unb gute Beziehungen unter den Völkern erheischen, werden Sie die Erinnerung an den brüderlichen Empfang bewahren, welchen dreie edle republikanische Stadl bereitet. Sie werden Ihren Mitbürgern sagen, datz Sie Leute gesunden Haden, bte entschlossen sind, die Einrichtungen des Landes zu vertheidrgen und die sich nicht verführen lassen durch trügerische und lärmende Unternehmungen. Sie werden das Gefühl mit sich nehmen, day die Geschicke Frankreichs unlöslich mit denjenigen der Republik verbunden sind. Vor einem Jahrhundert war Frankreich ebenfalls geeinigt in brüderlicher Umarmung, um die nationale Solidarität zu verkünden. Mögen dieselben Gefühle sie and) jetzt beherrschen! Nichts könnte die französische Bevölkerung mehr erfreuen und daS Vaterland kräftigen." — Präsident Earnot kehrte um 11 Uhr nach dem Elysee zurück. Die Straßen waren am Abend sehr belebt, namentlich die Place de la Eoncorde war von einer großen Menschenmenge angefüllt. Irgendwelche Zwischenfälle kamen nicht vor.
PariS, 15. Juli. Trotz der Straßenanschläge, durch welche die Boulangisten aufgeforderl waren, sich gellem Abend auf der Place de la Eoncorde cinzufinden, fand keine größere Kundgebung statt. Die Manifestationen beschränkten sich auf das Absingen einiger boulangtsttscher Lieder, mit welchen einzelne Trupps die Straßen durchzogen. Nur im Quartier Latin kam es mit Studenten zu einem thatsächlichen Zusammenstoß, wobei ein Student verwundet wurde.
Pari-, 15. Juli. Der Fürst von Montenegro ist hier eingetroffen.
Petersburg, 15. Juli. Dem Vernehmen nach kehren die Uebungsgeichwader und das Scheeren-Geschwader morgen von Kronstadt zurück, um an der Fahrt dem Kaiser Wilhelm entgegen Theil zu nehmen. Während der Anwesenheit des Kaisers Wilhelm in Rußland werden zu Sc. Majestät kommandirt der General-Adjutant Glinka Mawrin, der General-Major ä la suite Fürst Orlow und der Obrist Flügel-Adjutant EKaf Schuwalow.
Petersburgs 15. Juli. Für den Aufenthalt des Kaisers Wilhelm II. werden die Räume bes Saflosses Reu-Peterhos in Stand gesetzt. Gerüchtweise heißt es, Kaiser Alexander III. werde aus dem Kriegsschiffe „General-Admiral", auf welchem, und nicht auf der „Dershawa", er seine Reise nach den finnischen ^cheeren angetreten, dem Kaiser Wilhelm auf offener See entgegenfahren.
Lokales.
Gießen, 16. Juli. Die Jahresfeier der Großh. Hess. Ludewigs-Unioersität findet am nächsten Samstag den 21. Juli, Vormittags 11 Uhr, in der großen Aula des Eollegiengebäudes nach folgendem Programm statt: 1) Instrumentalmusik, 2) Gesang a capelia des akademischen Gesangvereins (Mendelssohn), 3) Festrede des Rectors, 4) Gesang wie vorher (N. Wagner), 5) Jnstru mentalmusik.
Gießen, 16. Juli. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 19. Juli 1888, Nachmittags 4 Uhr.
