Lothringer enthalte, He durch den Eintritt in französische Dienste die Tradition widerlegten, daß sie der Frankfurter Vertrag zu Feinden Frankreichs gestempelt habe, bie Frage auf Dürft, weshalb der Name „Fremdenlegion" nicht durch die Bezeichnung „Regiment von Elsaß-Lothringen" ersetzt werde. Die „Nordd. Allg. Zig." bemerkt dazu: „Wir würden von derartigen Expectorationen keine Rott, nehmen, wenn irgend ein beliebiges Blatt dieselben brächte; daß aber das Blatt, dessen Etgenthümer der französische Minister Lockroy ist, in solcher 2ßet|c gegerr einen befreundeten Nachbarstaat schreiben und Hetzen kann, läßt die Schlußfolgerung zu, daß die jetzige französische Negierung die Kriegshetzerei billigt, denn andernfalls würde Lockroy doch auf feine (SoUegen soviel Rücksicht nehmen, baß er nicht durch ein von ihm abhängiges Organ die Aufreizung »um Kriege künstlich fördern ließe. Wir begnügen uns, den Thatbestand festzustellen, damit für Jedermann ersichtlich ist, auf wen die Schuld fallen würde, wenn der Frieden nicht aufrechterhalten werden könnte. Daß die Politik Deutschlands auf den Frieden gerichtet ist, bedarf keines Nachweises. Die Verantwortlichkeit für eine Friedensstörung würde Frankreich allein treffen.
Vertin, 12. November. Zu der in französischen Zeitungen anläßlich der Verhandlungen Rußlands mit der Kurte über eine Verständigung aufgestellten Behauptung, daß damit eine Karte gegen Deutschland ausgesptelt worden sei, bemerkt die „Nordv. 8Ug. Ztg.": Dieselben bewiesen damit nur ihren Mangel an politischem Unheil. Eine Verstänbigung zwischen Rußland und dec Kurte entspreche den deutscher» Interessen und könnte Deutschland nur angenehm fein. Rußland und Preußen hätten gemeinsame Interessen, Zugeständnisse des PapsteS an Rußland mühten auch Preußen zu Gute kommen, während eine ausgesprochen antirussische Stellung des Papstthums auch Ausstrahlungen nach Preußen werfen würde. Der Friede mit Rom sei auf beiden Seiten der russisch-deutschen Grenze erwünscht und eine Störung dieses Friedens auf einer Seite wüide eine Rückwirkung auf der anderen auSüben.
Duisburg, 12. November. Die englische Post von gestern Abend ist ausge- blieben, weil das Schiff in Folge starken Nebels auf See in Vlisfingen den Anschluß verfehlt bat.
München, 12. November. Ein Abends ausgegebenes Bulletin Über das Befinden des von Weuem erkrankten Herzogs Max von Bayern besagt, daß die Bewutzl- losigkeit andauert und der Zustand ein ernster gefahrdrohender ist.
Marseille, 12. November. Bei dem gestrigen royalistischen Banket sprach der Deputtrte Marquis Breteuil die feste Ueberzeugung aus, daß die Monarchie allein Frankreich groß und glücklich machen könne; er hob die ehrfurchtsvolle Anhänglichkeit an den Graten von Paris hervor und betonte die immer mehr wachsende Unzufriedenheit im Lande; Jedermann wisse, daß ein Wechsel in der Regierung nahe beoorstehe. Die Eonservatioen hätten versucht, sich mit den gemäßigten Republikanern in's Einvernehmen fru setzen, aber der Versuch sei mißglückt. UebrigenS seien Die gemäßigten Republikaner in Mißcredit geraden. Der Redner äußerte sich lobend über das einträchtige Vorgehen der Eonservatioen gegenüber dem gemeinsamen Feind, welcher die regierende Partei sei. Man müsse den Feind zuerst aus seiner Stellung vertreiben, alsdann werde die Nation das Unheil sprechen. Uebergehend auf Boulanger sagt Breteuil, der General sei die von allgemeinem Stimmrecht adoptlrte Formel, um das gegenwärtige Regime zu verdammen und ein anderes zu fordern. Die Eonservatioen seien nicht die Verbündeten Boulanger's, sie beobachten sein Treiben und Thun, ohne für die Zukunft irgend welche Verpflichtungen zu übernehmen. „Man darf nickt vergessen, daß wir AlteS abzusetzen haben, bevor wir etwas Neues einfetzen." Redner glaubt nicht, daß der Triumph Boulangee'S den Krieg herbeiführen werde; Europa zweifle nicht an den friedlichen Gesinnungen Frankreichs. Siege auf dem Gebiete des Friedens würden niemals die jetzt regierenden Souveräne aUarmiren. Tie Wahlen des Jahres 1889 würden eine conservatioe Majorität ergeben, alsdann werde sich die Dankbarkeit des Landes der Monarchie zuwenden, welche Frankleich beständigen Zuständen wiedergeben werde.
