nntheile der einzelnen Vereine. Während z. B. in dem einen Vereine das eigene Kapital im Verhaltniß zum fremden 5,67 u/0 beträgt, arbeitet ein anderer Verein nur mit eigenem Kapitale u. f. w- — Den größten Theil der Tagesordnung bildete die Besprechung über den Entwurf des neuen Genossenschaftsgesetzes, dessen zur Beratung stehende Paragraphen von den Vertretern der Verbands-Anwaltschaft, den Herren Ludolf Parffius und Fr. Thorwart sehr eingehend behandelt wurden, sodaß die von der Anwaltschaft vorgeschlagene Resolution Ü5er verschiedene Abänderungsvorschläge einstimmig nacheinander zur Annahme gelangten-
Diese Resolution lautete wie folgt: 1) das in § 8 Abs. 2 enthaltene Verbot der Ausdehnung des Geschäftsbetriebes auf Rtchtmitglieder für Vorschußvereine ist zu beseitigen. 2) Der Erwerb und Verlust der Mitgliedschaft sollen nicht von der Eintragung in das Genossenschaftsregister abhängig gemacht werden; die SS 15, 65, 66, 67 und 72 bedürfen einer entsprechenden Abänderung. 3) Die Anordnung der Offenlegung der Mitgliederliste durch den Vorstand (in S 29) des Entwurfs im Geschäftslocale oder an einer anderen bekannt zu machenden geeigneten Stelle ist entbehrlich und praktisch undurchführbar. 4) Das Verbot der Besoldung der Aufsichtsrathsmitglieder i in S 33 des Entwurfs ist ungerechtfertigt und daher zu beseitigen. 5) Es empfiehlt sich nicht, eine Bestimmung über die Eredttgewährung an Mitglieder des Vorstandes in das Genossenschaftsgesetz aufzunebmen; die Vorschrift in S 36, Abs. 2 des Entwurfs, daß jede Gewährung von Credit an ein Mitglied des Vorstandes der einstimmigen -Genehmigung des Aufsichtsraths bedarf, soweit nicht das Statut ein Anderes bestimmt, ist detzhalb zu streichen. 6) Die Vorschriften in S 16, 33, 73, 113, daß über gewisse Angelegenheiten nur mit größerer als der einfachen Majorität glltige Beschlüsse von der Generalversammlung sollen gefaßt werden dürfen, und in S 46, daß die Generalversammlung den Höchstbetrag der den Verein belastenden Anleihen und Spareinlagen und der Eredttgewährung bestimmen soll, sind nicht vereinbar mit der Selbstverwaltung und müssen daher beseitigt werden. 7) Einen schweren Eingriff in die Selbstverwaltung enthält der Abschnitt 4 über die Revision, dessen wettere Folge, wenn er Gesetz würde, ein Herabsinken der Revision zur Formvorschrift sein würde. Diese Bestimmungen sind daher entschieden abzulehnen. 8) Die Uebertragung der Entscheidung über die Auflösung der Genossenschaft an die Verwaltungsgerichte, bezw. Verwaltungsbehörden widerspricht dem Wesen der Genossenschaften als privatrechtliche Persönlichkeiten, es sollte daher diese Entscheidung der Competenz der Eioilgerichte nicht entzogen werden. 9) Eine Bestimmung im Gesetze darüber, daß bei Genossenschaften mit unbeschränkter Haftpflicht ein Genosse sich an nicht mehr als einem Geschäftsantheil solle betheiligen dürfen, ist unzweckmäßig und ist daher S 107 zu streichen. 10) Die Strafbestimmungen sind unbillig und sollten auf das bisherige Maß herabgesetzt werden.
Der Bericht der Revisoren über die Prüfung der Verdandsrechnung pro 1887 giebt zu Beanstandungen irgendwelcher Art kemerlei Veranlassung, sodaß dein Rechner Decharge ertbeilt werden konnte. Der Antrag auf Bewilligung eines Beitrags von 100 jHk zur Hilfskasse fand einstimmige Annahme. Den 4 Abgeordneten zu dem in Erfurt stattfindenden Allgemeinen Verbandstage wurden je 75 JL bewilligt und diese 4 Vertreter aus den Städten Cassel, Fulda und Gießen bestimmt. Die Wahl des Verbandsdirectors und dessen Stellvertreters fiel wieder auf die seitherigen Inhaber dieser Aemter, welche dieselben annahmen. Die Bestimmung des nächsten Verbandstages und des Ortes der Abhaltung desselben wird dem Verbandsdirector überlassen. Mit dem Wunfche besten Wiedersehens auf dem nächsten Verbandstage und dem Danke an die Anwesenden für die den heutigen Verhandlungen gezollte Aufmerksamkeit schließt der Vorsitzende die Verhandlungen um 3 Uhr, worauf die Theilnehmer sich zu einem gemeinsamen Mittagsmahl vereinigten.
