Ausgabe 
15.1.1888 Erstes Blatt
 
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1088.

Sonntag den 15. Januar

Erstes Blatt

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Dreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

Dureaur Schulstraße 7.

Se. Maj. der Kaiser, der gestern von 4 bis 8V2 Uhr

13. Januar.

Seine Majestät der Kaiser stand um IOV2 Uhr auf,

13. Januar.

Telegraphische Depeicheie.

WoLff's Lelegr«,

außer torHöett war u^ Negicrungsgeschä^ hatte eine gute Nacht.

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Hauptstad ^11 5. Januar 1888. '

(gez.) Friedrich Wilhelm, Kronprinz.

Berlin, 13. Januar. Der Bundesrath verhandelte in der am 12. ds. Mts. unter dem Vorsitz des Staatsministers, Staatssecretärs des Innern v. Boetticher, abgehaltenen Plenarsitzung über eine Eingabe, betreffend dre behufs Erlangung emes amerikanischen Patents vor einem deutschen Gericht abgeleisieten Erde, sowie über mehrere Eingaben wegen Abänderung der Kranken- und Unfallversicherungsgesetze. Dem Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Abänderung, des Gesetzes über die Rechts­verhältnisse der deutschen Schutzgebiete, wurde in unveränderter Fassung dem Gesetz­entwurf über die Festsetzung des Landeshaushalts-Etats von Elsab-Lothrtngen für 1888/89 mit den von den Ausschüssen für Rechnungswesen und für Elsaß-Lothrrngen vorgeschlagenen Abänderungen die Zustimmung erteilt. Von bet der Geschäfte des Bundesamts für das Heimathwesen im Geschäftsjahr 1886/87 und von der Denkschrift, betr. die Ausführung der fett dem Jahre 1875 erlassenen An- leibegesetze, forote dem dazu vom Reichstage gefaßten Beschlüsse nahm die Versammlung Kenntniß, erklärte sich mit der bereits erfolgten Ueberweisung des Gesetzentwurfs für Elsaß - Lothringen über das Theilungsverfahren und den gerichtlichen Verkauf von Liegenschaften an die Ausschüsse für Justizwesen und für Elsaß-Lothrmgen einver­standen und übergab die Vorlage, betreffend dre weitere Ausprägung von Kronen­stücken den in erster Lesung festgestellten Entwurf eines bürgerlichen Gesetzbuchs, den Entwurf eines Gesetzes für Elsaß - Lothringen über das Forststrafversahren und den Antrag Badens, betreffend den V-r-d-lungsverkebr mit g-1°rbten S^ denkarnrnliMn, den zuständigen Ausschüssen zur Vorberathung. Für die erledigte Stelle eines Mit- gliedes der Disciplinarkammer für elsaß-lothringische Beamte und Lehrer zu Kolmar wurde die erforderliche Ersatzwahl vorgenommen.

Wien, 13. Januar. DasFremdenblatt schreibt: Die aus Petersburg ge­meldeten Stimmen desJournal de St. Petersbourg" und derBorsenzettung sind gewiß geeignet, in der Publizistik wieder jene Stimmung zu verstärken, welche den Glauben an den Anbruch einer dauerhaften friedlichen Situation belebte.

Bern, 13. Januar. Der Bundesrath theilte Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Niederlande, Oesterreich-Ungarn, Portugal und Serbien mit, daß Italien der internationalen Phylloxera-Conoention vom 3. November 1881 beitritt.

DariS, 13. Januar. Senat. Nach Eröffnung der Sitzung dankte Leroyer für die Ehre die man ihm abermals mit der Wahl zum Präsidenten erwiesen habe. Eine aroße Anzahl von Gesetzvorlagen habe noch keine Erledigung gesunden, letztere sei nur u oft durch die eingetretenen Ministerwechsel verzögert worden. Er hoffe, daß die Reaierung von dem guten Willen des Senats Gebrauch machen und daß der Senat feine Controlrechte mit derjenigen Wachsamkeit und Festigkeit ausuben werde, die ihm nach seinen conftitutioneUen Prärogativen zukämen und welche das Land von dem Patriotismus des Senats erwarte. Im Laufe der Sitzung wurde eine große Anzahl k.y n-uen Senatswahlen ohne Debatte für giltig erklärt.

