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Nr 267

Mittwoch den 14 November

1888

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Vu--aur Schulstraße 7. 'Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. W

Amtlicher Hßeil.

Betreffend: Ermittelungen der den Vergütungen für Fourage und Landlieferungen der Gemeinden zu Grunde zu legenden Durchschnittspreise.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Ausschlags von Fünf von Hundert, pro Monat Oct ob er für den Lieferungsverband Gießen für 100 kg betragen: Hafer 15 at 20 H; Heu 8 40 Stroy 6 Jt 30

G keßen, am 10. November 1888. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.______,___________

Bekanntmachung.

SamStag den 17. November 1888, Nachmittags 1 Uhr, wird zu Grünberg im Saale des Herrn Gastwirth Hoffmann (zum Hirsch) eine Generalversammlung des landwirthschaftltchen BezirkSverein- Gießen abgehalten werden.

Von dem landwirthschaftlichen Bezirksverein ist zum Zwecke der Verloosung eine Geisenhe'imor Obstdörre im Werthe von 30 «X angekauft worden. Es werden in der Versammlung 150 Loose an Jedermann, der Loose wünscht, zu dem Preise von 20 pro Loos abgegeben werden.

Alle Mitglieder des Vereins und Freunde der Landwirthschast werden zu dieser Versammlung hierdurch freundlichst eingeladen.

Gießen, den 8. November 1888. Der Director des landwirthschastlrchen Bezirksvereins.

Jost, Negierungsrath.

Tagesordnung:

1) Referat tus Herrn Profeffor Dr. Pflug über Schutz gegen Verluste durch perlsüchtiges Schlachtvieh.

2) Berathung über den mit einer Hagelverstcherungsgesellschaft abzuschließenden Vertrag. Referent: Herr Amtmann Nebel.

3) Bezug von Saarkartoffeln oder Saatfrucht aus fremden Gegenden durch den Verem.

4) Beschlußfassung über die Abhaltung von Faselmärkten im Kreise Gießen mit Ankörung verkäuflicher Thiere 5) Verloosung einer Geisenheimer Obstdörre.

Betreffend: Siervlichkeitsstatistik. Gießen, am 13. November 1888.

Das Großherzogliche Kreis-Gesundheitsamt Gießen

an die Großherzogiichen Standesämter Bersrod, Ettingshausen, Hungen, Leihgestern, Lumda, Ober-Besfingen, Obbornhofen, NüddiugShausen, Steinheim.

Wir ersuchen um umgehende Einsendung der Sterblichkeitsnachweise für die Monate September und October 1888, beziehungsweise nur für rtzteren Monat.

Dr. Köhler.

Politische Rundschau

Gießen, 13. November.

Der Reichstag sieht sich bei seinem in kommender Woche erfolgenden Zu­sammentritte vor die Nothwendigkeit gestellt, einen neuen Präsidenten zu wählen, da seit der Ernennung des Herrn von Wedell - Piesdorf der Reichstag semes ersten Beamten entbehrt. Merkwürdiger Weise sind noch gar keine Persönlichkeiten genannt worden, welche sich für das allerdings schwierige und viel Umsicht und Tact erfordernde Amt eines Reichstagspräsidenten eigneten und doch wird sich das Parlament bereits in seiner eisten ordentlichen Plenarsitzung mit dieser nicht unwichtigen Frage zu be­schäftigen haben. Es ist indessen mehr als wahrscheinlich, daß sich die Mehrheits­parteien wiederum auf einen conservaliven Abgeordneten als ersten Präsidenten einigen werden ui,d würde es dann vom Eentrum abhängen, ob die Wahl durch Zuruf erfolgt, oder ob sie eine besondere Abstimmung nothwendig machen wird. Welches von beiden Verfahren beliebt werden wird, läßt sich noch nicht beurtheilen, jedenfalls muß man wünschen, daß sich die Neuwahl des Präsidenten kurz und glatt adwickelt und sich nicht erst zu einer großen Kraftprobe der Parteien gestaltet.

Vom Reichshaushaltsetat für 1889/90 stehen bekanntlich noch einzelne wichtige Theile, wie die Etnzeletats des Reichsheeres, der Marine und des Auswärtigen Amtes, aus, doch braucht man wohl nicht zu bezweifeln, daß der Bundesrath bis zur Eröffnung des Reichstages die Vocberathung auch der genannten Sonderetats beendigt haben wird. Dem Vernehmen nach wird von ihnen nur der Marine-Etat wesentliche Mehrforderungen enthalten, während die Etats des Reichsheeres und des Auswärtigen Amtes nur verhältntßmäßig unbedeutende Mehrforderungen enthalten sollen. Bet ersterem sollen nur in einzelnen Posten kleine Erhöhungen vorgeschlagen sein und was das Auswärtige Amt anbelangt, so beschränken sich die Erhöhungen in dessen Etat dem Vernehmen nach meist auf technische Ausgaben; außerdem ist die Errichtung zweier neuer Eonfulate des Reiches in Risch (Serbien) und Pretoria (Südafrika) vor­geschlagen.

