Ausgabe 
18.2.1888
 
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Zeitige zu Nr. 42 des ,Achmer Anzeiger".

Deutschland.

Berlin, 15. Februar, lieber die von Dr. Bramann in San Remo vorgenon m-ne Operation, welche unter den vorliegenden Verhältnissen eine chirur­gische Glanzleistung war, sowie über die Umstände, wodurch sie bedingt wurde, werden derNat.-Ztg." nachträglich folgende Einzelheiten mitgetheilt:

Die Aihemnoth hatte schon 14 Tage zuvor begonnen und sich täglich ge­steigert. Sie erreichte am 4. Februar eine solche Höhe, daß seitdem keine Spaziergänge, sondern nur noch Ausfahrten möglich waren. Seit dem 7. Febr. war sie hochgradig, besonders in den Nächten. Am 9. Februar früh wurde Dr. Bramann berufen, das Consilium erklärte die Tracheotomie für baldigst nothwendig und es wurde an Profeffor Bergmann telegrapdtrt. Vormittags trat eine weitere Steigerung der Alhemnoth ein. Um 3 Uhr Nachmittags erklärten die Aerzte, daß man keinen Augenblick mehr warten könne. Der Kronprinz hat diese Ankündigung mit standhastester Ergebung ausgenommen. Halten Sie es sür nothwendig, so bin ich sofort bereit", sagte er. Auch mit der Anwendung des Chloroforms war, trotz Mackenzie's Widerspruch, der Kron­prinz einverstanden. Der Bart blieb unversehrt. Dr. Bramann machte einen Schnitt, der fast fingerlang ist, vom unteren Ende des Kehlkopfes bis in die Näße des Brustbeines. Nach Stillung des Blutes und her Eröffnung dec Luftröhre wurde sofort die silberne Canüle eingeschoben. Die Operation dauerte mit der Narkose 20 Minuten. Der Blutoorluft war sehr geringfügig, er betrug etwa einen Kaffeelöffel voll. Als der Verband fertig war, erwachte der hohe Patient und dankte den Aerzten, und diese wieder dankten Dr. Bramann sür die glückliche Ausführung. Der Kronprinz har das Chloroform gut vertragen und war ohne Schmerzen. Die Alhemnoth war sofort beseitigt. Der Wuno- verlauf ist, wie bekannt, günstig.

Zu obigen Angaben, welche aus zuverlässigster Quelle kommen, bemerkt dieNat.'Ztg." weiter:

lieber die Steigerung der Athemnoth ist noch hinzuzusügen, daß nach un­widersprochenen Angaben Mackenzie schon zwei Tage vor her Operation nach London meldete, dieselbe wecde baldigst stattfinden muffen. Profeffor Bergmann aber wurde erst berufen, al- er unmöglich zur rechten Zeit in San Remo eintreffen tonnte. Nur der Befehl des Kaisers hat bewirkt, daß ec dennoch dort ist.

Arankreich.

Daris, 13. Februar. Am 7. d. Mtü. find in der Abgeordnetenkammer recht erbauliche Dinge über die Zustände in der Marine zur Sprache gekommen, welche zu der Hoffnung berechtigen, daß die Franzosen ihren Kriegsetfer wohl noch einige Zeit zügeln werden. Der frühere Marineminister Mally war es, der diese Enthüllungen machte. Wie er mittheilt, seien von den etwa 80 Tor­pedobooten, die Frankreich besitzt, nur 7 im Stande, die hohe See zu befahren, 16 andere seien leidlich brauchbar, die übrigen verdorben. Die Privatwersten hätten den Staat schändlich betrogen und die Marinebeamten von ihnen Schiffs angenommen, die nur dazu gut seien, die Seeleute in den Grund zu fahren. Em Kriegsschiff wurde angenommen, an welchem die Bolzen aus Blei statt aus Eisen waren. (Große Bewegung: der Minister erklärt, es handle sich nur um ein kleines Fahrzeug, das erst endgiltig abgenommen wurde, nachdem die Mängel aus Kosten der Lieferanten im Arsenal amgebeffert waren) In Brest wuide ein Schleppdampfer vom Prüfungsausschuß zurückgewiesen; der Liefernde be- schwerde sich beim Minister, der telegraphisch die Annahme befahl. Die Mittel 1

