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Nr. IST Freitag den 15. Juni 1888.

Meßmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für dm Kreis Gießen.

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Niaz Pascha Platz gemacht, ohne daß zur Stunde die eigentlichen Ursachen dieses über­raschend gekommenen Eabinetswechsels genau bekannt geworden wären. Der Verdacht lag nahe, daß die Engländer hierbei die .Hand im Spiele gehabt hatten, doch ist seilens der englischen Regierung im Parlamente die Erklärung abgegeben worden, daß sie mit dem egyptischen Eabinetswechsel nichts zu thun habe.

König Georg von Griechenland wird am 25. Juni eine Reise nach Petersburg antreten, welcher ein gewisser politischer Charakter nicht abzusprecheu Mn dürfte - ..

Politische Ueberficht.

Gießen, 14. Juni.

Die längere Ruhepause, welche in der Krankheit unseres Kaisers dem letzten schweren Anfälle folgte, scheint leider wieder vorüber zu sein. Wenigstens tragen die seit einigen Tagen aus Schloß Friedrichskron einlaufenden Nachrichten über das Be­finden des erlauchten Kranken einen recht ernsten Charakter und sind sie nur zu ge­eignet, das deutsche Volk mit neuer schmerzlicher Sorge um seinen geliebten Kaiser zu erfüllen. Die Schlingbeschwerden, welche sich bei Kaiser Friedrich schon in früheren Stadien seiner Krankheit zeigten, sind in jüngster Zeit von Neuem und zwar sehr heftig aufgetreten, die dem Monarchen die Aufnahme von Nahrung außerordentlich er­schweren. Auch das seit etwa drei Wochen völlig verschwunden gewesene Fieber hat sich wiederum eingestellt, wenn auch nur in mäßigem Grade; hoffentlich bewahrheitet sich die fernere Meldung nicht, wonach sich das Grundleiden deS Kaisers auf die Speise­röhre ausgedehnt haben soll, welcher Fall die schlimmsten Befürchtungen rechtfertigen würde. Eine ganz unmittelbare Gefahr für das Leben des hohen Kranken erscheint allerdings nach den officiellen Bulletins als ausgeschlossen. So besagt z. B. das am Mittwoch Vormittag ausgegebene Bulletin, daß beim Kaiser nach gut verbrachter Nacht die Athmung leicht und ruhig war, daß die Ernährung leichter von Statten ging und der Kräftezustand sich gebessert hatte, aber trotz dieser augenblicklich wieder etwas besser klingenden Meldungen ist doch die Lage augenscheinlich sehr ernst und nur mit schwerer Besorgniß kann man dem entgegensehen, was die nächsten Tagen bringen werden. Prof o Bardeleben verbleibt bis auf Weiteres in Friedrichskron.

Aus innerpolitischem Gebiete bildet die Frage, wer an Stelle v. Putt- kamer's das preußische Ministerium des Innern (übernehmen werde, nach wie vor das Alles beherrschende Tagesthema. Indessen lauten die Meldungen über die Wieder- besetzung dieses wichtigen Amtes noch recht widerspruchsvoll; nach einer anderen Version stunde die Entscheidung unmittelbar bevor und eine dritte Meldung endlich weiß sogar zu berichten, daß die Ernennung des Nachfolgers für Herrn v. Puttkamer bereits vollzogen sei. Als solcher wird von der betreffenden Seite Herr v. Zedlitz-Neu- kirch Vortragender Rath im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, der eigentliche Führer der freiconseroativen Partei im Reichstage genannt; indessen widersprechen die Berl Pol Rachr " welche bekanntlich als officiös gelten, dieser Nachricht entschieden, ko daß also die Personenfrage offenbar noch in der Schwebe ist. Dazwischen wollen die Gerüchte von ferneren Rücktrittsgesuchen von Mitgliedern des preußischen Staats- nrinisteriums nicht ^verstummen. So sollte z. B. der Juftizminister Dr. v. Friedberg seine Demission eingereicht haben und zwar wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Reichskanzler, doch ist auch diese Meldung in allen ihren Theilen von officioscr Seite als durchaus unbegründet bezeichnet worden. Auch der Kriegsminister, Bronsart v. Schellendorf, soll sich mit Rücktrittsgedanken tragen, welche Nachricht hier nur der SBoUtanbtW Diener Kaiser Wilhelm's, Herr v. Wilmowski, Eh^

des kaiserlichen Civilcabinets, hat seinen Abschied erbeten und dem Vernehmen nach auch schon in anädiaster Form bewilligt erhalten. Politische Grunde liegen dem Ausscheiden Wtlmowski's aus seinem bisherigen Amte fern, vielmehr werden ein hartnäckiges Suamldben unb baMobe Alter des Genannten - Herr v. Wilmowski ist 71 Jahre alt - als die Ursachen des Abschiedsgesuches angeführt. Heber den Nachfolger Wilmowski's scheint an allerhöchster Stelle noch keine Entscheidung getrosten zu sein.

