Nr. UM
Donnerstag den 17. Mai
1888.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Bureaur Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pst,
Gießen, am 15. Mai 1888.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Gr otz herzoglichen Bürgermeistereien des «reifes.
2Bir empfehlen Ihnen, zur Vermeidung von Beanstandungen Ihrer Sendungen, sich künftig genau nach den bestehenden Vorschriften zu richten. ^————— Dr. 2Ö oermann.
Darmstadt, 12. Mai. Kirchliche Nachrichten über das Jahr 1887. Wir entnehmen denselben: Aus der Superintendentur Gießen. Als Decanstellvertreter wurde gewählt und bestätigt: Pfarrer Röschen im Decanat Grünberg. — Die Deffni- tortalprüfung bestanden: Georg Beckel von Stammheim, Friedrich Heinrichs von Hirzenhain, Franz Gotz von Langenhain, Friedrich Jäger von Schlitz, Gustav Schöner von Reinhardshain, Heinrich Schott von Freienseen, Otto Orth von Okarben Karl Kleberger von Gießen, Adolf Loos von Södel, Friedrich Schick von Laubach — Ordtntrt und zu Pfarrverwaltern wurden bestellt: Beckel für Ulrichstein, Götz' für Me^au Jager für Münster, Schöner für Hochweisel, Orth für Okarben, Kleberger für Reiskirchen, Loos für Ober-Lais, Scheid für Wingershausen, Schick für Stumpertenrod Außerdem wurde für den Missionsdienst ordinirt: Groh von Bermuthshain. Ferner wurden versetzt die Pfarrverwalter: Barth nach Büdingen III, Noack nach Butzbach II, Biegler nach Muschenheim, Srmon nach Rohrbach, Schott nach Homberg — Kn Assistenten wurden bestellt: Büchner für Hoch-Weisel, Schaich für Offenheim — Besetzt wurden die Pfarreien: Wahlen mit Pfarrer Bierau, Ober-Breidenbach'mit Pfarrer Wolkewrtz, Büdingen II nebst Rinderbügen mit Pfarrer Wiedmann, Ltndheim mit Pfarrer Werner, Büdingen III mit Pfarrer Clemm, Btndsachsen (Wolfersbornl mit Pfarrer Kahl, Großen-Buseck mit Pfarrer Detchert, Burg-Gemünden mit Pfarrer Heumann, Geiß-Nidda mit Pfarrer Prätorius, Nieder-Eschbach mit Pfarrer Lübl Höchst a. N. mit Pfarrer Schuster, Schotten, Rektorat, mit Pfarrverwalter Bayer — KUedtgt sind die Pfarreien: Billertshausen, Hopfgarten (inzwischen besetzt), Maulb'ach, Stumpertenrod, Udenhausen, Gelnhaar, Hatnchen, Hain-Gründau, Selters Staden Ober-Mockstadt, Butzbach II, Münster, Ober-Rosbach II, Reichelsheim, Leihgestern,' Merlau, Nieder-Gemunden, Homberg, Wtrberg, Ermenrod, Groß-Eichen, Ober-Ofleiden (P/arr- und MttpredigersteÜe), die Pfarrgehülfenstelle zu Londorf, Bellersheim (inzwischen besetz ), Eberstadt, Hungen II, Munzenberg II, Muschenheim, Obbornhofen, Wohnbach, Engelrod Herbstein, Nieder-Moos, Willofs, Bingenheim (inzwischen besetzt), Alsfeld Heuchelheim, Ober-Lais, Ober-Widdersheim, Ranstadt, Schwickartshausen, Oberau, Okarben, Petterweil, Rodheim II, Busenborn, Eschenrod, Gonterskirchen (inzwischen besetzt), Herchenhain, Laubach II, Ober-Seemen, Volkartshain, Ulrichstein. — Eingewetht wurden die neuen Kirchen in Arnshain und Nteder-Ohmen, die neue Orgel in Gießen, ein Betsaal in Vilbel, neue Glocken in Rodenbach und die neue Orgel für das Predigerseminar in Friedberg. — Kirchenoisitationen wurden abgehalten in: Affenheim, Brauerschwend mit Altenburg, Busenborn, Butzbach, Düdelsheim, Eschenrod, Eudorf, Fauerbach, Frischborn mit Eisenbach, Gelnhaar mit Bergheim, Groß-Felda mit Windhausen, Grunberg, Herchenhain, Holzhausen, Holzheim mit Dorf-Güll, Höchst, Homberg, Hutzdors, Langd, Langenhain, Langsdorf mit Bettenhausen, Lauterbach, Lehrbach Leihgestern, Lißberg, Nteder-Florstadt, Nieder-Ohmen, Obbornhofen, Ober-Breidenbach mit ^-torndorf, Ober-Gleen, Ober-Ofleiden, Rodhctm, Rohrbach mit Stockheim, Rödgen mit Annerod, Schlitz, Schwickartshausen, Selters, Trais, Ulfa. Decanatsvtsitationen. fanden statt in den Decanaten Friedberg und Grünberg. — Uebergetreten zur evangelischen Kirche sind zwei Katholiken, ein Bapttstenmädchen, zwei Israeliten. — Kirchengesangvereine bestehen in 18, Chorschulen in einer Gemeinde.