zur Vollendung der im Bau befindlichen Kriegsschiffe seien größtentheils ver­ausgabt, die Sck ffe aber bei Weitem nicht vollendet. Kein einziges neue- großes Panzerschiff sei kriegsbereit. In Toulon fehlen 14 Geschütze her Hafen- batlerte; noch schlimmer fei die Lage in Rochefort und Lorient, vollends ganz bedenklich in Cherbourg, das noch keine Mörser habe. Der Marineminister Krantz und ein Rrgierungskommiffär sprachen beruhigend, bezeichneten die schlechten Lieferungen als unerheblich, kündigten an, daß die Mörser sür Cherbourg fertig seien und versprachen, daß man rührig am Instand,etzen der Flotte arbeiten werde; jedoch wies der Minister den Vorschlag des Budgetaussch'.'ffes, in diesem Jahre statt dec geforderten 17 Millionen 20 V2 auf Ftottenbauten zu verwenden und den Mehrbetrag aus dem Erlös für altes Geräts) zu ziehen, mit dem Be­merken zurück, dieser Erlös werde höhstens 1V2 Millionen betragen. Der Be­richterstatter sprach die Hoffnung aus, her Mmister werde einen NachtragSbedars verlangen. Furcy beantragte die Ernennung eines Untersuchungsausschusses von 11 Mitgliedern zur Prüfung der enthüllten scandalösen Dinge; die Kammer erkannte dem Anträge jedoch feine Dringlichkeit zu. Der Mtlitärgesetzausschuß des Senats beschloß unter dem Vorsitze des Herrn de Fr^ycinet, die Ausdehnung der Wehrpflicht bi- zum 45. Lebensjahre vonufchlaaen.

Die allgemeine Wehrpflicht und die Lebensversicherung.

Die Statuten nahezu aller Lebensoersicherungsanstalten behandeln den Kriegsfall als ein Ereignitz, welches den Lebensversicherungsoertrag außer Kraft setzt. Es läßt sich aber nicht verkennen, daß darin eine gewisse Härte liegt und daß der mit der Ver­sicherung angestrebte Zweck verfehlt wird, wenn dieselbe gerade im dringendsten Nothsall ihre segensreiche Wirkung »erfaßt. Jene Ungerechtigkeit steigert sich in dem Maße, je mehr die hauptsächlich versichernde männliche Bevölkerung durch die Ausdehnung der allgemeinen Wehrpflicht in Anspruch genommen wird. Man hat daher im Laufe der Zeit durch Einführung der sog.KriegsversichAmg" dem Uebelstande abzuhelfen ver­sucht; jedoch vermag auch diese Einrichtung,^Kelche ziemlich hohe Pramienzuschlage bis zu 10 Procent der Versicherungssumme erheischt und allerlei erschwerende Bestimmungen bezüglich der Höhe der aufrecht zu erhaltenden Versicherungssumme und hinsichtlich der zu beobachtenden Fristen mit sich bringt, den Verlust so mancher Ver­sicherung nicht zu verhindern. Die Lebensversicherungsbank für Deutschland in Gotha ist daher bei der neuerlich vorgenommenen Revision ihrer Verfassung der Frage näher getreten, ob sich das Kriegsrisiko wenigstens für alle Diejenigen, welche infolge der allgemeinen Wehrpflicht vor den Feind kommen, ohne Weiteres übernehmen lasse, und sie hat, nachdem eine sorgfältige Erwägung aller Verhältnisse dargethan, daß die in's Auge gefaßte Maßregel für eine so sicher fundirtc, mit einem starken Stamm älterer Versicherungen und einem reichlichen Sicherheitsfonds ausgestattete Anstalt wohl un­bedenklich sei, nicht gezögert, diese ebenso zeitgemäße als bedeutsame Reform in's Werk zu setzen. Sie übernimmt also von jetzt an die Kriegsgefahr für alle ihre kraft der allgemeinen Wehrpflicht zum Dienst herangezogenen Theilhaber und für die Nicht- Eombattanten unter den Berufssoldaten ohne jede Gegenleistung und fordert auch von Combattanten unter den letzteren nämlich von den Ofsizieren und Kapitulanten der Linie fortan nur eine geringfügige jährliche Zufchlagpramie drei vom Taufend der Versicherungsfumme für die Aufrechterhaltung der bereits in Kraft getretenen Versicherungen im Kriege. Die Lebensoersicherungsbank für Deutschland hat hiermit die einzige Lösung dieser für unzählige Familien so folgen­schweren Frage gefunden, welche den im Bankgebiete Deutschland, Oesterreich und Schweiz herrschenden gesetzlichen Wehrzuständen sich .vollkommen anpatzt und allen Ansprüchen der Gerechtigkeit und Billigkeit aus's beste Genüge leistet, ohne für den eigenen Bestand der Anstalt gefährlich zu sein. Wir zweifeln nicht, daß die aufcey- ordentliche Bedeutung dieser Reform von den Interessenten voll erfaßt werden wird^

^chtsfsn ach richte n.

