Kundgebungen uns so sehr wie möglich klarzulegen und dem Gedächtniß einzupiägen.
H'-'L über den Parteien und den politischen Schwankungen des Tages stehend, erblickt Kaiser Friedrich das Ziel seiner Regierung hauptsächlich in der A^irechttrhaltung der Sketigkeit und der Harmonie im Staats- und Volksleben w sicht gleichzeitig der Monarch in der Verfassung und den parlamentarischen Körperschasttn das wichtigste Mittel, um die Schwierigkeiten rm staatlichen und ftcalcn Leben zu beseitigen.
Alles, was sich im Reiche als gut bewährt hat, soll also auch weiter auf dos Beste gepflegt werden und Neuerungen sollen nur dann zur Einführung ge- larigdn, wenn sich Regierungen und Volksvertreter genügend über die Nützlichkeit verständigt haben. In bie praktische Politik übertragen heißt dies: Die Eintracht der deut' chen Fürsten und Stämme, beruhend aus der Gleichberechtigung Aller, ist auch ferner hochzuhalteu. Dec Kaiser übt keine besondere Gewalt über r?os Resth aus, sondern ist nur der Vollstrecker des Willens der im Bundesrathe v reinigten deutschen Fürsten und der im Reichstage versammelten Volksver- tr.ier. Naturgemäß vereinigt der Kaiser als Präsident und Führer der Fürsten in seiner Person aber die höchste Gewalt im Reiche und übt dieselbe verfaffungs- mävig, also als der Wtllensausdruck der deutschen Fürsten und Völker aus
Nicht die kaiserliche Machtfülle, nicht die Stärke des deutschen Heeres, nicht der Drang nach kriegerischen Lorbeeren, nicht der Ehrgeit eines Kunst- müc-ns erfüllen aber des Kaisers Denken und Thun, fordern friedliche Culrur- arbeit, weise Sparsamkeit, Vermeidung aller religiösen und politischen Extremen, gediegene H.ranbstdung der Jugend, innerhalb der gegebenen Verhältnisse mögliche Linderung der Noch der Armen, Förderung von Wiffer.schasten und Künsten, wir einem Worte Hebung der wahren Wohlfahrt des Volkes ist Kaiser Fried- richs eirziger Ehrgeiz. Alle Welt muß zvgestehen, daß auf Deutschlands Kaiser- thron ein Herrscher von fast bürgerlicher Bescheidenheit, ein siegreicher Feldherr ohne Ehrgeiz und ohne Ruhmbegierde und ein Staatsmann und Politiker von reichster und reisster Erfahrung fitzt, daß der herrliche Sohn Kaiser Friedrich seines erlauchten, glorreichen Vaters Kaiser Wilhelm schönste Tugenden ererbt hat und, so lange es Gott gefällt, auch ausüben wird.
Darmstadt, 14. März. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 26. Februar den Baumeister Friedrich Heß aus Darmstadt zum Betriebs-Controleur bet den Oberhesfischen Eisenbahnen
am 7. März den Steuerkomrmssär des Steuerkomm'ffariats Ober-Jngel» beim Friedrich Casimir Deisler mit Wirkung vom 1. April o. Js. an zum Ober-Steuerinspector des Hauptsteueramls Worms zu ernennen.
Darmstadt, 14. März. Se. Köntgl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 12. März den Director der Realschule zu Friedberg Dr. Friedrich ! Möller auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen und ersprießltchen Dienste mit Wirkung vom 1. April an dis zur Wiederher- ! Peilung seiner Gesundheit in den Ruhestand zu versetzen.
— Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 12 März dem Director der Realschule zu Frteobcrg Dr. Friedrich Möller die Krone zum Ritterkreuz 1. Klosse des Verdünst-Ocdens Philipps । der Gr. ßmüthigen zu verleihen.
Darmstadt, 14. März. Der Eisenbahnbetrath für das Großherzog' thum ist auf Donnerstag den 5. April l. Js., Vormittags 10 Uhr, zu seiner 14. Sitzung etnberufen.
nu Darmstadt, 14. März. Wie wir ersahren, tritt die Erste Kammer am 20. März zu einer kurzen Session zusammen, um das Unsallverfich> rungs Gesetz für land- und forstwirtschaftliche Arbeiter zu berathen.
