Nr. 188
Dienstag den 14. August
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Politische Rundschau
Gießen, 12. August.
Der von verschiedenen Seiten bestimmt gemeldete Besuch des Kaisers in den Reichslanden soll nun doch nicht stattfinden. Wenigstens weiß die „Nordd. All. Ztg," mitzutheilen, daß in „bestunterrichteten Kreisen" von einer derartigen Absicht nichts bekannt sei. Dagegen versichern Hamburger Blätter auf das Entschiedenste, daß der Besuch des Kaisers in Hamburg anläßlich der im October stattfindenden Feierlichkeiten beim Zollanschluß beschlossene Sache sei und werde Fürst Bismarck hierbei seinen kaiserlichen Herrn begleiten.
Der Reichskanzler wird, privaten Nachrichten zufolge, an diesem Mittwoch von seinem lauenburgischen Landsitze in Berlin zu einem allerdings nur sehr kurzen Aufenthalte erwartet. Alsdann soll Fürst Bismarck unverzüglich seine Kissinger Badereise anzutreten beabsichtigen. Da der Kanzler seine Reise-Dispositionen gern zu andern liebt, so wird noch abzuwarlen sein, in wieweit diese Meldungen begründet sind.
Der fortwüthende Zeitungsstreii über das Eartell wird vorerst durch die bevorstehende Reichstagsersatzwahl im sechsten Berliner Wahlkreise etwas in den Hintergrund gedrängt. Dieselbe ist durch die als unheilbar erkannte Geisteskrankheit des bisherigen soctaldemocratischen Vertreters für Berlin VI, des Abgeordneten Hasenclever , nothwendig geworden und findet am 30. August statt. Die Socialdemokraten candidiren für die Ersatzwahl den Schriftsteller Liebknecht, die Conferoativen den Director Hotz, die Antisemiten den bekannten Dr. Förster und natürlich werden auch die Freisinnigen mit einem Candidaten auf dem Plan erscheinen. Es werden sich also vier Candidaten gegenüberstehen und da in der Reichshauptstadt die politischen Gegensätze schärfer als sonst im Reiche auf einander zu prallen pflegen, so verspricht die Ersatzwahl für Hasenclever sich recht lebhaft zu gestalten und geht es denn auch in den verschiedenen Wähleroersammlungen im genannten Wahlkreise schon recht „animirt" zu. Wie die Verhältnisse in letzterem liegen, kann an dem Siege des socialdemokratischen Candidaten nicht gezweifelt werden, selbst wenn eine Stichwahl nothwendig werden sollte.
Die Wässer im schlestschen tteberschwemmungsgebiete haben sich jetzt zum Theil wieder verlaufen, um so schärfer treten aber nunmehr die durch die Elementkatastrophe verursachten Verwüstungen vor Augen. Besonders sind es die Zustände in einelft Theile des Kreises Bunzlau, dann in den Kreisen Laubcm, Löwenberg und Hirschberg, welche die schlimmsten Befürchtungen noch übertreffen; es sind daher umfassende Maßnahmen der Staatsregierung zur thunlichen Linderung und Abwendung der entstandenen großen Schäden zu erwarten. Auch von der privaten Mildthätigkeit steht eine Linderung des Elends in den überschwemmten Gebieten zu erhoffen und ist da die Kaiserin Augusta mit hochherzigem Beispiele vorangegangen, indem sie 1000 Mk. für die schlesischen Ueberschwemmten spendete.
Die aus dem Strike der Erdarbeiter entstandene bedenkliche Arbeiterbewegung in Paris ist endlich in offenbarem Niedergange begriffen. Die ftrikenden Erdarbeiter haben den Schiedsspruch der städtischen Commission zur Regelung der Lohnfrage angenommen und glaubt man, daß auch die Unternehmer mit dem Schiedssprüche einverstanden sein werden. Ministerpräsident Floquet hat die Vermittelung in der Lohnfrage übernommen, er empfing am Freitag die Delegirten der Arbeiter wie der Unternehmer, und außerdem die Mitglieder der städtischen Commission und da auch die Bureaux der Arbeiterbörse den Arbeitern wieder geöffnet sind, so steht eine baldige Einigung der betheiligten Parteien zu erwarten. Inzwischen meldet jedoch eine neuerliche Pariser Depesche, daß die Unternehmer der Pariser Pflaster- und Erdarbeiten in einer am Freitag stattgehabten Generalversammlung den einstimmigen Beschluß faßten, den Vorschlag der städtischen Commission zur Regelung der Lohnfrage zurückzuweisen. Hoffentlich wird es Herrn Floquet noch gelingen, die Unternehmer noch zur Nachgiebigkeit zu bestimmen, da sonst ein Wiederaufflammen der Arbeiterbewegung zu befürchten stünde.
