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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

1888.

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Vureaur Schul st raße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf,

Amtlicher Hheik.

Beliessen!»: ®l.6e, u. « 18S8.

Das Großherzogliche Kreis-Gesundheitsamt Gießen

Großh-rzoglichen Bürg-rm-iS.r.i.n AIt-n-Bus«ck, Harbach, Hangen, Lauter, Lich, Lumda, Münster, «bborn- ^ofen, Rabert-hausen, RüdvingShauseu, Steinbach, Steinheim.

ersuchen um umgehende Einsendung der Sterblichkeitsnachweise aus den Monaten März und Aprll 1888.

-- --------- Dr. Köhler.

Deutschland.

enthält121 mat Das Großherzogl. Regierungsblatt (Beilage Nr- 15)

1. Bekanntmachung Großh. Ministerien des Innern und der Justiz und der Käcksit^'n ^ Ä^llung der Großherzogltch Hessischen und der Königlich

Sachstlchen technischen Hochschulen tn Bezug auf die Ausbildung für den Staatsdienst tm 2ödUTQ£D. '

Darmstadt, 12. Mai. Das Amtsblatt Großh. Ministeriums des Innern und Justiz, Sektion für Justizverwaltung, Nr. 10 enthält Ausschreiben d. d.Darmstadt, fressend die Auszahlung der von den Gerichten angewiesenen Zeugen- und Sachoerstandlgen-Gebuhren, hier tue Führung von getrennten Verzeichnissen.

. 1 ^eine Majestät der Kaiser empfing um 11 Uhr den Vor­

trag des General-Intendanten Grasen Hochberg, sodann einen kurzen Besuch des Fürsten bls Hs/-Uhr der Kriegsminister Bronsart v. Schellendorf und der Chef des Mtlttarcabmets v. Albedyll Vortrag hielten. Nachher bis gegen 1 Uhr war die Kaiserin Augusta zum Besuch, desgleichen später die Kronprinzessin mit Herzog ^UnüCV°n Schleswig-Holstein, sodann auch der Kronprinz und tue Meiningenschen Herrschaften mit ihrer Tochter.

f4. .. Bei den Kronprinzlichen Herrschaften fand heute Abend ein größeres Diner statt, zu welchem u A. der General v. Albedyll und der Graf Perponcher nebst ihren Gemahlinnen eingeladen waren. y

12 n D-r. Prinzregent ernannte den ehemaligen Kriegsminister, General Maillmger, zum lebenslänglichen Reichsrathe.

Hesterreich.

m . EttEn, 12. Mai. Der Kaiser empfing heute Mittag den heute hier eingetroffenen Prinzen Alexander von Hessen tn halbstündiger Audienz, zu welcher der Prinz mittelst Hofeqnipage abgeholt worden war. Die Erzherzoge Eugen Ferdinand von Toskana und Rainer gaben für den Prinzen in dessen Abfteigequartter Karten ab.

Araukreich.

Paris, 12. Mai. Der Botschafter Herbette reist heute auf seinen Posten nach Berlin zurück. General Boulanger wurde bei seinem Eintreffen in Douai mit bei­fälligen Zurufen begrüßt, in die sich vereinzeltes Zischen mischte.

Paris, 12. Mai. Boulanger hat in Douai eine Rede gehalten, in welcher er die gegenwärtige Verfassung kritisirte, die kein Mittel an die Hand gebe, den Präsidenten der Republik zu verabschieden, wenn derselbe sich weigere, seinen Platz zu verlassen. Diese Verfassung sei ein lächerliches Kompromiß zwischen der Pseudomonarchie und der falschen Republik. Diejenigen, welche sich gestellt hätten, als beantragten sie die Revision der Verfassung, lehnten heute eine solche ab aus Furcht, bei den Wahlen durchzufallen. Er sei stolz auf die Abstimmung der Wähler des Departements Nord welche dazu beitragen werde, die Revision hcrbeizuführen. Diese sei für die Gründung einer demokratischen und dauerhaften Republik unerläßlich.

Stoßen.

Rom, 12. Mai Der Papst empfing heute Nachmittag den Bischof von Osnabrück, der mtt deut zweiten deutschen Pilgerzuge hier eingetroffen ist. Später empfing der Papst eine Gruppe dieser Pilger, welche von dem Fürsten Löwenstein geführt wurde.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Correspondenz-Bureau.

Berlin, 13. Mai. Der Kaiser hatte eine gute Nacht; die Ktäfte nehmen sicht­lich zu. Er verließ um 10 Uhr das Bett und ging ohne Hilfe in das Arbeits­zimmer.