Gießen, 13. Juni. Wie man uns mittheilt, soll das Corps „Starkenburgia" auf die Dauer von 4 Wochen suspendtrt worden sein.
Gießen, 13. Juni. Aus Amerika ist die Trauerkunde von dem am 9. d. M. zu Mllwauke erfolgten Ableben unseres hessischen Landsmannes, des Professors Wilhelm Mickler hierher gelangt. Der Verstorbene wirkte lange als Musiktehrer in Gießen und erfreute fich sowohl in dieser Eigenschaft wie auch als Compomst verdienten Ansehens. In weiteren Kreisen ist u. A. ein von ihm zum Andenken an die Großherzogin Mathilde componirtes Requiem bekannt geworden. In der letzten Zett war Herr Mickler als Professor am Conservatorium zu Milwauke lhätig.
Gießen, 13. Juni. Bei der Dienstags-Aufführung des Lutherfestspiels, die besonders von auswärts stark besucht war. konnten viele, weil die Kirche schon überfüllt war, keinen Zutritt mehr erhallen. Hoffentlich werden für die beiden letzten Aufführungen die Karten so frühzeitig gekauft, daß der starke Andrang an die Kasse, rote er gestern unmittelbar vor Beginn der Aufführung stattfand, wenigstens von Einheimischen vermieden wird. ____________________
Vermischtes.
A Mainz, 12. Juni. Die von dem kommenden Sonntag bis Mittwoch hier tagende 18. Generalversammlung des Verbandes deutscher Müller, zu welcher aus ganz Deutschland zahlreiche Anmeldungen erfolgt sind, verspricht ein außergewöhnliches Interesse zu bieten. Reben den bereits bekannten Berathungsgegenständen sind nämlich verschiedene Anträge eingelaufen, die sich mit Zollfragen befassen und steht darum zu erwarten daß in der Generalversammlung wie in den früheren Jahren die Gegensätze, ob Freihandel oder Schutzzoll, wieder lebhaft hervortreten werden. .
— Oberbürgermeister vr. Oechsner hat zur Erholung von der aus ihm ruhenden Arbeitslast einen längeren Urlaub angelreten, den er theils in der französischen Schweiz, lheils auf seinem Gute in Tauverbiscvofsheim verbringen wird.
— Sich mit dem Nachenfahren zu vergnügen, mußte gestern hier wieder ein junger Mann mit dem Leben büßen. Derselbe wollte von dem Nachen aus ein Bad nehmen sprang in das Wasser, blieb wahrscheinlich wo hängen und kam nicht mehr auf der Oberfläche des Wassers zum Vorschein. — Seit dem Sonntag stürzten sich zwei Frauen in selbstmörderischer Absicht in den Rhein. In beiden Fallen wurde Durch rasch herbeigeeilte Personen die Absicht vereitelt.
— Der als Verursacher des am 8. Juli v. I. auf dem Neckarbahnhof in Frankfurt voraekommenen Eisenbahnunfalls von der Strafkammer des Frankfurter Landgerichts zu 6 Monaten verurtheilte Ludwigsbahnzugführer Limburg von hier, hatte -gegen das Urtheil Revision eingelegt, worauf das Reichsgericht in seiner gestrtgen
Sitzung das Frankfurter Urtheil aufhob und die Sache zur nochmaligen Verhandlung vor die Strafkammer nach Wiesbaden verwies.
Offenbach, 11. Juni. Großes Aufsehen erregt hier die am Samstag erfolgte Verhaftung des Blechwaarenfabrikanten Bach, sowie eines Arbeiters der Oehler'schcn Anilinfarbenfabrik, Valerius, welche beschuldigt sind, zum Nachtheile der genannten Firma gemeinsam Betrügereien verübt zu haben. Beide wurden nach Darmstadt abgeführt.
— In Offenbach feuerte am Samstag ein Schlossergeselle^ auf einen Wächter des eben dort anwesenden Circus Hagenbeck, mit welchem er in Streit gerathen war, mehrere Schüsse ab und verwundete den Mann sehr schwer. Der Attentäter wurde in Haft genommen.
