unb Gewehrfeuer erwidert wurde. Die Truppen landeten mit Hurrah und trieben । bte Rebellen" in die Stadt zurück, wo siar ein ziemlich heftiges Straycngefecht ent- | roicfelte. Nachdem die Rebellen zurückgeschlagen worden waren, zog sich die Marine etwa gegen 5 Uhr Abends unter Zurücklassung eines Officiers und 30 Mann aus die Leipzig" zurück. Am nächsten Tage wurden von den Soldaten des^Wali ca. 100Todte, arößteniheUs Eingeborene, aber auch Araber und einige von dem Sultan übernommene Soldaten, die gegen die Deutschen gefallen waren, beerdigt. Die Anzahl der Verwundeten, sowie der vielen sortgeschleppten Todtcn hat nicht festgestellt werden können. Die Ruhe in der Stadt wurde von da ab eigenllich nicht mehr gestört. Herr o. Gravenreuth, der Vorsteher der Station, hat es seitdem auch mit Erfolg versucht, zur Offensive überzugehen. Mit 2 Kanonen, etwa 30 Sultanssoldaten, 25 schwarzen Bedienstenn und etwa 30 bewaffneten Sklaven reicher Araber zog er aus. Ein Dorf, von welchem aus sie beschossen wurden, wurde erstürmt. Das Dorf fing an zu brennen. Die Eingeborenen vertheidigten eine Position nach der andern bis zur Kingantfähre, d. h. Mtoni. Hier war die deutsche Flagge herabgertssen, und die Soldaten der Gesellschaft waren thetls ermordet, theils geflohen. Auf der Schamba eines Aufrührers befanden sich 6 Fässer mit Pulver, welches ins Wasser geschüttet wurde. Die Expedition kehrte daraus nach der Stadt zurück. — lieber bte Vorgänge in Mtktndant wird berichtet, daß der Vorsteher der Station, Herr v. Bülow, am 23. September gewarnt worden sei, daß in dieser Nacht um 10 Uhr der Aufstand losbrechen würde. Der Mali des Sultans wurde durch Zeichen aufgefordert, mit seinen Soldaten zu kommen. Derselbe traf auch, als es dunkel war, ein, sagte jedoch, daß die Soldaten nichts gegen 15 000 Mann ausrichten könnten. Darauf schifften sich die Beamten nach Sansibar ein. Vor der Abreise wurde das Schiff noch 2 Stunden lang von den Eingeborenen beschossen. Die Deutschen fuhren zuerst nach Lindt, dann nach Kilwa Kiwtnge und von dort nach Sansibar. — Ueber die Vorgänge in Lin di wird berichtet, daß die Stimmung bereits feit Mitte September eine sehr gedrückte gewesen sei, so daß die Deutschen das StaUonshaus nicht mehr verließen. Am 20. September rückten die aufständischen Eingeborenen an. Die Einwohner der Stadt wurden mit Gewehren und Munition versehen. Der Aktda hatte jedoch die Stärke des Feindes absichtlich übertrieben, um in den Besitz von Waffen zu gelangen, welche er gegen die Deutschen gebrauchen wollte. Der Akida habe sich auch geweigert, die Aufständischen anzugreifen. Als die Deutschen selbst angreifen wollten, erhielten sie von einem ihnen ergebenen Inder die Nachricht, daß der Akida selbst die Ausständischen gerufen hätte, um die Deutschen zu lobten. Infolge dessen versuchten die Deutschen Friedensoerhandlungen anzuknüpfen. Die Forderungen der Aufrührer ermäßigten sich schlußlich auf die Zahlung von 450 Dollars, Zeug im Werthe von 10 Dollars, 10 Pfund Samli und 4 Sack Reis — 22 Dollars. Diese Forderungen wurden von den Deutschen angenommen. In derselben Nacht jedoch erhielten die Deutschen von verschiedenen Seiten die Mitlheilung, daß der Akida Befehl ertheilt habe, sie im Schlafe zu ermorden. Darauf bestiegen die Deutschen ein kleines Boot und reiften mit dem ihnen ergebenen Inder, einigen Dienern und einem Askari nach Sansibar.
