Ausgabe 
17.11.1888
 
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nicht recht glaublich, daß Herr v. Erlanger nicht zu Gunsten des Denkmals für den ÄLeubegründer des Deutschen Reiches von seinem allerdings guten Recht für seine Stiftung den einmal bestimmten Platz zu behaupten, zurückgetreten lei. Es verlautet übrigens ferner, daß man mit dem Eifenbahnfiskus verhandele behufs Vergrößerung des freien Platzes vor dem Hauptbahnhof, auf dem das Kaiser-Monument Ausstellung finden soll. Der letztere Plag ist nicht im Mindesten schlechter als der Kaiserplatz, im Gegenlhetl, das Denkmal wird vor unserem großartigen Hauptbahnhof, auf dem Tausende von Fremden jährlich etntreffen, noch mehr gesehen und bewundert werden, als vor dem Frankfurter Hof und wenn auch im Augenblick die Umgebung des Bahn­hofs noch wüst und leer aussieht, so wird bis zur Vollendung des Denkmals dort eine solche Wandlung eingetreten fein, daß man dreist behaupten kann, das Kaiser-Denkmal habe einen vortrefflichen und schönen Platz erhalten.

Roch eine zweite Platzfrage verursacht hier in bestimmten Kreisen arges Kopfzerbrechen, nämlich jene bezüglich Aufstellung des aus den Ueberschüssen des Iubiläumsschtetzens zu errichtenden Springbrunnens. Die Angen mehrerer Herren, die in der Sache mitzureden haben, richteten sich nach dem minder gut behan­delten Ostende der Stadt. Vor dem Zoologischen Garten sollte nach dem Wunsche derselben der Brunnen Aufstellung finden; nun haben aber Andere entdeckt, daß der Platz für dies schutzenfestliche Erinnerungszeichen zu groß sei, denn für 60 000 JL könne man nicht sonderlich Hervorragendes schaffen. Ein Entschluß ist noch nicht gefaßt, die Befürchtung ist aber nicht unbegründet, daß das Ostende wiederum leer ausgehen wird.

+ Bockenheim, 15. November. Am 23. d. M. feiert das seit 15Jahren hier garnisontrende 1. Hessische Husaren-Regtment Nr. 13 die 200. Wiederkehr des Taaes der Gründung des Regiments und den 75.Jahreslag der Neubildung. An alle oirecten Vorgesetzten, die Armeeinspecteure, die actioen ehemaligen Offiziere, sowie die Reserveoffiziere des Regiments ergingen Einladungen. Die in Mainz liegenden Eskadronen des Regiments begehen die Feier am 23. November. Die Reserve­offiziere des Regiments werden dnen Münzhumpen widmen, welcher die Münzen der deutschen Staaten und Fürste, HL lser in Originalstücken trägt und dessen Deckel die nachgebildeten Offizierseml l me des Regiments zieren. Der Humpen wird gefertigt in dem Juwelengeschäft von Ad. Schellenberg in Wiesbaden.