Worms, 8. Juni. Stevpenhühner wurden diese Woche auf der Monsheim- Pfeddersheimer Flur, sowie in der Herrnsheimcr Gemarkung beobachtet, nachdem vor einigen Wochen bereits auf der Offsteiner Flur ein solches, welches seines beschädigten Flügels halber nicht mehr fliegen konnte, gefangen worden war.
Marburg, 11. Juni. Dem Vernehmen nach fand gestern Abend in dem anderthalb Stunden von hier entfernten Dorfe Sarnau eine blutige Schlägerei statt, wobei einer der Betheiltgten durch Messerstiche derartig verletzt wurde', daß er heute Morgen in der hiesigen chirurgischen Klinik, wohin man ihn gebracht hatte, seinen Wunden erlag. „
— Frankfurt, 12. Juni. Für die am Freitag zur Eröffnung kommende Rosen-, Blumen- und Pflanz en-Ausstellung ist folgendes Festprogramm entworfen worden: Donnerstag den 14. Juni, Abends 8 Uhr: Begrüßung der eingetroffenen Gäste und Commers in der „Rosenau"; Freitag Vormittag 8 Uhr: Empfang der Herren Preisrichter im Ausstellungslocal (Landwirthschaftliche Halle); 9 Uhr: Feierliche Eröffnung der Ausstellung durch Herrn Oberbürgermeister Dr. Miquel; Abends 8 Uhr: Festbankett und Preisvertheilung im Zoologischen Garten, verbunden mit dem Stiftungsfest der Frankfurter Gartenbau Gesellschaft; Samstag Vormittag 8 Uhr: 4. Congreß des Verems deutscher Rosenfreunde im Hotel Diehl am Ostbahnhof; Mittags: Bcsichtigung der Stadt und der Ausstellung; Abends 8 Uhr: Concert in der Ausstellung; Sonntag Vormittag 8 Uhr: Besichtigung des Metzler'schen Gartens mit Rosarium und des Palmengartens; Mittags und Abends: Concert in der Ausstellung; Montag den 18. Juni: Excursion nach dem Rhein. Besuch von Monrcpos und des Pomologischcn Instituts in'Geisenheim, des Nationaldenkmals u. s. ro.
— Vor Kurzem ging eine Notiz der „Breslauer Ztg." in hiesige Blätter über, daß der „berühmte" Silberdieb und Ausbrecher Langner in der Nahe von Polk- witz in Schlesien gesehen worden fei. Diese Nachricht, welche hierorts gleich als zweifelhaft bezeichnet wurde, hat sich nrinmehr als falsch herausgestellt. Es hat sich infolge der von der hiesigen Polizei angestellten Recherchen ergeben, daß der angebliche Langner ein harmloser Uhrmacher aus Heidelberg war, der in Polkwitz Verwandte besuchte. — Langner wird sich bäten, so weit zu gehen. Der bleibt schön in unserer Nahe uno läßt sich Hunderte Meilen von hier suchen-
Ulfs 6 na ctrrtd) ten.
Bremen, 12. Juni. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Eider, Capt. H. Baur, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 2. Juni von Bremen und am 3. Juni von Sourhampton abgegangen war, ist gestern 5 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newnork angekommen.___________________
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Gießen, den 13. Juni 1888. Rübsamen.
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40/0 Preußische Consols 107.30
3V8% do. 103 20
4% Nassauer Obltg. 100.60
40/0 Bayerische Obltg. 166.90
40/0 Badische Obltg. 105.20
40/0 Hessische Obltg. 106.80
4% Franks. Hypothbk.-Pfandbr.
alte 000 00, neue 102 50
3Vr0/o do 00 00
4,/2o/o Franks. Landwsch. Creditbk.-
Oblig. 103.00
4% Hamb. Hypothbk.-Pfandbr. 102.50
31/2°/o do. 97.50
50/0 Buderus Obltg. 103.80
Telegraphischer Eoursberichi der Bi
Oesterr. Creditactten 142.40
Oesterr. Staatsbabn-Actien 90.75
1880 40/0 Russen Obltg. 79 50
4°/0 unif. Egypter Oblig. 8-9-60
Tender
3'/,o/g Solms-Brauns. Oblig. 95.50
40/0 Gießener Oblig. 10400
4% Oesterr. Goldrente 88 70
41/5°/o Oesterr. Silberrente 65.20
5% Portugiesen Oblig 98 50
Darmft. Bank-Actien 14490
Geldforte«.
20 Francs-Stücke 16.11-16.15
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»rliner Börse vom 13. Juni 1888.
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