General Dubarail eine Versammlung ab, in welcher sich Dubarail ganz offen für die Proclamirung des Cäsartsmus, d. h. der Vereinigung der Gewalt in „kräftigen Händen , erklärte; wollen die Bonaparttsten vielleicht gar Boulanger zuvorkommen? .. König Milan von Serbien hat am Montag eine längere Reise angetreten na* Wien führt, woselbst seine Gemahlin, di- Königin Natalie, seit ihrer Rückkehr aus Italien weilt; es scheint sich um den ernstlichen Versuch einer Aussöhnung zwischen den beiden königlichen Gatten zu handeln. Für die Dauer der 316= worden^ İnlß8 '** ^cm serbischen Ministerrathe die Regentschaft übertragen
Längs der strbisch.bulgarischen «renze zeigen sich neue Banden, welche im Nordwesten einen Aufstand heroorrufen wollen. Auf die Vorstellung des bulgarischen Geschäftsträgers hin sagte die serbische Regierung energische Maßregeln gegen diese Banden zu.
englischen Unievhnnse kam es am Montag schon wieder zu einer Erörterung der Wehrverhältntsse Englands. General Wolseley verwahrte sich dagegen daß er je die Negierung angegriffen habe, erklärte aber doch die Wehrfähigkeit des Landes als unbefriedigend, auch ließ Wolseley die Möglichkeit seines Rücktritts durchschimmern. Der Premier Salisbury antwortete in sehr verbindlicher Weise; er sprach die Hoffnung aus, daß Wolseley dem Heere erhalten bleiben werde und bezeichnete die Darlegungen des Generals als der ernstesten Beachtung werth. Trotzdem meinte Lord Salisbury, Heer und Flotte Englands befänden sich in einem besseren Zustande als je zuvor, die Regierung werde indessen alle zur Sicherung des Landes nothwendigen Maßregeln treffen. u
Politische Ueberficht.
Gießen, 16. Mai.'
In der Krankheit Kaiser Friedrichs ist unverkennbar eine abermalige Ruhepause etngetreten und es darf sogar die Hoffnung auf eine längere Dauer derselben gehegt werden, obschon bei dem wechselnden, tückischen Charakter des Grundleidens des Monarchen sich in dieser Hinsicht durchaus nichts Bestimmtes sagen läßt. Aber es sind doch die bedrohlichsten Krankheitserschelnungen seit einer Woche mehr und mehr zurückgetreten und speciell ist das Fieber, welches am meisten zu Besorgnissen Veranlassung gab, bei dem erlauchten Patienten zur Zeit völlig verschwunden, was freilich nicht ausschließt, daß es demnächst wieder von Neuem auftreten kann. Was die leichten Schlingbeschwerden anbelangt, die in voriger Woche beim Kaiser erschienen, aber bald wieder verschwanden, so wird denselben ärztlicherseits keine Bedeutung bei- gelegt, sie sind schon während des Aufenthaltes des Kaisers in San Remo dann und wann aufgetreten, ohne daß sie indessen auf das Allgemeinbefinden des hohen Herrn von irgendwelchem Einflüsse gewesen wären.