1. Vergebung der Hast'ichen Stiftungsztnsen.
2. Gesuch des Fr. Ulrich um Ertheilung der Concession zum Wirthschafts- betrteb.
3. Den Ausbau der Lonystraße.
4. Gesuch des Ehr. Petri V. um Erlaubniß zur Anlegung einer Rohrleitung nach dem Schoorgraben. i
5. Gesuch des Hch. Faß dahier um Erlaubniß zur Anlage einer Entwässerung.
6. Gesuch des Emil Kalbfleisch um Bauerlaubniß.
7. Gesuch des Christian Frulig um Erlaubniß zur Anlegung eines Ltcht- schachts.
8. Desgl. des Friedrich Kühn.
9. Festsetzung der Baufluchtlinien für die Kaplansgasse.
10. Pflasterung in der Bahnhofstraße.
11. Gesuch des E. H. Müller um Bauerlaubniß in der Weserstraße.
12. Das Octroireglement der Stadt Gießen.
13. Die Verwerthung von Etchenstammholz im Gießener Stadtwald.
14. Verbesserung der Feldwege.
15. Reinhaltung der Straßen.
16. Gesuch des F. Reimer um Erlaubniß zur Anbringung eines Glaskastens.
17. Den durch den Garten des Kupferschmieds Zimmer ziehenden Graben.
18. Gesuch um Pflasterung eines Gäßchens auf Dem Neuenweg.
19. Anbringung von Abschlußzungen an den Schlammfängen.
20. Pachtvertrag mit Konrad Atzbach wegen der Sandgrube im Distrtct Neuheege.
21. Kostendecreturen.
22. Gesuch des Stenographenoereins um Ueberlassung eines Lokals für Unterrichtszwecke.
23. Das Schlachthaus betreffend.
Gießen, 16. Juli. Das gestern in Stein's Garten stattgehabte Wohlthätig- keits-Eoncert der hiesigen Männer-Gesangvereine, welches dieselben zum Besten der Ueberschwemmten an der Nahe und in dec H^r, schäft Itter veranstaltet hatten, war nicht in dem Maße besucht, wie man in Berücksichtigung des guten Zweckes und der in den beteiligten Kreisen gemachten Anstrengungen wohl zu erwarten berechtigt war. Mochten vielleicht an dem nicht befriedigenden Besuche des Eoncertes theilweise die hohen Eintrittspreise mit schuld sein, so mußte auch das gestern ausnahmsweise wieder einmal herrschende schöne Wetter, bei welchem ein großer Theil unserer Einwohnerschaft einen Gang in's Freie dem Aufenthalt in einem Eoncertlokal vorzog, mit in Berücksichtigung gezogen werden.
UniDtrfftäti > Ghrouik.
Greifswald, 14. Juli. Der Professor der Anatomie, Dr. Ludwig Julius Budge, ist heute Vormittag gestorben.
Vermischtes.
A Mainz, 15. Juli. Die Untersuchung über die mehrerwähnte Katastrophe in einer biejigen Badeanstalt hat einen derartigen Verlauf genommen, daß gegen den mit der Beaufsichtigung der Badehäuser beauftragten städtischen Hafenmeister unb dessen Gehülfen die Anklage wegen fahrlässiger Tödtung erhoben worben ist.
— Mainz ist eben der Zusammenkunftsort der gewerblichen Verbände. Nachdem die Müller, Eonditoren, Seifenfabrikanten in diesem Sommer schon hier getagt haben, werden in den nächsten Wochen noch die deutschen Landwirthe und der Verbandstag der Gastwirthe hier zusammentreten.
— Die vor einiger Zeit hier gegründete Genossenschaftsschlächterei des land- wirthschaftlichen Vereins, welche sich anfänglich eines ziemlich bedeutenden Zuspruches der hiesigen Bevölkerung zu erfreuen hatte, hat durch die hohen Fletschpreise, welche sie in der letzten Zeit angesetzt, bereits begonnen, die Sympathien bei dem consumirenden Publikum zu verlieren. Eine Untersuchung, welche gegen die Genossenschaft, weil sie ohne es zu beclariren, Facrenochsenfleisch zum Verkauf brachte, eingeleitet worben ist, hat bas Vertrauen zu berfelben ganz hinfällig gemacht.
— Eine um biese Jahreszeit auffällige Erscheinung ist der bichte Nebel, den man zur Zeit Morgens über ben Rhein ausgebreitet sieht. Es ist bies eine Folge ber fortwährenben Nieberschläge.
A Aus Rheinhessen, 15. Juli. Nach einer Mittheilung der „Oppenheimer Lanbskr." beabsichtigt ber Weinhänbler ManSkopf von Frankfurt, bie bekannte Oppenheimer Ruine „zur Landskronc" käuflich zu erwerben unb wieder stilgerecht aufbauen zu lassen. Der gedachte Herr sei bereits bei dem Großh. Ministerium vorstellig geworden, unb sei zu erwarten, baß feine Schwierigkeiten im Wege stäuben, zumal bie Ruine, welche Großh. Haus- und Familieneigenthum ist, nur Unterhaltungskosten verursacht und Herr Manskopf auch geneigt sei, dem Publikum an mehreren Wochentagen den Zutritt zu gestatten.
A Vom Rhein, 15. Juli. Das Wasser ist in den letzten Tagen fortwährend gestiegen und hat dasselbe heute on dem Mainzer Pegel einen Stand von 2,80 Meter, eine um diese Jahreszeit ganz enorme Höhe.