Das englische Parlament hat nunmehr auch seine Sommerferien angetreten und wird die nächste Sitzung des Unterhauses erst am 6. November stattfinden. Beide Häuser haben sich beeilt, in den letzten Tagen der nun beendigten Session mit ihren Arbeiten aufzuräumen und ist da aus dem Unterhause namentlich die ziemlich summarische Erledigung des indischen Budgets und die Annahme der Bill, betr. die Verstärkung der Vertheidigungsmittel des britischen Reiches, zu erwähnen. Aus der Bill ist jedoch eine wesentliche Bestimmung gestrichen worden, nämlich diejenige über die Einberufung der Freiwilligen und ließ die Regierung selber den betreffenden Paragraphen fallen.
Der neueste Zuluaufstanv in Südafrika kann als beendigt betrachtet werden. Wie eine in London aus Südafrika eingegangene Depesche meldet, sind die Jnsurgenten- führer Dinizulu und Undabuko mit 1000 Mann und dem gesammten Viehstand in das Gebiet der Transvaal-Republik übergetreten, womit der letzteren jedenfalls kein sonderlicher Gefallen erzeigt worden ist.
Die fo viel Staub aufwirbelnde Briganten-Affaire von Bellova hat endlich ihre glückliche Erledigung gefunden. Die von den Räubern gefangen genommenen österreichischen und griechischen Staatsangehörigen sind in vergangener Woche nach Zahlung des Lösegeldes wieder in Freiheit gesetzt worden. Aber auf die Sicherheits- zustände in Bulgarien hat diese „Räuber-Idylle" ein neues bezeichnendes Licht geworfen und wenn jetzt eine officiöie Depesche aus Sofia meldet, daß seitens der bulgarischen Regierung sofort Maßregeln zur energischen Verfolgung der Räuber angeordnet worden seien fo kann ein derartiger post featnm entwickelter Eifer nur seltsam berühren. Gewiß ist, daß der ganze Verlauf der Briganten-Affaire von Bellova dem Ansehen der bulgarischen Regierung weder in der öffentlichen Meinung Europas noch im Lande selbst besonders förderlich gewesen ist.
peulschland.
Darmstadt, 11. Aug. Sein- Königliche Hoheit der Großhcrzog haben Aller- ß g Am 8 August den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Mainz Wilhelm Zimmermann ^.7m Ämis?sthter bet dem Amtsgericht W°Ustein den A.m»r.ch,-r ei em Amts- aertcbt Nieder - Olm Franz von Hessert zum Amtsrichter bei dem Anttsgencyl Osthofen, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Worms Adolf Finger zum Am s.
Arankreich.
Paris, 11. August. In einer heute abgehaltenen Versammlung beschlossen die Erdarbeiter angesichts der Weigerung der Unternehmer die Lohnfrage dem Spruche eines Schiedsgerichts zu unterwerfen, den Strike fortzusetzen. .
— Vierzig der bei dem Begräbntß des Commune-Generals Eudes verhafteten Excedenten wurden zu Gefängnißstrafen von fünfzehn Tagen bis zu drer Monaten verurtheilt.
England.
London, 11. August. Das Unterhaus nahm di- R-gierungsbill, betr-ff-nd die Errichtung eines landwtrthichaftlichen Mintstciiums an und -rlh-ilte dem Anträge, sich bis zum Montag den 11. November zu vertagen, seine Zustimmung.
Amerika.
Newtiork, 11 August. Nach hier eingegangenen Meldungen aus Valparaiso vom heutigen Tage ist daselbst das Reservoir eines Brauhauses geplatzt, wodurch die Hauptstraben der Stadt theilweise überschwemmt wurden. Der Verkehr ist gestört und besürchtet man autzerdcm erheblichen Verlust an Menschenleben..
lichter bei dem Amtsgericht Mainz, den Gerichtsajsessor Emil Schlapp in Alzey zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Worms, sämmtlich mit Wirkung vom 16. September,'; sowie den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Mainz Richard Stephan zum Amtsrichter Jbei dem Amtsgericht Wörrstadt und ben Gerichtsassessor Franz Nuß in Mainz zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Mainz, beide mit Wirkung vom 17. September l. I., zu ernennen;
am 11. August den Hilfsgerichtsschreiber Johann Georg Franz Schnellbächer zu Reinheim zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Beerfelden zu ernennen.
Darmstadt, 11. Aug. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 9. August d. wurde der Hilfsgerichtsschreiber bei dem Untersuchungsrichter am Landgericht der Provinz Oberhessen zu Gießen Karl Ludwig Theodor Mann zum Hilfsgerichtsschreiber am Amtsgericht Zwingenberg bestellt.