London, 12. November. Der hiesige Polizeipräsident Warren hat seine Entlassung nachgefucht, weil der Minister Mathews ihm wegen der Veröffentlickung eines Artikels in „Murray's Magazine" über die Londoner Polttei eine Rüge ertheilte.
London, 12. November. In der beutigen Sitzung des Unterhauses verkündigte Mathews, daß Str Charles Warren, der Polizetchef der englischer» Hauptstadt, demis- ftonlrt hat und daß die Demission angenommen worden sei. (Beifall.) — Hamilton erklärte, in diesem Jahre seien keine neuen Forderungen für die Verstärkung der Flotte beabsichtigt, wohl aber in nächster Session.
London, 12. November. 9tad) einem Telegramm der „Times" von gestern aus Sansibar ist der Beginn der Blokade auf die Vorstellung des englischen Generalkonsuls auf nächste Woche verschoben, um den englischen Missionären in Magila die Abreise zu ermöglichen. Die Blokade wird die ganze Küstenlinie der deutschen Schutzgebiete umfassen; die deutschen Schiffe werden südwärts von Tanga bis zur Mainka- insel, die engllschen von hier dis zum Rooumafluß gehen. Zu einer wirksamen Blokade selbst innerhalb der genannten Grenzen sind mehr Schifte erforderlich. Der „Agamemnon" bleibt wahrscheinlich als Wachtschift in Sansibar. Nach einem Gerüchte hätten die Araber aus Minengani und der Tunghiba») die Portugiesin vertrieben.
Rom, 12. November. Die neuzuernennenden italienischen Kardinale wurden offiziell benachrichtigt, daß ihre Erhöhung im Dezember durch das Konsistorium er- folgen werde. Betreffs der neuzuernennenden ausländischen Kardinäle erfolgt die betreffende Entscheidung nächstens.
Rom, 12. November. Im Senate interpellirte während der heutigen Sitzung der Senator Corte die Regierung darüber, welche Grenzen dieselbe ihrer Politik am Rothen Meer angesichts der gegenwärtigen europäischen Situation zu setzen gedenke.
Madrid, 12. November. Die Agitation der Studenten gegen die Konseroa- tioen^ bauerte beute fort; sie durchzogen in größeren Trupps unter lauten Kundgebungen bic ötabt. Die Behörben haben Maßnahmen getrosten, um-der etwaigen Wieder- holung der Kundgebungen im Laufe dieses Abends vorzubeugen. Sogar vor dem königlichen Palaste wurden Truppen konsignirt.
Madrid, 12. November. Heute Abend wiederholten sich die feindlichen Kundgebungen vor dem Gebäude des conseroatioen Clubs, welches geschlossen war. Die Zusammenrottungen dauerten trotz der Bemühungen der Polizei, dieselben zu verhindern, fort. Canooas blieb Vormittags in der Wohnung seines Schwiegervaters und begab sich erst Nachmittags zu Wagen in seine eigene Wohnung. Gegen den Wagen, in welchem die Gemahlin CanovaS' fuhr, wurden Steine geworfen. Eine Anzahl Studenten und Arbeiter durchzogen unter den Rufen: „Nieder mit den Conseroaliven" bie Straßen, auch Rufe: „ES lebe die Republik!" „ES lebe Zorilla!" wurden vernommen. Zwei Studenten wurden verhaftet, aber später wieder freigelassen. Vor dem Hause des Republikaners Santa Marta fand ebenfalls eine Kundgebung statt an welcher etwa 100 republikanische Personen, darunter mehrere mit Stöcken und Flinten bewaffnet, theilnahmen. Der Präfekt befahl Abends, in Folge der Ausdehnung der Ruhestörungen, nöthigenfalls mit Gewalt vorzugehen, um weiteren Ausschreitungen vorzubeugen. Die Truppen waren in den Kasernen consignirt. Gensdarmen und Militärpatrouillen besetzten die Hauptplätze. Der conservatioe Club veröffentlicht einen Protest gegen die vorgekommenen Ausschreitungen und sprach seine Mißbilligung über bie Angriffe auf CanovaS aus.