Bremen, 15. Februar. [Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Werra, Eapt. R. Bussius, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 4. Februar von Bremen und am 6. Februar von Southampton abgegangen war, ' ist gestern 1 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bekanntmachung.

Die am 11. April dieses Jahres frei werdende Wohnung im unteren Stock der ehemals Benn er'scheu Besitzung aus der Nordanlage, be­stehend in 4 Zimmern, Küche u. s. w., und einem großen Theile des dabei befindlichen Gartens soll DienStag, -en 21. d. M., Bormittags 10 Uhr, im Bürgermeisterei-Bureau vermiethet werden.

Gießen, den 14. Februar 1888. Großh- Bürgermeisterei Gießen.

A. Bramm. 1348

Nntzholz- verfteigerung.

Freitag, 24. Februar er., soll in hiesigem Gemeindewald folgen­des Holz öffentlich versteigert werden: 59 Eichen - Stämme von 3 bis 14 m

Länge und 30 bis 78 cm mittlerem Durchmesser mit 62,21 fm. t. I.

Zusammenkunft Vormittags 10 Uhr an der Haustädter Mühle.

Das Holz eignet sich theilweise zu Glaser- und Schreinerholz.

Waldgirmes, den 15. Febr. 1888.

, Der Bürgermeister: 1343 Bernhardt.

1292 Ein kräftiges Mädchen für Hausarbeit gesucht.

Näheres in der Expedition d. Bl.

Allgemeiner Anzeiger.

Holzversteigerungen.

In der Iiirftlichen Odersörslcrei Hohensolms

soll nachverzeichnetes Holz an Ort und Stelle versteigert werden:

1. Montag den 20. d. M. in den Districten Scheuernwald, Lappenberg und Pfaffenstrauch:

251 Raummeter Buchen-Scheitholz I. Klasse,

93 Buchen- und Eichen-Prügelholz,

180 , ,, Stockholz,

5830 Wellen Reisholz.

n. Dienstag den 21. d. MtS. in denselben Distr.icten und dem District Eichelsberg: * ~ _

167 Eichen-Stämme I., II. und III. Klasse mit 73,43 Festmeter, zu Schnitt-, Bau-, Wagner- und Grubenholz geeignet,

2 Buchen-Schnitt-Stämme mit 2,17 Festmeter,

18 Fichten- und Kiefern-Bau-Stämme mit 5,51 Festmeter,

193 Fichten-Leiterbäume. . .

Die Zusammenkunft und der Anfang der Versteigerungen ist jedesmal Morgens 9Va Uhr im District Scheuernwald am Teich.

m. Montag den 27. d Mts. in den Districten Buchenberg und Fuchslöcher:

2 Lärchen-Bau-Stämme mit 2,02 Festmeter,

91 Kiefern-Stämme mit 16,99 Festmeter, zu Bau- und Grubenholz geeignet, _

66 Fichten- und Kiefern-Stangen mit 6,24 Festmeter, zu Sparren und Leiterbäumen geeignet,

12 Raummeter Fichten- und Kiefern-Prügelholz,

41 Stockholz,

1450 Wellen Reisholz. , .

Der Anfang der Versteigerung ist Morgens 10 Uhr im Drstrrct Buchenberg zunächst Altenstädten und wird Mittags 1 Uhr im Drstrrct Fuchslöcher fortgesetzt.

Hohensolms, den 8. Februar 1888.

Fürstliche Obersörsterei.

Rietsch. 1173

Holzversteigerung.

Donnerstag, den 23. Febr. L I., soll im hiesigen Gemeindewald, District Dorfwiese, nachverzeichneter Holz versteigert werden, als:

45 Eichen-Stämme mit 22 Festm.,

35 Nadel-Stämme mit 19,96 Festm., 6 Buchen-Stämme mit 8,85 Festm., 52 Eichen-Stangen mit 3,69 Festm., 33 Nadel-Stangen mit 5,33 Festm., 215 Rmtr. Buchen-Scheitholz,

6 Eichen-

28 Buchen-Knüppel,

19 Eichen-

82 Buchen-Stöcke,

26 Eichen- und Nadel-Stöcke,

46V2 Hundert Buchen-Wellen,

29 Hundert Eichen- u. Nadel-Wellen.

Der Anfang ist bei der Dorfwiese Vormittags um 97a Uhr.

Großen-Buseck, am 15. Febr. 1888. Gr. Bürgermeisterei Großen-Buseck.

Stephan. 1342

Gebrüder Gehrig,

Hoflieferanten, Berlin SW., Besselstratze 16, empfehlen allen Müttern für am Zahnen leidende Kinder ihre seit Jahren bewährten [975

Zahnhalsbändel.

In Kietzen acht zu haben bei Ohr. Ludw. Thomas,

Neuen Baue 10._______