Wieder einmal heißt es, daß die Vorberathungen des Bundesrathes über ben abaeänderten Entwurf desAlters- und JnvaliditätsoersicherungSgesetzes für die Arbeiter ihrem Abschlüsse nahe seien und soll im Laufe der kommenden Woche d e erste Lesung beendigt sein. Der Entwurf würde alsdann, wie weiter verlautet zu­nächst den einzelnen Bundesregierungen unterbreitet und hierauf auch der öffentlichen Meinung vorgelegt werden, damit die in dieser Frage vor Allem competenten^ Kreise ihr Unheil über den abgeänderten Entwurf abgeben können. Inzwischen wird sich der Bundesrath vertagen und nach der Sommerpause in die zweite Lesung des Entwurfes unter Berücksichtigung der abgegebenen Gutachten von sachverständiger Seite eintreten. Wird dieses Programm innegehalten, dann stünde der endlichen Einbringung der Alters- und Jnvaliditätsversicherungs-Borlage in der nächsten Reichstagssesston wohl nichts ^Egypten hat das bisherige Ministerium Nubar Pascha einem Ministerium

aufmerksam, daß den Abonnenten des Anzeiger- dieVerwaltungsblätter" zum ermäßigten

Preise von 50 pro Quartal geliefert werden. Die ^pevition.

Z>eutschlaud.

Darmstadt, 13. Juni. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. 21.: Die Hauptleute Feldt, v. Schemen und Hessig vom 2. Großh. In­fanterie-Regiment (Großherzog) Mr. 116, den Major Cullmann, Commandeur des Gensdarmerie-Distriets Oberhessen.

Darmstadt, 13. Juni. Das Amtsblatt des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Sektion für Justizverwaltung, Nr. 13 bringt folgendes an särnrnt- liche Justizbehörden gerichtetes Ausschreiben d. d. 6. Juni, betr. das Reglement für die ©efangnif - ung der §$ 31, 64, 67 und 69 des Reglements für die Großherzogl. Gefängnisse vom 31. Deeember 1887 haben wir folgende Bestimmung getroffen: Der Vorsteher des Gefängnisses ist befugt, in dazu geeigneten Fällen den Gefangenen die Benutzung eigener Kleidung, Wäsche und Bettwerk, sowie das Tragen eines Bartes zu gestatten. Diese Besugniß erstreckt sich nicht auf solche Gefangene, welchen die bürger­lichen Ehrenrechte aberkannt morden sind.

Darmstadt» 11. Juni. Das Großherzogl. Regierungsblatt (Beilage Nr. 17) enthalt Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, bie Aufnahme der von der früheren Oberhessischen Eisenbahn-Gesellschaft übernommenen Bahn- und Weichen­wärter in den Staatsdienst betr. n,

2. Ueberficht der von Großherzogl. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Oppenheim in der Zeit vom 1. April 1888 bis dahin 1889.

3. Ueberficht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Rechnungsjahr 188889 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communal-Bedurf- niffe in den Gemeinden des Kreises Heppenheim.

Berlin, 13. Juni. Das Fieber, das bet dem Kaiser gestern Abend eine beträcht­liche Höhe erreichte, fiel im Laufe der Nacht und war heute früh nur sehr gering. Die Nacht verlies in Folge dessen besser als man erwartet hatte: Die Nahrungsaufnahme mit Hilfe der SchlundsonDe geht jetzt sehr gut von Statten. Der Kaiser, der anfäng­lich dagegen eine gewisse Abneigung hatte, verlangt jetzt selbst darnach; dadurch hat sich der Kräftezustand und das Allgemeinbefinden etwas gebessert. Die Nahrungsaufnahme erfolgt jetzt täglich zweimal, früh und Abends in Gegenwart der Aerzte; wahrend dieser Bett ist der Kaiser in der Lage, feste Nahrung ohne die Schlundsonde zu nehmen, wie überhaupt feste Nahrung jetzt leichter aufgenommen wird als fluffige. (tf. 5)

Berlin, 13. Juni, lieber die Höhe der Pension des Herrn Ministers v. Puttkamer wird mitgetheilt, daß diese etwa 17 000 JL betrage. Das Gehalt eine» Ministers beträgt 36000 Die Pension wird von demjenigen ^eU de§ Gehalts, welcher 12 000 JL. übersteigt, nur mit der Hälfte berechnet, der Pensionsanfpruch des Herrn v. Puttkamer richtet sich also nach einem Gehalt von 24 000 Herr v. Puttkamer ist nicht ganz 40 Jahre im Dienst gewesen; seine Pension wird also etwa 17 000 betragen.

Italien.

Bologna, 13. Juni. In Anwesenheit des ganzen Hofes fand die Promotion der Ehrendoctoren statt. Von den anwesenden Deutschen würben promovirl . Lhemtrer Hofmann (stürmisch begrüßt), Jurist Bar (Göttingen), Fitting (Halle), v. Holtzenborff (stürmisch begrüßt), v. Schulte (Bonn), Hinschius (Berlin), bie JJiebiciner Liebermeifter Tübingen), Schiff (Genf), Maßen (Wien). Von Abwesenben würben promovirt als. Doctoren ber Philosophie: Kuno Fischer unb Brunn; Seitens ber naturwissenschaft­lichen Fakultät: v. Helmholtz, Bunsen,Pringsheim, v. Nagele, D0 &er

juristischen Fakultät: Gneist, Jhering, Mommsen (brausenber Beifall), Lorenz, Stein (Wien); bie Mebiciner Koch, Billroth, v. Köllicker, Pettenkofer, Lubwig. (F. Z.)

Boloana. 12 omni. Heute Abenb fanb ein Banket von 400 Gebecken statt, I welches bie Regierung ben Vertretern ber italienischen unb auslänbischen Universitäten | gab. An biefem Banket nahmen auch der deutsche Botschafter und der Gesandte vorr^