An der bevorstehenden deutsch-englischen Flottenoperation in den ost- afrikanischen Gewässern wird sich nicht nur Frankreich durch Entsendung eines Panzerschiffes bethetligen, sondern auch Italien. Das italienische PanzerschiffDogalt", bislang an der Küste von Mozombique stattonirt, ist nach Zanzibar abgegangen, um gemäß dem Einvernehmen der dabei betheiligten Mächte an dem Blokadedtenste zur Anterdrückung des Sclavenhandels theilzunchmen und soll außerdem noch ein anderes italienisches Kriegsschiff zu diesem Zwecke nach Zanzibar abgehen. Da endlich auch Sie Betheiligung eines portugiesischen Kriegsschiffes an der europäischen Flotten- ldemonstrutrvn in den ostafrikanischen Gewässern mit Bestimmtheit erwartet wird, so ssmd bet dieser Maßregel alle Mächte vereinigt, welche überhaupt Interessen in Ost- «frika haben und um so mehr steht zu hoffen, daß sie ihren Zweck erfüllen wird.

Das Erscheinen des deutschen Schülgeschwaders in Triest bekundet auf «ine neue Weste die Herzlichkeit des deutsch-österreichischen Freundschaftsbundes und die « glänzende Ausnahme, welche dem deutschen Geschwader in der ersten Hafenstadt | Oesterreichs bereitet worden ist, entspricht nur den engen Beziehungen zwischen Deutschland mrd Oesterreich-Ungarn. Das aus vier Kreuzerfregatten und einem Aviso bestehende «

deutsche Schulgeschwader wird vom Contre-Admiral Hollmann befehligt und dieser stattete nebst den Schiffscommandanien am Sonntag Mittag dem Statthalter Baron Pretts, dem Commandtrenden des Triestiner Seebeztrks, Vrce - Admiral Baron Wip- linger, sowie anderen hervorragenden Persönlichkeiten von Triest Besuche ab. Die Triester deutsche Colonte hatte schon am Sonnabend dem deutschen Geschwader zu ! Ehren ein Gastmahl im dortigen Stadthause veranstaltet und aus gleichem Anlaß gaben die Triester Marmebehöroen in Schloß Miramare ein glänzendes Diner. Am Donnerstag verläßt das deutsche Geschwader Triest wieder, um zunächst Pola, dem Kriegshafen Oesterrerchs, einen Besuch abzuftatten.

Die Einzelberathung des Militärbudgets hat in der französischen Depn- tirtenkamrner, wie immer, so auch diesmal zu einer großen Debatte gesübrt, welche am Samstag begann und am Montag fottgeführt wurde. Am ersteren Tage drehte sie sich wesentlich um die Frage der Ersparnisse beim Mtlitäretat, die in Frankreich schon seit längerer Zeck auf der Tagesordnung steht und waren hierüber die Ansichten aus dem Hause getheilt. Mit bemerkenswerther Entschiedenheit betonte aber der Kriegsminister Freycinet denjenigen Rednern gegenüber, die für Verminderung der Ausgaben beim Kriegsbudget cintraten, daß hiervon keine Rede sein könne, ja, er er­klärte geradezu, man müsse sich auf eineganz außerordentliche Anstrengung" im In­teresse der Landesverlherdtgung gefaßt ma^en. Obwohl Freycinet das Gerücht, wonach das außerordentliche Kriegsbudget eine Dcklliarde betragen solle, als übertrieben be­zeichnete, so meinte er doch, daß auf Ausgaben in Höhe von 500 Millionen Francs zu rechnen sei, Alles natürlich zur Wahrung der Ehre und Unabhängigkeit des Landest Daß die Deputirtenkammer Herrn Freycinet schließlich Alles bewilligen wird, was er verlangt, und noch Einiges dazu, kann wohl keinem Zweifel unterliegen._____________

Deutschland.

][ Darmstadt, 12. November. Seine Königliche Hoheit der Großherzog begeben sich im Lause des mo.grgen Vormittags nach Bensheim, um im dortigenNiederwald", dessen Jagd dem Prinzen Alexander von Hessen gehört, zu jagen. Von Bensheim begtbt sich der Großherzig morgen Abend nach Worms, wo er im Gasthofzum alten Kaiser" absteigt. Mittwoch und Donnerstag nimmt dann der Großherzog an den Osthofener Jagden theil, welche bekanntlich dem Prinzen von Wittgenstein gehören. Am Donnerstag Abend wirb der Großherzog hier zurückerwartet; es findet daher aus Anlaß der oben gemeldeten Dispositionen am Mittwoch im Neuen Palais Hierselbst kein Rapport statt.

Köln, 11. November. DieKölnische Volksztg." bringt den Wortlaut der Huldigungs-Adresse der preußischen Bischöfe, dattrt Fulda, den 29. August, und das Dankschreiben Sr Majestät des Kaisers, datirt vom 7. November, worin es heißt: Daß Ich die Glaubensfreiheit Meiner katholischen Unterthanen durch Recht und Gesetz gesichert weiß, stärkt Meine Zuversicht aus dauernde Erhaltung des kirchlichen Friedens."______________________________________________

Telegraphische Depeschen.

«Ölst'S tfUgr. Sorrcfporrdett,. Vrrreaa.

Berlin, 12. November. DieNordd. Allg. Ztg." reproducirt einen Artikel des PariserRappel", welcher unter Hinweis darauf, daß die Fremdenlegion 8000 Elsaß-