VariS, 13 Januar. sDeputirtenkammer.j Präsident Floquet begrüßte, als er den Drchidentenstuhl einnahm, die Kammer mit einer Ansprache, in weicherer die euer- aifche Lebenskraft der Kammer rühmend hervorhob, die Mil Unerschütterlicher Festigkeit ein noch wendiges, wenn auch schmerzliches Opfer gebracht und eine «°n der Ehre der Republik geforderte constitutionelle Wendung herbeigesuhrt habe. Es sei die Pflicht.der Kammer, aus festen Grundlagen eine dauerhafte Harmonie zwischen den öffentlichen Gewalten aufrecht zu erhalten, es entspreche dem nationalen Jitterepe, daß nicht nun­mehr die Autorität der gesetzgebenden Gewalt erschüttert werde, nachdem diese das An­sehen der Exeeutivgewalt glücklich wiederhergestellt habe. Floquet constatirte demnächst, daß die den Gang der Politik berührenden Fragen die Nation im Augenblicke wenig intereifirten, man müsse sich milden finanziellen Fragen beschäftigen, sowie Mit der Industrie, dem Handel, dem Loose der Arbeiter, mit den militärischen Verhältnissen, mit der internationalen Lage. Warum solle die Kammer sich nicht verständigen über diese Fragen, da sie doch in gleichem Maße die Gerechtigkeit für Alle wolle bet der Regelung innerer Angelegenheiten, wie bei der Behandlung über auswärtige Interessen die Loyalität eines friedliebenden, aber der Schwache nicht, zugänglichen - Strenge Gerechtigkeit im Innern, scrupulose Loyalität in auswärtigen Angelegenheiten feien die Bedingungen für die nationale Stärke, Frankreich muffe stark fein, wenn es als Alliirtcr begehrt, als Gegner gefürchtet sein wolle. Der Deputirte Letellier rich­

tete eine Ansrage an den Justizminister Fallieres über die Enthebung Digneau's von seinen Functionen als Untersuchungsrichter Der Minister erwiderte, Vigneau s Ver­halten stehe im Widerspruche mit der Wurde und Unparteilichkeit, die ein Angehöriger des Richterstandes zu beobachten habe, llebrigens werde die Lage der Angeschuldigten durch das Vorgehen gegen Vigneau nicht berührt, das gerichtliche Verfahren werde ruhig seinen Gang gehen. Der Deputirte Basly brachte den Antrng aus Amnestlrung aller wegen politischer Verbrechen und Vergehen verurtheilten Personen ein und bean­tragte dafür die Dringlichkeit. Der Ministerpräsident Tirard erklärte er Jet nicht gegen die Dringlichkeit, er sei auch zu Milde und Gnade geneigt, müsse sich aber ganz unbe­dingt gegen die Bewilligung einer Amnestie aussprechen. Nach längerer Debatte wurde die Dringlichkeit mit 265 gegen 197 Stimmen abgelehnt.

sSenat.1 Zum Präsidenten wurde Leroyer mit 171 von 201 Stimmen wie­dergewählt; ebenso wurden Humbert, Magnin, Tesserene und Peyrat zu Viceprästden- ten ^iebergemäbtt. $anuar Salisbury hielt gestern bei einem Banket der Eon- servativen eine Rede, in welcher er hervorhob, daß die europäische Lage sich etwas aebestert habe; der Friede sei jedenfalls für die nächste Zukunft gesichert; ine Sou­veräne und Minister widmeten ihre ganze Energie der Aufrechterhaltung des Friedens und er hoffe deßhalb, derselbe werde schließlich erhalten bleiben.

iRom, 13. Januar. Der Papst empfing heute den außerordentlichen Gesandten des Königs von Württemberg in feierlicher Audienz.