„ Die Unpäßlichkeit des Großherzogs von Baden ist nunmehr so weit wieder beseitigt, daß der hohe Herr in den letzten Tagen wieder Vorträge entgegennehmen und am Montag einen kurzen Spaziergang im Karlsruher Schloßparke machen konnte. Zwar ist die katharrhalische Affection noch nicht ganz überwunden, jedoch in allmählichem Rückgänge begriffen, so daß sich nur noch allgemeine Schonung notwendig macht.
Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte in seiner Montagssitzung, in welcher Herr v. Köller, von allen Seiten lebhaft begrüßt, zum ersten Male seit seiner langen Krankheit wieder präsidtrte, zunächst das Volksschullastengesetz in nochmaliger Berathung ohne specielle Debatte den bisherigen Beschlüssen des Hauses gemäß.
Der Kaiser Franz Josef feiert bekanntlich am 2. December dieses Jahres sein 40jähriges Regierungsjubiläum, denn am 2. December 1848 bestieg er den österreichischen Kaiserthron, nachdem der Oheim des jungen Erzherzogs, Kaiser Ferdinand, abgedankt und der geistig ganz unbedeutende Bruder Ferdinands, Erzherzog Franz Karl, auf die Nachfolge verzichtet hatte. Es ist nun bis zur vierzigjährigen Wiederkehr dieses für den Kaiserstaat so bedeutungsvollen Tages noch über sechs Monate bin, aber doch beginnt in Oesterreich fchon jetzt der Reigen der Festlichkeiten anläßlich dieses Ereignisses. Zu ihnen gehörte auch die am Sonntag unter Entfaltung außerordentlichen Pompes stattgesundene Einweihung des Marta-Theresia-Denkmales in Wien, an welchen feierlichen Act sich der Armeebefehl des Kaisers Franz Josef angeschlossen hat, welcher vier Regimentern die Namen der Ahnen des Monarchen aus der theresianischen Zeit und weiteren achtzehn Regimentern die Nanien hervorragender österreichischer Kriegsmänner beilegt. Eine weitere Feierlichkeit anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers vollzog sich am Montag in Wien mit der Eröffnung der österreichisch-ungarischen Gewerbeausstellung; der Act ging gleichfalls im glänzendsten Nahmen und im Beisein des Kaisers vor sich, welcher hierbei eine Rede hielt.
Das österreichische Abgeordnetenhaus steckt noch immer in den Budgetverhandlungen, obwohl ihm die Zett in Anbetracht des demnächstigen Zusammentrittes der Delegationen kostbar genug zugemessen ist. Am Montag begann das Haus die Berathung des Budgets des Handelsministeriums, wobei das Handelsvertragsoerhält- niß zwischen Oesterreich und Deutschland wieder einmal seine Nolle spielte. Der Handelsminister gab hierbei die Erklärung ab, die provisorische Verlängerung des deutsch-österreichischen Handelsvertrages könne zwar nicht als das Ideal eines wirth- schaftlichen Verhältnisses zwischen beiden Ländern betrachtet werden, aber die Regierung sei nach wie vor bemüht, dasselbe inniger zu gestalten und die handelspolitischen Beziehungen zum^deutschen Reiche auf die breite Grundlage der Entwickelung zu stellen.
Die Rundreise Boulanger'S im französischen Norddepartement hat, wie zu erwarten stand, wieder verschiedene oratorische Leistungen des famosen Ex-Generals gezeigt. So wetterte er in Douai und Lille gewaltig gegen die Regierung, das Parlament und sogar gegen den Präsidenten Carnot los, während er in Valenciennes wieder gelingere Saiten aufzog. Hier betheuerte Boulanger seinen Patriotismus und feine Ergebenheit für die Republik und wies er mit sittlicher Entrüstung die Beschuldigung zurück, er strebe nach der Dictatur und wünsche einen Angriffskrieg. Selbstverständlich ist das nur Komödie! Inzwischen kann der Boulangismus einen neuen relativen Wahlerfolg verzeichnen, indem Boulanger bei der Deputirtenersatzwahl im Jsöre-Departement.1 14,223 Stimmen erhielt, obschon er ja bereits Abgeordneter des Norddepartement ist. Auf den Opportunisten Girard fielen 37,673 Stimmen während der Radicale Gaillard gewählt wurde.
Die Bonapartisten treten jetzt immer zuversichtlicher auf. Am Montag i hielten die Präsidenten der verschiedenen bonapartistischen ComitSs in Paris beim |