Petersburg, 12. November. Dem „Grashdanin" zufolge wird Possiel, der seinen Avfchted erbeten und erhalten hat, nach Beendigung der Untersuchung des Badn- unfalles vom 17. October seinen Posten verlassen.
— Zwischen Borki und Taranowka fand Samstag Abend abermals eine Zugentgleisung in Folge eines Zusammenstoßes zweier Güterzüge statt. ^wei Personen wurden verwundet.
Lokale-.
Gießen, 12. November. Die vom Gießener Ortsverein des Evangelischen Bundes zur Wahrung der deutsch-protestantischen Jnterestcn am Sonntag Abend in etein’3 Garten veranstaltete Feier nahm einen den Bestrebungen des Evangelischen Bundes überaus würdigen Verlauf. Vor der sehr zahlreichen, alle Schichten der Bevölkerung präsentirenden Festoersammlung hielt zunächst Herr Prof. Dr. Gottschick ctnen Vortrag über Luther, in welchem dessen Frömmigkeit und Glaubensfestigkeit in Überzeugender Weise gefeiert wurde. Nach dem von der Festversammlung gesungenen Lutberliede „Ein feste Burg" und einem Vortrage des „Evangelischen Kirchengesang- Vereins" verbreitete sich H-rr Pros. Dr. Oncken über bie Bedeutung und den Snbalt »on Luther'« Worten auf dem Reichstage ,u Worms: „Hier stehe ich" und gab
Wyn» der Freud- darüber -luidru-k, daß die theologische Facultit der Unioersitl, durch die Ernennung de» dürften Bismarck «um ithrendorior be,eugi habe wie ne di» VerdtenNe desselben um die eoangeliiche Sache >u würdigen wine fwtr D'ng-ld-y fckrte tiutkr aU U «runder U e°ang7t,ch°n'PsaAau^ dereichnctc LutherS Sintreien in den Familiensland al» eine resormarorische 1 bat befonberer Bedeutung. Unter weiteren Vorträgen deS evangelischen Kirchengcsangoereins verlief die der Feier geweihte Zeit, bis nach 11 Uhr diese ihren Abschluß fand^ *
Handel und Verkehr.
n,J£ Number. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, pr. Pfd.
•f OA-l.00, Hühnereier, 1 St 0- -5> 2 St- 13-15 H, Enteneier 0- Gänse- der 10—12 H, Käse pr.©t.4-8 A, Kasematte pr. St. 3 Erbsen pr. Liter 17 4, Linsen pr. Liter 26 H, Tauben pr. Paar JL 0,40—0,60, Hühner pr. St. 90-1 Ä, Hahnen pr. St. 0^0-1,10, Enten pr. St. JL 1,30—1,70, Ochsenfleisch pr. Pfd. fO—68 Kuh- und Rindfleisch 45—54 Schweinefleisch 50—60 Hammelfleis- 54 $4 S>, Kalbfleisch 45—50 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo JL 5,50—6^0 Zwiebeln ^r Gentner 6,00-7,00, Milch pr. Liter 12-18 H, Weißkraut pr. St. 4-9 Ganse per Pfd. 44—54
9n w 1^. November. (Viehmarkt). Angetrieben waren 375 Ochsen,
20 Bullen. 652 Kühe, (Stiere und Rmder, — Kalber, 428 Hümmel, 630 Schweine. Die Preise stellten sich pro 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qual. 66—68, 2‘ 58—60, Bullen 1. Qual. 40—42, 2. Qual 37—38, Kühe, Stiere
Rinder 1 Qual. 53 55, 2. Qual. »M» 48—50, Kälber 1. Qual- pro Pfund
Schlachtgewicht 50-65 2. Qual- 00-00 Hammel 1. Oval- 62-00
4. Qual. 58—60
Vermischtes.