Darmstadt, 11. August. sMilitärdienstnachrichten.j Edler v. d. Planitz II., Generalmajor, Chef des Generalstabs des 8. Armeekorps, zum Commandeur der 49. Infanterie-Brigade (1. Großh. Hessischen) ernannt, Wern her, Oberstlieutenant, Flügeladjutant Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs, zum Obersten befördert; Müller, Assistenzarzt 1. Classe der Marine - Reserve vom Landwehrbataillons-Bezirk Gießen, der Abschied bewilligt.
nn. Darmstadt, 12. August. Neueren Dispositionen zufolge wird Se. Königs. Hoheit der Grotzherzog von Bayreuth aus nicht direct nach England reisen, sondern am Dienstag hierher zurückkehren. Se. Königliche Hoheit wird sodann am Dienstag Abend der durch unser nunmehr fertiggestelltes Electricitätswerk stattfindenden Probebeleuchtung des Großherzvglichen Hoftheaters beiwohnen und hiernach sich nach England begeben.
Berlin, 11. August. Seine Majestät der Kaiser empfing gestern, wie hinfort regelmäßig jeden Dienstag und Freitag, die Meldungen der Generale, Stabsofficiere und anderer Militärs, arbeitete sodann mit dem Chef des Militärcabinets v. Hahnke und mit dem Staatssecretär Graf Berchem und empfing später den General v. Meer- fcheidt-Hüllessem. Heute Vormittag wohnte Allerhöchstderselbe einer größeren Feldbienst- übung der Potsdamer und Spandauer Garnison bei Groß-Glienicke bei. Morgen wird Se. Majestät der Kaiser nach Berlin kommen, um den ankommenden König von Portugal zu begrüßen.
— Staatsminister v. Bötticher reifte heute zum Reichskanzler Fürsten Bismarck nach Friedrichsruh und verbleibt, dort voraussichtlich bis Montag.
Berlin, H. August. Der geschäftsführende Ausschuß des Comitö's zur Unterstützung der Ueberschwemmten in den deutschen Stromgebieten IHM mit:
Auf Anregung Ihrer Majestät der Kaiserin-Königin Friedrich, der Allerhöchsten Protekrorin, hat das Comitä zur Unterstützung der Ueberschwemmten in den deutschen Stromgebieten aus den ihm noch zur Verfügung stehenden Mitteln zur Linderung des durch die jüngsten schweren Wasserschäden in mehreren Th eilen Schlesiens hervorgerufenen Nothstandes sofort dem Königlichen Oberpräsidium zu Breslau die Summe von 50,000 JL mit dem Ersuchen um entsprechende Vertheilung überwiesen. Weitere Beihilfen werden nach Möglichkeit erfolgen.
Etwaige Geldbeiträge, speciell für Schlesien, nimmt die Hauptstiftungskasse Zimmer 25 des Rathhauses an.
Hamburg,! 11. August. Von der hiesigen Filiale der Deutschen Bank ist im Verein mit anderen Firmen die Gründung einer Dampfschifflinie von Hamburg nach Australien erfolgt. Das Actienkapital ist gezeichnet, zwei Dampfschiffe sind bereits im Bau begriffen, so daß dem Beginn der Fahrten zu Anfang nächsten Jahres bestimmt entgegengesehen werden kann.
München, 11. August. Von der Preisjury der hiesigen internationalen Kunstausstellung wurden den Kunstmalern Achenbach und Bochmann in Düsseldorf, Meyer- Heim in Berlin, Fritz Kaulbach und Zügel in München, Angeli und Benczur in Pesth. Böcklin und Schönleber in Karlsruhe, Maris im Haag, Courtms in Brüssel, Courtois in Paris, Graf Rosen in Stockholm, Moreno Carbonero, Beullnire und Viniegra in Spanien, Tito Ettore in Venedig, Garimelchers in Amerika, sowie den Bildhauern Orimut in Paris und Mylsbeck in Prag und dem Graphiker Köpping in Dresden Preismedaillen erster Classe zuerkannt.
Heflerreich.
Pesth, 11. August. Der Eröffnungszug des birecten Orientverkehrs ist heute Nachmittag 3 Uhr als erster konventtonsmäßiger durchgehender Zug mit dem Präsidenten der ungarischen Staatsbahnen, den Directoren der bulgarischen Bahn, den Vertretern der Presse und zahlreich geladenen Gästen abgegangen.
Toblach, 11. August. Der König von Serbien ist mit dem Kronprinzen und Gefolge, darunter der Ministerpräsident Christic, heute Vormittag zu längerem Aufenthalt hier eingetroffen.
Telegraphische pepeschen.
Wolff'S telegr. «orresponden,. Burearr.
Königlichen's°d«it7em>r.m°n Heinrich In Aul.-n, empfangen und svdunn,um