München, 13. Mai. Der Prinzregent Luitpold ernannte den bisherigen Chef des Generalftaos, Verribosia, zum General Capttän der Hartschier-Garde und den Brigade-General von Standt zum Chef des Generalstabs.

Wien, 13. Mai. Ein Armeebefehl des Kaisers bestimmt anläßlich der heute ftaltgehablen Enthüllung des Maria-Theresia-Denkmals und in der Absicht, diesen weihevollen Tag, welcher gleichzeitig ein Ehrentag für die gesammte Wehrmacht' ist, für dieselbe zu einem ewig denkwürdigen zu gestalten und um das Andenken der Ahnen des Kaisers, sowie das der hervorragendsten Krieasmänner des Vaterlandes in der Armee wach iu halten und zu ehren, daß folgende Regimenter auf immerwährende Zeiten folgende Warnen führen: Das Infanterie-Regiment Nr. 32Kaiserin und Königin Mana Theresia"; das Ulanen-Regiment Nr. 6Kaiser Franz Joses II."; das Dragoner- Regiment Nr. 1Kaiser Franz"; das Dragoner-Regiment Nr. 4Kaiser Ferdinand". Ferner erhalten 18 Regimenter die Namen der Feldmarschälle Montecuccoli, Ernst Ruediger, Slarhemberg, Markgraf von Baden-Baden, Abensberg Traun, Khevenhueller, Wenzel Lichtenstein, Frhr. Monntany-Camus, Graf Nadasdy, Daun, Hedik, Laudon,' Lacy, Cleriayl Karat), Prinz von Sachsen-Coburg-Saalseld, Johannes Lichtenstein.

Lille, 13. Mai. Bei dem gestrigen Banket hielt Boulanger eine Rede, in welcher er auf die Ohnmacht und Unsähigkeit der Kammer hinwies und die gegen ihn gerichteten Vorwürfe als eine Insurrektion der Kammer gegen die Wähler bezeichnete. » Die 500 Nichtsthuer in der Kammer müßten ein tiefes Bewußtsein von ihrer Unpopu­larität haben, um sich wegen der geringsten Handlungen eines entwaffneten Mannes, wie er es sei, Sorge zu machen. Seine Wahl im Norddepartement habe Frankreich aurgerüttelt. Die WorteAuflösung und Revision der Verfassung" haben das Parla­ment gezwungen, aus seiner Letargie herauszutreten. Er werde das Werk der Reform I mit Ruhe und Stetigkeit weiter verfolgen; das aber sei nicht möglich bei einer Ver-

Lokales.

Gießen, 14. Mai. Die Vorbereitungen zum Lutherfestspiel sind nun soweit gediehen, daß voraussichtlich in den ersten Tagen des Juni di! Aufführungen

?nfan9n ne^en werden. Wenn man hört, mit welchem Beifall das Luthes festspiel an allen ^rten, an denen es bisher aufgeführt wurde, ausgenommen ist so wird man dte zuversichtliche Hoffnung hegen dürfen , daß auch die Gießener Vor­stellungen warmer Antheilnahme begegnen werden. Wie in Leipzig und in Bonn so sind auch hierdie Darstellenden zwar sämmtlich Dilettanten von einem fierpok Agenden Regisseur, Herrn Herrmann vom FrankfurterStadtheater, geschult - aber fast sämmtlich den akademischen Kreisen entnommen. Durch Leipzigs Einwohner- schaft ging in den Tagen der Aufführung, vom 10.27. November °1887, eine all- ^'"Ä^^^ung: Erhebung, nicht Ergötzung empfanden die Zuschauer, die auch in den Augenb icken höchster Befriedigung nicht zu Beifallsklatschen sich fortreißen ließen Die andächtige Menge gab aber an den Höhepunkten des Festspiels ihrer warmen' begetsterten Empfindung dadurch Ausdruck, daß sie sich erhob und in die majestätischen ^orale lubelnd einfttmmte. In Braunschweig war kürzlich der Andrang des I ru den Aufführungen so enorm, daß sich das Comit6 noch zu vier weiteren

! Vorstellungen entschließen mußte, welche vom 13.16. Mai stattfinden sollen

Hannover nehmen die Aufführungen am Pfingstfest ihren Anfang. - Da in unserer sfbgend mithin das Festspiel noch nicht zur Darstellung gelangt ist, so werden voraus- sichtlich unsere Stachbarstadte ein starkes (Kontingent zum Besuche desselben stellen und der Andrang zu den Vorstellungen daher ein sehr großer sein. Im Interesse des

f Ä auswärtigen Publtkums wird es deßhalb liegen, die Bestellungen aus Btllets so frühzeitig als möglich zu machen, d. h. sobald das Comitä die Bekannt­machung bezüglich der Bllletausgade erlassen hat.

