Nr. 8K Drittes Blatt. Sonntag den 15. April 1888»
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Vrrreaur Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf,
Amtlicher HHeit.
Betreffend: Maßregeln gegen das Vagantenthum.
Betreffend: Die Bildung der für das Jahr 1888/89 nöthigen Weinsteuer-Einschätzungs.Commissionen. ®te6e”' “m 13‘ apnt 1888'
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
- „r. Unter. Bezugnahme lmf die Artikel 4, 6 und 7 des Gesetzes und § 4 der Verordnung vom 9. December 1876, die Besteuerung des Weins betreffend hiffipne5rtrXr a^rQlb bur$rben Gememderath drei Mitglieder und zwei Stellvertreter derselben für die nach Artikel 4 de/genannten Gesetzes zu bildenden örtlichen Commissionen wählen zu lassen und das Ergebniß der Wahl uns binnen 14 Tagen anzuzeigen. 5
_____Dr. Boekmann.
„ Nachdem der Kreistag die Errichtung von Naturalverpflegungsstationen in Gießen, Hungen und Grünberg genehmigt hat, ist diese Einrichtun« den 6 -ftebten 9ke-tlet.e1n; P” bufen Verpflegungsstationen erhält jeder unbemittelte Durchreisendefreie Verpflegung und freies Nachllaaer «UkuÄrb'CJe ®lKriC^«>n3.r'x bte Unterstützung von armen Reisenden hinlänglich Sorge getragen. Die Unterstützungen werben qeqen eine entsvreckende Arbeitsleistung der Nachsuchenden gewährt. Durch die Errichtung dieser Stationen soll dem Haus- und Straßenbettel Durchreisender erüaeqenqewirkt werden Abaltm^ Die «Ordnung ist aber vor Allem erforderlich, daß die durchreisenden Bettler keine Unterstützung von Privatpersonen mehr
nn «Xi. 1.. h*? r bc$ UrtifcS werben d^ber dringenb ersucht, keinerlei Almosen an Durchreisenbe vom 20. d. MtS.
n mehr zu gewahren, sonbern dieselben an bte Naturalverpstegung-stationen zu verweisen.
Die Naturalverpflegungsstationen befinden sich: 8 1
1) in der Herberge zur Heimath zu Gießen,
2) bei Herrn Konrad Groß in Grünberg,
3) bei Herrn Wilhelm Heßler in Hungen.
H^oßherz^lichen°Bürgermestlere?en.^^^b^P^b9""3sstationen find in Gießen das Großherzogliche Polizeiamt und in Grünberg und in Hungen die betreffenden und PrahmME1.“'mauch ,eme Arbeitsnachweisestelle verbunden worden. Wir richten daher an alle Industrielle, Gewerbtreibeude und Landwirthe, welche Gehulfen und Arbeiter bedürfen, das Ersuchen, die Vorstände der Naturalverpflegungsstationen hiervon in Kenntniß iu setzen damit §nen vorkommenden Falles bte die Stationshülfe in Anspruch nehmenden Arbeitsuchenden zugewiesen werden können. * 3 ™ '
G"ßen, rm November 1887. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
------ - - ___________ ______ Ur. Boekmann.
Berlin, 13. April. Die Berichte, welche einige Blätter gestern und heute über eine VertchUmmerung des Gesundheitszustandes des Kaisers veröffentlicht haben, waren glücklicherweise übertrieben. Die Veränderungen, die durch einen Fortschritt des lokalen Leidens im Athmungskanal hervorgebracht sind, sind nicht so bedrohlich, wie es hin und wieder aufgefaßt ist. Von einer neuen Operation war keine Rede, die Auswechselung der Canüle, d. h. die Ersetzung der bisherigen durch eine etwas längere hat die entstandenen Beschwerden sofort beseitigt und ist ohne Schwierigkeiten von Statten gegangen. Der Kaiser hatte eine gute Nacht, er ist um 8 Uhr aufgestanden, hat eine Reihe von Vorträgen entgegengenommen und sein Aussehen war, als er von 12 bis 1 Uhr sich mit der Kaiserin und der ältesten Tochter zuerst bei der Kaiserin - Mutter und dann im Palais aushi-lt, ein verhältnißmäßtg recht gutes. Das Kaiserliche Paar wurde wieder von dem Publikum, das sich bald in Massen ansammelte stürmisch begrüßt und als es beim Vorbeimarsch der Wache am Parterresenster des Palais erschien, erreichten die minutenlang andauernden Ovationen ihren Höhepunkt. Bei der Rückfahrt bildete das Publikum in dichten Reihen Spalier, brach in Hochrufe aus und schwenkte die Hüte; auch Dr. Mackenzie hatte seinen Theil an den freundlichen Begrüßungen.
— Die Kaiserin hat heute das Protektorat des Comite's der Sammlungen für die Ueberschwemmten übernommen.
— Die wiederholten Conferenzen, die Fürst Bismarck außer mit der Kaiserin und dem Kaiser auch mit der Kaiserin-Wtttwe und dem Kronprinzen gehabt hat, gelten zum Theile der Ordnung von finanziellen und Familienangelegenheiten. Da Kaiser Wilhelm den größten Theil seines Vermögens dem Krontresor vermacht hat, so sind gewisse Auseinandersetzungen und Anordnungen über die zukünftigen Bezüge der Mit. glieder des kaiserlichen Hauses nothwendig geworden, die der Kaiser bald zu erledigen wünschte, und die auch, wie man hört, bereits erfolgt sind.
Lokales.