Der außerordentliche Gesandte des Großherzogs von Baden erhielt vom Papste das Großkreuz des St. Gregorius-Ordens. Die deutschen Pilger unter Führung des Fürsten Löwenstein wird der Pavst nächste Woche empsangen.

' Petersburg, 13. Januar. Wischnegradski wurde zum Finanzminister ernannt. Tolstoi erhielt den Wiadimtrorden I. Elaste, Pobedonoszew den Alexander Newskiorden mit Brillanten mit sehr gnädigen Diplomen. Die Minister Osttowstt und Woronzow f^.i'en auch den Alexander Newskiorden mit Brillanten. Dem Reichs-Eontroleur rourbe her Ätmirorben erster Elasse verliehen. Der Großfürst Alexei

wurde cr macht bekannt, die Universitäten Petersburg, Moskau,

Kasan, Charkow und Odessa würden nicht an dem üblichen Termine, das heißt am 15./17. Januar, roiebereröffnet. , r , e

Belarad, 13. Januar. Bei bem Neuiahrsempfange brachte der deutsche Ge­sandte, Graf Bray, Namens des diplomatischen Corps dem Könige Glückwünsche dar; hierauf nahm derselbe die Glückwünsche der Minister, der Staatsrathe, des Ofstcler- corps und der Landesvertretung entgegen.

Gruics ist zum General ernannt worden.

Berlin, 14. Januar, 11 Uhr 25 Min. (Prioatdepesche.) Der preußische Land­tag ist soeben eröffnet worden. In der bet der Eröffnung verlesenen Thronrede wird betont, daß dre Sorge um den Kronprinzen den Kaiser, sowie die ganze Nation noch nicht verlassen habe. Die Hoffnung auf die Genesung" bleibe jedoch bestehen. Die Finanzlage Preußens habe sich über Erwarten günstig gestaltet. Das Rechnungsjahr 1886,87 ergab eine Besserung um 32 Millionen gegen den Voranschlag. Noch günstiger scheine sich das Jahr 1887/88 zu gestalten.

An neuen Vorlagen werden angekündigt: Vorlage betr. Besserung der Lage der Geistlichen aller Bekenntnisse, Aufhebung der Wittwen- und Waisengeldbeiträge von Beamten, theilweise staatliche Uebernahme der Besoldung von Volksschuttehrern, Her- stellung wichtiger Eisenbahnen, die Regelung des unteren Laufes der Weichsel, Ein­führung der Kreis- und Prooinzialordnung in Schleswig-Holstein, die Bestreitung der Kosten der Ortspolizei in Stadtgemeinden mit königlicher Polizeiverwaltung.

«erlitt. 13 Januar. e-etne yjcajenai oer Maner iiunu uiu wyi uu,, Börte fpa" bte Vorträge Pirponche.'s, Albedyll's und deS Kriegsministers und zeigte sich beim Ausziehen der Wache am Fenster. Um 4 Uhr ertcheint Staatssekretär Biv- maX<t Januar. Ein Bulletin der Aerzte Schrader, Krause und Hovell

aus S^ Remo vvm 13. Januar, Morgens, lautet: D>e Krankheitserlcheinungen bei dem Kronprinzen bestanden während der letzten zwei Wochen in etwas stärkerer Schwellung der linken Kehlkopshälste und einer von dort sich etwas allgemeiner aus- breitenden entzündlichen Reizung der Kehlkopsschleimhaut. Gleichzeitig war stärkere Schleimabsonderung vorhanden, welche, wie die Entzündung, jetzt wieder im Der- ftbmlnbra bwiffen^ift @c, unb Hoheit der Kronprinz hat dem hiesigen Magistrat aus seine an Höchstdenselben gerichtete Neujahrs-Gtückwunschadresse folgendes AntworMreiben z,^h Hauptstadt hat mir zum Jahreswechsel seine wohlgemeinten lind treuen Wünsche in die Ferne gesandt, an welche mich mein körperlicher Zustand "och immer fesselt. Die Erfiillung des Wunsches für meine Genesung steht in Gottes Hand, doch hoffe ich zuversichtlich, daß mir die Kräfte nicht fehlen werden welche mir aeftatten in guten wie schweren Zeiten dem Vaterlande das zu sein, was dasselbe von mir erwartet? Dem Magistrat danke ich herzlich für den Ausdruck ^ner Thettnahme unb erwidere denselben mit dem aufrichtigen Wunsche für das fernere Gedeihen der

