 5—20 m Lange, ca. 44 fm, sowie 76 Stämme in der Forst- mattet Hinterwald mit 12—26 cm nnttl. Durchm. und 5 20 m Länge, ca 24 fm, zusammen 68 fm, sollen auf dem Wege der Submission und unter den üblichen Bedingungen meistbietend verkauft werden. Es können für das ganze Holzquantum zusammen, sowie auch für das in den einzelnen Forstwarteien lagernde Holz dieser Gattung, Angebote stattfinden.
Submissionstermin ist auf Dienstag den 24. d. M., Mittags um 1 Uhr bestimmt und sind bis dahin die etwaigen Angebote, verfchloffen und^ mit ber Aufschrift verschm: „Submission aus Kiefern Bau- und Grubenholz an die unterzeichnete Stelle einzusenden.
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