Gießen, 14. April. Hinsichtlich der Kehrichtabfuhr von Seiten der Stadt scheint in neuerer Zeit vielfach Unklarheit bei einem Theil der Einwohner zu herrschen Vor dem ersten April d. I. fuhren die Kehrichtwagen an bestimmten Tagen und Stunden durch die Straßen und nahmen den bereit gestellten Kehricht mit. Bei Einführung der Straßenreinigung von Setten der Stadt fahren diese Wagen nicht mehr so präcise, sondern jeweilig mit der Kehr-Eolonne. Die Fuhrleute sind jedoch gehalten, mit der am Wagen hängenden Glocke zu läuten und so darauf aufmerksam zu machen, daß die Kehrichtbehälter vor die Thüren gebracht werden, damit der Fuhrmann solche alsbald abnehmen kann. Die Behälter können sofort wieder mitgenommen werden und brauchen dann nicht halbe Tage lang auf den Trottoirs zu stehen und die Straße zu verunzieren.
14. April. Heber den Zauberkünstler Jochum, gen. Joachim, schreibt das „Siegener Volksblatt" vom 3. Februar 1887:
tÄ Dm Kurzem hatte Einsender dieses Gelegenheit, im kleinen geselligen Kreise dre Kunstfertigkeit des Zauberkünstlers Herrn Jochum zu bewundern. Es waren nur kleine, improvisirte Sachen, die Herr Jochum zur Erheiterung der Gesellschaft oortrug, weder Bühne noch Apparate irgend welcher Art standen ihm im Augenblicke »u Gebote. Daß trotzdem, obgleich Herr I. in Mitten der Gesellschaft sitzend, von allen Leiten deren Blicke ausgesetzt war, die vorgeführten Zaubereien einen vollständig durchschlagenden Erfolg hatten, beweist, in welch großem Maße derselbe in'diesem Fache ein wirklicher Künstler ist. Es mögen hier unter anderen nur seine Kartenkunststücke ganz besonders hervorgehoben werden. Mit welcher Sicherheit Herr I. beispielsweise gezogene Karten errieth, sogar ohne das Spiel Karten, aus welchem sie genommen waren, selbst
zur Hand zu nehmen, war wirklich überraschend und staunenswerth, ebenso das rasche und sichere Herausfinden bestimmter Karten aus seiner Brustlasche. Eine Menge ebenso reizender als schwieriger Kartenstücke führte er mit bewundernswerther Fertigkeit vor. Auch das Changiren mit verschiedenen Gegenständen, u. a. mit einem rohen Et, zeigte den vollen Meister seines Faches.
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Vermischtes.
Marburg, 13. April. Die hiesige „Oberhess. Ztg." schreibt: Und es soll nun sem, wie es ist, Marburg wird Weltstadt, auf dem Wege dazu sind wir. Wer hätte z. B. vor einigen Monaten gedacht, daß der Fünfzigpfennig-Bazar, die Colportage- Buchhandlung, die Buchdruckerei und der Zeitungsverlag des „Täglich neuen Annoncenblattes", die Agentur des „Frankfurter Generalanz." über Nacht verschwinden würden-? Und doch ist dem so; der Inhaber all' dieser Geschäfte, I. H. P. Wolff, hat gestern Nacht, nachdem seine Frau und Kinder einige Tage früher sich auf die Reise begeben baden, ein Gleiches gethan; wohin? ist unbekannt, jedenfalls aber nach jenseits des Oceans. Dem Mann hat's in der ausstrebenden Stadt geglückt; nachdem er alles das getrieben, was er nicht gelernt, versuchte er es auch noch zu guterletzt mit Guttenberg's Kunst, die bekanntlich den Leuten nichts weiß, sondern schwarz machen will und scheint nun hierbei zu der Einsicht gekommen zu sein, daß der Betrieb einer Buchdruckerei und sei sie noch so klein, ohne Verständniß alles ist — nur kein rentables Geschäft.
△ Mainz, 13. April. Der Maurerstrike scheint hier rasch zu Ende zu gehen und wirv voraussichtlich mit einem Nachgeben von beiden Setten seinen Abschluß finden. Die Bürgermeisterei hatte auf gestern Nachmittag die streitenden Parteien zu einer gemeinsamen Besprechung eingeladen, welche Zusammenkunft zwar nicht zu einer Verständigung führte, dagegen den Erfolg hatte, daß man auf beiden Setten zu der Einsicht kam, sich gegenseitig Concessionen machen zu müssen. Beide Theile versprachen Versammlungen ihrer Kollegen etnzuberufen, um das Für und Wider der beidertheilt- gen Ansprüche und Forderungen eingehend zu erörtern. Wie wir hören, war ein Theil der Bauunternehmer mit Rücksicht auf vertragsmäßige Verpflichtungen gestern schon gewillt, den größten Theil der Forderungen der Gehülsen zu bewilligen.
— Wie hiesige Blätter mittheilen, besteht die Absicht, die ehemalige Jesuitenkaserne, das frühere Mainzer Universitätsgebäude, welches nach langjährigen Verhandlungen mit dem preußischen Mtlttärfiscus erst vor Kurzem wieder in den Besitz der Stadt kam, als Erweiterung des Stadthauses einzurichten. Mit Ausnahme der Kasse, Polizei und des Bauamtes sollen sämmtliche Zweige der städtischen Verwaltung in dem Gebäude untergebracht werden. Seither war im Project, die Jesuttenkaserne für Schulzwecke und speciell sür das Unterbringen einer neu zu errichtenden höheren Töchterschule zu verwenden.
— Am 22. April findet in der „Stadthalle" hier ein großes Radfahrer-Fest statt, das nach den Meldungen zu dem Preisfahren ein großartiger Wettkampf des Radfahrer-Sportes zu werden verspricht.
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Aijlll III BllI f II S ist vom feinsten Geschmack und grösster Aus- »debigkeiL Das Beste ist stets das Billigste.