Alleren?dtgst' geruht' November. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben
m l0. »November die Baumeister Jakob (Seibel und Heinrich Simon in Wasierbaumeistern, — die Straßenmeifter Conrad Sack zu Hirschhorn und Franz Engelhardt zu Oppenheim zu Dammmeistern mit dem Wahnsitze zu Worms beim Oppenheim — zu ernennen; an bemfelban Tage den Gerichtsassessor Johann'Georä Jehle in Mainz zum Molar mit dem Amtssitze in Bechtheim zu ernennen.
. § edd er g, 12. November. Daß Gauner nickt davor zurückichrecken, selbst das größte Unglück sich zunutze zu machen, beweist der hier vorgekommcne Fall Karl Werner auS Wenkheim hat „für die armen Abgebrannten in Hünfeld" collecurt in der Thal den Ertrag dieser Sammlung aber für sich verwendet. Er wurde btefer Tage hier verhaftet, entsprang aber im Vildeler Walde, trotzdem er gerchlosjen gewesen, dem ihn ttansportirenden Gensdarm Gries. Tas Gcoßh. Kieisaml Friedberg eiluri eben einen Steckbrief hinter dem Flüchtigen. b
“ Im Rechnungsjahre 1887/88 sind im Großherzogthum Helfen 8o4 634 Hectoliter Bier gebraut worden ober 45 510 Hectoliter mehr aiS im vorder- die Brutto Einnahme an Brausteuer ist dementsprechend um den Betrog ** gegen das Vorjahr gestiegen. Der Durchschnittsmarktpreis für 100 Kilogramm Gerste stellte sich auf 15—17 derjenige für 100 Kilogramm Weina aut etwa 19 JL Für 50 Kilogramm Hopfen befferer Qualität wurden 100 - 250 jl für geringere Qualität 80-170 bezahlt. Der grözte Theil deS zur Bterbereituna verwendeten Hopfens wurde, da Hoprenbau im (Großherzogthum nur in sehr ger ngan Umfang stattfindet, aus Böhmen, Bayern und Baden bezogen. DaS Bier ijmmi meiftenö unter dem Namen Jungbier zum Berkau', letzteres auch, wenn es malzreicher und aus feinerem Hopfen bereitet wurde, unter den Namen Exportbier, Bockbier Märzenbier :c. rc.. Mit dem Anspruch auf Steuerrückvergütung winden im verflossenen Jahre 23 077 Hectoliter Bier ausgeführt. Dasselbe ging in unmittelbarer Versendung der Brauereien Aum größten Therl nach: Elsaß-Lothringen, Schwei, Frankreich, Belgien, Baden und nach der bayerischen Rheinpfalz, zum Zbeil auch nach ben benachbarten preußischen Provinzen. Eine Einfuhr von' Bier nach dem Gro^ herzogthunt fand in erheblichem Umfange aus ben benachbarten zur Stcuergemeinswaft gehörigen Städten statt, insbesondere aus Frankfurt und H. rau. — Im gefemmun Großherzogthum waren im Rechnungsjahre 18^7/88 280 Brauereien vorhanden, m m ^"neb waren. Von den vorhandenen Lrauere.en befanden sich 165 te ben Städten, 115 auf dem Lande, 17 bereiten vorwiegend obergähngeS, 228 unter;
®ie meiften Brauereien bestanden im 5^auptst ueramtsbeznk Deno- mit 91, biefem folgt Gießen mit 63, Offenbach mit 56. WormS mit 32, Mawi mit 30,.-Gingen mit 8 -Brauereien. Dagegen wurde im Hauvtlteueraintsbewke Maüü ,uC40Ti?B c ^"?^^?Euerpflichtiger Blaustoffe verwendet, nämlich 6 687 920 Kilogramm Getreide unb 7 400 Kilogramm Surrogate, im Hauptsteueiamtsbeziik Gießen 3 157 1^4 Kilogramm Getreide und 16574 Kilogramm Malzsurrogate. Der Gefommtcrtraa d.r Br-uft-u-r l>.ttes stch -u, 862 820 07 X. baoon gingen ab an «ückaergülnng ,ü?',usk geführtes -Bier 23 077.15 JL. Die Uebergangdabgabe von Bier betrug 80 885 70 X b8r b°6 ^ne Gesammt'Einnahme von Bier im Betrage
von 920 783.32 verbleibt.