— Am nächsten Freitag, dem Tage der Beisetzung Sr. Maj. des Käsers, werden nach einem Aufruf des Oberbüraermeisters sämmtlichs Geschäfte geschloffen bleiben. Desgleichen sämmtliche Schulen.
Berlin, 14. März. Die Kaiserin Augusta begab sich heute Abends 6y2 Uhr nach Charlottenburg zum Besuch des Kaiserpaares. — Der Kaiser roiomet sich anhaltend den Regierungsgeschästen, er nimmt mehrfach Vorträge entgegen. Uever die Frage des Gelübniffes auf die Vers ffung dürfte heute die Entschließung des Kaffer« erfolgt se n. Wahrscheinlich bildet diese Ange legenyeit den Gegenstand des Vortrages, welchen der Reichskanzler heute Nach- mittag hielt. Betreffs der kaiserlichen Botschaft an den Rerch-tag ist die Entschließung noch ausstehend, es gilt für wahrscheinlich, daß eine solche Bot- schalt dem Reichstag am Montag zugehen werde. Es heißt, der Kaffer werde die Präsidien des Reichstage-, des Herrenhauses und des Abgeordnetenhauses zur Entgegennahme der Bei eidskundgebung in gemeinsamer Audienz empfangen.
— Der Seniorenkonvent de» Abgeordnetenhauses trat heute Nachmittag, einer gestern vom Reichskanzler Bismarck gegebenen Anregung folgend, zusammen. In gemeinschaftlichem Gedankenaustausch stellte sich Ueberetnsitmmung ba-über heraus, daß den Vorschrffcen der Verfassung am besten genügt würde, wenn der Kaiser an die beiden Häuser eine Botschaft richtet, in welcher er gelobt, die Verfassung treu zu halten und sich voroehält, den formellen Eid zu leisten sobald ihm sein Zustand ,u sprechen gestattet.
— Der Prinz von Wales nebst Sohn, der Graf von Flandern, dessen Sohn Prinz Balduin und drr Kronprinz von Dänemark sind heute Abend hrer eingetroffen und wurden vom Kronprinzen Wilhelm und dem Prinzen Heinrich empfangen.
— Den Mitgliedern des Reichstag« und beider Landtagshäuser wird heute Abend lO1^ Uhr etnstündiger Zutritt in den Dom gewährt.
— Der Kaffer empfing Vormurags den OberbosmarsSall Perponcher, den Oberstallmelster Rauch und arbeitete später mit Wilmowrki; er ertheilie ferner um 12^2 Uhr dem General-L-eutenant Mtschke Audienz.
— Der Kaiser befahl, durch die Ehrendienste Thuenden allen etntnffenbcn Fürstlichkeiten mitzuthetlen, baß sie sich, ohne auf ihn zu warten, sogleich bei der Kaiserin-Mutter melden möchten.
Berlin, U. März. Das Befinden bet Kaiser« ist heute in folge der Anstrengungen der letzten Tage nicht so befriedigend, wie zu wünschen wäre. (Fr.
— Der Kaiser ist gutem Vernehmen nach von einem leichten Fieber beiallen; es scheint eine Affektion der Luftröhre vorzultegen. (Fr. Ztg.)
— In der feierlichen Sitzung des Reichstags am Montag wird eine kaiserliche Botschaft erwartet. Da» Dankes Votum des Reichstags an die aus-
ländischen Parlamente wird durch den Reichskanzler auf diplomatischem Weg erfiaiM «ec den. — D^s Lctchenbegävgmß oes Koffers Wilhelm ist i€6t tufhn-D aut Fieitag M ton 12 Uhr ongefefct. Nur die Präsidenten re- Pci'ramente we^.n da'---, o-ficiell oerirettn sein. (§r j
Bas Zeremoniell für die Beisetzung Kaiser Wilhelms.
