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Nr. 166 Donnerstag den 19 Juki ^8

MWWW Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

teitrcou r Schul st raße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Tßeik.

Darmstadt, den 11. Juli 1888.

stressend: Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst im Herbst 1888.

Großherzogliche Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende:

Dr. Zeller.

4) Dem Gesuche find folgende Papiere beizusügen:

a. Geburtszettgrriß;

b. Eiuwrlliguttgs. Attest beS Vaters über Vormundes, mit der Erklärung über dessen Lcrntmiüigkeit und Fähigkeit den Frei- willigen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu betreiben, auszurüsten und zu verpflegen;

In diesem Attest darf die Erklärung des Vaters oder Vor- niundes, daß er in der Lage sei, den Freiwilligen während des einjährige,i Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen, auch muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein; e. ein Unbescholtenheitszeugnitz, welches von der Polizei-Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auSzustellen ist;

d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf

5) In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (Französisch, Englisch, Lateinisch oder Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will.

6) Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheits« zeugniß beizulegen.

gibt die Prümngs - Ordnung (Anl. 2 zur Ers.-Ordn. I. Theil der Wehr-

lieber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, Ordn, vom 28. Septbr. 1875 Neg.-Bl. Nr. 55 von 1875) Ausschluß.

Bezüglich des Prüfungs-Termins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt ev. weitere Bekanntmachung; auf fpecieöe Ladung kann nicht gerechnet werden.

Betreffend: Die Berichtigung der Forst- und Feldstrafen von der IH. Periode 1888/89. Gießen, am 17. Juli 1888.--------

Das Großherzogliche Kreismnt Gießen -

an die Großh

Bürgermeistereien des Kreises.

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_________________________________________________ Dr. Boekmann.

Ünttteffwiten gebracht. daß der Vorstand der Deutschen Buchdrucker-Berufsgenosienschaft den Herrn ^naenieur Fr. Hartung zu Fulda zum Beauftragten, und den Buchdruckereibesitzer Fr. Chr. Pietsch zu Gießen (m Mrma Rrü^ngenleur be®. Unfallv-rsicherungsgesetzes bezw. zu des Letzteren Stellvertreter den Buchdruckereibesitzer Louis L?cht1 n^erger sin Rrma Wilb' Keller) zu Greßen für den Bezirk des Kreises Gießen ernannt hat. ^.'^.rnverger zm tftrma Wrty.

Gießen, den 16. Juli 1888. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

______________________________ Dr. Boekmann.

Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Herbst 1888 stattfindenden rubr Vrüiuna .

hierdurch ausgefordert, ihre desfalsigen Gesuche um Zulassung bei Meldung des Ausschlusses von dieser Prüfung 9 * unterziehen, werden

spätestens bis ;um 1. August 1888

bei der unterzeichneten Commission einrureichen.

Hinsichtlich der Anbringung der Geiuche wird im Speciellen das Folgende bemerkt:

1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfnngs - Commission nur bann anzubringen, wenn der fich Meldende im Großherzogthum Hessen seinen bauernden Aufenthaltsort hat.

2) Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebens- jahr erfolgen.

3) Das Gesuch muß von dem Betreffenden s-lbst geschrieben sein. Auch encheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse an» gegeben wird.

Politische Rundschau

t t Gießen, 18. Juli.

, Wahrend der Zeit seines Aufenthaltes in Rußland residirt Kaiser Wilhelm in Schlotz Neu-Peterhof, der eigens zur Beherbergung des erlauchten Gastes des Ezaren )etz mit hochfurstücher Pracht ausgestalteten Sommerresidenz der russischen Katser- ^mtlte an der sinnlandischen Küste. Die Stadt Peterhof selbst zählt etwa 10,000 Einwohner und ist mit Petersburg durch Eisenbahnen und Dampfschifffahrt verbunden. Peter der Große gründete hier zuerst eine Sommerresidenz, um welche dann allmälich eüie Stadt entstand; das kaiserliche Schloß liegt auf einem terrassenförmig sich zum Meere^ hinzrehenden Terrain und ist von herrlichen, sehr weitläufigen Gärten im Style

11 umgeben. Hier wird also Kaiser Wilhelm mit seinem engeren Gefolge

dis Anfang nächster Woche wohnen; während seines Aufenthaltes sollen vorzugsweise militärische Festlichkeiten ihm zu Ehren stattfinden, deren Mittelpunkt eine große Revue über die russischen Gardetruppen auf dem berühmten Manöverfelde von Krasnoje-Selo bilden wird.