. = Frankfurt, 12. Srooember. Der Gy^figurenfabrikant Dominico Tci au8
Bagni de Lucca in Italien wurde gestern Nachmittag in feiner in t-r Tominicnnex- gaffe bclegenen Wohnung mit durchschnittenem Halse unb geöffneten Pulsadern tobt aufgefunben. Man neigt der Annahme zu, daß lei sich in einem Anfälle von Irrsinn selbst entleibt hat.
m — Das Bockenheimer Husaren-Negiment wird demnächst das Fest deS 75iäbüa(n Bestehens feiern.
— lieber die elektrische Beleuchtung im Hauptbahnhof wird noch immer geklagt, em Zeichen, daß es auf dieser Wett nichts Vollkommenes gibt Ter Bahnhof ist gewiß großartig in jeder Hinsicht, die elektrische Beleuchtung aber ist wenn man so sagen darf, sein wunder Punkt. — UebrigenS soll jetzt auch der Oftba'huhof durch einen Neubau ersetzt werden unb bazu ist es wahrlich höchste Seit. Dem P<r- nebmen nach wirb im nächsten Februar ober März mit bem Neubau'begonnen werden Das Gebäube wirb weiter hinauSgerückt, so baß bie Züge der Verbindungsbahn direct in ben Bahnhof einlaufen. Die Frontseite fällt in die Ostendstraße. Vor dem Bahnd»j soll ein schöner freier Platz eingerichtet, das übrige durch die Zurückschiebung b'4 Gebäudes frei werdende Terrain dagegen zu Bauzwecken abgegeben werden.
ß. $ünfelb, 12. November. Diejenigen, welche bei bem Ausbruch des noch in Aller Erinnerung stehenden großen Brandes an Brandstiftung glaubten sollen nun doch recht behalten. Daß aber ein Gendarm der Uebelthäter fein könne, habe« auch sie schwerlich geahnt unb boch ist bem so. Kein Anderer als bet 50jähr'iae hier ftationirte Gendarm Steindarnm soll der Uebelthäter sein. Gestern sollte seine Der, Haftung erfolgen. Es traf zu diesem Zwecke ein höherer Dolizeideamter aus Fulda hier ein. Steindarnm muß auf ben Fall vorbereitet gewesen sein, denn als sich die Fuldaer Polizei seiner Wohnung nahte, ergriff er eine Dovpelpistole unb schoß sich eine Kuacl in ben Kopf, so baß sein Tob alsbalb erfolgte. Hier ist ob dieses Vorfalles die Auf- regung groß ; namentlich aber ist alle Welt gespannt, Näheres über die schreckliche That des Selbstmörders und die Motive zu erfahren.
^om Landgericht in Dresden wurde ein Kaufmann von Bremen deshalb zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt, weil er zur Frankirung eines Briefe- sich einer Freimarke bedient hatte, die er aus Theilen von zwei achten, aber infolge Beschmutzunverdorbenen Briefmarken zusammentzesetzt hatte. DaS Reichsgericht erkannte indeß du Revision des Angeklagten für begründet an unb sprach benfclben frei. Ein äckuS Postwerthzeichen könne badurch allein nickt zu einem unechten werden, daß dasselbe befleckt zerrissen oder zerstückelt wird. Jedes der beiden neben einander geklebtco Bruchstücke der Postfreimarken reprSsentirte den Theil einer ächten Marke unb feine» berfelben konnte lediglich deshalb unächt werden, weil es neben ein anderes, ursprünglich nicht zu ihm gehöriges Bruchstück gesetzt wurde. Weder vom Gesichtspunkte des Poch regals und seinem Gefälle, noch vom Gesichtspunkte der postalischen Ordnung unb bei öffentlichen Glaubens ist ein rationeller Grund ersichtlich, die Begriffe ächt" unb „unaebt", „fälschlich anfertigen" und „verfälschen" über ihre ursprüngliche Bedeutung und ihre natürlichen Sinne hinaus auszudehnen auf die im Verkehrsleben nicht seltenen Manipulationen, in welchen nur, um die Umlaufsfähigkeit beschädigter Werthzeichm za erhalten, die Beschädigungen äußerlich möglichst unkenntlich gemacht werden.