r- <$an L^nbegängniß findet Freitag Mittag 12 Uhr statt. Von 11 Uhr ob Gelaule aller Glocken; nach dein ersten Geläute treten Graf Otto Stolberg-Wernigerode MinisterÄ^bn«^'J Minister ?- Putkammer hinter Tabouret mit Rcichsscepier, hinter Tabouret mit Reichsapfel, der Kriegsmtnister hinter Tabouret £mS$Ä JuMzminister hinter Tabouret mit Reichsinsiegel. Minister Kette des Schwarzen Adlerorden-Z, Staatssecreiär v. Bottrcher hinter Tabouret mit Kurhut, die Minister v. Goßler und v. Schol, hinter Der kommandirende General detz Gardecorps v. Pape tritt M (Spnprniofuan er Sarges, neben ihm mit gezogenem Degen
är?a tS ,ra £I,r Lehndorst und Fürst Radztwill, an das Fußende des Sarges treten Generaladiutanten, Flügeladjutanten, Generäle ä la suite, Deputationen ' bayerischen, sächsischen, württembergischen und ausländischen Regi brLCnk -1er. fiai,er "ar. Unter den zur Feier eingeladenen Personen oLth*f bcr ^-^kanzler, Generalseldmarschall Molike und der Statthalter non ni»?Äett a Hahenlohe. Die Kaiserin-Wittwe nimmt an der Trauerfeiei
Sf ®otte«brenft rotrb nach letztwilliger Bestimmung des Kaisers von
unter Assistenz der Domgeistlichkeit abgehalten. Während del GeistUche über die sterbliche Hülle des Kaisers den Segen spricht, gibt Infanterie die Sftrnh?lihbC12CIi bre ®alDen ab. Hierauf wird der Sarg durch 12 Obersten von der S S ft" und unter Vortritt der Kammerherrn, der die Reichstnsignien n nnd der als Marschälle fungirenden Hofchargen, begleitet von zwei die Bedeckung brldenden L>tabsosficieren und 12 Hauptleuten und dem das Reichs- ra™fero ^neral v Pape und den Letzteren begleitenden Generaladjutanten
Gras ^ehndorss und Fürst Radztwill, bis zum Leichenwagen getragen und auf diesen gehoben. Ächt Stabsofficiere, welche die Pferde des Leichenwagens führen sollen, deren Zugel, vier Ritter des schwarzen Adlerordens ergreifen die Zipfel des tr?°5n ben Baldachin über dem Sarge und dessen Cordons.
Orgel fahrt fort zu spielen, wahrend die allerhöchsten und höchsten Herrschaften nlpn 4Qn ^'bEnzuge einnehmen. Letzterer setzt sich unter dem Geläute aller Glocken in Bewegung und geht über die Schloßbrücke durch die Mittelpromenade Unter Ö i iS? Brandenburger Thor bis zur Siegesallee, wo die allerhöchsten
Un Ltc J®aßcn besteigen und zurück zur Stadt oder auf anderem Wege zum Mausoleum nach Charlottenburg sich begeben. Die Reichstnsignien werden ?er ^legesallee aus «ach dem Kron-Tresor zurückgebracht; der Baldachin wird abgehoben, bte Zugel der Pferde übernehmen 8 Lieutenants, die Zipfel des Letchen- Hauptleute. Die weitere Eskorte des Leichenzugs von der Siegesallee bis zum IlliaMoleum in Charlottenburg erfolgt nur durch das Regiment der Garde du Corps oih Mausoleum ist die Leibcompagnie des 1. Garderegiments aufgestellt. Sobald der Degen über die Leiche gesprochen wird, gibt Artillerie den Trauersalut von 101 Schüssen ab. Ter ^eichenzug wird eröffnet durch je 1 Schwadron und je 1 Bataillon sämmtlicher ^rd^eglmenter, 1 kombinirtes Bataillon vom Köntgs-Grenadier-Regiment, vom Lehr- batalllon und von der PotsdamerUnterofficierschule und 12 Geschützen der beiden Garde- Feld-Art, llerieregimenter. Die Standarten und Fahnen befinden sich vor der ersten Sektion. Hierauf folgen Dienerschaft, Hausoffizianten, Beamte des Hofmarschallamts uns der übrigen königlichen Hofbehörden, der Correspondenzsecretär des Königs, Hof- und tetbpagen, die Leibärzte, Kammerjunker, Kammerherren, die die Reichstnsignien tragenden Mrmster und Graf Ott-Stolberg mit derReichskrone, Hofchargen, Viceoberbofchargen und Oberhofchargen. Dann kommt der Leichenwagen. Die Ritter des Schwarzen Ädlerordens, welche die Zipfel des Leichentuchs halten, sind die Generale v. Blumenthal, v. Treskow, v. Obernitz und Generaladjutant Graf v. d. Goltz. Hinter dem Leichenwagen wird das Leibpferd des Verewigten geführt, darauf folgt das von General v. Bape getragene Rerchspanier, alsdann der Kaiser, umgeben von den Königen von Sachsen, Belgien und Rumänien, der Kronprinz, Prinz Heinrich und die Mitglieder der ^onigssamllie. Nach ihnen die zur Beisetzung erschienenen allerhöchsten und höchsten Herrschaften^ die Abgesandten der fremden Fürsten, Generaladjutanten, Flügeladjutanten und das Gefolge des verewigten Kaisers, die Prinzen aus souveränen Häusern, Bismarck, Moltke, der Statthalter von Elsaß-Lothringen, die Ritter des schwarzen Ädlerordens die Chefs der fürstlichen Häuser, die Generalität, die Milglieder des Bundesraths, die Präsidenten des Reichstags und beider Häuser des Landtags, hierauf nach der Hofrangordnung alle Beamten und Mitglieder der Behörden, sowie des Reichstags und des Landtags, Deputationen der Städte Berlin und Potsdam, sowie anderer L-tädte. Den Zug schließen zwei Gardebataillone. Zu beiden Seilen des Weges vom Dom bis zur Sieges-Allee bilden Innungen, Kriegerveretne und andere Corporatlonen Spalier.