— Der zweite Band der Denkwürdigkeiten des Herzogs von Koburg enthält interessante Mitthtilungen über seine Besuche bei Napoleon III. in Paris. Bei seinem zweiten Besuche unter dem Kaiserreich in Paris 1858 war der Herzog unmittelbar Zeuge des Orsini'schen Attentats und nur einem wunderbaren Zufall hatte er es zu verdanken, daß er nicht ein Opfer des verbrecherischen Anschlags geworden ist. Am 14. Januar war der Herzog vom Kaiser zu einer Jagd in den Gehegen von Fontainebleau eingeladen. „Die Jagd nahm ihren Verlauf, und um den schönen Wintertag zu ehren, wurde auch im Freien bejeunirt. Erst am Nachmittag kehrten wir nach Paris zurück, unb es war dunkel geworden, als wir an der Gare du mibi anlangten. Der Kaiser bestand darauf, mich selbst in meine Wohnung zu fahren, welche am Quai Malaquais gelegen war. Zu diesem Ende mußten wir die Seine am Pont Neuf überschreiten; als wir an dem Monumente Heinrichs IV. vorüberfuhren, machte der Kaiser noch einigem Schweigen, mit einem Hinblick auf die Statue des Königs, etwa folgende Bemerkung: „Von allen Attentaten ist nur das mit dem Dolche bedenklich, wo der Mörder mit der Ausführung ^schon sein Leben preisgegeben hat. Bei allen übrigen Angriffen auf das Leben Der Souveräne hoffen bte Verräther sich durch die Flucht noch reiten zu können." Man wird begreifen, daß diese Worte des Kaisers, wenige Stunden vor einem der schrecklichsten Mordversuche, die je geschehen sind, sich tief in mein Ge- dächtniß einprägten und mir nachher wie eine fast wunderbare Ahnung erscheinen konnten, welche doch in vollstem Gegensätze zu der Ruhe und Behaglichkeit stand, deren sich der Kaiser an diesem Tage in seltenem Maße erfreute. Als wir bei der Wohnung Ehimay's angelangt waren, lud mich der Kaiser ein, nach dem Diner mit ihm die Große Oper zu besuchen. Die Kaiserin, sagte er, wolle heute nach längerer Zeit mit ihm zum erstenmal wieder im Theater erscheinen. Er bot mir an, mich selbst obzuholen, was ich jedoch wegen des Umwegs, den der Kaiser dadurch zu machen genöthigt gewesen wäre, ablehnte. Ich bat viclmehr um die Erlaubniß, ihn an der Oper erwarten zu dürfen. In der mir zur Verfügung gestellten kaiserlichen Equipage fuhr ich nach V29 Uhr nach der Oper. Bekanntlich war kurze Zett vorher, um die Gefahren eines Attentats besser zu vermeiden, bet dem alten Opernhause ein besonderer Eingang für den Kaiser gebaut worden. Man gelangte durch dieses Thor in ein kleines Vestibüle unb von da, auf einer nicht sehr geräumigen Treppe, unmittelbar in die kaiserliche Loge. Die Anfahrt war nur von der Rue Pelletier aus möglich, von wo man in eine kleine Sackgasse einbog, an bereu Enbe sich der erwähnte Prioateingang in das Tbeater befand. An der Rue Pelletier sperrte eine Compagnie Infanterie die kleine Gasse ab, so daß vom Publikum Niemand in die letztere gelangen konnte. An den gegenüber vom Theater befindlichen Häusern waren ungefähr 20—25 Polizisten ausgestellt, die durch ihre dreieckigen Hüte und kurzen blauen Mäntel leicht erkennbar waren. Die nach dem Gäßchen zu sich öffnenden Fenster in den Nachbarhäusern waren insgesammt, wie bei einer Illumination, mit Gasflammen beleuchtet, und es zeigte sich an jedem Fenster ein Polizist. Vor der Einfahrt in die erwähnte Sackgasse war mein Wagen — als kaiserliche Gala-Equipage mit zwei Dienern auf dem Stehbrett leicht erkenntlich — in der Rue Pelletier wegen Der dichten Menschenmenge genöthigt, im Schritt zu fahren. In dem Augenblicke, wo die aufgestellte Compagnie schwenkte, um mich ein- zulassen, bemerkte ich ein Individuum, welches den Pferden in die Zügel fiel, der Wagen kam für einige Sekunden zum Stehen, und ich hörte, daß mein Name von irgend Jemand gerufen wurde. Ohne darauf zu achten, stieg ich im nächsten Moment an der Treppe des Theaters ab, wo ich von General Fleury unb drei anderen Personen von der kaiserlichen Intendanz des Theaters empfangen wurde. Anstatt nun die Treppe hinauf und in die Loge zu gehen, blieb ich in Folge des Anerbietens des Generals, noch eine Cigarre zu rauchen, dis der Kaiser käme, im Freien. . . . Inzwischen tönte von der Rue Pelletier oer Ruf: »Vive Fempereurl“ Das Commando des Officiers, welcher die Compagnie am Eingänge befehligte, unb das Anschlägen der Trommeln ließ erwarten, daß der Kaiser im nächsten Augenblicke anfahren werde.