Kassel, 15. Juli. [®ifenbabnunfa(I.] Einer großen Gefahr sind die Passagiere (darunter auch der regierende Großhcrzog von Oldenburg nebst Großherzogin und Gefolge) deS gestrigen Berlin Halle bezw. BreslamDceSben-Frankfurter Frühschnellzuges entgangen. Der Schnellzug, welcher Halle 7 Uhr 45 Min. verließ und 12 llbr 22 Min. in Bebra eintreffen sollte, mar so stark besetzt, daß eine zweite Maschine vorgespannt werben mutzte. Zwischen Wandersleben und Gotha auf freier Strecke und bei voller Fahrgeschwindigkeit des Zuges entgleisten plötzlich beide Maschinen, sowie mehrere Wagen. Das war ein Stoßen und Rucken als ob es über Stock und Stein ginge und viele bange Sekunden verstrichen dis endlich ber Zug zum Stillstand kam. Alles athmete erleichtert auf. Die große Gefahr, in ber man aefchwebt, war glücklich Dorübergegangen. Der Locomotivfühcer batte sofort die Entgleisung wahrgenommen unb durch bie Earpenterbremse, bie ihre Schulbigkeit that, ben Zug gestellt. Allerdings war ber entgleiste Zugtheil doch mehrere hundert Meter neben den Schienen hergelaufen und hatte das Geleise übel zugerichtet. Ein großes Glück, datz die Stelle horizontal war, sonst wäre es nicht so wunderbar gut abgelaufen. So kamen die Passagiere mit dem Schrecken und einem längeren Aufenthalt auf freier Strecke davon. Die Maschinen waren desect geworden und so mußten Hülssmaschinen herbeigefchafft werden, welche den Zug nach Verlauf von etwa l1/» Stunden nach Dietendorf zurückzogen, worauf er von hier auf dem falschen Geleise weiterbefördert wurde. Der Großherzog von Oldenburg nebst Gefolge, welcher von Altenburg kam und ebenfalls in Bebra liegen bleiben mußte, nahm einen Extrazug und fuhr über Kassel und Hannover Nachmittags 5 Uhr nach Oldenburg zurück.
Gingefaudt.
Gießen, 16. Juli. Gestern Abend feierte der Gießener Zitherclub (Wohl- thätigkeitsverein) sein Sommerfest in der angefüubigten Weise unb verlief basselbe ganz Programmgemäß. Der Besuch war, wie bei dem noch in letzter Stunbe eingetretenen schönen Wetter vorauszusehen war, ein sehr zahlreicher. Es mar, wie bereits früher angefünbigt, ein wirkliches Volksfest, bei bem Jung wie AU sich kostbar amü firen konnte, beim an Unterhaltung fehlte es nicht. Ein sehr schönes Programm gelangte zur Ausführung. Den Schluß btlbefe eine Illumination bes ganzen Gartens im „Wiener Hof" unb ein wohlgelungenes Feuerwerk.
Handel und Verkehr.
Grünberg, 14. Juli 1888. (Fruchtpreise). Weizen 17,50, tforn jt 14,90, Gerste JL 14,10, Hafer 14,70, Erbsen JL 16,00, Samen JL 21,00, Wicken JL 00,00, Kartoffeln Jt 5,40.
RkMtoir der vereinigten Städtchen ter zu Frankfurt a. M.
Opernhaus.
Dienstag ben 17. Juli: Die Stumme von Portici. Große Preise.
Mittwoch ben 18. Juli: Lohengrin. Außer Abonnement. Große Preise. Donnerstag den 19. Juli: Am Wörthersee. Hierauf: Die verwandelte Katze. Gewöhnliche Preise.
Freitag den 20. Juli: Die Meistersinger. Außer Abonnement. Große Preise.
Samstag den 21. Juli: Am Wörthersee. Hierauf: Die verwandelte Katze. Gewöhnliche Preise.
Sonntag den 22. Juli: Ak da. Große Preise.
SchanfpielhavO.
Dienstag den 17. Juli: Ein Tropfen Gift. Große Preise.
Mittwoch den 18. Juli: Flattersucht. Hierauf: Ein Glas Eppelwein. Große Preise.
Donnerstag den 19. Juli: Alt-Frankfurt. Außer Abonnement. Kleine Preise.
Freitag den 20. Juli: Goldfische. Große Preise.
Samstag den 21.Juli: Neu einftubirt: Der Hütt enbesitzer. Große Preise. Sonntag ben 22. Juli: Der Hüttenbesitzer. Große Preise.
Äßärmefttabc der Lahn und der Luft,
nach Reaumur gemessen zwischen 11 und 12 Uhr.
Luft 17% Wasser 13 Gr.
Gießen, den 16. Juli 1888. RÜbsamen.
Allgemeiner Anzeiger. .
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2 sich die Geburt eines gesunden Knaben
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o Prof. Dr. Harnack und Frau. §
2 Marburg, den 15. Juli 1888. 5302 Q
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