Telegraphische Depeschm.
Wolff'S telegr. CEi-wondenz-BUrea«.
Berlin. 14. März. Se. Majestät der Kaiser hatte eine recht gute Nacht, der Appetit war rege, die Körperkräfte im Zunehmen, Husten und Auswurf geringer.
~ Der Kronprinz wurde gestern längere Zeit von seinem Kaiserlichen Vater im Schlosse zu Charlottenburg empfangen; außerdem wurden noch empfangen der Groß- herzog und die Großherzogin von Baden sowie andere Fürstlichkeiten.
. — Der „Reichsanzeiger" macht in seiner heutigen Ausgabe bekannt, daß zwecks Meldung beim Katserpaar vorher Karten im bisher kronprinzlichen Hofmarschallamte abzugeben sind.
Berlin, 14. März. Generalarzt Dr. v. Lauer soll nicht unbedenklich erkrankt sein, wozu hauptsächlich die durch den Tod des Kaisers hervorgerufenen Gemüths- bewegunqen beitragen.
Pari«, 14. März. Im Prozeß wegen des Brandes der Opära comique wurden Director Carvalho und Pompier Andr« vom Appellhofe sreigesprochen.
. Petersburg, 14. März. Alle Blätter heben den eminent friedlichen Ton der jüngsten Erlasse des deutschen Kaisers hervor und prognostizire daraus eine Consoli- Dirung des allgemeinen Friedens. Die „Börsenzeitung" will wissen, der gegenwärtig günstige Stand der Politik solle der Finanzverwaltung Anregung gegeben haben, der Frage wegen Abschlusses eines Handelsvertrags mit Deutschland näherzutreten, um damit dein beide Staaten gleichmäßig schädigenden wirthschaftltchen Krieg ein Ende zu machen. Eine anderweite diesbezügliche Bestätigung liegt nicht vor.
Petersburg, 14. März. Der „Regierungsanzeiger" meldet: Auf Befehl des Kaisers Haden Freitag Vormittag in der lutherischen Petrikirche zum Trauergottesdienst für den Kaiser Wilhelm zu erscheinen: Die Hofstaaten, die Reichsrathsmilglieder, die Minister, die Senatoren, die Hofchargen, die Staatssecretäre, die Generaladjutanten, Flügeladjutanten, Generale, Admirale und Stabsoffiziere. In den kaiserlichen Theatern wird Freitag keine Vorstellung gegeben. Die Russische Reichsbank bleibt geschlossen.
Newyork, 14. März. Mitglieder des Stadtraths beschlossen, eine Beileids- Resolution an Deutschland zu richten. Sie beantragten, die Flagge auf dem Rathhause Halbmast hissen zu lassen.
Lokale-.
Gießen, 15. März. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben den Wunsch zu erkennen gegeben, daß bet dem aus Anlaß des Hinscheidens Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm am nächsten Sonntag, den 18. d. Mts., stattfindenden Trauergottesdienst von den untformsberechtigten Beamten, welche dieser Trauerfeter beiwohnen, die Uniform mit Trauerabzeichen (Flor um den linken Oberarm und schwarze Handschuhe) angelegt werde.