Wir warfen unsere Cigarren beiseite und traten in das Vestibüle. Da hörten wir eine Detonation, die mir zuerst den Eindruck machte, als habe die Compagnie Feuer gegeben. Wir wendeten uns nach der Thür, um zu sehen, was vorgegangen wäre. In bleiern Augenblicke playte unter dem anfahrenden Wagen des Kaisers eine zweite Bombe, durch welche Kutscher, Pferde, Diener und Ulanen der Eskorte niedergeftreckt wurden. Von der Straße her ertönte Geschrei und man hörte Wehklagen der Verwundeten und Hilferufe. Starr vor Entsetzen stand ich noch da, als der Kaiser und die Kaiserin hereinstürzten. Sie schienen zusammenzubrechen. Die Kaiserin ergriff mich gleichsam mechanisch am Arm und sagte ziemlich gefaßt: „Sauvez — moi!“ Der Kaiser war wie betäubt, machte schwankende Bewegungen und ich glaubte ihn verwundet. toein Hut war etwas eingetrieben und auf der einen Seite von einer Kugel -ersetzt. Bevor ich jedoch zur Besinnung gekommen war und die Lage überblicken konnte, erfolgte eine dritte noch furchtbarere Detonation in unserer nächsten Nähe. Die Bombe mußte unmittelbar an die Thür des Vestibüls geworfen worden sein, Sprengstücke und Kugeln zertrümmerten die Fenster und recochettlertcn an der Decke. Unmittelbar nach dem Kaiser und der Kaiserin war merkwürdigerweise wie durch einen Zauber eine Menge von Personen in den Innern Raum eingedrungen, darunter nicht wenig Verwundete. Ich ritz die Kaiserin, die ich am Arme hatte, mit mir fort und erinnere mich, eine mir den Weg vertretende Person niedergeworfen zu hoben, da ich die Treppe zur Theaterloge zu erreichen suchte. Der Kaiser war unschlüssig, wohin er sich wenden sollte, dann folgte er uns die Treppe herauf nach. Endlich erreichten wir alle die Loge. Im Theater hatten unterdessen Spiel unb Gesang bereits ihren Anfang genommen; als wir eintraten, empfing uns gerade der Schwur in der Rütliscene des Wilhelm Tell, man gab eine Reihe von ©eenen aus verschiedenen Opern, unb die Ristori sollte in der Sterbescene der Maria Stuart auftreten. In dem ersten Zwischenakt, während dessen das ganze Publikum von dem Attentat bereits Kenntnitz erhalten haben mußte, da Verwundete in den Korridors des Theaters den ersten Verband erhielten, trat der Kaiser mit der Kaiserin an die Brüstung der Loge, cs fand aber keine Begrüßung statt. Richt eine Hand wurde gerührt, kein Laut erhob sich. Der Kaiser sagte deutsch zu mir, wie er in den folgenden Stunden fast nur deutsch mit mir sprach: „Da sehen sie die Pariser — man ist nie hart genug mit ihnen verfahren." Die Kaiserin hatte, nachdem sie sich überzeugte, daß sie und der Kaiser völlig unverletzt waren, wieder die volle Fassung erlangt. Der Kaiser dagegen blieb furchtbar aufgeregt, war sehr blaß unb zeigte ein mich beängstigendes nervöses Zittern. Die Situation war eine schreckliche, da niemand zu ermessen wußte, was inzwischen in den Straßen von Paris sich zutragen mochte. Endlich trat bei Marschall Vatikan: ein — der Kaiser befahl ihm, sofort bte Garnison zu alarmieren unb nach dem für Erneuten vorgesehenen Reglement Ausstellung nehmen zu lassen. . . . Die Vorstellung war längst zu Ende, als man die Meldung brachte, daß die Straßen von der Oper bis zu den Tullerien von Truppen besetzt seien. Die Herrschaften waren genöthigt gewesen, nicht nur der ganzen Vorstellung beizuwohnen, sondern darüber hinaus in der Loge auszuharren. Als wir das Theater verließen, war es in der Stadt völlig ruhig geworden. Nur die Blutspuren an der Ruhe Pelletier gaben noch Zeugniß von dem gräßlichen Erlebnisse."
— Versicherungswesen. Die Lebensversicherungs-Gesellschaft zu Leipzig, gegr.