Obwohl über den eminenten Friedenscharacter der jetzigen Kaiserbcgegnung fast k ltur- ®me Stimme herrscht, so lauten doch die Meinungen über bestimmte Er- gebniffe derselben überwiegend weniger optimistisch und characteristischer Weise vertritt gerade die russische Presse diese Richtung. So meint die bekannteRowoje-Wremja" der Wunsch des russischen Volkes gehe allgemein dahin, mit Deutschland in Frieden «unbfd)aft )u leben, aber das Berliner Cabinet müsse den unabänderlichen Ent- Ichluß Rußlands berücksichtigen, sich für alle internationalen Fragen vollkommene Frei- Jett und eine selbstständige Politik vorzubehalten. Die deutsche Regierung wisse, daß oieser Entschluß Rußlands begründet sei, denn ihre internationale Politik ruhe ebenfalls

und Selbstständigkeit wie auf einem Ecksteine. Die Petersburger sWjedomostt" sagt, der Optimismus in den Anschauungen, die angesichts der Entrevue zu Tage treten, entspräche kaum der wirklichen Sachlage und im ähnlichen Sinne urthetlt

auch die übrige panslavistische Presse Rußlands über die Kaiserzusammenkunft. Offenbar kann die panslavistische Partei sich mit diesem für die Erhaltung des Weltfriedens so hochbedeutsamen Ereignisse noch nicht recht abfinden, daher das Bestreben, seine Be­deutung möglichst zu verkleinern, Bestrebungen, die glücklicher Weise an dem von aller Welt anerkannten Character der Begegnung zwischen den Herrschern von Deutschland und Rußland nichts zu ändern vermögen.

Das Programm der nordischen Reise Kaiser Wilhelms hat die bereits angekün­digte Erweiterung erfahren, indem der Kaiser auf der Heimfahrt von Rußland auch bei den Höfen von Stockholm und Kopenhagen vorsprechen wird, wie jetzt offtctell bestätigt wird. Namentlich der Abstecher des deutschen Monarchen nach der Hauptstadt Dänemarks ist von specieller Bedeutung, denn aus dem bevorstehenden Besuche Wilhelms IL in Kopenhagen erhellt klar, daß der scharfe nationale Gegensatz zwischen Deutschland und Dänemark, wie er wiederum infolge des für letzteres Land so verlustreichen Krieges von 1864 zur Geltung kam, nun doch mehr und mehr im Verschwinden begriffen ist und hoffentlich wird sich an das Erscheinen unseres Kaisers in der dänischen Haupt­stadt ein freundnachbarliches Verhältniß zwischen Deutschland und Dänemark, wie ein solches den einander in vieler Beziehung deckenden Interessen beider Länder nur ent­sprechen würde, anknüpfen. In beiden Hauptstädten haben die Vorbereitungen zum Empfange des kaiserlichen Gastes bereits begonnen, doch wird sein Aufenthalt in Stock­holm wie in Kopenhagen ein verhältnißmäßig nur kurzer sein. Ob Kaiser Wilhelm in Stockholm mit dem sächsischen Königspaare zusammentrifft, welches zur Zeit be­kanntlich auf einem Ausfluge in das Innere Scandinaviens begriffen ist, erscheint noch ungewiß.

Die kaiserliche Eabinetsordre, durch welche der Prinz Georg von Sachse» zum General-Feldmarschall und General-Jnspecteur der 2. Armee-Jnspection ernannt wird, liegt jetzt im Wortlaute vor. Sie erinnert daran, daß die militärischen Leistungen des Prinzen in Krieg wie Frieden schon von Kaiser Wilhelm I. hochgeschätzt wurden.