Gießen, 14 Mai. Unsere jüngste Mittheilung betreffs des Lutherfeftspiels können wir heute dahin ergänzen, daß das (Komite den Beginn - der hoffentlich redjt zahlreichen - Ausführungen auf Sonntag den 3. Juni festgesetzt hatt Die Vorarbeiten zum Bau der Buhne haben begonnen; in den Proben, deren letzte wieder die besten Erwartungen gerechtfertigt haben sollen, legt der artistische Leiter des Ganzen, Herr Karl Herrmann von Frankfurter Stadttheater, die letzte Feile an die Ausarbeitung, die zahlreich betheiligten Studenten sind begeistert für ihre Aufgabe der Sangerchor wird in wenigen Proben seine Aufgabe bewältigt haben - noch ein' paar Wochen und: Gluck auf zum Einzug des Lutherfestspiels in unserer Stadt!

Ä ®ie6tn, 14. Mai. ^(Vortrag betreffend Heilung des Stotterns.) Der in Nr. 109 dieses Blattes annoncttte Vortrag des Taubstummenlehrers Schneider aus Friedberg ist in mehr als einer Beziehung eine sehr beachtenswerthe Leistung zu nennen. Weniger führtth'f 7 er uns ein trauriges menschliches Gebrechen anschaulich oor-

fuhrt, das bis jetzt sowohl innerhalb als außerhalb der Schule nicht genügende Würdigung und Theilnahme erfahren, als vielmehr deswegen, weil er uns theoretisch und practlsch letzteres aus Grund eigener sowie sonstiger auf diesem Gebiete gemachten Erfahrungen lehren will. Durch den Vortrag d»s Herrn Schneider erscheint es uns nun doch zweifellos daß die erfolgreiche Bekämpfung dieser krankhaften und abnormen Erscheinungen durchaus schwierig sei, daß sie eiserne Consequenz und Willens­kraft beiderseits, sowie ein gut Theil theoretischer Fachbildung und eine längere praktische Uebung erheische. Wenn dem aber so ist, wie kommt bann die Heilung des Stotterns in die Schule { Sind alle Lehrer derartig vorgebildet, daß sie hier erfolgreich einzu­greifen vermögen . Rietet das Seminar es ist hier speciell von der Volksschule die ^ede ihnen genügenden Vorbereitungsunterricht für ordnungsmäßige Behandlung der Stotternden?

Herr Schneider will diese Disciplin als obligatorischen Lehrgegenstand in die Seminare ausgenommen und als solchen behandelt wissen. Wir pflichten ihm hierin bei, denn nur in die Schule, welche in Beziehung zum Elternhause steht und stehen muß^ gehört die Bekämpfung sprachlicher Störungen. Der Arzt kann und muß aller- dings vorher durch Untersuchung des Sprechapparates feststellen, ob hier nicht ein organischer Defeet vorhanden ist, da in diesem Falle wohl die Heilung durch die Schule geringen oder gar keinen Erfolg verspricht.

Mit der Einführung des Stotterunterrichts in die Schule aber erwächst dieser e^e ebenso schwierige, als dankenswerthe Aufgabe, deren Inangriffnahme wohl in absehbarer Zeit allgemein erfolgen dürste. Was die Sache hierorts betrifft, so können wir jetzt schon mittheilen, daß der Schulvorstand derselben bereits in der Weise näher

-?rlniftcrskn, 0an8- und gar bet Verfügung unmoralischer Koalition überantworte. Die Abgeordneten wurden gewählt, um sich mit dem Lande ru Mrfmf- ttgen, statt dessen beschäftigen sie sich mit sich selbst.

npfiSrtPre^rJ?!LaUiim biefem Zustande ein Ende zu machen, das Land gehöre nur sich selbst Es lebe Frankreich, es lebe die Republik! Nach dem Ende des Umfang an^men' cm'8en ^erf°nen 3u Reibereien, die jedoch keinen größeren c 13- Mai Das Befinden des Kaisers von Brasilien bessert sich fort-

dauernd, das Fieber hat fast ganz aufgehort.

ozda^celona, 13. Mai. Die Offiziere der hier anwesenden österreichischen und m flatteten beute den hiesigen Behörden Besuche ab und werden

morgen deren Gegenbesuche empfangen.

drtnz Ferdinand ist hier eingetroffen und beabsichtigt, sich morgen nach Lompalanca zu begeben. ö

©erlitt, 14. Mai, Morgens. sPrivatdepesche.) Se. Majestät der Kaiser hatte eine recht gute Nacht und erquickenden Schlaf. Er verließ um 10 Uhr das Bett. Die Eiterung ist geringer.