Zu dem großen Postdiebstahl wird aus Berlin, 12. November, weiter mitgetheilt, daß Criminalcommissar Zillmann am Samstag Mittag mit dem inhalt- schwercn Koffer, welcher die noch s.hlende halbe Mill. Lire enthielt, aus Hamburg in Berlin eingetroffen ist. Der Beamte hatte sich nach Ablieferung der Diebe und des Hehlers Fritzsche am Samstag nach Hamburg zurückbegeben und theilte dem zustän­digen Amtsrichter daselbst mit, daß der verhaftete Brunn ein Geständniß abgelegt habe, wonach er die Werthpapiere auf dem Boden des Hauses an den Kurzen Mühren, wo er wohnte, versteckt habe. Daraus wurde auf dem Boden des bezeichneten Hauses eine Durchsuchung vorgenommen, welche über eine Stunde in Anspruch nahm und ergebnißlos verlausen zu sollen schien, als plötzlich der Commissar aus Berlin eine Doppelbretterwand entdeckte. Dieselbe wurde ausgebrochen, und hinter dieser sand man den Schatz versteckt vor. In dem Koffer winden außer der halben Million ttalienischer Rente noch eine große Anzahl von Wechseln und Checks in beträchtlicher Höhe vor­gefunden ; Coupons ober baares Geld enthielt der Koffer nicht. Die Untersuchung in Sachen des Postdiebstahls, soweit es die Diebe angeht, dürfte damit erledigt fein; allein es sind nunmehr weitere Nachforschungen durch die Polizei angestellt worden, um zu ermitteln, ob sich auch andere Personen der Mitwissenschast bezw. der Hehlerei schuldig gemacht haben. Was die ausgesetzte Belohnung von 10,000 betrifft, so wirb biefelbe nicht ein Einzelner erhalten, fonbern sie wird unter viele Beamte ver- theilt werben', wobei bas Hamburger und das Berliner Polizeipräsidium voraussicht­lich in gleicher Weise berücksichtigt werden dürsten. Der Hamburger Polizei gehört das Verdienst, die Gauner dingfest gemacht zu haben, die leitenden Gesichtspunkte aber wurden auf telegraphischem Wege von Berlin aus gegeben. Wäre übrigens die Wiedererlangung der damals noch fehlenden Werthe neulich nicht gelungen, so würde an demselben Tage die ausgesetzte Prämie von der englischen Versicherungs-Gesellschaft verdoppelt worden sein.

sErn König ohne G eburtssch ein.] Die französische Fremdenoerord­nung, welche oorschreibt, daß jeder Ausländer sich mit seinem Geburtsschein und Passe versehen bei der Polizeibehörde anmelde, bringt Manchen in schwere Verlegenheit, auch den ehemaligen König von Neapel, Franz II., welcher seit Langem inmitten des lauten Paris still und unbemerkt lebte. Dieser entthronte Herrscher kann der Verordnung nicht nachkommen, denn er besitzt weder einen Geburtsschein noch einen Paß und er kann bjefc Papiere auch nicht bekommen, denn er müßte sie von der italienischen Re­gierung verlangen, und bas kann er nicht thun, ohne dieselbe thatsächlich anzuerkennen. Es bleibt ihm also nichts übrig, als die Anmeldung zu unterlassen und die Ausweisung zu gewärtigen, falls die französischen Behörden nicht geneigt sein- sollten, gegen einen König ohne Papiere Nachsicht zu üben.

Ein origineller Wahrspruch eines Todtendefchauers über einen bei Sälsette vor einigen Tagen von einem Tiger getöbteten Eingeborenen findet sich in einer von der Londoner naturgeschichtlichen Gesellschaft verlesenen Abhandlung: Der Pando starb daran, baß der Tiger ihn auffraß ; eine andere Ursache seines Todes ist nicht auhufinben. Es blieben von ihm nur einige Finger zurück, kbie vermuthlich zur rechten oder zur linken Hand gehört haben.

Landwirthschaftliche Nachrichten.

(Nachdruck verboten.)

Die zweckmäßigste Verwerthung angefaulter Kartoffeln ist doch unbedingt die Verfütterung derselben an das Vieh, da beim Verkauf an Brennereien ein gar zu