G-fundrn: 1 Muff, 1 Schirm, 1 Laterne, 1 Schuh, 1 Gummiball, 1 Kappe, 1 Pferdedecke, 1 Glacehandschuh, 3 Portemonnate's nut Inhalt, d Taschenmesser, 1 Ciaarren-Etui, mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken.

Gießen, am 14. Januar 1888. GroßherzoglrcheS Polizeramt Gießen.

Fresenius. ______

L o k a l e tz.

föieftett» 14. Januar. In dem Rektoratsjahr vom 1. October 1886 bis dahin 1887 wurden von der Großherzoglichen Landes-Universität Gießen folgende Promo- tionen vollzogTheologie honoris causa wurde promovirt: am 28. Septbr. 1887- Licent Theol. Friedrich Spitta, ordentl. Professor der Theologie in Straßburg.

* yu Doctoren der Medicin, Chirurgie und Geburtshulfe wurden pro­movirt - am 3. December 1886: Wilhelm Vogel, approb. Arzt aus Nauheim; am 14 Mai 1887: Max Kahn-Bensinger, approb. Arzt aus Mannheim; am 8 Juni 1887 wurde dem Geheimen Medicinalrath Dr. Jacob H och getand m Mainz rüm 50 jährigen Doctorjubiläum das Diplom erneuert; am 10. Juni 1887 wurde dem praktischen Arzte Dr. Ferdinand Schmidt in Gießen zum 50iahrigen Doctoriub laum das Diplom erneuert; am 18. Juni 1887: Heinrich Platz, approb. Arzt aus Gichen, am 24. Juni 1887: Willy von Grolman, approb. Arzt aus Gießen, am 25. Juni 1887 Julius Mögt, approb. Arzt aus Offenbach; am 25. Ium 1887. Hermann Fink, approb. Arzt aus Ätohftlden; am 25. Juli 1887: Johannes Vages, approb. Arzt aus Mainz; am 30. Juli 1887: Ludwig Bott, approb. Arzt aus Höchst i. O., am8 14. August 1887 wurde dem praktischen Itrzte in Darmstadt ^^/Im Zrmmer- mann mm 50jährigen Doctorjubiläum das Diplom erneuert; am 15. August 1887, Heinrich Poths approb. Arzt aus Echzell; am 16. August 1887: Reinhard Koch, apptoB-3^r^0a0st 5e,bb: 6110(0p6fe wurden promovirt: am 2. Nooembev 1886: Hermann Schaeser, Realgymnasiallehrer tn Vrersen; am 11. November 1886. t'vbuarb Ottmann, provif. Gymirasiallehrer in Worms; am 24 Novnnber 1886 Hermann Willig, Realgymnasiallehrer m Marnz; °m 26. November 1886. Gustav Jellinek, stud. chem. aus Wilna; am 10. December 1886. August Ahlherm, Gymnasialaccessist in Gießen; am 11. December 1886: Philipp Friedrich, Reallehrer in Wimpfen; am 22. December 1886: Otto S erp, Lehramlsaccessist ^us Rupperts, bürg; am 1. Mär; 1887 wurde dem Oberamtsrichter a. D. Dr. Ad. Scbu tt ur Brucksal rum 50jährigen Doctorjubiläum das Diplom erneuert; am K. ^Iprtl 1887. Karl Wtmmenauer, außerordentl. Professor der Forstwissenschaft in Gießen; am.