) 1830, (alte Leipziger) hat sich auch im laufenden Jahre eines zufriedenstellenden Geschäftsganges zu erfreuen gehabt. Seit 1. Januar bis Ende Oktober sind 3405 Versicherungsanträge über 25 469 900 Mark Versicherungssumme bei ihr gestellt worden, und es ist anzunehmen, daß das Gesammtergebniß des Jahres nicht wesentlich hinter dem des Vorjahrs, in welchem die Leipziger Gesellschaft von allen deutschen Lebensversicherungs-Gesellschaften den größten reinen Zuwachs an versichertem Capital zu verzeichnen hatte, zurückbleiben wird. Der Versicherungsbestand beläuft sich, wie aus dem Inserat in heutiger Nummer ersichtlich, zur Zeit auf 47 000 Personen und 292 Millionen Mark Versicherungssumme, das Vermögen auf 70 Millionen Mark. Die neuen Kriegsversicherungsbedingungen der Leipziger Gesellschaft, welche Ende Oktober in Wirksamkeit getreten sind, können als eine glückliche Lösung der Kriegsversicherungsfrage bezeichnet werden, da sie ebensowohl auf die Interessen der militärpflichtigen Mitglieder, von denen fernerhin die Zahlung einer Kriegsprämie im Voraus nicht gefordert wird, wie auf diejenigen der nicht mllitär- pflichtigen Mitglieder Rücksicht nehmen und vor Allem die Sicherheit der Gesellschaft nicht in Frage stellen.__
Handel und Bekehr.
Limburg, 14. November. (Fruchtmarkt). Rother Weizen JL 16.80, weißer Weizen JC. 16 55, Korn JL 12 45, Gerste JL 9.40, Hafer Jt 6.55, Erbsen JL 00.00, Kartoffeln JL 0.00.
Frankfurts, 14. November. Erbsen ganze pr. Vfd. 12—18 H, do. geschälte 14—18L, Linsen 18—28 -H, weiße Bohnen 16—18 H, Kartoffeln 100 Ko. 0,00—0,00, do. per Gescheid 10-12 Butter per Pfd. 0,90-0,00, Eier das Stück 6-7 H, Blumenkohl per Stück 40—80 H, Wirsing per Stück 10—12 H, Zwiebeln per Pfd- 7—9 Weißkraut per Stück 10—20 H, Rotherüben per Portion 26—30
Literarisches.
^Wassersport" 1888/89, Nr. 7, bringt unter Rudern: Ein Harward-Bale- Nennen (Schluß) mtt Bild. Von Wien nach Linz unb zurück (Schluß), Nachrichten. Unter Segeln: AuS Rußland, Kutter Dawn mit Bildern, Nachrichten. Unter Schwimmen: Nachrichten. Unter Eislauf: Ausschreibung des Hamburger Schlittschuhläufer-Vereins unb Nachrichten. Ferner zahlreiche officielle Mittheilungen der Clubs.
Gestreifte u. karrirte Seidenstoffe v. Mk. 1.35 bis 9.80 p. Met. — (ca. 450 verseh. Dess.) — vers. ,roben- unb stückweise porto- und zollfrei das Fabrik Dspöt G. Henneberg; (K- u. K. Hoflief.) Zürich. Muster umgehend. Briefe kosten 20 H Porto. 9221
Für die Abgebrannten in Hünfeld
gingen ferner bei uns ein: Fr. Schildköter 2 JL, Liebm. Wolf 3 JL, zusammen 5 «X, insgesammt 276 JL
Weitere Beiträge nimmt gerne entgegen
Di« Exped. d. „Gießener Anzeiger".
Gottesdienst der israelitischen Keligioosgelellschast.
Freitag Abend 4*° Uhr, Samstag Vormittag 830 Uhr, Samstag Nachmittag 300 Uhr, Samstag Abend 5°° Uhr.
Illi—— I xJrrfgfr«nt,■ an,1 WHI’WlMraPMBMMMRMMMMBM——
Allgemeiner Anzeiger.
Sonntagsverein für Mädchen.
Eröffnung des Sonntagsvereins am nächsten Sonntag den
IS. November in der Hleinklnderschule. Das Lokal ist
geöffnet Nachmittags von 2 bis 7 Uhr. Gießen, den 15. November 1888.
Für den Vorstand:
9231 Dr. Naumann, Pfarrer.
—Mia—M D König!. Bayer. Staatsbrauerei 9 SWeiiienstephaiuS 2 9223 Ausschank im „Deutschen Hoi“. X •mHHWHWIHHMHHH
Ium Bolmser Hof.
Empfehle einen guten
Mittags lisch
sowie Rüdesheimer Traubenmost, ä Schoppen 40 H.
Auch ist Süßer Aepfelmost im Ausschank. 9120
____A. Fr. Albold.
Im Einrahmen von Bildern und Spiegeln in Gold-, Politur-, Antik- und Barockleisten empfiehlt sich 9228
Stracks Wallthorstr. 22 I.
Zugleich empfehle mein Lager in Bildern, fertig gerahmt und ungerahmt.