niedriger Preis dafür gezahlt wird, daß man besser daran thut, sie zu verfüttern; nur darf dies nicht so ohne Weiteres in rohem Zustande geschehen, da sie bann schädlich für das Vieh sind und sich überdies auch nicht lange halten würben. Am besten werben größere Mengen Kartoffeln dadurch conservirt, wenn dieselben gekocht ober gedämpft in Gruben etngeschlagen werden. Es werben dazu, je nach dem Stande des Grund­wassers, zwei bis vier Meter tiefe und dementsprechend breite Gruben in der Form eines Kegelstutzes gemacht, dieselben brauchen nicht unbedingt ausgemauert zu werben, doch ist dies der größeren Haltbarkeit wegen sehr zu empfehlen. Dann werden die Kartoffeln gut gekocht und gedämpft und, sobald sie etwas abgekühlt sind, in die Grube gethan und schichtenweise fest eingetreten, beziehungsweise eingeftampft. Größere Faul­stellen müssen vorher ausgeschnitten werden, da sonst die ganze Masse einen schlechten Geruch und unangenehmen Beigeschmack erhalten könnte, man kann derselben mit Vor- theil auch etwas Kochsalz zusetzen. Die Hauptsache ist, daß die Grube sobald als möglich gefüllt werde und daß sich feine Hohlräume bilden, da die Luft dann zu den Kartoffeln gelangen kann und diese dadurch verderben. Wenn die Grube voll ist, wobei die Kartoffelmasse über den Rand noch etwas vorstehen muß, so wird das Ganze mit einer 11,5 Meter starken Erdschicht kegelförmig zugedeckt. Nun muß man ebenso wie bei der Bereitung anderen Sauerfutters strenge darauf achten, daß die Erddecke immer fest beisammen bleibt. Wenn sich bann In Folge Senkung ber Kartoffelmasfe im Erdmantel Riffe zeigen, so müssen dieselben sofort geschloffen werden, damit zu den Kartoffeln keine Luft gelangen kann. Die auf diese Art zubereiteten Kartoffeln sind ein gesundes und gutes Futter und halten sich lange Zeil, weshalb wir den Land- wirthen einen Versuch damit nur empfehlen können, da dieselben bann ein gutes Winterfutter geben und sehr gute Dienste bei zu befürchtenbem Futtermangel leisten, dessen Eintritt ja doch bekanntlich das Schlimmste ist, was einem Landmann pafsiren kann.

Gchiff-uatprichteu.

Bremen, 15. Noobr. (Per transatlantischen Telegraph.] Der Schnelldampfer Fulda, Capt. R. Ringk, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 3. November von Bremen und am 4. November von Southampton abgegangen war,, ist gestern 3 Uhr Morgens wohlbehalten in Newnork angekommen.

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Für die Abgebrannten in Hünfeld

gingen ferner bei uns ein: Bei einer kleinen Hochzeitsfeter in Gießen gesammelt 3.02 Jt, insgesammt 279.02 JL

Weitere Beiträge nimmt gerne entgegen

Die Exped. d.Gießener Anzeiger".

Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

25. Sonntag nach Trinitatis, den 18. November: Vormittags 9% Uhr: Pfarrer Di ngeldey.

Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Schlosser.

Beichte und heiliges Abendmahl im Abendgottesdienst- Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Schlosser.

Bibel stunde: Montag den 19. November, Abends 8 Uhr, in der Kleinkinder- schule, 1. Mos. Kap- 68, Noah und die Sündfluth, Trost und Strafgericht. Pfarrer Dr. Naumann.

w Am Sonntag den 25. November, als den Tobten so nntag, feiern wir das Gebächtniß der Verstorbenen; an diesem Sonntag wird der Nachmirragsgottes- dienft um 2'/s Uhr in der Friebhofskapelle und eine Abenbanbacht um 6 Uhr in der Kirche gehalten.

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 18. bis 24. November besorgt Pfarrer Dingel de y.

Katholische Gemeinde.

26. (Sonntag nach Pfingsten.

Samstag: Nachmittags um 4 Uhr und Abends um Vr8 Uhr Gelegenheit

zur hl. Beichte.

Sonntag: Morgens von 6 Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; um 7 Uhr

Frühmesse; um VzlO Uhr Hochamt mit Predigt; Nachmittags um 3 Uhr sacramentalische Brüderschaftsandacht mit Predigt.

Gottesdienst in der Synagoge.

Freitag Abend 400 Uhr, Samstag Morgen 880 Uhr, Samstag Mittag 3°o Uhr- Samstag Abend 500.

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